Politische Jugendorganisationen und Technik
Ich dachte grade so, dass es vielleicht interessant sein könnte die Newsfeeds von Junger Union, Jungen Sozialisten, Jungen Liberalen, Grüner Jugend und Sozialistischer Jugend zu abonnieren. Also schnell mal hingesurft – und relativ ernüchtert festgestellt, dass den genannten Vereinen außer dem Grünen-Nachwuchs diese eigentlich nicht mehr so ganz taufrische Technik unbekannt zu sein scheint.
Das ist nicht nur schade sondern ärgert mich auch ein wenig. Denn besser kann man interessierte junge Leute doch gar nicht erreichen, als per Feed. Das Newsletter längst sowas von out sind scheint man zwar bei den Mutterparteien weitgehend verstanden zu haben (die Feeds von denen habe ich nämlich schon länger alle abonniert). Gerade die Jugendorganisationen hinken da aber erstaunlicherweise noch hinterher, auch wenn die Seiten ansonsten gut gemacht sind und allesamt viel an Information und Material bieten. Daher geb ich mal die Hoffnung nicht auf und setze auf die nächsten Wahlen, die erfahrungsgemäß gerne als Anlass für umfangreiche Aufrüstungen unter politisch motivierten Seiten genutzt werden.
Die jungen Grünen könnten sich das zwar sparen. Ein wenig (leichte) Kritik habe ich aber auch hier zu üben. Ein Bild sagt hier vielleicht mehr als Tausend Worte:

Klar: Fällt auf und wirkt irgendwie jung und frech, was es vermutlich auch soll. Davon abgesehen tut es aber auch ein bisschen in den Augen weh, vielleicht doch mal über etwas angenehmere Farben nachdenken?
Auche die Vielfalt der abonnierbaren Feeds hat mich ehrlichgesagt erstmal eher verwirrt. Scheinbar versuchen die Grünen die Feed-Defizite der konkurrierenden Organisationen durch eine Art Überreaktion noch deutlicher herauszustellen:

Mag ja gut gemeint gewesen sein aber irgendwie… naja. Ich hab mich spontan für den ersten der angebotenen Feeds entschieden, langt mir für meine Zwecke der rudimentären Information was die politische Konkurrenz so treibt, voll und ganz aus.
Trotzdem gefällt mir das Grüne Konzept am besten. Information in brauchbarer Form anzubieten ist wichtiger als beispielsweise irgendwelche Flash-Intros (wie bei der Jungen Union) oder extrem BILDhaft verkürzte Kampagnenslogans (wie bei den JuSos). Die Seite der Jungen Liberalen kommt mir dagegen schon ein wenig zu ernsthaft und nüchtern rüber.
Und die PDS-Jugendorganisation “Solid – Die Sozialistische Jugend” hat ihre Glaubwürdigkeit bei mir mit prominent platzierten Links zu ganz anderen Organisationen arg strapaziert. Was soll man von einer politischen Vereinigung halten, die direkt auf ihrer Startseite für mehr oder weniger eigenständige Organisationen wie Attac und Antifa wirbt? Ich weiß zwar, dass die politisch auf ähnlicher Linie wie PDS & Co liegen. Aber ein wenig mehr Selbstvertrauen hätte ich selbst von einem sozialistischen Verein erwartet.
Fazit: Es gibt einiges zu verbessern, wenn die großen politischen Jugendorganisationen ihren Beitrag zur Begeisterung des interessierten Nachwuchses für Politik und Demokratie leisten möchten, auch wenn ich keinen der erwähnten Internetauftritte als grottenschlecht einstufen würde.
Grillfest
Dank der Paarung von glücklicher Fügung mit sturmfreier Bude, bin ich in der dankbaren Situation jeden Idiotenverehrten Leser heute Abend, ab 18 Uhr, zu einem Grillfest einzuladen.
Fleisch ist umsonst, sonstige Bedürfnisse (Salate, Bierchen etcetera) bitte selbst befriedigen.
Um Rückmeldung wird gebeten.
