Demokratischer Sozialismus
Posted on | November 9, 2007 | 8 Comments
“Ich finde die Romantisierung der DDR von einigen Intellektuellen zum Kotzen. Die DDR stand nicht für Gerechtigkeit, sondern für Mord an der Mauer, Unterdrückung, eine wirtschaftliche und ökologische Katastrophe. Der Sozialismus wird seit knapp hundert Jahren auf der Welt probiert – und immer wurde zuerst die Wirtschaft verstaatlicht, dann das Denken, dann landeten die Andersdenkenden im Gefängnis. Demokratischer Sozialismus ist Unfug. Es gibt Demokratie oder Sozialismus, beides zusammen kann es nicht geben. Sozialismus ist eine totalitäre Idee.”
Sagt Guido Westerwelle in Spiegel Online. Schade nur, dass außer ihm nur Wenige so offen sagen, was vor nicht allzulanger Zeit noch jedem Deutschen klar war.
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8 Responses to “Demokratischer Sozialismus”
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November 22nd, 2007 @ 09:14
Liberalismus ist auch eine totalitäre Idee
November 22nd, 2007 @ 10:15
Was für ein Unsinn. Freiheit bedeutet doch letztlich die Abwesenheit von Regeln, während Totalitarismen sich gerade durch eine vielzahl von Regeln auszeichnen.
Wer behauptet, Liberalismus sei eine totalitäre Idee, der hat höchstwahrscheinlich entweder keine Ahnung was Totalitarismus bedeutet oder er hängt selbst einer totalitären Idee an.
Da ich mal vom ersten Fall ausgehe (ich unterstelle nur ungern Lesern menschenverachtende Ideologien) zitiere ich mal Wikipedia – in der Hoffnung, dass es hilft:
“Totalitarismus bezeichnet in der Politikwissenschaft eine diktatorische Form von Herrschaft, die, im Unterschied zu einer autoritären Diktatur, in alle sozialen Verhältnisse hinein zu wirken strebt, oft verbunden mit dem Anspruch, einen „neuen Menschen“ gemäß einer bestimmten Ideologie zu formen.”
Und:
“Der Liberalismus (lat. liber: frei, lat. liberalis: die Freiheit betreffend, freiheitlich) ist eine Geisteshaltung sowie die darauf aufbauende politisch-philosophische Lehre und politische Ausrichtung, die die individuelle Freiheit als normative Grundlage der Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung anstrebt.”
Oder einfacher ausgedrückt: Totalitäre Systeme zwingen die Menschen, sich nach dem System zu richten; Liberale Systeme werden von den Menschen nach ihren Wünschen gestaltet.
Letzteres wird für freie Menschen (besser gesagt für jene, denen frei sein etwas Bedeutet) dann gefährlich, wenn so viele Menschen linken und rechten Rattenfängern hinterherlaufen, dass totalitäre Ideen allmählich Salonfähig werden. Und das ist in Deutschland nach meinem Eindruck schon lange der Fall.
November 22nd, 2007 @ 14:04
Hallo,
danke für Deine ausführliche Antwort.
Ich bin mir durchaus bewusst, was Totalitarismus bedeutet. Der Liberalismus stellt sehr wohl soziale Regeln auf. Der Liberalismus stellt die Regeln der freien Marktwirtschaft auf. Diese als Gesetze als Freiheiten zu bezeichnen halte ich für äußerst fragwürdig. Schaut man sich die Entwicklungen des Liberalismus z.B. in Manchester an muss man diese politische Ordnungsform doch schon sehr kritisch sehen.
Versteh mich jetzt auch nicht falsch ich habe selbst schon Liberal gewählt und weiß durch ehem. Mitgliedschaft in der Linksjugend, dass die Linke wirklich viele Mitglieder hat, die verfassungsfeindliches Gedankengut hegen (Staatsschulden “einfach” nicht zurück zahlen, “Systemwechsel” usw.) aber ich bin auch nicht auf einem Auge blind und tue so als ob der Liberalismus eine paradiesische Idee der Gleichheit, Brüderlichkeit und Freiheit wäre.
November 22nd, 2007 @ 15:35
Gern geschehen! Und es gibt gleich noch eine davon;)
Soziale Regeln ja, aber die werden nicht mit Gewalt durchgesetzt, jedenfalls nicht in einem “totalen” Liberalismus, von dem wir Lichtjahre entfernt sind.
