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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

WG: (Fwd) (Fwd) Müller – Milch

Posted on | Februar 12, 2007 | 9 Comments

So lautete die Betreffzeile einer Email, die ich vor einigen Wochen bekam. Ich hatte dieselbe Email bereits vor einiger Zeit mal zugeschickt bekommen und davor auch schonmal, sie ist also schon etwas älter. Ich will trotzdem mal einen Kommentar dazu abgeben. Also auf gehts:

etwas lang – aber seeeeeeeeeeeeeehhhhhrr interessant !!!
Moin,
wir ändern unser Kaufverhalten !
Betreff: – Die Geschichte von Herrn Müller –
Das hier, das ist der Herr Müller.
Der Herr Müller kommt aus Aretsried, das liegt in Bayern, also ganz im
Süden. Der Herr Müller ist ein Unternehmer.Und das, was in den Fabriken von Herrn Müller hergestellt wird, habt ihr
sicher alle schon mal gesehen, wenn ihr im Supermarkt wart.
Der Herr Müller stellt nämlichlauter Sachen her, die aus Milch gemacht
werden.
Naja, eigentlich stellen die Kühe die Milch her, aber der Herr Müller
verpackt sie schön und sorgt dafür, dass sie in den Supermarkt kommen, wo
ihr sie dann kaufen könnt. Die Sachen, die der Herr Müller herstellt sind so
gut, dass sogar der Herr Bohlen dafür Werbung gemacht hat. Weil der Herr
Müller ein Unternehmer ist, hat er sich gedacht, er unternimmt mal was und
baut eine neue Fabrik.
Und zwar baut er sie in Sachsen,
das ist ganz im Osten.

Bis dahin überaus lehrreich und schlüssig, jetzt gehts aber erst richtig los.

Eigentlich braucht niemand eine neue Milchfabrik, weil es schon viel zu
viele davon gibt, und diese viel zu viele Milchprodukte produzieren, aber
der Herr Müller hat sie trotzdem gebaut.

Nein, wirklich? Ja hat er denn den Verstand verloren??

Und weil die Leute in Sachsenganz arm sind und keine Arbeitsplätze haben,
unterstützt der Staat den Bau neuer Fabriken mit Geld. Arbeitsplätze hat man
nämlich im Gegensatz zu Milchprodukten nie genug.
Also hat der Herr Müller einen Antrag ausgefüllt, ihn zur Post gebracht und
abgeschickt. Ein paar Tage später haben ihm dann das Land Sachsen und die
Herren von der Europäischen Union in Brüssel einen Scheck über 70 Millionen
Euro geschickt.
70 Millionen, das ist eine Zahl mit sieben Nullen, also ganz viel Geld.
Viel mehr, als in euer Sparschwein passt.

Puuh, na dann ist ja gut. Herr Müller hat also nicht den Verstand verloren, sondern nur das getan, was jeder Unternehmer genau wie jeder Privatmann tut oder wenigstens gern tun würde: Das (Steuer-) Geld genommen, dass ihm irgendwelche staatliche Institutionen in den Hintern gesteckt als Subvention angeboten haben. Eigentlich nicht weiter aufregend, doch mal sehen, wie es weiter geht:

Der Herr Müller hat also seine neue Fabrik gebaut und 158 Leute eingestellt.
Hurra, Herr Müller!
Nachdem die neue Fabrik von Herrn Müller nun ganz viele Milchprodukte
hergestellt hat, hat er gemerkt, dass er sie gar nicht verkaufen kann, denn
es gibt ja viel zu viele Fabriken und Milchprodukte.
Naja, eigentlich hat er das schon vorher gewusst, auch die Herren vom Land
Sachsen und der Europäischen Union haben das gewusst, es ist nämlich kein
Geheimnis.
Das Geld haben sie ihm trotzdem gegeben. Ist ja nicht ihr Geld, sondern
eures. Klingt komisch, ist aber so.

