Kreuzfahrt
Ende 2006 unternahm ich mit einigen “Gleichgesinnten” die erste Kreuzfahrt meines Lebens. Es handelte sich um eine sogenannte “Mini-Kreuzfahrt” der Color-Line-Reederei. Insofern glich sie in ihrem Wesen eher einer Fähr-Überfahrt mit anschließender Rückreise – zumindest was die Strecke angeht.
Das Schiff jedoch ließ in seiner Ausstattung und Größe schnell vergessen, dass es sich eigentlich “nur” um eine regelmäßig bediente Fährverbindung handelte: Die erst vor gut zwei Jahren in Dienst gestellte “Color Fantasy” erfüllte durchaus alle Erwartungen, die ich als bisheriger Kreuzfahrt-Neuling an ein Kreuzfahrtschiff stellen würde.
Die Strecke, die dieses Schiff alle drei Tage aufs Neue antritt verläuft von Kiel bis hoch nach Oslo und von dort wieder zurück.
Was für uns bedeutete: Wir fuhren zunächst mit dem Zug nach Kiel, was von uns aus keine 2 Stunden dauert und eigentlich die bequemste und überraschenderweise sogar recht günstige Methode darstellt, um in die Schleswig-Holsteinische Landeshauptstadt aka „The City of Sailing“, wie es ein großes Banner am Hafen verkündete, zu gelangen.
Direkt an den Bahnhof schließt sich eine riesige Einkaufspassage an und wenn man einmal über die sich ebenfalls direkt an den Bahnhof anschließende sogenannte „Bahnhofsbrücke“, die über eine Hafenzufahrt führt, gelatscht ist, dann befand man sich schon fast am Fähranleger nach Oslo. Zumindest diese Einkaufspassage dort ist natürlich kein Zufall, sondern ein Zugeständnis an die vielen norwegischen Touristen, die dort einkaufen sollen und das nach meinem persönlichen Eindruck auch kräftig machen (kein Wunder, sind doch in Norwegen die Preise zumindest für Alkohol oder Süßigkeiten stets etwa doppelt so hoch wie bei uns, wie ich später der Tax-Free-Broschüre auf dem Schiff entnehmen konnte).
Als wir das Schiff bestiegen, waren wir erstmal beeindruckt. Der Eingang führte bereits direkt in die Promenade des Schiffs, da war Laden an Laden und man hatte eher den Eindruck, irgendwo in einer Innenstadt zu wandeln als in der Mitte eines Schiffs. Wir bezogen dann erstmal unsere Kabinen, die ebenfalls recht ordentlich waren und für ein Schiff auch relativ geräumig. Zur Ausstattung gehörten unter anderem: Eine tadellos funktionierende und kräftige Klimaanlage, ein Fernseher (Deutsche Programme: ARD, ZDF, RTL, dazu noch einige deutsche Radiosender die ich bis dahin nicht kannte), ein Telefon (Anrufe innerhalb des Schiffs waren kostenlos, was auch Gespräche von Kabine zu Kabine beinhaltete), Minibar und ein Bad mit Dusche. Seltsamerweise wurde in jedem Prospekt auch noch auf den “Hair Dryer” hingewiesen, als wäre das das absolute Luxus-Highlight. Aber in der Tat: In einer Schublade unter dem Telefon befand sich tatsächlich auch ein (stinknormaler) Fön. Na Gott sei dank.
Ein paar allgemeine Eckdaten noch zum Schiff, der “Color Fantasy” ist das größte Schiff der Color-Line-Reederei. 224 Meter lang, 35 Meter breit, 15 Decks hoch, angetrieben durch schwer vorstellbare 42.000 PS, Höchstgeschwindigkeit: 23 Knoten. 2750 Passiere (was das Schiff angeblich zum größten Hotel Norwegens macht) können in den 927 Kabinen Wohnen, dazu hat das Schiff noch Platz für 750 Autos. An Bord gibt es ein Kino, ein kleines Badeparadies mit langer Wasserrutsche, Saunas, Pizzeria, Burgerbude und einige feinere Restaurants. Es gibt einen Konferenzsaal, eine Show Lounge, Disko, Casino, Fitnesscenter und einen Golfsimulator. Besonders gut hat mir die „Observation Lounge“ gefallen, ein Lokal das sich an höchster Stelle auf Deck 15 befand und von dem man (sofern dieser verdammte Nebel sich mal verzogen hätte…) einen herrlichen Ausblick hätte haben können. Alles in allem ein netter Eimer, wie ich finde.
