In gut einer Woche ist es mal wieder soweit: Faslam in Hoopte!
Da ich anhand der Kommentare und auch der seit einiger Zeit erhobenen Statistiken davon ausgehen kann, dass nicht jeder der hier mal reinliest aus meiner Gegend kommt, halte ich es für sinnvoll nicht nur darauf hinzuweisen, dass Faslam ist, sondern auch kurz zu erklären was Faslam ist.
Vereinfacht könnte man sagen, dass es sich um eine Karnevalsvariante handelt – aaaaaber: Während Karneval irgendwie mit Rosenmontag, Fastenzeit und Katholiken zusammenhängt, ist Faslam aus einem Brauch der Knechte und Mägde der Bauern entstanden, weshalb ich der Meinung bin, dass man Faslam nicht einfach als norddeutschen Karneval bezeichnen sollte.
Räumlich beschränkt sich der Brauch soweit ich weiß auf das Gebiet zwischen Hamburg und Lüneburg, wobei die wenigsten Hamburger und Lüneburger von seiner Existenz wissen dürften. Denn Faslam gibt es – und das hängt natürlich mit der ursprünglichen Herkunft zusammen – natürlich nur auf dem Land. Selbst unsere Kreisstadt Winsen, die ja doch noch eher dörflichen Charakter hat, hat keinen eigenen Faslam sondern muss sich Jahr für Jahr den der Stöckter “leihen”.
Faslam besteht nicht nur aus einem Umzug, der eigentlich als einziges Element so wirklich an Karneval erinnert (den gibt es auch längst nicht in allen Orten), sondern traditionellerweise aus einem Lumpenball (alternativ auch mal Faslamsparty, Faslamsdisko oder ähnlich genannt), dem “Schnorren” (der eigentliche, ursprüngliche Kern: Man läuft durchs Dorf, klingelt an jeder Tür, singt was vor und erwartet logischerweise eine möglichst hochprozentige Gegenleistung, etwas Geld, ein paar Eier oder Ahnliches als Gegenleistung) und dem anschließendem Verzehr der erschnorrten Dinge (woraus heute in den meisten Orten eine recht anständige, dorf-, bzw. mitgliederöffentliche Fete entstanden ist, die mit ihrem ureigenen Charme zumindest bei uns den eigentlichen Höhepunkt der ganzen Faslamszeit bildet, was nicht nur daran liegt das die Umzugswagen hier prämiert werden…).
Seit Wochen wird nun also schon im ganzen Dorf eifrig gewerkelt, um am Sonntag, dem 28. Januar 2007 einen sehenswerten, farbenfrohen und vor Stimmung strotzenden Umzug hinzulegen, der sich dann den ganzen Nachmittag Bonbon-werfend und Schnaps-verschenkend durchs Dorf bewegen wird.
Wer jetzt neugierig geworden ist, aber keine Ahnung hat wo er nun diesen Umzug sehen kann, dem habe ich mit freundlicher Unterstützung von Google-Earth eine kleine Anfahrtsskizze gebastelt:

Die Wochenenden drauf finden übrigens noch weitere sehenswerte Umzüge in unserer Gegend statt, die aus meiner Erfahrung wichtigsten sind (in zufälliger und nicht wertender Reihenfolge):
Da ich den Lokalpatriotismus – vor allem den in Faslamsangelegenheiten – nur zu gut kenne, spricht natürlich nichts dagegen wenn Menschen aus Gegenden, die sich nun wegen Nichtnennung vernachlässigt fühlen diesen Artikel per Kommentar ein wenig erweitern – mir fehlt jetzt nur die Zeit und die Lust sämtliche faslamstreibenden Orte und deren Eigenheiten aufzuzählen…
Mehr zum Faslam an sich bietet Wikipedia an, mehr zum Hoopter Faslam gibts auf der dazugehörigen Website.