Klingt für mich gar nicht so komisch, klingt für mich eher nach dem typischen Brüsseler Bürokratenchaos, in dem ja regelmäßig Geld per Subventionswahn sinnlos zum Fenster rausgeworfen wird. Ich halte das grundsätzlich für verkehrt, vermeide es jedoch in einer Art innerer Resignation mich darüber noch allzu sehr aufzuregen.

Also was hat er gemacht, der Herr Müller?
In Niedersachsen, das ist ziemlich weit im Norden, hat der Herr Müller auch
eine Fabrik. Die steht da schon seit 85 Jahren und irgendwann hatte der Herr
Müller sie gekauft.
Weil er jetzt die schöne neue Fabrik in Sachsen hatte, hat der Herr Müller
die alte Fabrik in Niedersachsen nicht mehr gebraucht, er hat sie geschlossen
und 175 Menschen haben ihre Arbeit verloren.

Sehr bedauerlich, auch wenn sowas natürlich ständig geschieht und dieses Beispiel darum auch für einen Niedersachsen wie mich nicht dazu taugt, irgendwelche Hassgefühle in mir zu wecken – schließlich ist es erstens die wichtigste Aufgabe eines Unternehmers, sein Unternehmen möglichst wirtschaftlich zu führen (weil das Arbeitsplätze sichert) und zweitens ist diese unternehmerische Entscheidung offensichtlich die direkte Folge planwirtschaftlicher Subventionswut. Was ich davon halte steht ja weiter oben schon…

Wenn ihr in der Schule gut aufgepasst habt, dann habt ihr sicher
schongemerkt, dass der Herr Müller 17 Arbeitsplätze weniger geschaffen hat,
als er abgebaut hat. Dafür hat er 70 Millionen Euro bekommen.
Wenn ihr jetzt die 70Millionen durch 17 teilt, dafür könnt ihr ruhig einen
Taschenrechner nehmen, dann wisst ihr, dass der Herr Müller für jeden
vernichteten Arbeitsplatz über4 Millionen Euro bekommen hat.
Da lacht er, der Herr Müller -natürlich nur, wenn niemand hinsieht.Ansonsten guckt er ganztraurig und erzählt jedem, wie schlecht es ihm geht.
Aber der Herr Müller sitzt nicht nur rum, sondern er sorgt auch dafür, dass
es ihm besser geht.

Okay, der erste Teil bestärket mich in meiner Abneigung gegen Subventionen lediglich. Und obwohl ich den Verdacht habe, dass der Autor versucht Wut auf diesen Müller in mir zu erzeugen, kann ich nicht sagen dass ich an seiner (also “Herrn Müllers”) Stelle unbedingt anders gehandelt hätte.

76Wenn jemand sich bereit erklärt, mir – bzw. meiner Firma – soundsoviele Millionen zu zahlen, wenn ich dafür nur eine nagelneue Fabrik an der richtigen Stelle bauen soll, warum sollte ich das dann nicht tun dürfen? Meiner Meinung nach liegt der Fehler eindeutig auf staatsbürokratischer Seite – der Seite also, die wir regelmässig durch unser Wahlverhalten bestätigen (denn zumindest die klassischen “Volksparteien” präsentieren sich immer wieder als recht zuverlässige Subventionsfans, alle anderen nach meiner Beobachtung allerdings auch).

Er ist nämlich sparsam, der Herr Müller . . .
Sicher kennt ihr die Becher, in denen früher die Milch von Herrn Müller
verkauft wurde. Die schmeckt gut und es passten 500 ml rein, das ist ein
halber Liter.
Seit einiger Zeit verkauft der Herr Müller seine Milch aber in lustigen
Flaschen, nicht mehr in Bechern. Die sind praktisch, weil man sie wieder
verschließen kann und sehen hübsch aus.
Allerdings sind nur noch 400 ml drin, sie kosten aber dasselbe. Da spart er
was, der Herr Müller – und sparen ist eine Tugend, das wissen wir alle.

