Leserbrief: Energiepolitik (erschienen im Winsener Anzeiger vom 25. Januar 2007)
Posted on | Januar 25, 2007 | No Comments
“Egal, was Ihnen auf den Nägeln brennt, beim WA sind Sie an der richtigen Adresse: Schreiben Sie einen Leserbrief und tun Sie Ihre Meinung kund” – so wirbt der Winsener Anzeiger um Leserbriefe.
Die längste Zeit habe ich meine Meinung ausschließlich hier, in anderen Blogs oder auch in Foren vertreten – doch zu einem Leserbrief von vorgestern hatte ich einfach eine Meinung, die ich äußern wollte. Und siehe da – heute wurde mein Leserbrief dann auch tatsächlich gleich veröffentlicht.
Da es sein kann, dass sowas häufiger vorkommt (ohne dass ich dazu nun konkrete Pläne hätte), habe ich mich entschlossen daraus gleich mal eine Serie zu machen.
Und nun zum Leserbrief selbst, der eine Reaktion auf den folgenden Leserbrief war:
Die im Winsener Anzeiger gedruckte Version enthielt zwar einige kleine Änderungen (nicht nur im Text, auch einige Kommas, die ich so nie gesetzt hätte…aber ich will mal nicht so kleinlich sein), wurde aber davon abgesehen fast ungekürzt gedruckt.
Trotzdem hier mein “Original”:
Betrifft: Leserbrief von Jürgen Hempel im WA vom 23. Januar 27 zum Thema Energiepolitik
Die aktuelle Förderungspraxis im Bereich der Erneuerbaren Energien halte ich für nicht optimal, in diesem Punkt stimme ich ihnen durchaus zu.
Was sie in ihrem Leserbrief allerdings völlig außer Acht lassen, ist die Tatsache dass keine gängige Form der Energieerzeugung ohne Förderung auskommt. Der Unterschied ist lediglich, dass für Strom aus Kohle oder Uran beträchtliche Subventionen aus Steuergeldern fließen, während bei den Erneuerbaren Energien ein großer Teil der wahren Kosten auf den Verkaufspreis geschlagen werden. Die zweite Variante empfinde ich als wesentlich transparenter, die damit verbundene Abnahmepflicht der Konzerne – und damit letztlich der Verbraucher – halte ich dagegen in einem System, dass sich eigentlich marktwirtschaftlich orientieren sollte, für falsch.
Dennoch bin ich der Meinung, dass um Erneuerbare Energien niemand herumkommt – am wenigsten ein rohstoffarmes Land wie unseres.
In dem Maße, wie fossile Stromerzeugung oder die Kernkraft gefördert wird, müsste man im Sinne eines fairen Wettbewerbs auch den Erneuerbaren Energien eine entsprechende Förderung zugestehen (was heute zwar geschieht, nur eben nicht auf gleichem Niveau) – oder aber, und das wäre mir das lieber – Subventionen und Förderprogramme durch die Kräfte des Marktes ersetzen. In diesem Fall würde sich Atomstrom wohl deutlich verteuern, unter anderem wegen der kostspieligen Entsorgung.
Zwischen Belastungen durch teuren Strom einerseits und Steuergeldern, die per Subventionsgießkanne zugunsten einzelner Firmen umverteilt werden andererseits einen prinzipiellen Unterschied zu machen ist mir zu einseitig, bezahlen müssen Handwerk, Industrie, Sie und ich es sowieso.
Bei ihrem Plädoyer für Atomstrom sollten sie überdies nicht vergessen, dass es sich bei Uran um einen relativ seltenen und nach heutigen Berechnungen bei gleichbleibendem Verbrauch in den kommenden 30 Jahren aufgebrauchten Rohstoff handelt.
Wenn schon nicht auf eine subventionierte Energiewirtschaft verzichtet werden soll, dann wäre es doch nur vernünftig, hier den Fokus auf praktisch unendliche Energieträger zu setzen.
Einwände, Gegenargumente oder sonstige Kommentare entweder ebenfalls per Leserbrief an den WA – oder gleich hier im Blog.
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