Dez 11 2006

Profilbild von Jan
Jan

Toleranz gegenüber Nichtrauchern

Abgelegt unter Allgemein

So nenne ich dass, was Zeitungen und auch ich selbst bisweilen kurz “Nichtraucherschutz” genannt haben. Denn eigentlich ist es weniger wichtig, dass Nichtraucher geschützt werden – es wäre wesentlich einfacher, wenn sich in Raucherkreisen einfach wieder etwas mehr Toleranz gegenüber Menschen, die nunmal nicht rauchen wollen oder können entwickeln würde.

Ob das aber wirklich zufriedenstellend durch eine Lösung funktioniert, auf die sich unsere niedersächsische Regierung nun einzuschießen scheint, darf bezweifelt werden. Denn offenbar ist Hannover der Meinung, dass es genügt allein der Nachfrage nach rauchfreien Lokalen zu überlassen, ob es diese überhaupt gibt.

Ich bin zwar kein Jurist, habe aber an anderer Stelle schon Aussagen gelesen, dass auf freiwilliger Basis schon jetzt Kneipen oder Restaurants ein Rauchverbot für ihre Räumlichkeiten verhängen können.

Mir ist trotzdem kein einziges Lokal mit Rauchverbot bekannt (auch wenn es sie – irgendwo – geben dürfte). Die Nachfrage danach dürfte dennoch vorhanden sein (Umfragen zufolge sind immerhin drei Viertel der Deutschen Nichtraucher) – aber offenbar genügt das allein eben doch nicht, um eine nennenswerte Zahl von Wirten dazu zu bringen, ihre Lokale rauchfrei zu machen.

Warum ist das wohl so? Ich habe keine Ahnung – aber eine Vermutung. Rauchen scheint in Deutschland gesellschaftlich trotz gegenteiligen Entwicklungen in Europa und anderen Teilen der Welt auch ungeachtet der derzeitigen Diskussionen gesellschaftlich widerspruchslos toleriert zu werden.

Es wird bei uns sogar schnell als übermäßiger und nicht zu rechtfertigender Eingriff in die persönliche Freiheit angesehen, wenn der Gesetzgeber an dieser ungesunden, unangenehmen und (durch ein mehr oder weniger monopolistisches Gesundheitssystem) Sozialausgaben-erhöhenden Toleranz etwas ändern will.

Dabei handelt es sich aus meiner Sicht um eine Toleranz in die eindeutig falsche Richtung: Wieso muss man sich als Nichtraucher rechtfertigen, dass man sein Essen nur ungern in einer verqualmten Bude genießen möchte, was das angeht aber fast immer in den sauren Apfel eines Raucherlokals beißen muss? Wieso kommen Raucher nicht von alleine auf die Idee, dass man ein Restaurant oder eine Kneipe zum Rauchen auch mal kurz verlassen könnte, um die Luft dort drinnen nicht unnötig mit (dem offenbar nur in Innenstädten als gefährlich eingestuften) Feinstaub und diversen anderen hochgiftigen Abgasen zu verpesten?

Statt Toleranz gegenüber Nichtrauchern wird bei uns im Lande voraussichtlich lieber Wert auf Toleranz gegenüber Rauchern gelegt. Eine solche Regelung auf freiwilliger Basis dürfte wohl nur Rauchern selbst (und natürlich der Tabakindustrie, der logischerweise daran gelegen sein muss, da sie jedes Jahr bis zu 140.000 wegsterbende Raucher durch “Nachwuchs” neu rekrutieren muss) besser gefallen, als wenn man das Zuqualmen anderer Menschen (die zudem noch Kinder sein können) gesetzlich sanktioniert?

Mir drängt sich der Verdacht auf, dass ein derart falsch verstandener Freiheits- bzw. Toleranzbegriff sich bei uns nur deshalb so hartnäckig halten kann, weil in Regierungs- und Politikerkreisen generell überdurchschnittlich viel geraucht wird. Das ist eine These, die ich nicht beweisen kann – aber aufgrund eigener Erfahrungen und Eindrücke trotzdem als plausibel betrachte.

4 Kommentare

4 Kommentare zu “Toleranz gegenüber Nichtrauchern”

  1. Ninoam 11. Dezember 2006 um 19:21 1

    “Wenn ich jetzt böse wäre würde ich Sie jetzt fragen, ob die CDU das Rauchverbot auch auf die Justizvollzugsanstalten ausdehnen will” – hab ich unserer lieben Justizministerin am Samstag an den Kopf geworfen….

    “Rauchverbot nur, wo sich der Bürger aufhalten muss” – spulte Sie ab – und ich warf die Frage in den Raum, ob der Knast nun “öffentlicher Raum” sei…

    Danach habe ich dann meine ganz persönliche These übers “Kiffen für Knackis” aufgestellt und stieß da irgendwie auch auf Unverständnis…

    Mein lieber Sitznachbar, immerhin ein Universitätsprofessor, meinte ich sollte mit Frau Minister mal einen Joint rauchen.. Wollte die aber genausowenig wie ich…

    Der liebe Autor dieser Seite weiß, warum ich Sa n bisschen daneben war – aber kommen wir zum eigentlichen Thema.

    Also dass in Politiker und Regierungskreisen überdurchschnittlich viel geraucht wird entspricht jedenfalls nicht meiner Beobachtung und ich möchte das bestreiten.

    Es liegt vielleicht noch ein Duft von Schmidt in der Luft… aber danach ging es eigentlich.. der Schröder war ja kein “Raucher” sondern nur Schausteller teuren Tabaks…. Was natürlich die Frage aufwirft, ob man Kohl in der Pfeife rauchen kann oder ob das zu Übelkeit führt? Und Grünkohl? Also Fischer?

