Jul 25 2007
Flatrate-Saufen
Das witzige an diesem Begriff ist, dass ich ihn schon vor knapp 10 Jahren eher scherzhaft benutzt hab, als die ersten derartigen Partys veranstaltet wurden. Wenn ich mich nicht irre, dann konnte man damals für 30 bis 40 Mark soviel trinken, wie man wollte.
Heute sind Flatrate-Partys übel in Verruf geraten. Sie würden zu Komasaufen führen, gerade bei Jugendlichen.
Darum gibt es nicht wenige, die diese Veranstaltungen verbieten wollen. Jene, die dergleichen fordern, ignorieren dabei bewusst oder unbewusst, dass es für diesen Zweck schon seit langem ein Jugendschutzgesetz gibt. Wenn nun spezielle Preismodelle für Partys verboten werden müssen, um die Jugend vor sich selbst zu schützen, taugt dann das Jugendschutzgesetz nichts?
Und: Wenn es nur darum geht, Jugendliche zu schützen, warum muss dann ein komplettes Verbot dieses Preismodells her? Ich bin 26 Jahre alt und selbst wenn ich als Liberaler nicht ohnehin meine grundsätzlichen Bedenken in Bezug auf Verbote hätte, würde ich es mir verbitten dass sich irgendwelche Behörden darum kümmern zu welchem Preis ich mich besaufen dürfen soll.
Ähnlich wie Frank Lloyd, der zu diesem Thema mal eine Blog-Parade gestartet hat, habe ich so meine Zweifel ob das „Komasaufen“, dass nun für sämtliche Verbotsvorhaben als Argument herhalten muss, wirklich ein so neues Phänomen ist.
Aber unabhängig davon, bin ich der festen Überzeugung, dass es allein Sache der Eltern sein sollte, ihren Nachwuchs zu erziehen. In der Realität wird natürlich auch in der Schule ziemlich viel aufgeklärt (das war schon zu meiner Schulzeit so und ich nehme nicht an, dass das weniger geworden ist) und außerdem kennt wohl fast jeder einen Alkoholiker in der Familie, der Nachbarschaft oder sonst im Bekanntenkreis.
Wenn alles das nicht als Abschreckung genügt, dann wird man auch mit Verboten nicht viel erreichen können, von einer unverhältnismäßigen Einschränkung der Gewerbefreiheit und der Freiheit erwachsener Menschen mal abgesehen.
Die Gründe, aus denen Jugendliche sich übermäßig besaufen, sind außerdem sicher nicht in erster Linie in der bloßen Verfügbarkeit von Alkohol zu suchen. Verfügbarkeit ist in diesem Zusammenhang eigentlich auch schon übertrieben, weil zumindest „harte Sachen“ ja sowieso nichts in den Händen von unter-18-Jährigen zu suchen haben.
Aber statt auch hier wieder nur irgendwelche Symptome zu bekämpfen, sollten sich die unaufgeforderten Kümmerer lieber auf Ursachen konzentrieren. Freizeitangebot? Zukunftschancen? Kaputte Familien? Können alles Gründe sein. Natürlich kann man gegen vieles davon einfach wenig machen.
Aber nur weil einem nichts anderes einfällt Verbote aussprechen zu wollen ist keine Lösung, zumal wenn sie wie in diesem Fall jeden Betreffen und nicht nur diejenigen, die man eigentlich damit vom Saufen abhalten will.
23 Kommentare



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Hi,
musste heute meine Abiabschlussprüfung über deinen Statement schreiben
. Ich hoffe mal das ist was geworden
MfG
Jo, ich auch, war aber ein netter Text. Wieviele Argumente habt ihr gefunden?
In welchem Bundesland war das denn? Gibts bei euch kein ZentralABI?
Unglaublich. Nichts gegen Dich Filti. Aber bei uns gings um Goethe, Schiller, zumindest Böll. Zentralabi hat was.
Ich weiß nicht in wiefern das zentral ist, denke mal nur OWL weit (Ostwestfalen-Lippe, Bezirksregierung Detmold in NRW)…
War auf jedenfall nicht schlecht, wir sollten eine Erörterung zum Thema schreiben. Jan Filter wird doch sicher informiert sein, schätze ich mal?!!
