Es ist ein Phänomen, dass man häufiger beobachten kann: Aus irgendwelchen Gründen ist für Linke oder gar Linksradikale ratz fatz ein “Nazi”, wer nicht mit ihren seltsamen Positionen völlig konform geht.
Ein aktuelles Beispiel dafür liefert ausgerechnet die stellvertretende Landesvorsitzende der Jungsozialisten Niedersachsens, Regina Karsch. Sie hat der FDP unterstellt, sich mit der NPD “einig” zu sein und angesichts der Krise Griechenlands ausländerfeindlich zu werden.
Was bewegt jemanden, der mutmaßlich ein bisschen Ahnung von Politik hat und um die Absurdität eines solchen Vergleiches und dessen Wirkung wissen muss, zu solchen Äußerungen?
Regina Karsch findet es falsch, dass die FDP sich gegen finanzielle Hilfen für Griechenland ausspricht. An der Lage Griechenlands sind für sie vor allem Andere Schuld. Die EU zum Beispiel, weil es ihr nicht merkwürdig vorgekommen war, dass Griechenland Milliarden für Olympia ausgeben konnte. Und natürlich Deutschland, genauer gesagt Bayern – weil es dei Frechheit besitzt, den Griechen Eurofighter zu bauen und zu verkaufen.
So sieht sie eben aus, die sozialistische Denke. Das sich Griechenland aktiv um die Olympischen Spiele beworben und eine Anzahl Eurofighter mutwillig bestellt hat, wird da mal eben ausgeblendet. Eine Regierung, die doch immer nur das getan hat, was das Volk wollte, beziehungsweise was die Regierung dachte was das Volk will und braucht, kann ja schließlich gar nicht falsch gehandelt haben und dass das in die Staatspleite führt, daran kann weder die Griechische Regierung, noch das Volk, dass jetzt gegen die verzweifelten Rettungsversuche der neuen Regierung auf die Straße geht und das Land lahm legt und die Lage noch weiter verschärft, schuld sein.
Auch das ist ein Phänomen, dass man unter Linken immer wieder beobachten kann: Wann immer der Sozialismus – und sei es in einer solchen milden Form wie er in Griechenland herrscht – irgendwo scheitert, werden schnell alle möglichen Gründe erfunden, an denen das gelegen haben könnte – dass es an den Mängeln der Staatswirtschaft selbst liegen könnte, die wieder einmal zu Misswirtschaft, Pleite und Armut geführt hat, wird dabei scheinbar noch nicht einmal in Erwägung gezogen.
Das Zitat des FDP-Europaabgeordneten Jorgo Chatzimarkakis, dass die Nachwuchssozialistin offenbar so in Rage gebracht hatte, lautete
“Wenn Griechenland sich in die Hängematte legt und Deutschland und Frankreich zahlen, dann werden sich die Portugiesen und alle anderen da auch reinlegen.”
Regina Karsch hat sich mit dem Argument, das in diesen Worten steckt allerdings in ihrem Artikel überhaupt nicht beschäftigt. Was ist denn, wenn eine kräftige Finanzspritze für Griechenland kommt? Mit welchen Argumenten würde man die anderen notleidenden Ländern, an denen es gegenwärtig wahrlich nicht mangelt in der Euro-Zone, dieselbe Hilfe dann verweigern? Wieviele Staats-Bailouts wird sich Deutschland leisten können, bis es selbst einen Bailout nötig haben wird?
Der Vorwurf, die FDP würde sich selbst mit den Worten Chatzimarkakis in die Nähe der NPD rücken ist nicht nur absurd, weil an ihnen viel Wahres dran ist und sie aus begründeter Sorge um die Zukunft Deutschlands, Europas und nicht zuletzt der gemeinsamen Währung geäußert worden sind. Sondern auch, weil der Mann eine doppelte Staatsangehörigkeit besitzt – er ist nicht nur Deutscher, er ist gleichzeitig auch – wer hätte das gedacht – Grieche.
Das einzig Positive an der ganzen Geschichte bleibt, dass dermaßen polarisierende Äußerungen dazu führen, dass sich mancher Juso-Kreisvorsitzende nun dazu genötigt fühlt, sich öffentlich von seiner stellvertretenden Vorsitzenden zu distanzieren und so dem normalen Teil der Bevölkerung zu zeigen, dass glücklicherweise nicht alle Jusos völlig durchgeknallt sind.
Zum Thema gibt es übrigens auch vernünftige Stimmen aus Griechenland, wo man die Reaktionen griechische Politiker und Medien auf den jüngsten Focus-Titel scharf verurteilt und eine Reform des Landes für nötig hält.
Bleibt noch anzumerken, dass man extremistisches Gedankengut sicher nicht bekämpft, indem man jedem Andersdenkenden bei jeder Gelegenheit unterstellt, er sei ein Menschenhasser. Wer selbst Liberale zu Nazis erklärt, bloß weil sie der Meinung sind, jeder sei letztlich selbst für sein Handeln verantwortlich, wird in seinem Kampf gegen den Nationalsozialismus sehr schnell den Überblick verlieren.