Angst vs. Freiheit
Die Kritik an Schäubles Plänen sei unverantwortlich, meint jedenfalls CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla in einer aktuellen Pressemitteilung. In der Kritik schwingt ihm zuviel Ideologie (so heißt die Liebe zu Privatsphäre und Freiheit also neuerdings im CDU-Sprech) mit. Wir, die wir uns nicht unter einen Generalverdacht stellen lassen wollen und jeden kleinen Aspekt unseres Lebens datenbanktechnisch erfassen lassen möchten, führten eine hysterische Debatte “mit dem Stil und den Rezepten von Vorgestern.”
Er spricht von Sicherheit unter dem Aspekt einer “neuen globalen Herausforderung”, als wenn sich an der Bedrohungslage in jüngster Zeit irgendwas geändert hätte. Er führt als Beispiel dann noch folgendes an:
“Ich erinnere nur an die gescheiterten Kofferbombenattentäter vom Kölner Hauptbahnhof.”
Ja, die sind wirklich noch nicht soo lange her. Also erinnern wir uns auf Pofallas Wunsch einfach mal: Zwei Verrückte wollten selbstgebaute Kofferbomben in Regionalzügen zünden. Das hätte einen Feuerball von 15 Metern durchmesser und damit zweifellos eine Katastrohphe verursacht. Glücklicherweise waren die beiden Gotteskrieger nicht nur verrückt sondern auch ungeschickt, so dass die Bomben nicht hochgegangen sind. Dank Videoüberwachung (die es in Bahnhöfen ja schon ewig gibt) konnte der eine binnen 3 Wochen identifiziert und festgenommen werden, der andere wurde später im Libanon festgenommen und die Prozesse gegen beide haben inzwischen begonnen.
Zu verhindern sind solche Anschläge nicht. Weder durch Fingerabdrücke in Pässen noch durch eine umfangreiche Datenbank. Sie wären vielleicht zu verhindern, wenn man immer und überall jeden Koffer jedes Menschen durchsuchen würde. Mag sein, dass das diese Konzepte sind von denen Schäuble, Pofalla und andere Sicherheitsfetischisten träumen, wenn sie von “ganzheitlichen Ansätzen” schwadronieren. Vielleicht reicht es auch, eine Pflicht für durchsichtige Koffer und Taschen einzuführen. Analog dazu vielleicht noch die Pflicht durchsichtige Klamotten zu tragen, damit man auch die von Sprengstoffgürteln ausgehenden Gefahren bannen kann. Gäbe sicher ein lustiges Bild ab und so etwas würde dem samjatinschen Wohltäter aus “Wir” sicher sehr gefallen.
Natürlich streiten die Verantwortlichen derartige Ziele reflexartig ab. Und doch: Der Überwachung jedes Einzelnen Bürgers wird immer weiter Vorschub geleistet.
Ein Generalsekretär arbeitet laut Wikipedia (und auch laut meiner persönlichen Erfahrung) “maßgeblich an den Zukunftsstrategien und an der Fortentwicklung der Partei” mit. Von daher dürfen Pofallas Worte für freiheitsliebende Menschen durchaus als Drohung verstanden werden.
Das versucht Pofalla allerdings in der selben Pressemitteilung zu verschleiern, indem er den beliebten Allgemeinplatz “Sicherheit und Freiheit bedingen einander” in die Waagschale wirft.
Dem liegt eine völlig unterschiedliche Auffassung von Freiheit zugrunde: für die CDU scheint sich der Begriff Freiheit vor allem in “Angstfreiheit” zu erschöpfen. An der Stelle sei daran erinnert, dass Terroristen in der Regel das Ziel haben, genau diese Angst zu schüren und damit die angegriffenen Gesellschaftssysteme genau in der Richtung verändern wollen, wie wir es derzeit bei uns erleben. Die Regierung nutzt diese Angst schamlos aus, indem sie sie als Begründung für weitreichende Bürgerrechtsbeschneidungen ausnutzt.