Dabei kann es sich meiner Beobachtung zufolge nur um dieses süße Milchgemisch handeln, denn die Buttermilch gibts zum Beispiel auch weiterhin als 500ml. Ansonsten würde ich sagen: Das Angebot bestimmt die Nachfrage und wenn dem Kunden schnurz ist, wenn er für dieses nicht besonders gesunde Getränk eben entsprechend mehr zahlen möchte, dann soll er das tun. Es soll ja Menschen geben, denen darüber hinaus auch wichtig ist, dass auf so ner “lustigen Flasche” auch noch Müller drauf steht, damit keiner denkt sie hätten wenig Geld oder so… aber das Thema hab ich ja neulich schon anhand von Biermarken erschöpfend durchgekaut.

Wenn ihr jetzt fragt, warum solche Leute wie der Herr Müller nicht einfach
an den nächsten Baumgehängt werden, dann muss ich euch sagen, dass man so
etwas einfach nicht tut. Wenn ihr aber das nächste Mal im Supermarkt seid,
dann lasst doch einfach die Sachen vom Herrn Müller im Regal stehen und
kauft die Sachen, die daneben stehen. Die schmecken genauso gut, sind
meistens billiger und werden vielleicht von einem Unternehmer hergestellt,
für den der Begriff “soziale Verantwortung” noch eine Bedeutung hat.

Der Hinweis, dass man Menschen nicht einfach an Bäume hängen darf, mag für manche zur Selbstjustiz neigende oder eine Diktatur (ggf. “des Proletariats”) fordernde Zeitgenossen womöglich sogar ernsthaft nötig sein, fürchte ich jedenfalls. Ich persönlich lehne derartige Barbarei allerdings von vornherein ab.

Das Nächste kann ich halbwegs unterschreiben: Wem eine bestimmte Firma oder Marke nicht passt, der soll sie eben ignorieren und nicht kaufen – natürlich nur, sofern er das mit seinem “Image” und seinem Ego vereinbaren kann.

Doch auch wenn hier suggeriert wird, dass es einen festen Begriff der “sozialen Verantwortung” gibt, unter dem jeder das Gleiche versteht, so würde ich das an sich erstmal anzweifeln und dann kann ich mir nicht vorstellen, dass der Großteil von Unternehmern im “Milchbusiness” darunter das selbe wie der Autor verstehen, zumal der das offenbar auch nicht weiter ausführen möchte oder kann.

Ich verstehe darunter, dass ein Unternehmer sein Unternehmen so zu führen hat, dass es vor allem nicht kaputt geht. Denn das würde Arbeitsplätze vernichten – und zwar in jedem Fall mehr als durch betriebsbedingten Rationalisierungsmaßnahmen zerstört werden, die zwar nie schön sind – leider aber manchmal notwendig. Aus diesem Grund spricht für mich auch nichts gegen diese Verlagerung einer Fabrik von Niedersachsen nach Sachsen, auch wenn das in diesem Fall dank einer moderneren Fabrik in Sachsen offenbar Arbeitsplätze gekostet haben soll. Dafür werden die Arbeitsplätze in Sachsen aber um so sicherer sein – denn nichts sichert Arbeitsplätze langfristiger, als Investitionen in eine moderne Fabrik.

Übrigens: Die nagelneuen, millionenteuren Anlagen in Sachsen wurden ja womöglich auch beim amtierenden Exportweltmeister für Maschinen hergestellt… wer weiß.

Ach übrigens, da fällt mir ja ein, der Herr Müller will auch Erbschaftsteuer
sparen und hat daher beschlossen, seinen Wohnsitz nach Österreich zu
verlegen.

Verwerflich, das stellt ihn auf eine Stufe mit anderen hierzulande unbeliebten Vaterlandsverrätern wie Becker, Schumi, Klinsmann und vielen anderen – und wirft die Frage auf, ob die Ösis vielleicht ein besseres Steuersystem haben, wenn es Menschen gibt die – angeblich – nur deswegen dorthin ziehen. Unsere klugen Steuerpolitik-Experten sollten das mal überprüfen – jedenfalls sofern sich irgendwer findet, der noch in der Lage ist unser Steuersystem wirklich zu verstehen. Aber wenn, dann könnte sich das doch lohnen (wenn es schon nicht gewollt zu sein scheint, daran wirklich mal was zu verändern – was aber wiederum ein ganz anderes Thema ist).

