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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Wahlkampfschrott

Posted on | Dezember 19, 2007 | No Comments

Da man an eigenartigen Gesetzen und Äußerungen immer wieder ablesen kann, wie mies es um die digitale Kompetenz vieler Spitzenpolitiker leider oft bestellt ist, sollte es einen eigentlich zuversichtlich stimmen, wenn wenigstens im Wahlkampf “neuartige” Methoden wie Newsfeeds angeboten werden, um Wähler über die Kandidaten zu informieren.

Das ist trotz der mittlerweile eigentlich recht großen Verbreitung dieser immerhin sieben Jahre alten Technik längst nicht selbstverständlich und um so überraschter war ich, als ich feststellte, dass die beiden Spitzenkandidaten des Niedersächsischen Ministerpräsidentenamtes, Wolfgang Jüttner und Christian Wulff, auf ihren Seiten sowas anlässlich der kommenden Wahl anbieten.

Nachdem ich mir jetzt aber einige Wochen lang angeguckt hab, was mit die beiden Herren so in den Reader spülen, muss ich allerdings schon wieder rummaulen.

Bei Christian Wulffs Wahlkampf-Feed bringt zwar durchaus ordentliche Artikel in den Reader, ganz so, wie ich es erwartet hatte. Nur passiert das extrem selten und so Sachen wie Wahlkampfauftritte stehen da bisher gar nicht drin.

Jüttners Feed schießt allerdings den Vogel ab: Information im engeren Sinn kam da bisher gar nicht. Stattdessen lauten die Beiträge fast immer gleich:

“Viele Niedersachsen unterstützen den SPD-Spitzenkandidaten Wolfgang Jüttner. Auf seinen Internetseiten kommen sie zu Wort.”

So fängt die “Nachricht” immer an und naja, dann kommt halt wieder ein Niedersachse zu Wort und wiederholt meistens irgendeine Wahlkampfplattitüde von Wolfgang Jüttner (gerne irgendwas mit “Niedersachsen soll gerechter werden”, so richtig pauschal und nichtssagend also). Ich hätte da inhaltlich (ist ja nunmal typisch Wahlkampf) gar nix gegen einzuwenden – aber diesen Unsinn gleich als Feed anbieten? Dann hätte man doch besser gleich Jüttner sein Programm der Reihe nach aufsagen lassen können, immerhin will ich als Wähler ja wissen, warum ich Jüttner wählen soll und nicht, warum andere das vor haben.

Wobei es auch irgendwie eigennützig klingende Stimmen zum Thema “Jetzt: Jüttner!” gibt:

“Ich unterstütze Wolfgang Jüttner, damit wir in Oldenburg wieder Sitz einer Regionalregierung werden.”

Aha, welch ehrenwerter Beweggrund… vermutlich sind damit die Bezirksregierungen gemeint, die 2004 abgeschafft wurden. Ihre Kompetenzen gingen dann auf die Landkreise über, wenn ich das noch richtig weiß und eigentlich habe ich Regierungen auf Kreis- und Gemeindeebene auch immer für Regionalregierungen gehalten.

Ich kenne den Herrn nicht, der aus diesem Grund Wolfgang Jüttner wählen will aber wenn ich ein bisschen drüber nachdenke: Wer außer den ehemaligen Beamten der Bezirksregierung kann eigentlich ein vitales Interesse daran haben, die Bezirksregierungen wieder einzuführen? Was hätte ich zum Beispiel davon, wenn manche Dinge wieder in Lüneburg, statt in Winsen entschieden würden, außer dass noch eine Regierung natürlich noch mehr Bürokratie und einen noch größeren Mitarbeiterstab nach sich ziehen würde? Ich bin mir sicher, das Wolfgang Jüttner mir schon erklären könnte, was er sich dabei denkt. Aber auf diese Weise ist das keine besonders motivierende Werbung.

Wie auch immer, für solche und andere Sinnlosigkeiten hätte nicht unbedingt ein an sich tolles Medium wie der Newsfeed missbraucht werden müssen. Da kann man Termine bekannt machen, aktuelle Pressemitteilungen rausgeben, auf Angriffe des Gegners reagieren und und und. Das hatte ich eigentlich auch erwartet aber beides ist zumindest bei den beiden Kandidaten von CDU und SPD leider Fehlanzeige.

Die Spitzenkandidaten von FDP und den Grünen bieten übrigens gar nicht erst einen Feed an. So kann mans zwar auch machen – aber eigentlich hätte man da wirklich relativ leicht ein sinnvolles Wahlkampfinstrument haben können, dass interessierten Wählern wie mir sogar etwas gebracht hätte. Chance vertan.

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