Gruß
Informiert? Ich?? Nicht die Bohne. Wenn “betroffene” Schüler hier nicht kommentiert hätten, hätte ich mich einfach nur einen Moment über die für einen uralten Artikel exorbitanten Zugriffszahlen gewundert und ansonsten nie davon erfahren.
Hm, vielleicht sollte ich eine Seite einführen, auf der ich darum bitte, dass man zwar gerne meine Artikel für was auch immer verwenden darf, ich aber um ne kurze Info darüber bitte, um mein Ego zu streicheln…
Also: Basti & Socky und wer immer all die anderen sind, die aus ähnlichen Gründen hier gelandet sind, ich wünsche viel Erfolg gehabt zu haben und danke für den Hinweis.
Und @ Freiheitsfreund: Ich kann ganz prima damit Leben, von dir in der Reihe Goethe, Schiller, Böll als der Underdog empfunden zu werden;)
Kein Problem, gerne. Ich denke jedoch rechtlich gesehen ist das Ganze in Ordnung, immerhin war eine komplette Quellenangabe vorhanden und dein Name wurde mehrmals genannt.
Ist aber bestimmt ein komisches Gefühl wenn auf einmal ein Text, den man selbst geschrieben hat, in einer Prüfung vorkommt? Also ich würde mich geehrt fühlen, an dieser Stelle auch mal Lob für den Text, da mussten wir schon schlimmeres machen. Und das Thema war ja außnahmsweise aktuell und keine Schuluniform oder so ein …
Gruß
Achja, bei mir war es übrigens eine Fachabiturprüfung!
Tja, was soll ich sagen – gern geschehn aber ich hab ja damals gar nicht mit sowas rechnen können.
Unglaublich, dass das Thema Schuluniformen in Erörterungen immer noch nicht tot ist^^
Ich glaube dazu hab ich sogar schon zweimal nen Aufsatz auf unterschiedlichen Schulen schreiben dürfen – so gesehen ist es für Lehrer wohl eine tolle Sache, sich einfach bei irgendwelchen dahergelaufenen Bloggern bedienen zu können. Ich finds gut, bin auch ziemlich begeistert, dass sich da ausgerechnet bei so einem Thema so eine Querkopfmeinung wie die meine ausgesucht wurde. Das macht doch, in Bezug zum Thema, irgendwo auch Hoffnung.
Und sicher war das rechtlich okay. Steht zwar hier nirgends explizit aber für mich ist es gar keine Frage: Wer Artikel von hier an anderer Stelle veröffentlichen oder zitieren will, der hat von mir höchstens ein herzliches Dankeschön für die zusätzliche Verbreitung zu befürchten – sofern er eine korrekte Quellenangabe dazuschreibt.
Ich war auch absolut überrascht und finde die Entscheidung der zuständigen Lehrer (oder wer auch immer das macht) wirklich gut. Die Zeit des Internets ist da und warum nicht realitätsnah die Meinung eines Mitmenschen zu analysieren? Denn es ist meiner Ansicht nach in der heutigen Zeit von Internet, wo jeder alles schreiben kann, wichtig zu wissen wo Informationen versteckt sind, wie sie verpackt wurden usw.
Somit lässt sich das kritische Lesen ein wenig trainieren. Zudem, wie schon gesagt, kommt mal ein anderes Thema außer Schuluniform und Rauchen unter Jugendlichen dran.
Da kann man jetzt – außnahmsweise – mal nicht über die Entscheidung der Lehrer meckern
Ich werde mich dann aber mal melden was das mit meiner Klausur gegeben hat.
MfG
Socky
PS: bei mit war es NRW auch aus Detmold
Ja, das is ‘ne gute Idee, dann können wir wenigstens jemanden verantwortlich machen, wenn wir’s verhauen haben
Gruß
Basti
jo, is richtig :-p
Hey Jan,
habe grade nochmal in meinen alten Mails “geblättert” und diese Seite wiedergefunden. Aus meiner Abschlussprüfung in Deutsch wurde übrigens eine 2
Danke dass du deine Gedanken hier aufgeschrieben hast und uns damit vor in die Jahre gekommene Texte gerettet hast
Achja: Grüße an die Bezirksregierung Detmold für einen gut ausgewählten Text
Gruß
Bastian
Danke für die Rückmeldung. Freut mich natürlich.