Wenn Ihr der gleichen Meinung seid, schickt diese Mail doch ein wenig durch
die Republik, damit alle Leute sehen, wo ihre mühsam erarbeiteten
Steuergroschenbleiben.

Und eines sollte uns einigen:
Nichts mehr von Müller-Milch auf den Tisch!!!

Das mit der Meinung bezieht sich vermutlich auf den Teil weiter oben, in dem der Autor offenbar zum Boykott gegen Müller Produkte aufruft vorschlägt, doch mal zu alternativen Produkten zu greifen. Nunja, dagegen ist prinzipiell nichts zu sagen, Konkurrenz belebt das Geschäft und man kann ja durchaus auch mal was Anderes ausprobieren, auch wenn ich persönlich niemanden brauche der mir das sagt – ich probiere sowieso nur dann Markenprodukte aus, wenn die günstigeren Alternativen meiner Meinung nach nichts taugen – was eher selten vor kommt.

Der Autor lässt leider offen, ob er einfach nur was gegen Unternehmer an sich hat oder sich für weniger Steuern und weniger Bürokratie einsetzt. Letzteres wäre zwar absolut löblich, das erste erscheint mir aber wahrscheinlicher zu sein, weil im allerletzten Absatz ja recht deutlich wird, dass Firma Müller die Schuld für alles kriegen soll und es dem Autor egal ist, wenn die Leser und Weiterleiter seiner Email auch das nächste Mal ihre Kreuzchen brav bei Subventionsfetischisten machen, damit solche Dinge, die dem Autor offensichtlich ein Dorn im Auge sind, auch in Zukunft geschehen können.

Fazit: Mir scheint, dass hier ein wenig die Zusammenhänge von Ursache und Wirkung durcheinander geraten sind. Statt dem Verursacher die Leviten zu lesen, werden die Wirkungen verteufelt. Aber warum auch nicht: In diesem Fall ist ja sowieso ein reicher (also automatisch böser!) Unternehmer der Nutznießer. Völlig klar, das sind sowieso Schweine, also: munter drauf gehauen.

Ein witziges anekdotische Detail noch zum Schluss: Ich bekam die Email von einem Menschen, der sein Geld im weitesten Sinn mit der Landwirtschaft verdient… da fiel mir doch gleich nach dem ersten Lesen so ein alter Spruch ein, in dem Glashäuser und Steine eine zentrale Rolle spielen.

PS: Und ratet mal, was besagter Mensch noch wenige Stunden vorher getrunken hat (kleiner Tipp: bunte Plastikflasche mit 400ml Inhalt…) – kein Scherz, ich habs genau gesehen!

Comments

9 Responses to “WG: (Fwd) (Fwd) Müller – Milch”

  1. Guido
    Februar 20th, 2007 @ 20:12

    Hallo Jan,

    ich habe die Pressestelle von Müller Milch angeschrieben und um Stellungnahme gebeten. Die kam auch – und ist in meinem Blog nachzulesen:

    Nämlich hier:
    http://www.fokus-erfolg.de/ind.....ch-teil-2/

    Gruß Guido
    … bisschen Bissiges auf fokus-erfolg.de

  2. Stef
    Februar 28th, 2007 @ 13:44

    Hier scheint ja jemand ein richtiger Müller Fan zu sein …
    Naja, ich habe die Mail auch bekommen und ehrlich gesagt finde ich es trotzdem sch… was “der Herr Müller” macht. Da ist mir scheiß egal ob “der Herr Müller” nur so handelt wie es alle anderen auch getan haben… Leider bekommt man nicht öfter solch schöne Emails in denen man über solche Machenschafften der tollen Unternehmer aufgeklärt wird …. Und nun kommt mir nicht damit, dass wenn das so wäre, dass man bald gar nichts mehr kaufen kann … es gibt noch Unternehmen, die nicht mit arbeitsplätzen etc. der anderen spielen. Übrigens: Buttermilch von ALDI ist auch von Müller. Nur mal so nebenbei :)

  3. Jan Filter
    Februar 28th, 2007 @ 15:08

    > Hier scheint ja jemand ein richtiger Müller Fan zu sein

    Nö, das kann man so wirklich nicht sagen, ich kaufe, wie ich ja auch geschrieben habe, eher wenige Markenprodukte – das gilt auch für Milchprodukte.