Meine Definition von Freiheit ist eine andere. für mich bedeutet Freiheit, dass ich gehen und stehen darf wo ich will, mit und ohne einen Koffer. Und auch wenn ich mich dabei mit einem vielleicht irgendwie arabisch aussehenden Menschen unterhalte, möchte ich nicht in eine Anti-Terrordatei gelangen – denn ich bin nunmal kein Terrorist.
Ich will die Filme sehen, die Musik hören, die Menschen toll finden, die ich will. Auch wenn das meiner Regierung unter Umständen nicht gefällt oder sie aus irgendwelchen Gründen seltsame Schlüsse daraus ziehen könnte.
Freiheit von Angst ist etwas, für das ich selbst durch meine persönliche Einstellung zu sorgen habe. Im Moment machen mir Terroristen weit weniger Angst, als Schäuble mit seinen paranoiden Plänen.
Die oben angesprochenen Kofferbomber wurden gefasst, ohne dass es diesen ganzen angeblich alternativlosen Mist gegeben hätte.
Planet der Entscheider
Wer ein wenig besser verstehen möchte warum unsere Bundesregierung so ist wie sie ist, scheinbar ohne jedes Bewusstsein, ohne jede Sensibilität für Fragen der Privatsphäre im Internet und andere “neumodische” Dinge wie Handys, Emails und so weiter, der sollte sich mal diesen lesenswerten Artikel bei Indiskretion Ehrensache ansehen. Kostprobe:
Doch die Volksvertreter leben in ihrer eigenen Welt. Einer Welt der Bodyguards und Referenten, ohne E-Mails und Computer und Blackberrys. Handys werden ihnen vom Assistenten telefonbereit gereicht. Deshalb auch demonstriert Angela Merkel nicht gegen eine Beschneidung der Bürgerrechte durch ihren Innenminister – sondern gegen eine Kürzung der “Tagesthemen” wenn zuvor “Hart aber fair” läuft. Also maximal einmal pro Woche.
Mozilla Thunderbird 2.0
Nach meinem kurzen Hinweis gestern, will ich jetzt nochmal genauer auf das Programm aus dem Hause Mozilla eingehen.
Wer nicht weiß, was das ist: Es handelt sich um ein Emailprogramm, dass es nach kurzer Konfiguration erlaubt, seine Emails direkt vom Server auf den eigenen Rechner zu laden, ohne dabei die Web-Oberflächen über einen Browser abrufen zu können.
Die bekannteste Email-Software dürfte nach wie vor das vor allem durch Sicherheitslecks Schlagzeilen machende Outlook sein.
Thunderbird ist dagegen kostenlos erhältlich und lässt sich durch einige Aufrüstungen zum beinahe ebenbürtigen Konkurrenten von Microsofts Marktführer aufrüsten.
Mittlerweile habe ich Thunderbird 2.0 ein wenig testen können und bin mit den Neuerungen ganz zufrieden. Das sind, laut der deutschen Thunderbird-Website, die Folgenden:
- “Schlagwörter: Erstellen Sie Ihre eigenen Schlagwörter (früher “Etiketten”) zur Organisation der Nachrichten. Ordnen Sie dabei eine beliebige Anzahl von Schlagwörtern einer Nachricht zu. Sie können Schlagwörter auch mit Virtuellen Ordnern und den Ansicht-Einstellungen kombinieren, um ihre Nachrichten noch besser zu organisieren.
- Visuelle Neuerungen: Für eine bessere Bedienbarkeit und eine maximale Ausnutzung des Bildschirmes wurde das Theme und die Benutzeroberfläche von Thunderbird 2 aktualisiert.
- Nachrichten-Chronik: Die Schaltflächen Vor und Zurück erlauben es Ihnen, sich einfach in der Nachrichten-Chronik zu bewegen.
- Zusätzliche Ordneransichten: Wählen Sie Ihre Ordneransicht für die Anzeige aller Ordner, Favoriten-Ordner, ungelesene Ordner oder der zuletzt geöffneten Ordner.
- Einfacher Zugang zu bekannten Mail-Diensten: Benutzer von Google Mail und .Mac haben mit der Angabe Ihres Benutzernamens und Passwortes direkten Zugriff auf Ihren Account.
