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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Neulich war ich mal wieder bei Ikea

Posted on | Februar 28, 2007 | 7 Comments

Genauer gesagt gestern. Und es ist jedes Mal ein echtes Highlight: Wo sonst sieht man so viele Päärchen, die im Partnerlook herumlaufen? Wo sonst findet man so viele “Dinge”, bei denen man sich fragt wozu man die wohl brauchen könnte?

Okay, oft fragt sich scheinbar nur Mann sowas, denn auch wenn es etwas Klischeehaft klingen mag: Ich habe noch nie einen Mann so seltsame Glaskugeln, die irgendwie stylisch leuchten und schon deswegen total Hipp sind.

Auch die vielen kleinen Kisten und Kästen, die gigantische Auswahl an Kerzen, Gläsern und typisch schwedischem sonstigem Krimskrams finden wohl eher unter der weiblichen Kundschaft ihre Fans.

Damit bin ich schon mitten beim Thema: Ikea ist für Frauen konzipiert. Sicher, auch Männer kaufen dort ein – hab ich schließlich gestern auch gemacht, und nichtmal für gar so wenig Geld. Aber Männer kaufen anders ein als Frauen. Männer gehen einkaufen weil sie etwas brauchen. Frauen gehen einkaufen um einkaufen zu gehen.

Männer halten, dass ist mir auch gestern bei Ikea wieder aufgefallen, ganz gezielt Ausschau nach den paar Dingen, die sie auf ihrem imaginären Zettel haben.

Frauen dagegen haben zwar meistens auch so eine Liste im Kopf, sie halten aber nicht Ausschau nach den darin aufgeführten Produkten sondern sehen sich einfach alles an, was es gibt, finden dabei tolle Sachen, die doch so supi ins Wohnzimmer passen würden – und haben am Ende ihre Liste abgehakt, zusätzlich aber noch nen ganzen Einkaufswagen voller anderer – unverzichtbarer – Dinge gekauft.

Das soll jetzt keine Kritik an Frauen, beziehungsweise ihren Einkaufsgewohnheiten sein und ich bin mir sicher, dass es – wie überall – auch hier sicher Ausnahmen gibt.

Trotzdem führe ich die überwiegenden Beobachtungen auf diesem Gebiet auf folgende Theorie zurück: Männer sind, auch nach zigtausenden Jahren des Fortschritts, immer noch irgendwo Jäger. Sie haben genau im Kopf, was sie suchen – Beute! Wie die heute auszusehen hat hat ihnen womöglich die holde Höhlengenossin (sofern die Ehe noch nicht erfunden war) noch mit auf den Weg gegeben (“Schatz, heute mal Hase…”), sie weiß damit, dass er zuverlässig mit genau dem zurückkommen wird, was sie ihm aufgetragen hat. Sie rechnet sicher nicht damit, dass er unterwegs noch ein paar Preiselbeeren pflückt, weil die zum Braten passen könnten – sie kennt ihren Keulenschwinger ja lange genug.

Sie wäre da aber ganz anders. Bestimmt wäre sie in der Lage, den Hasen auch selbst zu fangen – das Dumme ist nur: Sie kommt nicht dazu. Viel zu viele dekorative Zweige um die Höhle zu verschönern, unzählige Preisel-, Heidel-, Brom- und Himbeeren säumen stets den Weg zum eigentlich anvisierten Braten – und die kann man doch nicht einfach zurücklassen! Also wird gesammelt was das Zeug hält, ob mans braucht wird später entschieden – erstmal haben.

Ich bin zwar kein Soziologe (oder Paläopsychologe? Sozialphilosoph? Keine Ahnung, was für Menschen für solche Fragen zuständig sind…), diese Theorie habe ich aber oft bestätigt gesehen und halte sie darum für zumindest denkbar.

Und gerade bei Ikea im Besonderen bestätigt sich das immer wieder, was auch kein Wunder ist:

  • Das “Schwedenfrühstück” für 1,50€ – inklusive Kaffee satt liefert ihr das beste Argument um auch den sparsamsten Ihn davon zu überzeugen, dass ein Besuch bei Ikea doch rein finanziell gesehen kein Fehler sein kann – das er hinterher schon oft das exakte Gegenteil festgestellt hat vergisst er dabei natürlich
  • Der Aufbau des Ladens macht es nahezu unmöglich, nicht fast am kompletten Sortiment vorbeizukommen. Das ist Männern egal, sie haben nur Augen für die Beute, auf die sie gerade “programmiert” sind. Frauen werden aber quasi von ihrer eigenen Natur gezwungen, gemütlich zu bummeln – was häufig nichts weiter als eine moderne Metapher für das steinzeitliche Sammeln ist
  • Last but not least: Das Schweden-Image, dass hemmungslos in alle Bereiche des Marketings eingeflochten wird – vom konsequenten Duzen der Kundschaft über die Firmenfarben bis hin zu den Produktbezeichnungen – spricht nach meiner Beobachtung eher Frauen an, während Männern (mir jedenfalls geht es so und so wie ich das einschätze auch den meisten die ich kenne) sowas mehr oder weniger egal ist oder es gar als albern empfunden wird

Insgesamt kann man ein solches Talent zur Kundenbindung wirklich nur bewundern. Man mag ja über das eine oder andere Detail lächeln. Fakt ist aber: Ikea ist erfolgreich ohne Ende.

