Filterblog

Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Das Hin und Her mit der Kohle für die Kohle

Posted on | Februar 1, 2007 | 2 Comments

2.500.000.000 Euro, jedes Jahr. Sie dienen der künstlichen Aufrechterhaltung von ganzen 34.000 Arbeitsplätzen, was pro Arbeitsplatz eine Förderung von über 6000 Euro im Monat entspricht. Klingt für mich nach einer extrem effizienten Geschichte. Was mag so ein Bergmann davon Brutto wohl bekommen? 2000 Euro? Vielleicht 3000 Euro? Der Rest wird demnach jedenfalls dazu benötigt, die deutsche Steinkohle preislich auf Weltmarkt-Niveau zu drücken.

Und bis 2018 geht diese Wahrung der “Chancen, heimische Steinkohle auch als Energieträger der Zukunft mit neuen Technologien und auf neuen Märkten zu nutzen” (aus “Aktuell.SPD vom 30. Januar 2007: Sicherheit für die Bergleute”) mindestens weiter, wobei 2012 nochmal drüber debattiert werden soll (um im Zweifel noch mehr Förderung in das Zukunftsprojekt Steinkohle zu stecken).

Nunja, es empfiehlt sich immer in die Zukunft zu investieren. Ja klar, man hätte vielleicht auch z.B. 2,5 Millionen Studenten eine Studiengebühr ersparen können, zum Beispiel um dem drohenden, bzw. zum Teil längst eingetretenen Fachkräftemangel im Bereich der Ingenieure irgendwas entgegenzusetzen. Scheinbar erscheint aber zumindest der SPD Kohle & Co wichtiger für die Zukunft zu sein als Forschung und Innovation. Ich habe allerdings ehrlichgesagt auch nichts anderes erwartet.

Wieviele Lehrer man für zweieinhalb Milliarden Euro im Jahr einstellen hätte können wage ich mal gar nicht auszurechnen. Oder wieviele Kitas neu eröffnet werden könnten. Oder welche Kaufkraft man hätte erzeugen können, wenn man Steuerzahlern die Kohle-Kohle gar nicht erst weg genommen hätte.

Naja, aber man muss fair sagen, dass Steinkohle einfach unverzichtbar ist – immerhin werden 10 Prozent unseres Stroms mit ihr hergestellt. 10 Prozent! Zukunft…

Selbst CDU-Sozialdemokrat Rüttgers ist nun dafür, diese Steuergeldverschwendung schneller als vereinbart zu beenden – und bekommt daraufhin auch sogleich mediale Prügel vom Sozi-General Heil: “Rüttgers will die Bergleute verraten. Er raubt ihnen die Perspektive. Das ist rücksichtslos” – ja genau. Was Herrn Heil so in Rage gebracht hat, ist eine Forderung Rüttgers’, den Steinkohlebergbau vier Jahre früher als geplant (nämlich “schon” in 7 Jahren statt in 11) zu beenden. Nur 7 Jahre Zeit zu haben, sich einen neuen Job zu suchen, eine Umschulung zu machen oder eine neue Ausbildung zu machen – dass ist an Rücksichtslosigkeit wirklich kaum zu überbieten.

PS: Wehe, einer von dieser Ökopartei für Bildleser scheinbar vollständig von der Bergbau-Lobby infiltrierten Partei erzählt mir nochmal irgendwas von Energiesparen, Kyoto oder Treibhausgasen.

Comments

2 Responses to “Das Hin und Her mit der Kohle für die Kohle”

  1. bernhard
    Februar 6th, 2007 @ 19:12

    Kann dir einen bericht auf phoenix empfehlen, unter den linden, findest du auf der homepage.

  2. Jan
    Februar 6th, 2007 @ 19:22

    Danke, nett gemeint – leider befindet sich mein Heimatort aber noch in der digitalen Steinzeit und jeder, der schonmal einen Videostream über ISDN gesehen hat, wird sicher verstehen wenn ich da trotz großen Interesses lieber drauf verzichten möchte…

Leave a Reply





Protected by WP Anti Spam
  • Löffel voller Weisheit

    Sparen unterteilt sich wiederum in zwei Kategorien: Sparen auf bürgerlich, also Ausgaben reduzieren, und Sparen auf sozialdemokratisch, also Steuern erhöhen. — Rayson, bissige-liberale.net

  • Filterblog@Facebook


  • Switch to our mobile site