- Verbesserte Unterstützung für Erweiterungen: Erweiterungen können jetzt benutzerdefinierte Spalten innerhalb der Nachrichtenanzeige hinzufügen und zusätzlich individuelle Daten in der Nachrichten-Datenbank speichern.
- Verbesserte Benachrichtigung über neue Nachrichten: Benachrichtigungen beinhalten jetzt Informationen wie Betreffzeile, Absender und einen Vorschautext.
- Ordner-Kurzinformationen: Bewegen Sie die Maus über einen Ordner mit neuen Nachrichten, um eine Zusammenfassung der neuen Nachrichten in diesem Order zu erhalten.
- Bessere Effizienz für Virtuelle Ordner: Um die Ladezeiten von Virtuellen Ordnern zu verkürzen, werden die Suchergebnisse jetzt zwischengespeichert.
- Suche bereits beim Eintippen: Findet Nachrichtentexte bereits beim Eintippen und hebt sie farblich hervor.
- Verbesserte Archivierungs-Funktionen: Neue Menüeinträge für Ordner, um Nachrichten in die zuletzt benutzten Ordner zu kopieren oder zu verschieben. Weiterhin existiert eine Funktion zum erneuten Kopieren bzw. Verschieben.
- Aktualisierung des Systems für Erweiterungen: Das System für Erweiterungen wurde aktualisiert, um höhere Sicherheit und eine einfachere Übersetzung von Erweiterungen zu bieten.
- Neue Installationsroutine für Windows: Basierend auf dem Nullsoft Scriptable Install System behebt der neue Windows-Installer viele langjährige Probleme.
- Unterstützung von Windows Vista: Viele Verbesserungen und Fixes für Windows Vista.”
Dem habe ich, außer dem Download-Link (Mozilla Thunderbird auf Deutsch) nichts hinzuzufügen. Ausprobieren lohnt sich!
Waffen verursachen Amokläufe
Auch jetzt noch, einige Tage nach dem schrecklichen Amoklauf in Blacksburg, liest man allerorten massive Kritik an den US-Amerikanischen Waffengesetzen (die als verfassungsmäßige Grundrechte übrigens extrem schwer zu verändern wären, schon gar nicht vom Präsidenten – mehr dazu bei USA erklärt).
Die Kritik geht zum Teil so weit, dass man zwischen den Zeilen ein “die Amis sind ja selber schuld” herauslesen kann, wenn man mag. Manches davon lässt sich problemlos als offene Schadenfreude interpretieren, die angesichts eines Massenmords an über 30 zumeist jungen Menschen einfach nur widerlich ist. Aber es ist wie immer: Wer den Schaden hat braucht für den Spott nicht zu sorgen und uns könnte sowas ja nie passieren.
Außer damals in Erfurt, das war aber ein Einzelfall. Und achja, diese Emsdetten-Geschichte. Naja, dass war dann halt die Ausnahme, die die Regel, dass uns sowas nicht passiert, nur bestätigt.
Es ist mir etwas unerklärlich, wie Einige angesichts einer solchen Tragödie lieber erstmal mit erhobenem Zeigefinger den Amerikanern erklären wollen, was bei ihnen alles schief läuft. Ist es so schwer, aufrichtiges Mitleid zu zeigen und danach mal nach den wahren Ursachen zu fragen?
Ist der Irre von Blacksburg Amok gelaufen, weil er Waffen hatte? Oder weil er “Killerspiele” gespielt hat? Oder hatte das nicht doch ein paar andere Ursachen, die mit den beiden Lieblingsargumenten der immer gleichen Besserwisser leider gar nichts zu tun haben, was offenbar bei der medialen Behandlung des Themas – wie immer – keine Rolle zu spielen scheint.
Halten wir also fest: Bei den Amis wird Amok gelaufen, weil man so leicht an Waffen kommt. Diese These kann bei uns natürlich nicht gelten, weil es hier schwerer ist. Zum Glück haben wir aber ja (noch?) unsere “Killerspiele”.