Für Ikea Deutschland gilt 2006: 90 Millionen Kunden sind in den 39 Filialien sowie dem Onlineshop unter den rund 12.000 Produkte fündig geworden und haben so für 3 Milliarden Euro Umsatz gesorgt und über 12.000 Menschen Arbeit gegeben. Das sind ja doch beeindruckende Zahlen.

Und in der Tat: Man kommt an Ikea irgendwie nicht vorbei – und damit meine ich durchaus auch Mann. Meine Einrichtung besteht jedenfalls mittlerweile fast ausschließlich aus Ikea-Möbeln und ich bin damit gar nicht mal so unzufrieden.

Gestern war übrigens die von mir anvisierte Beute das Bett “ANEBODA“. Ich bin sehr zufrieden damit, der Aufbau war relativ simpel und schnell und es waren sogar sämtliche Schrauben dabei!

Insofern war der Ikea-Besuch erfolgreich, auch jenes Schwedenfrühstück hab ich natürlich mitgenommen…

UPDATE: Hier gibts einen interessanten (und ernsthafter gemeinten) Bericht, der einige Beispiele und Tricks des Möbelgiganten erklärt.

Comments

7 Responses to “Neulich war ich mal wieder bei Ikea”

  1. Robert
    Februar 28th, 2007 @ 16:24

    Moin Jan!
    Erstmal glückwunsch zum neuen Bett. Das wurde ja auch mal höchste Zeit. Das Alte hatte seine Schuldigkeit definitiv getan.
    Zu deinen Beobachtungen kann ich nur sagen: “Genau so ist es!” Das gleiche Phänomen zeigt sich auch bei Kleidung. Ich finde was ich suche, probiere es an, bezahle und ab nach Hause. Für Frauen unvorstellbar: “Was ist wenn es noch was besseres gibt?” Eine grausame Vorstellung, die zu einem wahnsinnigen Suchen in allen möglichen Geschäften und einer riesen Auswahl führt, wobei letztlich etwas gekauft wird was dem Anfangsprodukt sehr ähnelt wenn nicht gleich ist. Eine wahnsinns Zeitverschwendung und immenser Stress, aber die Frauen sind glücklich hinterher, auch wenn der Mann spätestens nach einer Stunde völlig am Ende ist.

  2. Jan Filter
    Februar 28th, 2007 @ 16:33

    Na damit sind wir ja schon zwei… wobei ich Klamotten für einen verschärften Sonderfall halte, da spielt Eitelkeit eine überragende Rolle und vielen Frauen ist es nunmal auch sehr wichtig möglichst gut auszusehen – Männer sind da häufig nicht ganz so Oberflächlich;)

  3. simon
    März 1st, 2007 @ 14:23

    Wobei die steinzeitliche Aufteilung in Jagen und Sammeln laut modernen Ansichten grösstenteils Dummfug ist. Was den Einfluss der angeblich in den Genen festgehaltenen Verhaltensweisen auf reale und heutige weibliche Wesen natürlich in keinster Weise schmälert.
    Sicherlich gibt es – im statistischen Mittel – Unterschiede zwischen dem Einkaufsverhalten von Männern und Frauen, sicherlich aber nicht weil in der Steinzeit angeblich die einen dies und die anderen jenes taten.

  4. Jan Filter
    März 1st, 2007 @ 14:27

    Ja, könnte sein dass das andere Gründe hat. Nichtsdestotrotz finde ich, dass es sich um eine hübsche, anschauliche Theorie handelt…

  5. Ecki
    April 6th, 2007 @ 15:09

    Moin Jan,

    zuerst einmal geile Seite!!!Mein Vater und ich haben uns gerade fast tot gelacht.

    Du triffst den Nagel voll auf den Kopf mit deinem Artikel.Vor allem wollen Frauen auch immer Samstags einkaufen gehen.Dann wenn alles proppe voll ist…Mir greult es auch jedes mal,wenn Drahtbein fragt,wollen wir nicht mal wieder zu IKEA?Nur kurz und wir brauchen ja auch nichts kaufen.
    Das Ende vom Lied hast du ja schon beschrieben.Der Wagen ist doch wieder voll…meist mit irgendwelchem Gedöns( vor allem Kerzen ) von dem man eh die Bude schon voll stehen hat.und außerdem Frauen und kurz einkaufen?!? Das ist wie Männer und Kinder kriegen…Das passt irgendwie nicht.

    Frohe Ostern wünscht Dir “Ali”

  6. Jan
    April 6th, 2007 @ 15:42

    Danke danke. Dem Artikel liegen natürlich umfangreiche Feldstudien sowie jahrelange Beobachtungen meinerseits zugrunde. Darum wundert es mich nicht, dass du die exakt bestätigen kannst;)

    Und ja, Kerzen sind auch nach meinem Eindruck wohl auf jeden Fall eine wichtige Säule des Ikea-Imperiums.

    Ich wünsche Dir und deiner Familie natürlich ebenfalls frohe Ostern.

  7. Frank
    Juni 4th, 2007 @ 23:01

    Huha ……….War selbst vor kurzem bei Ikea ………… und wundertet mich was dieser Reisbusauflauf soooooooo früh am mogen bei Ikea macht………….. die Antwort war ….. das bis dato mir unbekannte 1.50 euro Frühstück.
    Das ist inzwischen eine eingeschworene Gemeinschaft. Dauerte nicht lange bis mich eine ältere Dame an die Hand nahm ………… und mich erstmal aufklärte wie dort der Hase läuft.

    Ikea ist ….oder wird zum Freitzeitpark der Neuzeit……….. wer will da noch ins Disneyland.

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