Es ist spät in der Nacht und ich wühle mich immernoch durch diese Zumutung, diesen gescheiterten Versuch eines Kommentars, wie ich im Moment finde.
Ich werde mich nun hinhauen, doch zuvor werde ich einfach einige Kritikpunkte, wie ich ihnen in meiner Erörterung (Hausaufgabe) Luft gemacht habe, unkommentiert hier einfügen.
Anschließend argumentiert er dagegen, dass es bereits das Jugendschutzgesetz gibt, welches ohnehin klare Grenzen zieht, die rechtlichen Grundlagen also längst bestehen.
Darauf versucht er durch eine rhetorische Frage, ob dieses Gesetz denn nichts nütze, (Anmerk. des Verf für den Unterricht.: Eigentor; denn das ist polemisch und man man beantwortet die Frage mit „nein, natürlich taugt es nicht“, was hier aber das Gegenteil ist, von dem, was Jan Filter hören will – ein „doch“ – daher hier Problem, sachlichen Ausdruck zu finden) die Gegenseite zu diffamieren(?).
(…)
Polemisch eröffnet Filter die Argumentation mit einem Gegenargument und polemisch begegnet er diesem mit rhetorischen Fragen. Dabei schafft er es nicht, seine Argumente klar auszuformulieren, geschweige denn, seine Gedankenfetzen in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen. Immer wieder greift er bereits genannte Argumente auf und führt sie weiter. Ein Schema das sich hier abzeichnet ist, dass ein Argument genannt wird, dann ein anderes zwischengeschoben wird, auf das dann die Ergänzung zu ersterem folgt, welches wiederum gefolgt wird von einer Ergänzung zum zweiten Argument. Also A – B – C – A – C – D – B – E – A – E – und schließlich sein Rückbezug auf Argument B.
Nunja. Wenn man denn feststellt, dass das Jugendschutzgesetz überflüssig wäre, dann müsste man konsequenterweise seine Abschaffung fordern. Tut niemand, auch und vor allem nicht jene, die Flatratesaufen illegal machen wollen.
Eine Politik, die Erwachsenen Dinge verbietet, damit Jugendliche sie nicht bekommen können, ist in meinen Augen nunmal absolut indiskutabel und wieso ein Verbot besser ist als ein anderes, das offensichtlich auch nicht funktioniert, erschließt sich mir nicht.
Wenn man glaubt, dass strenge staatliche Spielregeln das sind, was wir brauchen, kann man das natürlich anders sehen. Ich empfinde eine solche Denkweise allerdings als regelrecht widerlich.
Nein nein, ich bin ganz deiner Meinung und werde in meiner Erörterung deine Argumente fortführen, denn auch ich bin gänzlich gegen Verbote (ob nun BtmG oder Flatratepartys), nur finde ich deine Argumentationsweise nicht ganz überzeugend und auch frage ich mich noch immer, was du mit dieser einen rhetorischen Frage bewirken wolltest, denn wie ich oben bereits schrieb, würde ich als Antwort “nein, das Gesetz nützt nichts, denn Wirte schenken dennoch an Minderjährige aus und Jugendliche trinken dennoch Schnaps, den sie laut dieses Gesetzes gar nicht besitzen dürfen” geben und damit wäre ja genau das dann eingetreten: Der Schluss, dass das Gesetz überflüssig ist und ein Verbot her muss würde gezogen werden (nein, die Abschaffung des Jugendschutzgesetzes würde natürlich niemand einfordern); und auch wenn dieser Schluss nicht meiner persönlichen Meinung entspricht und ich nicht die Abschaffung des Gesetzes fordern würde, sondern ein stärkeres Beharren auf dieses, welches die Spielregeln für Jugendliche und Wirte auf dem Papier ja längst klar formuliert hat; aber einen wirklichen Befürworter des Verbots wird es aus oben genanntem Grund eben zur oben genannten gegenteiligen Antwort locken.
Hay que ser realista – Man muss realistisch sein. Und das traue ich in beschränktem Maße auch den Beschränkten zu, welche nur nach Verboten schreien – oder sehe ich es falsch, dass das Jugendschutzgesetz umgangen wird? Darauf baut nämlich meine ganze Argumentation hier.