Auf was stürzen wir uns bloß, wenn die wirklich irgendwann mal verboten sein sollten? Fernsehen? Alkohol? Musik? Quitscheentchen? Egal, irgendwas finden wir schon.
Hauptsache wir waschen unser gesellschaftliches Gewissen mit blindem, überflüssigen Aktionismus rein. Ist viel bequemer, als sich ernsthaft um Verrückte zu kümmern, die sich aus unterschiedlichsten Gründen von der Gesellschaft ausgestoßen fühlen und durchdrehen.
Nur der Vollständigkeit halber: Das soll weder ein Eintreten für die bestehenden Waffengesetze der USA noch eines dagegen sein. Mich betrifft das Thema, so wie eigentlich fast jeden Kommentator der letzten Zeit, sowas von nur am Rande, dass es mir schlicht egal ist wie das dort gehandhabt wird. Solange die demokratische Mehrheit dort auf ihr Recht auf Waffen besteht bringt es nichts, wenn ich meinen Senf dazu gebe und ich mag umgekehrt auch nicht, wenn mir irgendwelche Amis erzählen welche Regelungen bei uns verkehrt sind. So etwas führt zu nichts. Die USA sind inzwischen über 200 Jahre alt und müssen selber wissen was sie tun.
Hurra! Terrorgefahr in Deutschland ein für allemal gebannt!
Zumindest sind erste Schritte dazu endlich eingeleitet worden: Die Ritter der TafelrundeDas Bundeskabinett hat heute das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung beschlossen.
Das ist natürlich nur ein Troplen auf dem heißen Stein. Weitere Projekte sind darum bereits in Planung: Geht es nach den Bestimmern der Größten Koalition aller Zeiten (GröKaZ), dann sorgt bald schon eine ausgefeilte Datenbank, in der Fingerabdrücke, Passfotos, Biometriedaten, Telefondaten und Internetverbindungsdaten sowie Bewegungsprofile aus Mobilfunkkoordinaten und den Mautdaten vernetzt werden, für den sichersten deutschen Staat, den es je gegeben hat. Die dort erfassten Daten können dann von den Polizeien der Länder und des Bundes, vom Verfassungsschutz der Länder, irgendwann vielleicht auch noch BND, MAD, Europol, Interpol, Stasi, CIA, NSA und jedem der fragt genutzt werden, um uns endlich von dieser das ganze Land lähmenden chonischen Unsicherheit zu befreien. Wird verdammt nochmal Zeit! Wieviele Menschen müssen denn noch bei uns ums Leben kommen? Durch Anschläge mein ich, nicht durch Autounfälle, Zigaretten oder andere Hausgemachte Gefahren (um die wird sich später gekümmert, versprochen!).
Kombiniert mit einer umfassenden Videoüberwachung, ließe sich diese Datenbank sicher bald auch prima Nutzen, um nach durchzechten Nächten nachvollziehen zu können, wo man war und was man dort getan und gesagt hat. Sofern Alkohol nicht verboten wird, versteht sich. Eine solche Datenbank bietet also nicht nur Sicherheitsbehörden erhebliche Vorteile, auch wir, die beschützten Untertanen, könnten eines Tages einen Nutzen davon haben.
Sicherlich: Mit abstrakten Dingen wie einer “Unschuldsvermutung”, “Freiheit”, “Rechtsstaat” oder”informeller Selbstbestimmung” hat ein solches Maß an Sicherheit wenig zu tun.
Aber scheiß drauf, dafür werden wir niemals nicht von Terroristen angegriffen! Das ist doch schon ein Wert an sich, der sämtliche Einbußen von persönlicher Freiheit und auch jede Verwässerung der Grundrechte überstrahlt. Auch die übrige Kriminalität dürfte selbstverständlich schon bald der Vergangenheit angehören.
Natürlich weisen die derzeitigen Pläne noch Lücken auf. Was, wenn Terroristen sich gar nicht übers Internet oder Telefonisch verabreden oder gar frech genug sind, dies kodiert zu tun? Was wenn sie gar auf die gute alte Post umsteigen? Alles kein Problem. In letzterem Fall fällt eben das Briefgeheimnis. Kodierungen lassen sich auch verbieten. Und schon haben Terroristen und andere Kriminelle keine Chance mehr, zumindest wenn ihnen unsere Gesetze am Herzen liegen.