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Was etwas gewöhnungsbedürftig war: Norwegische Preise. Jeder weiß, dass Norwegen Öl hat und dass dass zu einem beachtlichen Wohlstand in dem relativ kleinen Land geführt hat. Dazu kommt, dass in Norwegen 25% Umsatzsteuer auf alle Preise draufgeschlagen wird und wie mir meine Vorurteile gegenüber skandinavischen Ländern gerade zuflüstern sind dazu vermutlich auch noch hohe Sondersteuern auf alles alkoholische fällig.
Ergebnis: Zollfrei einkaufen auf einem norwegischen Schiff ist nicht günstiger als bei uns ganz normal einzukaufen. Wir haben den Laden trotzdem gut genutzt denn auch in der Gastronomie an Bord galten norwegische Preise und auch in Norwegen bedeutet dass, dass ein Bier dass einem ein Kellner einschenkt und bringt deutlich Teuter ist als ein Bier, dass man im Laden kauft…
Konkret ausgedrückt: Bierchen in der Schiffs-Disse: Gute 5 Euro. Bierchen im 6er-Pack Dosen (jawoll, Dosenbier! man wurde fast nostalgisch) auch runde 5 Euro.
Der Diskoabend wurde entsprechend teuer. Witzig hierbei: Man bekam jedes Mal nen Kassenbon wenn man sich was zu trinken geholt hatte. Auf diese Weise konnte ich später rekonstruieren, dass ich 9 Cocktails und ein Bier getrunken hatte. Das mag erstmal verwundern, weil ich doch normalerweise mehr der Biertrinker bin, hatte jedoch folgende einleuchtenden Gründe: Das Bier hat da 5 Euro gekostet, ein Cocktail 7. Da ich Bier schneller trinke als Cocktails und Cocktails darüberhinaus auch wesentlich mehr Alkohol enthalten, war das für mich eine einfache Kosten-Nutzen Rechnung. Entsprechend im Arsch habe ich mich am nächsten Tag dann allerdings auch gefühlt, woran ich natürlich selber Schuld bin…
Die Disko selbst war nicht so der Burner, die Musik war größtenteils mies bis nervig. Rückblickend würde ich mal schätzen, dass es vielleicht 5 Lieder gab, die ich persönlich als „geht so“ einstufen würde. Der Rest war schlicht überflüssig und bestand aus Techno oder älteren aber schlechten Liedern. Das einzige wirklich gute Lied des Abends war ACDCs „Thunderstruck“. Es hob sich deutlich gegen alles andere ab, was der DJ so gespielt hat. Es wurde allerdings auch nur deshalb gespielt, weil ich in einem Anflug von Größenwahn zu meinen Begleitern meinte, dass ich bei dem Lied auf jeden Fall tanzen gehen würde – also liefen die sofort los und wünschten es sich. Es dauerte dann noch eine halbe Stunde, dann ertönten die ersten vertrauten Gitarrenklänge und wir sind auf die Tanzfläche und haben uns da so richtig verausgabt. Ich war jedenfalls reif für den nächsten Cocktail, als das Lied zuende war.
Am nächsten Morgen waren wir dann in Oslo, es war natürlich immer noch neblig (und das lag nicht nur an den ganzen Cocktails vom Vorabend) aber wir sind trotzdem erstmal losmarschiert. Wir sind zum Rathaus, wo ja die Friedensnobelpreise immer verliehen werden. Dann habe ich mir mit meinem Bruder zusammen zwei halbe Liter Wasser und nen halben Liter Eistee für lumpige 10 Euro gekauft und uns anschließend auch schon wieder auf den Rückweg begeben, schön am Hafen lang. Oslo scheint eine wirklich schöne Stadt zu sein – so im Nebel konnte man das allerdings leider nur erahnen. Von daher erschien es uns als sinnlos da noch länger blöde rumzulaufen, zumal sowieso nichts offen hatte und uns die Preise ein wenig vergrault haben. Das heimliche Highlight dieses Ausflugs war, dass der eine von uns beim Gang über die Hafenpromenade fast in einigen Pferdeäpfeln ausgerutscht wäre.
Die Rückreise verlief ähnlich der Hinreise – wenn auch notwendigerweise in umgekehrter Richtung. Auf Einzelheiten verzichte ich daher an dieser Stelle.
Ein kleines Fazit: Das Ganze ist keine ganz billige Angelegenheit, wenn man eine “normalen” Urlaubsreise dazu in Relation setzt. Das Schiff ist aber wirklich beeindruckend und Oslo ist nach meinem (wenngleich in mehrfacher Hinsicht etwas benebelten) Eindruck sicher eine Reise wert.
Mehr Informationen dazu lassen sich bei Bedarf auf der Homepage der Color Line finden.