Und natürlich finde ich weder dich noch deinen Text blöd
Der Name ist von mir nur in ganz fix und spät Abends in einem Geistesblitz erdacht worden.
Ich hoffe, wir verstehen uns^^ alles, was ich will, ist eine ordentliche Hausaufgabe vorlegen.
Och, ich bins gewohnt, dass man vieles was ich von mir gebe blöd findet, das gehört dazu, wenn man seine Meinung sagt.
Ich finde es trotzdem unlogisch, ein Gesetz, dessen Nutzen fragwürdig ist, mit einem anderen ergänzen zu wollen. Warum sollte man sich an dieses dann halten?
Und: meine ersten üblen Erfahrungen mit Alkohol hatten überhaupt nichts mit solchen Partys zu tun, sondern liefen auf privaten Veranstaltungen ab. Angenommen, sämtliche Pläne Alkohol zu teuer für junge Leute zu machen fruchten, dann wird sich eben wieder aufs Private zurückgezogen. Weniger saufen muss deswegen niemand.
“Umgangen” wird das Jugendschutzgesetz damit aber meines Erachtens nicht. Solange solche Partys erst ab 18 Jahren bestreten werden dürfen, was meiner Erfahrung nach normalerweise der Fall ist (bei uns hier jedenfalls), hat sich da einfach niemand einzumischen.
Vielleicht verrätst du mir, von wo du bist, bzw. auf welche Schule du gehst? Nur interessehalber, man will ja wissen, wo seine Artikel im Dienste der Bildung verwurstet werden;)
Zitat: “Ich finde es trotzdem unlogisch, ein Gesetz, dessen Nutzen fragwürdig ist, mit einem anderen ergänzen zu wollen. Warum sollte man sich an dieses dann halten?”
- Danke, das kann ich in meiner Erörterung gut verwerten um darstellen zu können, warum du das so formuliert hast
Ich meinte allerdings, dass das Jugendschutzgesetz allgeimein umgangen wird. Nicht speziell bezogen auf Flatratepartys, wo das allerdings gewiss auch vorkommen wird.
Ich hab selbst noch keine öffentliche Flatrate-Party besucht, bloß die privaten, und, da hast du recht – das lässt sich auch verwenden – dass sich dann eben auf eben solche privaten Sauforgien rückbesinnt wird, sollte ein allgemeines Verbot in Kraft treten.
Ich lebe in NRW und besuche eine Fachoberschule für Wirtschaft und Verwaltung, mit Ziel: Fachhochschulreife.
DeinText war auch hier im letzten Jahr Abschlussprüfung und unsere Lehrerin hat ihn uns übers Wochenende aufgegeben… und ich habe mich auch noch freiwillig gemeldet, das Ergebnis der Allgemeinheit am Dienstag vorzustellen
Nun ging es in diesem Artikel ja nunmal lediglich um diese Partys aber ich würde sonst auch nicht sagen, dass das Jugendschutzgesetz umgangen wird, es wird schlicht mitunter wenig beachtet. Die Frage ist, welche Schlüsse man daraus zieht. Ich denke, wenn man so ein Gesetz ernst nimmt, dann müsste mans eben strenger kontrollieren oder mit den Folgen leben. Weitere Einschränkungen zu fordern, unter denen dann sogar Erwachsene leiden müssen, ist da eine ziemlich komische Idee.
Ganz ohne Verbot hat unsere besorgte Gesellschaft im Verbund mit verbotsgeilen Politikern und vielen moralapostolischen Medien ja inzwischen auch dafür gesorgt, dass es solche Partys gar nicht mehr gibt. Wer als Veranstalter einen Namen und einen Ruf zu verlieren hat, der lässt die Finger davon, weil durchgeknallte Sensibelchen selbst ohne jeden Vorfall sich sofort das Maul zerreißen.
Das war damals, als ich den Artikel geschrieben habe, noch nicht so. Offensichtlich hat die Hysterie und die Aufregung um diese Art zu feiern also gewirkt.
Von einigen, die den Text als Abschlussprüfung hatten, habe ich ja auch Rückmeldungen bekommen, dachte mir schon, dass das irgendwie miteinander zu tun haben muss, wäre sonst ein ziemlich eigenartiger Zufall gewesen.
Grüße an deine Lehrerin jedenfalls und viel Erfolg beim Vorstellen.