Sep 13 2006
Die “grundsätzlichen Wertvorstellungen” meiner Stadt…
Nur einen Tag nachdem die Ergebnisse der Kommunalwahlen im “Winsener Anzeiger”, unserer Lokalzeitung, veröffentlicht worden sind, wird uns auf Seite 3 des gleichen Blattes mitgeteilt, dass sich der Verwaltungsausschuss des Stadtrates gegen “Paintball” in Winsen ausgesprochen hat. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt – da hatte doch nicht etwa jemand Angst vor einer eventuell stimmen-kostenden Entscheidung?
Paintball (für die denen das nichts sagt) ist im Grunde genommen eine Art Weiterentwicklung von dem, was viele von uns früher als kleine “Dreibierkistenhochs” mit hochgezüchteten Wasserpistolen (“Supersoakern) gepielt haben: Wir liefen durch die Gegend, suchten Deckung und “erschossen” möglichst jeden aus dem gegnerischen Team mit einer möglichst großen Ladung kaltem Wasser. Sowas hat man zu Zeiten, in denen noch nicht in jedem Kinderzimmer eine Spielkonsole stand, gerne gespielt.
Paintball ist dagegen eher etwas für Erwachsene, schon weil die nötigen Geräte extrem teuer sind. Aber vom Spiel her ist es das Gleiche geblieben. Statt Wasser wird mit Farbkugeln aufeinander geschossen, wer getroffen ist wird auf diese Weise eindeutig markiert und scheidet aus der Spielrunde aus. Schnelles Ausscheiden ist also dringend zu vermeiden. Das geht am Besten durch gute Absprachen und Taktiken mit dem eigenen Team, draufgängerische Einzelaktionen (“Amoklaufen”) helfen dagegen meist wenig.
Laut angesprochenem Zeitungsbericht wird der so geforderte Teamgeist z.B. von Polizei, Feuerwehr und Firmen geschätzt und auch in Winsen bereits nachgefragt und die passende Anlage dazu steht im Shape-Club fix und fertig zur Benutzung bereit.
Nun hat aber eben besagter Ausschuss beschlossen, dass Winsens Wertvorstellungen mit einer solchen Anlage nicht übereinstimmen. Schließlich zielt man dabei ja auf Menschen und tötet sie. Oder tut so.
Wenn der Winsener Schützenverein seine Scheibenübungen durchführt, dann wird das Töten gewissermaßen lediglich geübt, nicht simuliert. Das scheint der kleine, aber entscheidende Unterschied zu sein. Denn Schützenvereine sprechen in keiner Weise gegen unsere – von oben verordneten – “Wertvorstellungen”. Im Gegenteil: Jeder Politiker lässt sich gern auf Schützenfesten sehen und hält noch lieber eine Rede. Oder schießt gar selber mit. Auf jeden Fall würde einer dieser selbsternannten “Wertebewahrer” vermutlich nie auf die Idee kommen, seinen Bürgern die Freude am Schießen und an den Schützenfesten zu nehmen.
Mein Vorschlag an den Shape-Sport-Club: hängen Sie ein paar Zielscheiben in ihre Anlage (ob die Nutzer die dann benutzen statt sich gegenseitig abzuschießen muss ja keiner mitkriegen).
Und mein Vorschlag an alle Werte-Heinis: Wasser-, Erbsen- und Platzpatronen-Pistolen sollten ebenfalls dringend verboten werden. Eine sofortige Schließung von Famila, Neukauf, Kloppenburg und anderen Unterstützern des Werteverfalls ist notwendig.
Wir Bürger werden es Ihnen danken.
Ein Kommentar



[...] überhaupt nicht vor hatte oder habe, das jetzt unbedingt mal spielen zu müssen, habe ich mich in einem meiner ersten Artikel schonmal kräftig über diese moralapostolische SchlechterBesserwisserei [...]