Aug 23 2007

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Jan

Selber denken

Gestern Abend habe ich mich mit einer Freundin getroffen und wir haben so ein bisschen herumschwadroniert. Wir kamen irgendwann auf das Thema Rente und sie meinte sinngemäß, dass das ja sowieso irgendwie sinnlos wäre und man in unserem Alter sich wohl schonmal drauf einstellen könnte, da nichts oder nicht viel von zu haben.

Da sich das im Prinzip mit meiner eigenen Einschätzung deckt, sponn ich dann ein bisschen weiter rum, dass man ja auch auswandern könnte und mir Amerika da vermutlich ganz recht käme – über 50 Staaten mit vielen Unterschieden untereinander in einem einzigen Land, das erscheint mir einfach eine faszinierende Vielfalt zu sein und der “American Way of Life” ist etwas, das Menschen auf der ganzen Welt schon immer irgendwie fasziniert hat – mich eben auch.

Die sofortige Reaktion in diesem Moment darauf war “Aber da hast du ja nun wirklich gar keine soziale Absicherung.” In diesem Moment kam mir mal wieder in den Sinn, wie sehr das deutsche Modell eines Sozialstaates einigen meiner Mitmenschen scheinbar die Sinne vernebelt, man könnte auch sagen das Denken einstellen lassen hat.

Nun weiß ich nicht so hundertprozentig, wie es in Amerika wirklich aussieht mit dem Sozialstaat, nach meinem wahrscheinlich etwas vorurteilsbehafteten Eindruck gibt es dort so etwas nicht oder nur in sehr viel kleinerem Ausmaß.

Aber gerade wenn man um seine (staatliche) deutsche Rente bangt und nicht einsieht, einem vielen jungen Leuten suspekt erscheinenden System weiter Geld in den Rachen zu schmeißen, das man wahrscheinlich nie vollständig wiedersehen wird, sollte man ja eigentlich Alternativen Modellen gegenüber aufgeschlossen sein.

Das hab ich am gestrigen Abend durch ein “Naja, da ich als Ingenieur jawohl auch in Amerika ein vernünftiges Einkommen haben dürfte, kann ich mich um so etwas natürlich selber kümmern” angeregt.

Aber ein wenig erschreckend fand ich es schon, dass selbst von mir geschätzten, intelligenten Menschen nicht klar ist, dass es das Normalste und Natürlichste sein sollte, dass man sich selber um solche Dinge wie Altersvorsorge oder eine Krankenversicherung kümmert – wenn man es kann. Bei jenen, die das nicht können kann dann von mir aus ja mit dem Steuergeld der Anderen soweit nachgeholfen werden, dass niemand notleiden muss. Zumindest wenn man sich das Etikett “Sozial” als Staat anheften möchte, was ich durchaus unterschreiben kann.

Aber eine Vollversorgung der breiten Masse, wie es bei uns irgendwann mal eingeführt worden ist, ist ja offensichtlich alles andere als perfekt – und wenn man es dann noch verpflichtend macht, so dass man gezwungen ist auch bei verfügbaren besseren Alternativen zur staatlichen Variante zu greifen, das hat mit sozial wenig, mit Marktwirtschaft gar nichts zu tun. Denn soziales Verhalten wäre es auch, Menschen mit geringen Einkommen durch staatliche, also Steuermittel, zu unterstützen oder für sie zu spenden. Nahezu jeden ohne Not in ein selbst dann nicht autonom funktionierendes System zu zwingen entspricht allerdings nicht gerade meinem Idealbild einer freien Gesellschaft.

Mancher mag da zwar anderer Meinung sein und das bestehende System im Prinzip richtig finden. Aber muss man deswegen aufhören drüber nachzudenken, aufhören sich Gedanken zu machen ob es nicht besser gemacht werden kann?

Was mir Sorgen bereitet, ist eben der Umstand dass ein Staat, der sich irgendwie (meiner Meinung nach eher schlecht als recht, was man allerdings schwer beweisen kann ohne echte zugelassene Alternativen) um alles und jeden kümmert gleichzeitig dafür sorgt, dass seine Bürger sich um all diese Dinge auch keine großen Gedanken mehr machen, eben das Nachdenken über Alternativen einstellen.

Wenn mir durch diesen (und vermutlich auch einige andere) Artikel wenigstens gelungen ist, nur ein paar wenige Menschen mal dazu gebracht zu haben, bestehende Systeme zu hinterfragen und zumindest gedanklich auch mal Alternativen ihren Platz zuzugestehen, dann bin ich ja erstmal zufrieden. Niemand muss meine Ansichten in den Details unbedingt teilen.

Aber die Fähigkeit, eigentlich naheliegende Alternativen zumindest in Erwägung zu ziehen, halte ich für extrem wichtig. Denn wenn die flächendeckend einer großen Mehrheit der Menschen erstmal abhanden gekommen ist, dann überlässt man das Denken irgendwann wirklich nur noch irgendwelchen Politikern.

Und das widerspricht bekanntlich meinem Verständnis von Demokratie ziemlich grundsätzlich.

2 Kommentare

2 Kommentare zu “Selber denken”

  1. Thomasam 31. Juli 2008 um 15:18 1

    Was ist herumschwadronieren ?? ;-)

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  2. Janam 31. Juli 2008 um 15:24 2

    Nichts versautes jedenfalls ;-)

    Ich meinte damit, dass wir geplaudert haben – ohne konkreten Anlass, über alle möglichen Sachen, einfach nur, weil wir uns länger nicht gesehen hatten.

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