Monatsarchiv für September 2006

Sep 26 2006

Ist Rauchen liberal?

Autor: Jan. Abgelegt unter Allgemein

Eine Frage die mich schon länger beschäftigt und zu der ich gerade folgenden streitbaren Beitrag entdeckt habe: B.L.O.G. – Bissige Liberale ohne Gnade » Rauchzeichen vom Obrigkeitsstaat.

Das Argument “Es gibt ja keinen Zwang irgendwo hin zu gehen, wo geraucht wird” ist vermutlich das beliebteste Argument gegen Rauchverbote überhaupt, zumindest höre ich es immer wieder. Klar: Mich zwingt niemand am Wochenende das Haus zu verlassen und erst recht nicht dann Kneipen oder Diskotheken zu besuchen. Aber dann hörts auch schon auf mit der Wahlfreiheit, mir ist weder eine Nichtraucherkneipe noch eine Nichtraucherdiskothek bekannt, wobei ich davon ausgehe so ziemlich alle derartigen Lokale im Umkreis von etwa 20km zumindest vom Hörensagen zu kennen.
Ist aus Gastwirtssicht auch verständlich: Wenn ich als Wirt die Wahl habe, ob ich 3/4 Nichtraucher + 1/4 Raucher als Gäste akzeptieren möchte oder halt “nur” 3/4 Nichtraucher, dann nehme ich doch eher erstere Variante. Die Zielgruppe ist einfach größer und da Rauchen in Deutschland weitgehend akzeptiert wird, besuchen eben auch viele Nichtraucher Raucherkneipen. Vermutlich würden auch die wenigsten Raucher ihre Nicht-Rauchenden Freunde so wirklich bereitwillig in Lokale mit striktem Rauchverbot begleiten wollen.

Ich halte mich für liberal und bin daher tendenziell eher gegen Gesetze und erst recht Verbote, würde in diesem Punkt aber gewisse staatliche Eingriffe in Form von Verboten begrüßen, unter anderem weil

  • verqualmte Kneipen zu mehr Rauchern führen, was unnötig Kosten für die (zwangsläufig dafür zahlende) Allgemeinheit verursacht
  • Nichtraucher zum – nachweislich gefährlichen, auf jeden Fall extrem unangenehmen – Passivrauchen gezwungen werden, nur weil sie abends losgehen wollen
  • es nicht meinen liberalen Grundsätzen entspricht, dass ich Anderen durch Ausnutzung meiner eigenen Freiheit gesundheitliche Schäden zufügen darf – und
  • Freiheit nicht nur heißt, dass Nichtraucher den (verqualmten) Raum verlassen können sondern auch Raucher zum Rauchen vor die Tür treten könnten.

Es wäre meine Wunschlösung, wenn sich auch ohne ein Verbot die Auffassung unter Rauchern verbreiten würde, dass man auch vor der Tür rauchen könnte, statt IN einer Kneipe/Bar/Disko (im Restaurant sollte es eigentlich sowieso selbstverständlich sein). Soviel Rücksichtnahme ist aber offensichtlich zuviel verlangt, wir kommen daher aus meiner Sicht um ein Verbot leider nicht drumherum.

Das als unverhältnismäßigen Eingriff in die persönliche Freiheit zu brandmarken ist in meinen Augen populistisch und egoistisch. Wer das anders sieht, den nehme ich gerne mal mit in eine Kneipe seiner Wahl, wo er Rauchen kann soviel er will – wenn er für jedes Bier das ich trinke ein halbes Glas mittrinken muss. Wer mich kennt weiß, dass das anstrengend werden kann…

Keine Kommentare

Sep 18 2006

“1984 lässt grüßen!”…

Autor: Jan. Abgelegt unter Allgemein, Politik

… hört man ja ziemlich häufig im Zusammenhang mit Verletzungen der Privatsphäre durch den Staat oder große Firmen. Was allerdings bei unseren Freundin auf den britischen Inseln neuerdings so gemacht wird, dass dürfte jeden, der 1984 als Buch gelesen oder als Film gesehen hat auf alarmierende Art an die Szene erinnern, in der der Protagonist der Story von seinem Heim-”Televisor” zurecht gewiesen wird, weil er seine Frühsport-Aufgaben nicht ordentlich genug ausführt.

Der Orwellsche Televisor ist so eine Art Fernseher mit Rückkanal. Er dient meistens dem verbreiten von Nachrichten (korrekter ausgedrückt handelt es sich natürlich in erster Linie um Propaganda), er kann aber auch Ton und Bild von allem übertragen, was sich im “Blick” des Gerätes befindet.

