Grüne Jugend beklebt SUVs
Posted on | Juli 26, 2007 | 3 Comments
Die Grüne Jugend, bekanntlich die Bündnis90/Die Grünen nahestehende politische Jugendorganisation, hat in diesem Sommer eine “Anti-Offroader-Aktion” gestartet. Große Autos werden mit Strafzetteln beklebt.
“Mit den Strafzetteln der Aktionskampagne autowechsel-jetzt.de wollen sie darauf aufmerksam machen, dass der Luxus eines SUVs nicht nur vollkommen unnötig, sondern auch extrem schädlich für Klima und Gesundheit sind.”
So wird diese Kampagne begründet.
Nicht vergessen wird der Hinweis, dass natürlich vor Anbringen des Aufklebers beim Besitzer des Autos um Erlaubnis gefragt wird. Trotzdem finde ich die Art und Weise und die Argumentation äußerst fragwürdig. Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass große Autos unnötiger Luxus sind – ganz so, als sei das ein eindeutiges, bedingungsloses Naturgesetz. Das natürlich von der Grünen Jugend festgelegt wird, klar. Denn die Jugendorganisation weiß besser als jeder Autokäufer, was für ihn sinnvoll und nützlich und was nutzlos und überflüssig ist. Ein eigenartiges Menschenbild, das hinter einer solchen Überzeugung steckt gefällt mir gar nicht.
Und eine Art öffentlicher Pranger für Besitzer großer Autos, das hat für mich dann doch eher den Anschein eine erzieherische Maßnahme grüner Umweltapostel zu sein, als eineernsthafte politische Kampagne.
Wenn Luxus in den Augen der grünen Kollegen unnötig ist, dann wäre es nur konsequent auch gegen Klimaanlagen, elektrische Fensterheber oder die Servolenkung zufelde zu ziehen. Oder, um mal den Automobilbereich zu verlassen, Dinge wie “unnötig” große Wohnungen (die ja auch geheizt oder gekühlt werden wollen), große Badewannen oder besser Badewannen überhaupt und vielleicht am Ende auch noch Aufzüge anzugreifen und als Klimaschädlich zu brandmarken.
Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt und irgendwo könnte man in fast allem Luxus sehen. Wer legt also fest, wo Luxus überflüssig zu werden beginnt? Und wieso verlässt man sich nicht auf den freien Willen der Menschen, statt sie politisch in bestimmte Richtungen lenken zu wollen?
Wer den Grünen und ihrer Jugendorganisation grundsätzlich liberale Überzeugungen unterstellt hat, der sollte sich dieses Urteil angesichts einer offensichtlichen Bevormundungsmentalität vielleicht nochmal überlegen. Mir stehen bei Grüner Politik viel zu oft nicht die Menschen und deren Selbstbestimmung, sondern immer irgendwelche übergeordneten gesellschaftlichen Ziele und Visionen im Mittelpunkt.
Tags: Bevormundung > Gesellschaft > Grüne > Grüne Jugend > Jugend > Liberale > Zettel
Comments
3 Responses to “Grüne Jugend beklebt SUVs”
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Juli 27th, 2007 @ 10:22
Da ist leider viel Wahres dran. Bedauerlicherweise ist es aber auch so, daß die Mehrheit der Bürger eine solche Erziehung durchaus gebrauchen könnte. Selbstbestimmung darf nicht auf Kosten Anderer gehen. Alles hat Grenzen. Der eigentliche Haken hier liegt eher darin, daß sich hier Menschen, die selber nicht perfekt sind, erdreisten, andere zu perfekten Menschen erziehen zu wollen. Die einzigen zwei Punkte, die jeder (auch die Grünen) sinnvoll durchziehen könnten und sollten, sind: 1. Aufklären, und 2. Vorbild sein. Insbesondere bei letzerem Punkt hapert es wohl bei fas Allen (nicht nur bei den Grünen).
Juli 27th, 2007 @ 11:47
Das sehe ich grundsätzlich anders und in deinem Kommentar glaube ich auch einen kleinen Widerspruch entdeckt zu haben: Wenn du “nicht perfekten” Menschen die Berechtigung absprichst, andere zu erziehen – dann gibst du mir ja indirekt recht wenn ich sage, dass es absolut niemandem erlaubt sein darf seine (erwachsenen) Mitmenschen erziehen zu dürfen, weil es perfekte Menschen jawohl nicht gibt.
Gegen Aufklären und Vorbild sein habe ich gar nichts. Meistens zielt Politik leider aber weit darüber hinaus in Richtung restriktive Maßnahmen, Verbote und ähnliche erzieherische Maßnahmen.
Zu guter Letzt: Wer sagt denn, dass “die Mehrheit der Bürger eine solche Erziehung durchaus gebrauchen könnte”? Wer legt das fest, gibt es sowas wie eine PISA-Studie für politische Korrektheit? Wenn wäre ich allerdings der Erste, der sich gegen so etwas wehrt.
Sobald Politiker bestimmte Richtungen und Positionen zur einzig wahren Alternative erklären, stellen sich mir die Nackenhaare auf. Demokratie lebt davon, dass sich die besten Ideen durchsetzen. Verbietet oder verleumdet man alle bis auf eine einzige Idee, die dann logischerweise als die beste gelten muss.
Besonders deutlich wird das zur Zeit an der ganzen Klimathematik, wo vom Mainstream abweichende Meinungen Kaum noch gelten dürfen, weil eine bestimmte Position zur absoluten Wahrheit erklärt worden ist (wovon meiner Meinung nach vor allem Atom- und Automobilindustrie künftig am meisten profitieren dürften).
Solche Entwicklungen erinnern mich manchmal eher an die katholische Kirche mit einem unfehlbaren Oberhaupt, als an eine demokratische, kritische Gesellschaft.
Juli 27th, 2007 @ 13:20
Wenn Siegfried schreibt, dass die meisten seiner Mitmenschen solche Erziehung benötigen dürften, hält er sich für schlauer als jene. Er ist nur zu faul oder zu pessimistisch, mit dem Elan der grünen Jungerzieher ans Werk zu gehen.
Selbstbestimmung darf nicht auf Kosten Anderer gehen. Alles hat Grenzen.
Immer dieselben hohlen Phrasen…