Was Globalisierung für mich bedeutet – Teil 1
Posted on | August 7, 2007 | 6 Comments
Das will Sebastian, Autor des Globalisierungsblog im Rahmen einer weiteren Blogparade wissen. Und nachdem mich Arian vor einiger Zeit auch noch mal direkt direkt drauf angesprochen hatte, Sebastian neben einigen anderen auch mich nochmal quasi persönlich eingeladen hat und mich das Thema ohnehin interessiert, habe ich mir dann jetzt endlich mal einige Gedanken dazu gemacht.Da mein Beitrag durch über Tage verteiltes Herumfeilen und Erweitern etwas länger geworden ist, habe ich ihn in zwei Teile eingeteilt. In diesem ersten Teil geht es um den Begriff Globalisierung an sich und grob (bin schließlich kein Wirtschaftswissenschaftler) um seine internationalen Auswirkungen.
Den zweiten Teil gibts dann morgen, darin geht es konkreter darum, warum ich in Deutschland einen Globalisierungsgewinner sehe.
Globalisierung – wenn ich dass in den Medien lese oder höre, dann bekomme ich häufig den Eindruck dass der Begriff immer nur für negative Entwicklungen herhalten muss. Das nervt mich ehrlichgesagt ziemlich, weil ich es für sinnlos halte Globalisierung als solche zu kritisieren und überdies etliche Vorteile in dieser Entwicklung sehe. Doch der Reihe nach.
Globalisierung beschreibt für mich als Begriff erstmal völlig wertfrei die Summe der Auswirkungen einer vernetzten Welt. Zu Beginn des Internetbooms wurde hierfür gerne mal der Begriff „Global Village“ geprägt, was ich für ein schönes Bild halte: Die ganze Welt ist unser Nachbar, zumindest können wir dank moderner Technik das Gefühl haben, als wäre es so. Doch die Vernetzung der Welt ist nicht nur Virtuell. Auch Rationalisierungen auf dem Transportsektor sorgen für eine Vernetzung. Und zwar für eine ganz reale, die es ermöglicht Waren zu akzeptablen Kosten um die ganze Welt zu schicken.
Das hat Auswirkungen, die nicht immer auf Anhieb positiv erscheinen mögen. Wenn es eine geringe Rolle spielt, wo etwas hergestellt wird, dann muss das für manche Dinge bedeuten, dass sie eben nicht (mehr) bei uns in Deutschland oder Europa hergestellt werden – zumindest dann nicht, wenn wir uns ökonomisch vernünftig verhalten, und dort kaufen wo wir die von uns gewünschte Qualität zum günstigsten Preis bekommen. Wenn das dann aus Asien statt aus Europa kommt, dann ist das die logische Folge unseres Verhaltens.
Natürlich führt das zu industriellen Umwälzungen, Firmen bei uns gehen Pleite oder lagern ihre Produktion und damit Arbeitsplätze aus. Wer das aber grundsätzlich schlecht findet und Globalisierung deswegen kritisiert oder gar ablehnt (was ich angesichts der Unvermeidbarkeit einer globalen Entwicklung an sich schon etwas weltfremd finde) der lehnt damit auch den wirtschaftlichen Aufschwung ärmerer Regionen der Welt ab – und natürlich auch möglichst günstige Produkte.
Wenn mancher trotzdem die Auffassung vertritt, dass eine globalisierte Welt mit all ihren Auswirkungen nichts Gutes ist, einem Menschen anderswo egal sind (und man sie lieber mit „Entwicklungshilfe“ am Leben erhält, statt ihnen die Chance auf eigene wirtschaftliche Prosperität zu gewähren), wenn Mancher auf „zu niedrige Preise“ für irgendwas schimpft, dann bin ich Demokrat genug um ihm seine Meinung zu gewähren. Und gerade wer durch diese Entwicklung seinen Arbeitsplatz verliert, dem gestehe ich in diesem Thema eine völlig andere Meinung ohne weiteres zu. Aber ich habe da eben andere Prinzipien. Ich habe nichts gegen weltweite Chancengleichheit, die immer irgendwie bedeuten muss, dass wir dann härter um unseren eigenen wirtschaftlichen Erfolg kämpfen müssen. Und gegen niedrige Preise habe ich auch nichts.
Ich verstehe jeden, dem beim Thema Globalisierung erstmal etwas mulmig wird. Aber gleichzeitig hoffe ich, dass diese anfängliche Angst sich mit ein bisschen Einsicht und Vernunft bei den meisten Menschen in Mut und Ehrgeiz verwandelt. Gründe zu solcher Zuversicht liefere ich dann wie gesagt morgen noch einige;)
Comments
6 Responses to “Was Globalisierung für mich bedeutet – Teil 1”
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August 7th, 2007 @ 12:13
Super-Artikel! Danke für die Teilnahme, bin auf den zweiten Teil gespannt.
August 7th, 2007 @ 12:14
[...] Yoda, Zappi, Der Verwerter, Atlatos Traveller, Zenblé, Thomas Matterne, JLT und Jan Filter. [...]
August 7th, 2007 @ 12:55
Danke – der zweite Teil kommt morgen vormittag irgendwann…
August 12th, 2007 @ 03:26
Freut mich, dass die Empfehlung nicht ins Leere ging.
August 16th, 2007 @ 12:07
[...] einer philosophischen Betrachtungsweise (Philoblogger, Philosophieblog (2 Mal)), über politische Jan Filter (2 Mal), und gesellschaftliche (Swiss-Lupe) bis hin zu ganz pragmatischen (Futurum) und [...]
März 3rd, 2008 @ 22:03
[...] fraglich. Wie einzelne Verbraucher die Globalisierung sehen, dazu findet sich übrigens auf „Was Globalisierung für mich bedeutet“ ein sehr informativer Artikel. Die Forderung, die Globalisierung durch mehr Gesetze zu steuern [...]