In Großbritannien jedenfalls, dem heimlichen Mutterland der Flächendeckenden Videoüberwachung, werden inzwischen Kameras quasi zu Orwellschen Televisoren “aufgemotzt”, indem man sie zusätzlich mit Lautsprechern ausgerüstet hat. In den damit überwachten Zonen können die überwachenden Sicherheitsleute die Übeltäter (was immer sie auch getan haben mögen – Kaugummi achtlos weggeworfen oder Zigarettenstummel..) direkt angesprochen und ausgeschimpft werden. Na endlich.

Wenn man diese Technologie nun noch mit einer netten Datei (Stichwort “Terrordatei”, wo man halt reinkommt wenn man gleichzeitig der falschen Religion angehört und eventuell an falschen Orten in den Urlaub fährt…) koppelt, dann ergeben sich fantastische Möglichkeiten.

“Mr. Smith, Sie wurden gerade erwischt wie sie bei rot über eine Ampel gelaufen sind. Das Bußgeld wurde automatisch von ihrem Konto abgebucht.”

Ich wette unser allseits beliebter Otto “Katalog” Schily ärgert sich die Krätze, das er auf sowas nicht von selbst gekommen ist, solange er noch die Chance hatte sowas auch bei uns einzuführen.

Mehr dazu bei Telepolis: TP: Überwachen und Befehlen

Keine Kommentare

Sep 18 2006

Kostet nur 2-3 Milliönchen Euro im Jahr: Das deutsche Internet wird jetzt archiviert!

Autor: Jan. Abgelegt unter Allgemein, Politik

Äußerst interessant: Während Programme z.B. für den Kampf gegen Rechtsradikalismus eingespart werden müssen, werden die wirklich wichtigen staatlichen Vorhaben auch weiterhin problemlos finanziert.

So wird seit diesem Jahr jede Website, die auf .de endet oder sonstwie darauf hinweist, das es sich hier wohl um eine deutsche Seite handelt, in der deutschen Nationalbibliothek archiviert.

Laut Süddeutsche gibt es allein an .de-Websites mittlerweile 10 Millionen. Und weil sich Seiten theoretisch von einer Sekunde auf die andere verändern können muss unsere Nationalbibliothek eigentlich jede Sekunde ein neues “Backup” machen. Ich bin mir nicht sicher, ob das allein technisch möglich ist aber ob dafür 2-3 Millionen Euro, die das angeblich “nur” kosten soll ausreichend sind, dass würde mich dann doch positiv überraschen.

Vielleicht wird aber auch ein Teil dieses “Services” durch Bußgelder “säumiger” Webmaster getragen? Immerhin drohen wohl bis zu 10000 (!) Euro Strafe, falls Autoren und Betreiber deutschsprachiger Internetseiten die “Pflicht, ihre Werke „in einfacher Ausfertigung abzuliefern“ nicht nachkommen oder auch nur versäumen dies „vollständig, in einwandfreiem, nicht befristet benutzbaren Zustand“ zu erledigen..

Wer mehr über den neuesten Streich der Schildbürger wissen will, dem sei der folgende Artikel von Süddeutsche-Online ans Herz gelegt. Wieder einmal ein Grund mehr auf Deutschland stolz zu sein:

Internet Jäger des virtuellen Schatzes – Panorama – sueddeutsche.de

Keine Kommentare

Sep 13 2006

PDF-Reader: Vergesst Adobe – Foxit Reader 2.0 ist da

Autor: Jan. Abgelegt unter Allgemein, Software

Das PDF-Format erfreut sich großer Beliebtheit, viele Websites bieten PDF-Dokumente zum Download an. Doch um die dann lesen zu können wird nach wie vor stets eine Zusatz-Software benötigt. Marktführer ist hier seit Jahren der Adobe-Reader (früher Acrobat-Reader). Der ist aber inzwischen zu einem unverhältnismäßig großen Programm geworden, das man sich in ewig-langer Zeit runterladen muss (zumindest wenn man zum Telekom-diskriminierten Teil Deutschlands ohne DSL gehört) und das dann unnötig viel Speicherplatz (20MB) frisst, außerdem noch zum Teil ewig lang läd.

