Feb 14 2007
Pornos ab 16 – Medienecho rund um Beschluss der Jungen Liberalen
Nicht schlecht gestaunt habe ich gestern Abend, als ich bei Spiegel Online einen Artikel über einen Beschluss der Niedersächsischen Jungen Liberalen entdeckt habe. Erstens, weil ich zwar selbst nichts zu diesem Beschluss beigetragen habe, aber durch meine JuLi-Mitgliedschaft und der persönlichen Bekanntschaft zum Antragssteller den Prozess vom Antrag zum Beschluss direkt mitbekommen habe und schon deshalb an der weiteren Entwicklung interessiert bin. Und Zweitens hat mich erstaunt, dass sich die Medien jetzt plötzlich dafür interessieren, obwohl der Antrag ja schon seit geraumer Zeit als Beschluss auf Landesebene angekommen ist.
Aber seis drum: In Zeiten, in denen Debatten und Initiativen über verschärften Jugendschutz oder gar Zensur von Medien den Blätterwald (Kennt zufällig jemand einen dazu analogen Begriff für Onlinemedien?) beherrschen, empfinde ich es als geradezu erfrischend, wenn eine politische Vereinigunge wirklich mal öffentlich genau gegen diesen Trend anarbeitet. Würde ich dieser nicht schon längst angehören, so würde ich wohl spätestens jetzt mit dem Gedanken eines Beitritts spielen.
Der Original-Antrag, der in der Form auf dem Landeskongress der Jungen Liberalen im April 2006 auch so angenommen wurde und um den es jetzt offenbar geht, zielte auf drei zentrale Punkte:
- Herabsetzung der Altersgrenze für den Zugang pornografischer Schriften auf 16 Jahre
- Überprüfung der Verhältnismäßigkeit von geltenden Regeln zur Gewaltdarstellung in den Medien zu pornografischen Darstellungen in den Medien
- Schaffung einer klaren Definition was unter den Begriff “Pornografie” fällt, bzw. was nicht
Ich verstehe akzeptiere, wenn Menschen generell dagegen sind, jungen Leuten den Zugang zu Pornografie zu gewähren. Realistisch gesehen ist das aber nicht durchsetzbar, ganz egal was das Gesetz sagt: Wer will, der kann sich über vielfältige Wege mit den Medien versorgen, die er haben will – zum Beispiel über das Internet oder über Freunde.
Das Bedürfnis danach hat etwas mit Medienkompetenz und auch mit Erziehung zu tun – und liegt daher letztlich wesentlich in der Verantwortung der Eltern. Es lässt sich nicht dadurch verringern oder vergrößern, dass gesetzlich irgendwelche Altersgrenzen festlegt werden. Dass sich 16-jährige zwar legal auch körperlich lieben dürfen, jedoch gegen das Gesetz verstoßen, sobald sie sich pornografisches Material beschaffen, ist schizophren unverständlich mindestens hinterfragenswert.
Um blödsinnigen Vorverurteilungen entgegenzuwirken: Die JuLis sind keine Ansammlung von Pornofans, und sie sind sich durchaus bewusst, dass es wichtigere Themen gibt. Wer dazu Beweise haben will, der kann sich hier das Antragsbuch des jüngsten Landeskongresses herunterladen. Darin geht es um eine Vielzahl aktueller Themen und die wenigsten haben, entgegen jedem Klischee, mit Pornographie oder Drogen zu tun.
2 Kommentare



Ich stimme deiner Meinung/der Meinung der JuLi’s komplett überein. insbesondere steht die Psychische Auswirkung wohl in keiner Relation zu Gewaltfilmen, welche meiner Meinung berechtigt ab 18 Jahren freigegeben sind.
Ja, das vermute ich auch. Aber selbst wenn das anders wäre, dann wären hier wohl als erstes die Eltern in der Pflicht.
Und seien wir mal realistisch: Welchen 16jährigen kann man heute noch mit Pornos so richtig schocken?
Es will mir irgendwie nicht in den Kopf, dass man zum Zusehen 18 sein muss, das “Live”-Erlebnis aber schon vorher haben darf. Konsequent ist das nicht.