Über ein staatlich befohlenes Hobby
Posted on | Juli 7, 2007 | 5 Comments
Während N24 heute das Klima durch Übertragung sämtlicher “Live-Earth” Konzerte rettet, verlieren zum Glück nicht alle Menschen den Blick für andere wichtige Probleme der Menschheit.
Eines davon scheinen Konservendosen zu sein, zumindest habe ich heute folgenden Leserbrief in der kleinen Zeitung unserer Stadt gefunden:
“Hiermit beantrage ich die Anschaffung und Aufstellung von Containern für gebrauchte Konservendosen neben den Altglas-Containern.
Bürger, die das ebenso sehen, mögen sich bitte diesem Antrag anschließen, indem sie obigen kurzen Text an die Stadtverwaltung senden.”
Und neben den Dosencontainer stellen wir noch einen für gebrauchte Windeln und dahinter vielleicht einen für benutzte Teebeutel.
Nein, im Ernst: Wird nicht eher zuviel als zu wenig Müll zuhause sortiert? Eigentlich gibt es doch dafür Hightech-Maschinen und Roboter, die das in den Müllsortieranlagen ohnehin erledigen müssen, weil manche Menschen schlicht nicht auf anhieb erkennen, welches Material die Verpackung von etwas wirklich hat.
Und manchen Menschen ist es auch völlig wurst, weil sie Müllsortieren für das überflüssigste Umweltschutz-Placebo halten, dass man sich vorstellen kann. Letztere Ansicht vertrete zum Beispiel ich, auch wenn ich trotzdem brav meine Joghurtbecher in diese unfassbar praktischen Gelben Säcke werfe, die an windigen Tagen ganze Straßenzüge mit leeren Milchtüten und anderen dekorativen Abfallarten garnieren.
Das “Duale System Deutschland” ist meiner Ansicht nach sinnlos und umweltschädlich. Kein Mensch kann so perfekt sortieren wie teure und damit Arbeitsplätze schaffende Sortierstraßen, die ohnehin alles nochmal nachsortieren müssen was im Sack und im “Restmüll” landet.
Abschaffen kann man es wohl so einfach auch nicht mehr, selbst wenn die Leute endlich mal einsehen würden, dass das Sortieren nur dazu gut ist, dass man sich irgendwie “öko” fühlen darf.
Die Firma “Duales System Deutschland” kassiert viel Geld dafür, dass Hersteller den Grünen Punkt auf ihre Verpackungen drucken dürfen. Dieses Geld zahlen wir in Form unnötig höherer Preise für diese in dann total umweltfreundlichen Verpackungen gehüllten Produkte.
Dazu kommen dann noch recht stattliche Müllgebühren und natürlich die Pflicht den heimischen täglichen Sortierzirkus durchzuexerzieren. Und jetzt soll ich auch noch Dosen gesondert sortieren?
- Mehrweg-Pfandflaschen
- Einweg-Pfandflaschen
- Verpackungen mit Grünem Punkt
- Elektrogeräte
- Weißes Altglas
- Grünes Altglas
- Braunes Altglas
- Altpapier
- Grünabfälle
- Batterien
- Restmüll
sortieren wir bereits jeweils gesondert. Und das langt noch nicht? Einiges davon halte ja sogar ich für sinnvoll aber irgendwann muss dann auch mal gut sein.
Ich kann nicht nachvollziehen, wie einige Bürger da noch mehr Sortierwahnsinn fordern können. Mal abgesehen davon, dass das natürlich auch wieder Steuergeld kosten würde.
Comments
5 Responses to “Über ein staatlich befohlenes Hobby”
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Juli 7th, 2007 @ 19:31
Sicher werden es Einige nie schaffen, einen Plastik-Yoghurtbecher von einer Metall-Konservendose zu unterscheiden. Dennoch, das Trennen hält die Umweltproblematik im Bewusstsein und trainiert im kleinsten Masstab Verantwortungsbewusstsein bei den Bürgern. So gesehen hat die Mülltrennung durchaus ihren Nutzen.
Juli 8th, 2007 @ 11:38
Na ja, wenn du statt “Glas sortieren” den Vorgang gleich 5x aufführst, ist das natürlich eine beeindruckend lange Liste.
Juli 8th, 2007 @ 15:18
> Sicher werden es Einige nie schaffen, einen Plastik-Yoghurtbecher von einer Metall-Konservendose zu unterscheiden.
Das wäre noch eines der einfacheren Aufgaben, die das Mülltrennen mit sich bringt. Aber wer weiß denn schon, dass in den Gelben Sack streng genommen nur Verpackungen mit dem Grünen Punkt gehören? Die allermeisten Menschen werfen alles rein, was Plastik und Blech ist – egal, ob ein Hersteller die Lizenzgebühren nun gezahlt hat oder nicht.
Ich behaupte mal frech, dass kein Mensch es fertig bringt, immer vollkommen korrekt zu sortieren. Und ich halte es für ärgerlich, dass wir überhaupt zu solchen Gedankengängen genötigt werden.
Wenn die Trennerei wirklich nur dazu da ist, die Umweltproblematik im Bewusstsein zu halten und und Verantwortungsbewusstsein zu trainieren, dann gehört sie sowieso abgeschafft. Es gehört sich meiner Meinung nach nicht, dass irgendwelche Behörden oder sonstige staatliche Institutionen mir als freiem Menschen irgendwas antrainieren.
Davon abgesehen stützt diese Einschätzung ja meine Theorie, dass das gesamte Mülltrennungssystem nicht existiert um irgendwas für die Umwelt zu tun, sondern weil es ein nettes Placebo ist, dass uns vorgaukelt wie toll “jeder einzelne” was für die Umwelt tun kann.
Placebo-Politik ist für mich unbedingt unvernünftig und darum abzulehnen.
Juli 8th, 2007 @ 15:20
> Na ja, wenn du statt “Glas sortieren” den Vorgang gleich 5x aufführst, ist das natürlich eine beeindruckend lange Liste.
Es geht mir ja darum, aufzuzählen was wir alles auseinander zu sortieren haben. Und es gibt nunmal für alle Glassorten verschiedene Container. Das heißt: Wir, nicht die zuständigen Unternehmen, sortieren halt nach Farben unsere alten Flaschen auseinander. Ich finde, dass gehört darum in so eine Liste. Auch wenn das Glas-sortieren zugegebenermaßen zu den einfacheren Sortieraufgaben gehört.
Juli 11th, 2007 @ 23:02
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