Kurz gesagt: Der Marktführer hat seine Nachteile. Aber es gibt Alternativen. Eine vernünftige OpenSource-Lösung ist mir zwar noch nicht untergekommen, aber die kleine Firma “Foxit Software” bietet seit einigen Jahren einen kleinen, schnellen Reader an, der seinen Zweck genauso gut erfüllt wie Adobes Monsterprogramm. Die Installationsdatei ist aber nur 1,5MB groß, nach der Installation belegt das Programm mal grade 2,5MB. Es läd rasend schnell und bietet dabei im Grunde die selben Funktionen wie der Marktführer. Ich benutze das Programm seit über einem Jahr und bin sehr zufrieden damit.

Nun gibt es seit kurzem die neue Version. Da das Programm nach meiner Einschätzung immer noch sowas wie ein “Geheimtipp” ist, führe ich die wichtigsten Punkte hier mal auf, egal ob sie nun schon im Vorgänger enthalten waren oder neu sind.

Der Foxit-Reader 2.0

  • ermöglicht das Schreiben kurzer Kommentare oder das Zeichnen von verschiedenen Formen oder das hervorheben von Texten innerhalb des PDF (die allerdings in der kostenlosen Version nicht gespeichert werden können)
  • Kann PDF-Dateien als gewöhnliche reine Textdateien abspeichern
  • hilft neuerdings beim Ausfüllen von Formularen
  • lässt sich durch Add-Ons mit weiteren Funktionen aufrüsten, wenn mans denn braucht (im Gegensatz zum Adobe-Produkt fragt Foxit-Reader aber vorher nach..)

Ich denke, das Programm ist auf jeden Fall einen Test Wert – dürfte bei dem kleinen Download eine einfache Sache sein. Ich persönlich habe inzwischen den Adobe-Reader ganz außer Betrieb gesetzt und gelöscht.

Zur Website von Foxit-Software

2 Kommentare

Sep 13 2006

Die “grundsätzlichen Wertvorstellungen” meiner Stadt…

Autor: Jan. Abgelegt unter Allgemein, Regionales

 

Nur einen Tag nachdem die Ergebnisse der Kommunalwahlen im “Winsener Anzeiger”, unserer Lokalzeitung, veröffentlicht worden sind, wird uns auf Seite 3 des gleichen Blattes mitgeteilt, dass sich der Verwaltungsausschuss des Stadtrates gegen “Paintball” in Winsen ausgesprochen hat. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt – da hatte doch nicht etwa jemand Angst vor einer eventuell stimmen-kostenden Entscheidung?

Paintball (für die denen das nichts sagt) ist im Grunde genommen eine Art Weiterentwicklung von dem, was viele von uns früher als kleine “Dreibierkistenhochs” mit hochgezüchteten Wasserpistolen (“Supersoakern) gepielt haben: Wir liefen durch die Gegend, suchten Deckung und “erschossen” möglichst jeden aus dem gegnerischen Team mit einer möglichst großen Ladung kaltem Wasser. Sowas hat man zu Zeiten, in denen noch nicht in jedem Kinderzimmer eine Spielkonsole stand, gerne gespielt.

Paintball ist dagegen eher etwas für Erwachsene, schon weil die nötigen Geräte extrem teuer sind. Aber vom Spiel her ist es das Gleiche geblieben. Statt Wasser wird mit Farbkugeln aufeinander geschossen, wer getroffen ist wird auf diese Weise eindeutig markiert und scheidet aus der Spielrunde aus. Schnelles Ausscheiden ist also dringend zu vermeiden. Das geht am Besten durch gute Absprachen und Taktiken mit dem eigenen Team, draufgängerische Einzelaktionen (“Amoklaufen”) helfen dagegen meist wenig.

Laut angesprochenem Zeitungsbericht wird der so geforderte Teamgeist z.B. von Polizei, Feuerwehr und Firmen geschätzt und auch in Winsen bereits nachgefragt und die passende Anlage dazu steht im Shape-Club fix und fertig zur Benutzung bereit.

Nun hat aber eben besagter Ausschuss beschlossen, dass Winsens Wertvorstellungen mit einer solchen Anlage nicht übereinstimmen. Schließlich zielt man dabei ja auf Menschen und tötet sie. Oder tut so.

Wenn der Winsener Schützenverein seine Scheibenübungen durchführt, dann wird das Töten gewissermaßen lediglich geübt, nicht simuliert. Das scheint der kleine, aber entscheidende Unterschied zu sein. Denn Schützenvereine sprechen in keiner Weise gegen unsere – von oben verordneten – “Wertvorstellungen”. Im Gegenteil: Jeder Politiker lässt sich gern auf Schützenfesten sehen und hält noch lieber eine Rede. Oder schießt gar selber mit. Auf jeden Fall würde einer dieser selbsternannten “Wertebewahrer” vermutlich nie auf die Idee kommen, seinen Bürgern die Freude am Schießen und an den Schützenfesten zu nehmen.