Alles in Allem kann ich der ReichsBundesregierung nur zu soviel Weitsicht gratulieren.
Vergesst Orwell. Es lebe Schäublistan!
Harald Schmidt co-moderiert das Heute-Journal
Vor einigen Wochen (?) hatte er sich in seiner eigenen Sendung mal als Urlaubsvertretung beworben, indem er eine Art Mini-Heute-Journal eingebaut hat. Das ging so 2 Minuten, wenn ich das noch richtig weiß.
Beim ZDF scheint die Bewerbung angekommen zu sein, wie Digital TV heute berichtet: Morgen Abend um 21.45 bekommt Schmidt einen Gastauftritt.
Thunderbird 2.0 zum Download bereit
Und zwar hier.
“Todesstrafe für Kinderschänder”
Diese Forderung las ich heute als Schriftzug auf einem geparkten Auto.
Natürlich sind derartige Forderungen (die für gewöhnlich regelmäßig nach bekannt gewordenen Fällen von Verbrechen irgendwelcher Perversen die Runde machen) nachvollziehbar. Kein normaler Mensch hat (hoffentlich) ernsthaft Mitleid mit oder Verständnis für widerliche Verbrechen – erst recht nicht, wenn Kinder die Opfer sind.
Die Todesstrafe ist in Deutschland aber nicht umsonst abgeschafft und zumindest unter den allermeisten demokratischen Politikern geächtet. Wie es in der Bevölkerung aussieht weiß ich nicht, vermutlich lehnt die Mehrheit sie jedoch grundsätzlich ab.
Mord ist ein Verbrechen. Wenn der Staat Mord als Strafe auf straffällig gewordene Menschen anwendet, stellt er sich auf die gleiche Stufe wie andere Mörder.
Ich will in keinem Land leben, in dem diese Form des biblischen “Auge um Auge, Zahn um Zahn” in meinem Namen praktiziert wird. Es mag Menschen geben, denen das egal ist, mir aber nicht. Das ist für mich ein Grundsatz, der etwas mit dem Begriff Zivilisation zu tun hat: In einer zivilisierten Gesellschaft sollte niemand das Recht haben, einen anderen Menschen zu töten. Weder Privatpersonen, noch Beamte, die dies im Auftrag und mit dem Segen des Staates tun.
Auch kein noch so abscheuliches Verbrechen (und Sexualverbrechen an Kindern gehören eindeutig in die Kategorie besonders Abscheulich) rechtfertigt es, einfach mit gleicher Münze zurückzuzahlen.
Die Forderung des oben genannten Fahrzeugs, beziehungsweise desjenigen, der es mit diesem Statement beklebt hat, mag unter Eltern und Betroffenen schnell zustimmendes Nicken auslösen und ich nehme Opfern irgendwelche Rachegefühle auch nicht übel.
Doch gerade deshalb gibt es bei uns ein Justizsystem, dass eben nicht auf Selbstjustiz sondern auf unabhängigen Richtern basiert, die nichts weiter tun als Gesetze anzuwenden. Diese Gesetze haben ihren Ursprung in demokratisch gewählten Mehrheiten und ich kann mir keine bessere Grundlage für eine Rechtsprechung vorstellen.
Wie jedes System ist auch das bei uns bestehende nicht perfekt. In seinen Grundsätzen jedoch ist es meiner Meinung nach ohne jede Alternative. Solange dass so ist und solange die demokratische Mehrheit der Menschen gegen die Todesstrafe ist (die vermutlich nicht nur für einzelne spezielle Fälle eingeführt werden würde, wie es sich jenes Auto “wünschte”), rechtfertigt nichts ihre Einführung.
Und dass sich keine Mehrheiten für Anachronismen aus dunklen und dunkelbraunen Zeiten unserer Geschichte bilden, dafür trete ich entschieden ein.