Meine Organe gehen nicht in den Staatsbesitz über!
Posted on | April 24, 2007 | 7 Comments
Der Nationale Ethikrat empfiehlt heute eine “Neuregelung bei Organspenden“.
Die Situation ist die Folgende: Es gibt einen Mangel an Spenderorganen und diesem könnte man nun nach Meinung des Ethikrates begegnen, indem man das Prinzip der Spenderausweise umkehrt und jeden, der dem nicht ausdrücklich widersprochen hat als potentiellen Spender ansieht.
Ich spende regelmäßig Blut (bislang immerhin über 7 Liter), ich bin in der Knochenmarkspender-Datei der DKMS registriert und ich würde auch meine Organe hergeben, wenn ich selbst damit nichts mehr anfangen könnte, weil ich zum Beispiel hirntot bin.
Aber die Vorstellung, dass irgendwelche Behörden bei meinem Tod automatisch quasi zu Eigentümern meines Körpers oder auch nur einiger Teile davon werden, sofern ich es versäume dagegen zu widersprechen, die finde ich einfach nur gruselig. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass sowas niemals eingeführt wird.
Gleichwohl sehe ich das Problem. Auf der Kampagnen-Website zur Organspende der “Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung” (welch herrlich griffiger Name) wird es recht deutlich formuliert:
“Ca. 70 % der Bürger wären bereit, nach ihrem Tod Organe zu spenden, allerdings halten nur wenige Menschen ihre Entscheidung schriftlich fest oder teilen sie den nahe stehenden Menschen mit.”
Das ist natürlich schlecht, auch wenn es grundsätzlich nichts an meiner Einstellung dazu ändert.
Mich hat es aber sofort dazu gebracht, mir an gleicher Stelle einen entsprechenden Ausweis zu bestellen. Das geht hier kostenlos und dauert selbst mit ISDN-Geschwindigkeit keine 5 Minuten.
Auf der oben genannten Website stand zu den Ausweisen noch folgender Hinweis:
Der Organspendeausweis wird an keiner offiziellen Stelle registriert oder hinterlegt. Es ist sinnvoll den Ausweis mit den Personalpapieren bei sich zu tragen. In Notfällen schauen Rettungskräfte dort als erstes nach und können die Angehörigen verständigen. Möglich ist aber auch, den Ausweis bei Angehörigen oder einer nicht verwandten Vertrauensperson zu hinterlegen.
Wenn ich das richtig verstanden habe, dann muss ich diesen Ausweis einfach nur bei mir haben und wenn mir dann irgendwas geschieht, dass mich zwar kaputt macht, einzelne Organe aber heile lässt, dann kann ich damit halt signalisieren, dass es in meinem Sinne ist wenn ich damit eventuell irgendwem nochmal das Leben retten kann.
Wenn das wirklich so ist, dann finde ich das eine gute Sache, die absolut unterstützenswert ist. Und bevor mein Körper noch per Gesetz verstaatlicht wird, wie es dem Ethikrat scheinbar irgendwie ein Anliegen ist, bleibe ich doch lieber bei meinem Grundprinzip der Freiwilligkeit.
Übrigens: Man kann sich einen solchen Ausweis auch als eindeutigen Widerspruch zulegen, das lässt sich da genauso drauf schreiben. Außerdem ist ein formloser, selbstgemachter Ausweis genauso gültig. Es geht also in erster Linie darum, ganz klar zu sagen was einem Recht ist und was nicht, auch um seinen Angehörigen diese Entscheidung im Falle des eigenen Todes von vornherein abzunehmen.
Weils so wichtig ist zu guter letzt nochmal den Link zum Bestellformular auf der Seite Organspende-Kampagne.de (klick auf den Link öffnet gleich die Seite wos zur Bestellung geht).
Comments
7 Responses to “Meine Organe gehen nicht in den Staatsbesitz über!”
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März 29th, 2008 @ 19:44
Organspende – Auf jeden Fall sinnvoll…
Ich habe bereits seit ungefähr einem Jahr einen Organspendeausweis und würde jedem dazu raten sich einen zu besorgen. Es geht mir primär nicht darum, dass nun jeder nach seinem Tod möglichst spenden sollte, sondern ein Organspendeausweis hilft …
Juli 1st, 2008 @ 11:36
[...] die Einwilligung zur Organspende wird aber kein Glaubenskrieg geführt: Im Gegenteil: Hier diskutiert man ganz offen, ob nicht jeder Mensch von vornherein als Organspender gelten sollte und man dem erstmal widersprechen sollte. Das halte ich wiederum für nicht ethisch, zeigt im [...]
August 30th, 2010 @ 01:21
[...] drei Jahren hat der “Nationale Ethikrat” für diese Idee geworben und mir damals eine Reaktion entlockt, die ich heute noch ganz genauso vertrete: Ich spende regelmäßig Blut (bislang [...]
September 7th, 2010 @ 08:02
[...] hace más de tres años el “Nationale Ethikrat” promovió esta idea y provocó entonces en mí una reacción que todavía hoy defiendo [...]
September 9th, 2010 @ 08:36
[...] national sur l’éthique” défendait déjà cette idée. À l’époque, ma réaction avait été la même : Je fais régulièrement des dons de sang (à ce jour, tout de même plus de [...]
September 9th, 2010 @ 11:12
[...] Ethikrat” (national ethics council) had already advertised this idea and elicited a reaction from me, one which I still believe today: I donate blood regularly (more than 7 litres so far), [...]
September 9th, 2010 @ 13:23
[...] che il “Comitato Nazionale di Etica” promuove questa idea e già allora mi avevano strappato una reazione, che ancora oggi sostengo allo stesso modo: Dono regolarmente il sangue (finora almeno 7 litri), [...]