Mein Vorschlag an den Shape-Sport-Club: hängen Sie ein paar Zielscheiben in ihre Anlage (ob die Nutzer die dann benutzen statt sich gegenseitig abzuschießen muss ja keiner mitkriegen).

Und mein Vorschlag an alle Werte-Heinis: Wasser-, Erbsen- und Platzpatronen-Pistolen sollten ebenfalls dringend verboten werden. Eine sofortige Schließung von Famila, Neukauf, Kloppenburg und anderen Unterstützern des Werteverfalls ist notwendig.

Wir Bürger werden es Ihnen danken.

 

Ein Kommentar

Sep 11 2006

Kommunalwahlen 2006

Autor: Jan. Abgelegt unter Allgemein, Regionales

Donnerwetter – das haben wir trotz allen Optimismus nicht erwartet – gute 30% der Hoopter Stimmen bei der Stadtratswahl für die FDP (quasi auf Augenhöhe mit der CDU), bei der Wahl zum Kreistag sogar sagenhafte 36,6% – 4,6% mehr als die CDU. Ein Erfolg, auf den Nino Ruschmeyer als unser Hoopter Kandidat und Vertreter meiner Generation stolz sein kann (und es auch voller Dankbarkeit gegenüber den Wählern ist, wie ich weiß).

Auch wenns für einen Sitz im Kreistag diesmal für ihn nicht ganz gereicht hat – im Stadtrat wird er künftig mit der Gewissheit auftreten können, eine fantastische Wahl von Winsener Bürgern zu vertreten. Und wie ich Nino kenne wird er nicht nur uns Jüngere und nicht nur uns Hooptern sondern auch seine Wähler aus ganz Winsen fair, ehrlich und mit Vernunft vertreten.

Ich wünsche Nino auf jeden Fall von Herzen Erfolg und habe absolut keinen Zweifel, dass er diese neue Aufgabe wie gewohnt hervorragend meistern wird.

Was die generelle Tendenz angeht: Die Wahlbeteiligung ist beängstigend niedrig gewesen, ich schließe mich der Meinung des FDP-Landesvorsitzenden Rösler an, dass das zu einem großen Teil an der sogenannten “Arbeit” der sogenannten “großen” Koalition in Berlin liegt. Sowas schlägt immer bei Wahlen durch, das gefällt mir zwar nicht aber so ist es nunmal. In diesem Fall hat uns das sicherlich ein wenig geholfen, auch wenn Ninos grandioser Erfolg bei einer höheren Wahlbeteiligung nicht minder grandios gewesen wäre.

Hier nochmal zwei Screenshots, mehr Infos zur Kreistagswahl gibts hier: http://landkreis-harburg.de/wahlen/kw2006/

Hoopte steht hinter Nino.

Kreistagswahl 2006 - FDP in Hoopte

(Für die Stadtratswahl gibts bisher leider keine entsprechenden Grafiken)

Ein Kommentar

Sep 09 2006

Mp3flat.com – Kostenlos Musik aufzeichnen & als Mp3 downloaden

Autor: Jan. Abgelegt unter Allgemein, Links

Vor langer langer Zeit gab es einmal eine Idee namens “Napster”. Die Idee war, dass man seine MP3-Musikdateien Millionen anderen Usern zum Download zur Verfügung stellt und im Austausch eben die Dateien anderer herunterladen konnte. Filesharing hieß das damals und die Idee wurde sehr schnell so beliebt, dass die Musikindustrie harte Schritte gegen Napster, seine User und all seine Nachfolge-Dienste wie Morpheus oder Kazaa einleitete. Auch heute noch gibt es solche Tauschbörsen, nur legal sind sie nach wie vor nicht.

Einen völlig anderen, nach Auffassung der Betreiber völlig legalen Weg mit ähnlichem Nutzen für den User geht nun “MP3flat.com”: Der Service zeichnet automatisch die Musik von vielen verschiedenen Radiosendern auf und schneidet die Titel als einzelne Dateien zurecht. So entsteht für jeden angemeldeten User eine stetig wachsende Datenbank von MP3-Dateien, die so legal sind als würde man mühsam von Hand Titel aus dem Radio aufnehmen.

