Die Geburt des deutschen Neoliberalismus
Posted on | Juni 29, 2007 | 2 Comments
Neoliberalismus ist von vielen Politikern inzwischen zu einem schlimmen Schimpfwort erklärt worden, wer neoliberal ist, der ist heute grundsätzlich evil und will Menschen ausbeuten.
Das war nicht immer so. Ludwig Ehrhard war so etwas wie der Erfinder des deutschen Neoliberalismus und damit des Wirtschaftswunders.
In dieser Situation gab am 20. Juni 1948 Ludwig Erhard überraschend die Aufhebung der Preisbindungs- und Bewirtschaftungsregeln bekannt.
Er tat dies ohne alliierte Zustimmung. Als ihn General Clay daraufhin zu sich zitierte und ihn vorwurfsvoll daran erinnerte, er dürfe Vorschriften der Alliierten nicht ohne deren Zustimmung ändern, erwiderte Erhard trotzig: “Ich habe sie nicht verändert, ich habe sie abgeschafft.”
Bewusst hatte er seine Entscheidung an einem Sonntag verkündet. An diesem Tag arbeiteten die Militärbehörden nicht. So kann man Bürokratien übertölpen. Am Anfang von Freiheit und Wohlstand stand ein kleiner coup d’etat.
Wolfgang Sturm hat dies (und mehr) anlässlich des Jahrestages des Wirtschaftswunders in der vorvergangenen Woche beschrieben, wie es begann, dass wir wieder wer wurden – auch insgesamt ein lesenswerter Beitrag.
Auch damals reagierten SPD und Gewerkschaften feindselig und ablehnend. Sie konnten natrürlich nicht ahnen, dass dieser Schritt innerhalb weniger Jahre zur Grundlage für die wirtschaftliche Erfolgsgeschichte des Jahrhunderts werden würde.
Denn dazu hätten sie Liberale sein müssen, sie hätten an den freien Markt glauben müssen.
Der Autor eines Buches, dass ich grade lese, soll dazu mal ganz treffend gesagt haben
“Den meisten Argumenten gegen den freien Markt liegt ein Mangel an Glaube in die Freiheit zugrunde.”
Der Mann war übrigens Nobelpreisträger.
Die SPD, die heute so gerne von Sozialer Marktwirtschaft redet und dabei den Kern, nämlich die Marktwirtschaft, gerne unter den Tisch fallen lässt, hat leider seit damals nicht allzuviel dazugelernt. Statt Arbeitnehmern nach deren Vorstellungen den Markt zu überlassen will sie einen staatlichen Deutschlandfonds einrichten. Als wenn es nicht genügend sichere, breit gestreute Fonds geben würde.
Dieses Projekt wird, falls es kommt, wieder ein Beispiel dafür abgeben, wie man durch staatliche Eingriffe sämtliche Vorteile einer guten Idee beseitigen kann.
Ich habe übrigens von der Idee, Mitarbeiter an Firmen zu beteiligen, grundsätzlich schon immer viel gehalten und freue mich, dass auch Linke Kreise offenbar endlich einen gewissen Gefallen an der Sache finden. Aber warum nur, warum muss dass schon wieder auf diese Weise laufen, warum muss dazu erst wieder eine Behörde aufgeblasen werden, warum muss es immer der komplizierteste und ineffizienteste Weg sein, wo es doch einen riesigen Markt gibt, der alles bietet worum es in diesem Zusammenhang geht?
Angesichts solcher Ideen wünsche ich mir doch dringend einen neuen Ludwig Erhard. Von mir aus darf der auch in der SPD sein, wenns denn hilft.
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2 Responses to “Die Geburt des deutschen Neoliberalismus”
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Juli 31st, 2007 @ 14:08
Der Begriff “neoloberal” ist übrigens total falsch. Ehrhard, Willigbrodt, Friedmann und wie sie alle heissen sind liberale im wahren Sinn des Wortes. neoliberal stand zu Beginn des 20. Jahrhunderts ausgerechnet für jene, die zwar liberal waren aber trotzdem mehr Eingriffe des Staates bevürworteten, also genau das Gegenteil von dem was es heute als Schimpfwort beinhaltet.
Und schlimmer für die Menschen und deren Glück als die wie auch immer benammsten “Neoliberalen” sind sicher die “Neosozialisten” wie ein Lafontaine.
Juli 31st, 2007 @ 14:18
Darum hab ich ja versucht den negativ besetzten Begriff ein bisschen zu relativieren.
Naja, ich persönlich finde Begriffe die einfach ein “Neo” vorgesetzt bekommen grundsätzlich etwas fragwürdig. Sind Neonazis besser oder schlechter als “normale” Nazis?
Und was “neoliberal” angeht – da liberal nunmal einfach keinen negativen Beigeschmack hat, musste eben ein anderer Begriff her…
Aus dem gleichen Grund würde ich auch den Begriff Neosozialisten nicht verwenden. Für mich ist Sozialismus nichts Gutes, wer das anders sieht wird sich aber wohl von Neosozialismus als Kampfbegriff auch nicht blenden lassen, also spar ich mir die Mühe und rede lieber Klartext…