Liberalismus stellt keine Regeln auf, die entstehen von alleine und das gilt insbesondere für marktwirtschaftliche Regeln.
Die wiederum müssen einem nicht gefallen, sie sind aber nachweislich alternativlos. Versuche sie zu umgehen oder gar zu ersetzen führen immer zu Ineffizienzen, Ungerechtigkeit, Armut, politischer Unruhe und im Extremfall sogar zu Krieg.
Was es am Manchester-Liberalismus (ich hoffe der ist wirklich gemeint und nicht etwa der Manchester-Kapitalismus) zu kritisieren gibt, kann ich nicht nachvollziehen. Das Fallen von Zollschranken dürfte gerade für exportstarken Ländern wie Deutschland und besonders Lohnabhängige Menschen hier maßgeblich Arbeit und Wohlstand gebracht haben – mehr als jedes Sozialistische oder Nationalsozialistische System es jemals konnte.
Das ist aber nur die wirtschaftliche Seite. Die soziale Seite des Liberalismus besteht in maximalen Rechten und zwar unabhängig von der Person. Sozialer geht es kaum.
Wenn man unter sozial allerdings ausschließlich versteht, dass jeder etwas abgeben muss, also dazu gezwungen wird, etwas abzugeben um armen Menschen zu helfen, dann wird man meinen Standpunkt vermutlich nur schwer nachvollziehen können.
Es gibt allerdings eine Form des Liberalismus, die auf eine “soziale Marktwirtschaft” setzt und armen Menschen durch Umverteilung eine grundlegende Existenz sichern will. Diese Form des Liberalismus nennt man Neoliberalismus.
Naja, außer man ist Links oder Rechts, dann nennt man alles, was einem nicht gefällt “Neoliberalismus” – aber das ist eine andere Geschichte.
Jede Staatsform, die mir “paradiesische Zustände” versprechen würde, würde ich schon aus reinem Misstrauen ablehnen. Sowas kann letztlich nur darauf hinaus laufen, dass die Bevölkerung so glücklich gemacht wird, dass sie nicht weiter nachfragt. Der nationale Sozialismus in Deutschland unter Hitler funktionierte auf diese Weise: Ausbeutung einer Minderheit um die Mehrheit auf seine Seite zu ziehen.
Aber gerade wer auf beiden Augen sehen kann, der muss eigentlich verstehen, dass nichts als Liberalismus für Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit steht. Den kranken Ideologien der Vergangenheit gelang es zwar, einzelne dieser Werte zu integrieren und ihre Anhänger damit besoffen zu machen. Aber dafür mussten wesentliche Teile der anderen Werte bis zur Unkenntlichkeit zu verstümmeln.
Und die derzeitigen Taktierereien aller Parteien sind nichts weiter als Tendenzen in falsche Richtungen, da gehören Schäubles Antiterror-Pläne genauso zu wie vermeintlich sozialer Unfug wie Mindestlohn und Rauchverbote für die “Volksgesundheit”.
Es spielt für mich persönlich keine Rolle, ob eine Maßnahme wirtschaftsfreundlich oder nicht, links oder rechts ist, “vernünftig” klingt oder nicht, eine Mehrheit der Bevölkerung dafür oder dagegen ist, wenn sie liberalen Kernprinzipien entgegen wirkt. In dem Fall lehne ich sie ab, parteiübergreifend und schonungslos.
November 22nd, 2007 @ 17:45
Ziemlich überzeugend aber wie erklärst Du das Sterben von Millionen von Menschen in der dritten Welt trotz Manchester?
November 23rd, 2007 @ 09:06
Dafür gibts von Ort zu Ort verschiedene Ursachen aber was garantiert nicht dazu gehört ist ein Mangel an Totalitarismus und Unfreiheit. Korrupte und zu mächtige Herrscher, die dank veruntreuter Entwicklungshilfe aus Europa ihr Volk zum Teil bewusst schwach halten und von sich abhängig machen sind zum Beispiel ein möglicher Grund für hungernde Menschen.
Die Abschottung Europas gegen arme Menschen und vor allem ihre Agrarprodukte ein weiterer und gerade letzteres ist doch das genaue Gegenteil von Manchester-Liberalismus.
November 23rd, 2007 @ 18:55
Wohl wahr xD
Juni 2nd, 2008 @ 12:25
[...] Abschluss ein weiteres Mal folgendes Zitat: “Der Sozialismus wird seit knapp hundert Jahren auf der Welt probiert – und immer wurde [...]