Vermutlich wird sich die Musikindustrie bei wachsender Beliebtheit dieses Service irendwann auch darauf stürzen, bis dahin gilt aber: Fröhliches & legales Saugen;)

http://www.mp3flat.com

3 Kommentare

Sep 08 2006

Wolfgang Gründingers – “Die Energiefalle – Rückblick auf das Erdölzeitalter”

Autor: Jan. Abgelegt unter Allgemein

Gestoßen bin ich auf das Buch durch einen Tipp auf NDR-Info und da ich mich mit dem Thema Energie generell meiner Meinung nach bisher viel zu wenig beschäftigt hatte, dachte ich das dieses Buch genau das richtige sein könnte. Ich habe mich nicht getäuscht, das Buch hat tatsächlich ein bisschen was von einem Nachschlagewerk und gibt einen guten Überblick über die Situation heute und die nächste Zukunft.

Anders als der Titel zunächst suggeriert geht es dabei nicht nur um Erdöl. Vielmehr geht es dem Autor, der trotz seiner Jugend (22 Jahre ist der Mann jung) in der Fachwelt bereits als eine Art “Anwalt der jüngeren Generation” gilt, darum, viele Argumente für eine umfassende Wende zu “solaren Energien” zu liefern. Darunter fallen z.B. auch Windenergie und andere erneuerbare Energien – eben alles, was nicht auf fossile Brennstoffe, Atomkraft oder örtliche Gegebenheiten angewiesen ist.

Nun war ich persönlich immer ein wenig skeptisch gegenüber Windenergie und ähnlichen vermeintlichen Zukunftstechniken (bin ich im Grunde immer noch), aber das ein Wechsel in der Energiepolitik dringend kommen muss, dass ist mir nach der Lektüre klarer denn je.

Der Autor ist SPD-Mitglied und darüber hinaus auch in vielen Umweltpolitischen Gruppen aktiv. Trotzdem liest sich sein Buch nicht wie eine streng ideologische Ansammlung von altbekannten totschlagsargumenten (in diesem Fall hätte ich es vermutlich nichtmal halb gelesen). Gründinger zitiert alle Möglichen Quellen, zum Teil sogar Äußerungen aus der Erdöl- und Atomindustrie, die mit dem nötigen Hintergrundwissen das er dazu liefert schon für sich genommen aufrütteln müssen. Gerade solche Passagen sind es, die mich nachhaltig beeindruckt haben.

Gründinger behandelt unter anderem folgende Themen:

  • Gründe für eine “Solare Revolution” und warum diese seiner Meinung nach unausweichlich kommen muss
  • Die Endlichkeit fossiler und atomarer Brennstoffe (die zum Teil erschreckend schnell kommen könnte)
  • Der Klassiker “Klimawandel” als Folge einer Luftverschmutzenden Energiepolitik
  • Die Atomenergie, Sicherheit, wahre Kosten, Fusionsenergie
  • Subventionen im fossilen wie atomaren Bereich
  • Die amerikanische Regierung und wie sie mit der Ölindustrie verzahnt ist
  • Kriege, Bürgerkriege und Diktaturen, die maßgeblich mit fossilen Brennstoffen zu tun haben
  • Wie sich der Westen und andere Industrieländer um die immer knapper werdenden Ressourcen streiten
  • Was die Ölindustrie in der Welt angerichtet hat und weiter anrichtet

Vieles war mir vorher schon so in etwa klar, nur in so geballter Form, so deutlich und fundiert habe ich noch nirgends erfahren müssen wie es um die Welt steht (auch wenn ich stets entsprechende Befürchtungen hatte).

Gründinger zitiert hunderte veschiedener Quellen, quer durch Parteien, Verbände, Lobbys – das macht ihn glaubwürdig und sein Werk so beängstigend wie alarmierend. Ich kann dieses Buch daher jedem empfehlen, der an der Zukunft der Welt (sowohl politisch als auch ökologisch und ökonomisch) interessiert ist und sich nach etwas mehr Klarheit sehnt. Trotz all der vielen Fakten wird das Buch nicht langweilig. Es liest sich stellenweise wie ein Thriller – nur das der Inhalt leider die Realität beschreibt.

Ich habe mich vor der Lektüre nicht gerade schlecht informiert (immerhin habe ich seit vielen Jahren den Spiegel abonniert..) gefühlt, trotzdem sehe ich Energiepolitik und die großen politischen Krisen, Kriege und den Terrorismus in einem – nicht anderem – aber viel deutlicherem Licht.

2 Kommentare