    Naja… Jedenfalls ist Jan ein SEHR Toleranter Nichtraucher… Nicht der Typ Mensch, der einen fragt: “Wollen Sie mich umbringen???” wenn man eine Zigarette ansteckt. Nächstes mal wenn mir das passiert werde ich antworten: “Bis eben nicht!”

    Trotzdem sind wir hier unterschiedlicher Ansicht.. Gemeinsam mit Frau Minister halte ich es zwar für richtig in Ämtern etc – also staatlichen Einrichtungen wo der Bürger normalerweise hin muss – ein generelles Rauchverbot einzuführen. Aber da wo man freiwillig hingeht und letztlich bei anderen Menschen privatwirtschaftlich zu Gast ist?

    Dass das im Knast zu Revolution führen würde wissen wir wohl alle. Aber grundsätlich muss man auch mal feststellen, dass in privaten Gaststätten und Kneipen bislang jeder Gastronom das Rauchen erlauben oder verbieten konnte, wie es ihm gefällt. Solange Rauchen als sozialadäquates Verhalten gilt – warum sollte der Gesetzgeber irgendwem vorschreiben, wie er das mit dem Rauchen handhabt? Wenn es wirklich die Nachfrage gibt, findet sich auch jemand der ein Nichtraucherlokal einrichtet..

    Es gab aber schon mal “Nichtraucherpartys” in Diskotheken – da war regelmäßig nicht nur Rauchfreie Atmosphäre sondern auch massig Platz auf der Tanzfläche…

    Nein, liebe Nichtraucher.. Ganz oder gar nicht.. verbietet das Rauchen doch ganz und ich werde es gelegentlich machen.. Illegalerweise..

    Damit macht Ihr dann das Kiffen auch noch gesellschaftsfähiger, wetten?

    Thumb up 0 Thumb down 0

  2. Janam 15. Dezember 2006 um 12:38 2

    Jetzt ärger ich mich doch ein bisschen dass ich nicht mitgekommen bin, die Show hätte ich ja gerne mitgekriegt.

    Im Gefängnis muss man sich eigentlich nicht aufhalten, jedenfalls nicht wenn man nichts verbrochen hat. Das ist meiner Meinung nach eine ähnliche Argumentation wie “man muss ja nicht unbedingt einen trinken gehen”…

    Gerade gestern (Fraktionssitzung) hat sich doch gezeigt, dass zumindest in unserer Fraktion 2/3 der Mitglieder Raucher sind – was ja auf jeden Fall weit über dem Durschnitt von 27% liegt. Das mag zwar jetzt keine völlig repräsentative Erhebung sein aber es ist auf jeden Fall eine beweisbare Beobachtung die auch dir nicht entgangen sein sollte…

    “Solange Rauchen als sozialadäquates Verhalten gilt[...]” – Genau dass ist ja Teil des Problems. Warum ist das überhaupt so und muss das wirklich so sein? Warum ist es nicht selbstverständlich NICHT in Gegenwart anderer Menschen zu rauchen? Wenn das so wäre, dann könnte man sich die ganze Diskussion sparen und alle wären zufrieden – außer den paar Rauchern, die ja bekanntermaßen gerne mal extrem Kälteempfindlich sind und zum Rauchen nur sehr ungern kurz vor die Tür möchten (wie ich auf vielen Kellerpartys bereits leidvoll festgestellt habe…).

    Ich habe ja schon gesagt, dass es meiner Meinung nach auf jeden Fall Nachfrage gibt. Aber wie soll die auf “natürliche”, also marktwirtschaftliche Weise jemals befriedigt werden, solange die meisten Wirte selbst rauchen und schon deshalb keine Lust haben ihren Laden rauchfrei zu halten? Außerdem suche ich mir meinen Freundes- und Bekanntenkreis nur sehr ungern danach aus, dass er ausschließlich aus Nichtrauchern besteht.

    Auch deshalb bleiben “Nichtraucherpartys” meiner Meinung nach schlecht besucht, das hat mit mangelnder Nachfrage wenig, mit dem Problem dass man nie alleine feiern geht aber sehr viel zu tun.

    Ein komplettes Verbot wäre in der Tat eine Lösung, die zumindest das Rauchen in Gesellschaft von Nichtrauchern weitgehend verhindern würde. Das würde allerdings massiv mit meiner Abneigung gegen Verbote jeder Art sprechen, darum werbe ich ja schließlich für mehr Toleranz.

    Gegen’s Kiffen habe ich übrigens genausowenig etwas wie gegen das Rauchen an sich und dass es verboten ist halte ich für überflüssig. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass es mir gefällt mit Rauch – egal ob nun reiner Tabak oder andere Sachen – zugeblasen zu werden. Wobei mir da die Emissionen von Kiffern sogar noch lieber sind, weil die dadurch entstehende geistige Benebelung mir lieber ist als das Brennen in Augen, Mund und Nase oder das hartnäckige Stinken der Klamotten allein…

    Thumb up 0 Thumb down 0

  3. [...] statt Energiesparlampen, wir fahren auf Autobahnen schneller als 130 Kilometer in der Stunde, wir Rauchen wann und wo es uns passt, wir spielen “Killerspiele“, fahren SUVs (am besten noch [...]

    Thumb up 0 Thumb down 0

  4. [...] dies ein unfreiwilliger Beitrag zum Thema Prinzipientreue und Aufmüpfigkeit ist, die Interpretation sei jedem selbst [...]

    Thumb up 0 Thumb down 0

Trackback URI | Kommentare als RSS

Einen Kommentar schreiben