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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Kulturelles Neuland

Posted on | März 15, 2007 | 1 Comment

Über Geschmack lässt sich streiten und damit auch darüber, was Kultur ist und was nicht. Wikipedia bietet folgende Definition an:

Der Ausdruck Kultur ist vom lateinischen colere (bearbeiten, pflegen, verehren) abgeleitet, genauer von seinem Partizipcultus (bearbeitet usw.) bzw. dessen Substantivierung (das Bearbeitete usw.). Der Wortstamm ist mit Kult eng verwandt. Kultur wird von vielen Autoren als Gegenbegriff zu Natur verwendet, die ohne menschliche Eingriffe entstanden sei.

Könnte man also sagen, dass zur Kultur Dinge gehören, die irgendwie von Menschen geschaffen oder bearbeitet worden sind und die entweder als Kult verehrt werden oder zumindest einen anderen Nutzen haben? So würde ich diesen schwierigen Begriff jedenfalls definieren.

Ich weiß leider nicht mehr, wo genau aber vor wenigen Wochen fand bei Golem eine angeregte Diskussion statt, ob man Computerspiele als Form der Kunst betrachten könnte oder nicht. Wäre dem so und würde diese Betrachtung auch staatlich anerkannt, dann wäre jeder Versuch der Zensur ein Eingriff in die künstlerische Freiheit. Killerspiele würden dann von ihren Gegnern als entartete Kunst betrachtet werden müssen. Verbotsbestrebungen stünden plötzlich auch für Menschen, denen Computerspiele egal sind als das da, was sie sind: Obrigkeitsstaatliche Eingriffe in die persönlichen Grundrechte, staatliche Beeinflussung von freien Menschen, die entweder Kunstwerke schaffen oder diese genießen möchten.

Über diese, meine private Sichtweise lässt sich streiten. Mir ist klar, dass nicht jeder meiner Meinung sein kann und als Demokratie-Fan habe ich damit nicht das geringste Problem, solange das sachlich und fair geschieht. Mancher mag keine Spiele, in denen Blut fließt. Mancher mag keine Filme, in denen Blut fließt. Mancher findet allerdings auch Werke von Picasso oder Kandinski, die Millionen Euro wert sein mögen, einfach zum kotzen. Weil ihn die Botschaft nicht erreicht, weil es ihm vielleicht an entsprechender Vorbildung fehlt. Möglicherweise gibt es sogar Menschen, die begeistert Microsofts Combat Flight Simulator spielen und dort virtuelle Bomben über virtuellen Städten abwerfen, gleichzeitig aber Picassos Guernica so heftig und berührend finden, dass sie es sich einfach nicht ansehen mögen. Alles denkbar. Wer heute einen aktuellen Ego-Shooter sieht, der ist entweder beeindruckt von der aufwändigen Grafik, weil er sich vielleicht noch an die ersten Versionen von Doom oder gar Wolfenstein erinnert. Wem es hier an Vorbildung fehlt, weil er sich nie um Computerspiele gekümmert hat, es ihn auch nicht interessiert, der sieht möglicherweise nur Gewalt, nimmt die Handlung des Spiels nicht wahr und hat auch für die graphischen Effekte, mögen sie noch so gelungen sein, wenig übrig.

Damit bin ich wieder beim Einstieg: Über Geschmack lässt sich streiten. Davon unabhängig sollten aber universelle Begriffe wie Kunst und Kultur klar definiert sein, damit nicht der Geschmack derer, die zufällig gerade etwas zu sagen haben darüber befindet, wo Kultur anfängt und wo es Unkultur (ein fürchterliches Wort, so etwas kann es nach obiger Definition aber eigentlich auch gar nicht geben) wird.

Das waren einige Gedankengänge, über die ich schon länger nachdenke. Bei der heutigen Lektüre der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung regte mich dann dieser Artikel zu weiterführenden Überlegungen an. Darin heißt es unter anderem

Eine der bedeutendsten Bibliotheken der Welt, die Library of Congress, hat Videogames zu einem wertvollen Kulturgut ernannt. Die Einrichtung stimmte einem Antrag eines Teams um Kurator Henry Lowood zu, der die Wissenschafts- und Technologiesammlung der Stanford University betreut, einen Games-Kanon zu erstellen, berichtet die New York Times. In diesen Kanon wurden nun die zehn bedeutendsten Videogames aller Zeiten aufgenommen.

Dazu werden auch sogenannte “Killerspiele” wie Doom gehören, da diese einen entscheidenden Schritt in der technischen Entwicklung demonstrieren.

Das dürfte der Debatte einen interessanten weiteren Punkt hinzufügen. In dem Artikel wird übrigens darauf hingewiesen, dass der Deutsche Kulturrat sich bereits mit Videogames als Kunstform befasst und ein deutsches Computerspielemuseum bereits über 10.000 Exponate gesammelt hat.

Spricht nicht doch einiges dafür, dass Computerspiele längst mehr als nur Spielereien für Computer-Freaks sind und für viele Menschen Teil ihrer Kultur geworden sind?

Comments

One Response to “Kulturelles Neuland”

  1. JuLis Harburg-Land » Blog-Archiv » Sport ist so wichtig wie Meinungsfreiheit und Rechtsstaat
    März 26th, 2007 @ 15:42

    [...] dann demnächst als kulturelles Gut schon durch das Grundgesetz vor übermütigen Populisten geschützt? Wird jeder Bürger verpflichtet, mindestens einmal im Jahr ein kulturell Wertvolles Gemälde [...]

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