Apr 30 2007
Wenn Planwirtschaftler Wirtschaft planen
Beim Thema Mindestlohn habe ich mich immer gefragt, wie wohl reagiert würde wenn man auf der anderen Seite auch einfach mal Mindestpreise für irgendwelche Dinge des täglichen Bedarfs festlegen würde. Inzwischen weiß ich es: Die Reaktion liegt irgendwo zwischen Ignoranz und Desinteresse.
Es regt jedenfalls niemanden auf, dass Menschheitsbeglücker beschlossen haben, uns vor Gammelfleisch zu schützen – indem für Lebensmittel indirekt Mindestpreise festgelegt werden.
Dazu stelle ich mal folgende Überlegung an: Ich stell mir vor, ich wär jetzt mal ein wirklich böser Mensch mit einem gewissen Maß an krimineller Energie. Und ich bekomme regelmäßig irgendwoher günstiges Fleisch, ich gehe davon aus, dass es schon älter ist – eigentlich interessiert mich das bei dem Preis, zu dem ich es bekomme aber nicht. Ich verpacke es neu und drucke irgendwelche willkürlichen Mindesthaltbarkeitsdaten drauf, überliste sämtliche Kontrollbürokratie auch noch irgendwie (denn kein System ist perfekt) und liefere es einem (Groß-, Zwischen-, oder Einzel-) Händler. Das hab ich schon immer so gemacht, hat auch immer gut geklappt.
Jetzt, da es Mindestpreise gibt, muss ich wohl meine Preise ein wenig anheben – um keinen Verdacht zu erregen. So hilft mir der Staat mit seinen typischen “Gutgemeint”-Irrungen meine Gewinnspanne, die mir bisher eigentlich schon groß genug war um Verbotenes zu tun, noch ein bisschen zu erhöhen. Gleichzeitig erhöht sich beim dummen Verbraucher womöglich noch das Gefühl, gute Ware gekauft zu haben. Der Staat hat sich ja schließlich persönlich drum gekümmert. Und teuer genug war es auch.
Soweit meine Theorie zu dem Thema. Der Sinn und Zweck solcher Eingriffe erschließt sich mir also kein bisschen. Wenn irgendwer sich in der Lage fühlt mich aufzuklären, wäre ich dankbar. Bis auf Weiteres halte ich eine solche Maßnahme für blinden, populistischen Aktionismus, der allenfalls Placeboeffekte hervorrufen dürfte.
Während der deutschen Politik die Preise für manche Dinge zu niedrig sind, halten Europakommissare und -Politiker dagegen beispielsweise die Handygebühren, die sie von Brüssel oder Straßburg (oder dazwischen) aus für ein Gespräch in die Heimat zahlen müssen, für zu teuer. Was den gewöhnlichen Verbraucher nur im Urlaub mal interessiert, sorgte hier für einen weiteren interessanten Eingriff in den Wettbewerb: Die Roaming-Gebühren werden nun nicht mehr vom Markt bestimmt sondern von Politikern gedeckelt.
Aktiengesellschaften wie die Telekom werden sich allerdings wohl kaum ihre Gewinne dadurch schmälern lassen. Vermutlich zahlt demnächst König Kunde die Telefonrechnung unserer Europapolitiker indirekt mit. Man könnte sich drüber aufregen – aber unter uns: Da wir denen sowieso ihr Gehalt mit Steuern zahlen, kommt es doch letztlich aufs gleiche raus, in welcher Form wir Dussel die Leistung dieser Leute honorieren.