    Ich finde nur die Art und Weise seltsam, wie manche Menschen einerseits bei jeder Gelgenheit nach dem Staat rufen und gleichzeitig die Ausnutzung staatlicher Geschenke als “unsozial” kennzeichnen – so als wäre es nun gar nicht vorhersehbar gewesen.

    > Und nun kommt mir nicht damit, dass wenn das so wäre, dass man bald gar nichts mehr kaufen kann [...] Übrigens: Buttermilch von ALDI ist auch von Müller.

    Was ist das jetzt, eine Behauptung und dann ein Hinweis der diese mehr oder weniger entkräftet?

    Fakt ist doch, dass der europäische Milchmarkt insgesamt völlig zu Tode subventioniert worden ist. Perverse Auswüchse wie der berühmte “Milchsee” sind das Ergebnis unverantwortlicher Subventionsgeilheit und gegen die lohnt es sich zu kämpfen.

    Wer als Unternehmer aber nicht die steuerfinanzierten Geschenke annimmt, die wir ihm immer wieder machen, versündigt sich meiner Meinung nach an seinem Unternehmen, weil er ihm angebotene Wettbewerbsvergünstigungen nicht annimmt. Er hat unter dem Strich gar keine Wahl, weil die Konkurrenz bekanntlich nicht schläft.

  4. Ich...
    März 10th, 2007 @ 17:51

    Da scheit ja jemand ein richtiger Müller Fan zu sein…jojo
    Moin…
    Ich find das auch so wie Steff…

  5. Jan Filter
    März 10th, 2007 @ 19:38

    Ich könnte jetzt nochmal genau das Gleiche schreiben, um zu zeigen dass das Mumpitz ist und ich fast nix von Müller kauf, sondern mich über die Scheinheiligkeit dieser Mail aufrege – aber mit anonymen Kommentatoren möchte ich mich nicht übermäßig intensiv auseinandersetzen.

  6. Heureka
    März 16th, 2009 @ 09:56

    Dieses Ursache/Wirkungs-Argument hat seine Grenzen. Auf die Spitze getrieben kommen wir damit nämlich ruckzuck beim Urknall an und dann ist jeder oder niemand an irgendetwas schuld. Es klingt leider immer so schön besonnen und moderat ist aber tatsächlich lauwarm und im Wesen opportunistisch.

    In diesem konkreten Fall ist der Bau der Molkerei in Sachsen und die nachfolgende Schließung der anderen Werke eine bewusste, vorsätzliche unternehmerische Entscheidung, die uns, die Steuerzahler, am Ende viele Millionen gekostet und um Arbeitsplätze gebracht hat.

    Wenn ich nun die EU-Bürokraten (bin auch nicht ihr Freund) als Schuldige ausmache und Herrn Müller wegen seiner Schlitzohrigkeit lobe, hat das ähnliche Qualität, als wenn ich die Waffenfabrikanten verteufele und die Armeen oder gar schießwütige Kriminelle für ihre Cleverness lobe, diese rigoros zu benutzen.

    Du musst dich schon entscheiden, Jan.

  7. Jan
    März 16th, 2009 @ 10:26

    Die vorsätzliche Unternehmerische Entscheidung hat uns Steuerzahler nur Geld gekostet, weil wir es so wollen, weil wir eben diese Subventionspolitik so haben, wie sie ist. Es ist doch sonnenklar, dass angebotene Subventionen mitgenommen werden, wenn sich das irgendwie rechnet. Wenn sich Werke nicht mehr rechnen, dann werden sie dichtgemacht, auch dass ist absolut nachvollziehbar. Wer dumm genug ist, Investitionen mit Subventionen anzulocken, die sich ohne diese Subventionen nicht rechnen, muss sich doch nicht wundern, dass solche Werke sich langfristig nicht halten können. Das war im Übrigen auch im Fall von Nokia in Bochum so. Hinterher ist das Gejammer immer groß, dabei hätte mans doch besser wissen können.

    Es ist die verdammte Pflicht und Schuldigkeit von Firmenchefs, im Interesse ihres Unternehmens zu handeln. Nichts anderes erwarte ich von ihnen. Angebotene Subventionen möglichst umfassend auszunutzen, wenn das zum Wohle des Unternehmens ist, gehört dazu – daran, dass die angeboten werden, kann und sollte man allerdings etwas ändern.

    Insofern ist der Vergleich mit Waffenherstellern etwa neben der Spur. Im einen Fall wird Zwang ausgeübt (das Geld für die Subventionen rückt ja kein Steuerzahler freiwillig raus), um ein bestimmtes Ziel zu verfolgen (dass sich fast immer als Illusion erweist aber dass nur am Rande), im anderen geht es um Verbrechen. Subventionen einzusacken ist kein Verbrechen – sie anzubieten dagegen in einzelnen Fällen irgendwie schon.

  8. Heureka
    März 18th, 2009 @ 19:17

    Eins muss man dir lassen, Jan, du bleibst hartnäckig. Aber entschieden hast du dich trotzdem nicht. Auch diesmal wieder: einerseits|andererseits.

    Mein Punkt war weder die Analyse unternehmerischer Entscheidungen, noch die komplette Wirkungsgeschichte subventionierter Unternehmen. Es ging und geht mir vielmehr darum, Verantwortlichkeit auch als solche aufzuzeigen. Und – egal wie viele ausgewogene Für und Wider man auch immer in Stellung bringt, Herr Müller hat mit voller Absicht uns Steuerzahler geschröpft um sich persönlich zu bereichern. Das scheint zwar mittlerweile politisch korrekt (KFW, HRE, LBW, Zumwinkel etc.) ist und bleibt aber bei genauer Betrachtung kriminell.

    Dass auch noch der schlimmste Serienmörder Gründe für sein Handeln finden wird, ist doch selbstverständlich (manchmal hilft auch gern ein Psychiater dabei), es ändert aber nichts daran, dass die Opfer tot sind und dazu eine Tat notwendig war, verübt von einem realen Menschen. Und bei dem ist zunächst und in erster Linie die Verantwortung zu suchen. Punkt!

    Der Unterschied hier ist bloß, dass die Müllers oder Madoffs dieser Welt in luxuriös eingerichteten Büros residieren und das Elend mit einem Federstrich anrichten – die Schmutzarbeit überlassen sie anderen. Vielleicht sollte man mal seinen Blick auf die Arbeitslosen und jene richten die völlig unverschuldet in Not geraten sind, ihr Heim, Familie oder Rente verlieren (manche auch das Leben), weil solche Orwellschen Bessermenschen die harmlosen Träume und Wünsche von ihnen vernichten können ohne Folgen fürchten zu müssen.

  9. Jan
    März 18th, 2009 @ 23:37

    Subventionen auszunutzen ist nicht kriminell. Wäre das so, dann hätte zweifellos irgendwer Firma Müller verklagt.

    Es ist doch so, dass wir einen Mordsaufwand dafür betreiben, dass ein paar ausgewählte Menschen unser Steuergeld verteilen. Ich erwarte da ganz einfach, dass das gefälligst gewissenhaft geschieht – gewissenhaft heißt aber, dass der Sinn und Zweck, der hinter so einer Subvention steht, auch unbedingt erfüllt wird. Das scheint hier nicht der Fall zu sein und das finde ich eine Sauerei. So geht man einfach nicht mit anderer Leute Geld um.

    Das bewusst gemachte Angebot von Subventionen anzunehmen mit dem Verüben von Morden zu vergleichen finde ich weit hergeholt und unsachlich. Mich regt diese ewige Verschwendung einfach maßlos auf. Und die ist weder im Sinne irgendwelcher Vorstände, noch arbeitsloser Menschen.

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