Mrz 31 2008
Leserbrief zur Milchquote
Vergangene Woche machte sich ein Leser einer hiesigen Kostenlos-Zeitung für die Beibehaltung von Milchquote und Subvention stark. In meinem ständigen Bemühen, mit klaren Argumenten und Vernunft gegen Planwirtschaft und Volksverdummung zu kämpfen, fühlte ich mich veranlasst, darauf mit einem weiteren Leserbrief zu reagieren.
Den Wortlaut des vergangenen Samstag abgedruckten Briefes möchte ich auch meinen Bloglesern nicht vorenthalten.
Sehr geehrte Leserinnen und Leser, sehr geehrter Herr Wendt,
Bei allem Verständnis für die Nöte der Milchbauern: Die Mehrheit der Bürger ist Milchkäufer, nicht Milchproduzent. Daher haben niedrige Milchpreise für beinahe alle Menschen, und damit für die Gesellschaft insgesamt, handfeste, greifbare Vorteile und sollten darum von niemandem verteufelt werden.
Kein Landwirt wird dazu gezwungen, sich der EU-Planwirtschaft (die Schlagzeile „EU erhöht die Milchproduktion“ spricht da Bände) mit ihren albernen Quoten zu unterwerfen – er müsste lediglich auf die üppigen und gegenüber den Menschen in der dritten Welt zutiefst ungerechten Subventionen verzichten.
Natürlich kann er seinen Hof dann auch gleich dichtmachen, weil die hochsubventionierte Konkurrenz ihm das Geschäft vermiest.
Was schließen wir daraus? Es ist an der Zeit, sowohl Quoten als auch Subventionen ganz abzuschaffen und den Landwirten ihre Würde als freie Unternehmer zurückzugeben.
Und was das Tierschutzargument angeht, so liegt die Entscheidung beim Verbraucher. Wer „freilaufende“ Milch will und dafür bereit ist, mehr zu bezahlen, der wird sie schon bekommen. Wer lieber eine staatliche Regelung will, der könnte immerhin für veränderte Tierschutzregeln kämpfen. Internationale staatliche Produktionskontrollen sind dafür jedenfalls die mit Abstand schlechteste Lösung.Jan Filter,
Kreisverbandsvorsitzender der Jungen Liberalen Harburg-Land, Hoopte
Für “Sammler” der PDF-Download: leserbrief-2008-03-26-milchquote.pdf
6 Kommentare



Sehr geehrter Herr Filter,
bei der Milchquote stimme ich Ihnen zu. Freie Bauern für ein freies Land.
Aber was ist eigentlich mit dem Kammerzwang in einem freien Land?
Müssen ca. 3,5 Mill. Kleinunternehmen immer noch von Kammerfürsten
gegängelt werden? Stehen die Aussagen von Herrn Niebel nicht im Gegensatz zur lieberalen Politik.
Mit freundlichen Grüssen
M. Ittermann
Ich bin mir relativ sicher, dass Dirk Niebels Meinung zur Milchquote sich weitgehend mit meiner deckt.
Herr Niebel ist Generalsekretär und wägt wahrscheinlich sehr viel mehr ab als ich es je tun würde, wie gewisse Aussagen auf die Wählerschaft wirken. Wieviele Unternehmer wählen die FDP? Wären es zwei, drei Millionen, könnte sich ein Generalsekretär gar nicht mehr leisten, den Kammerzwang in Schutz zu nehmen. Es dürften deutlich weniger sein, nehme ich an. Ich selbst kenne zumindest wesentlich mehr CDU-wählende Unternehmer als solche, die die FDP wählen.
Klar: Was kam zuerst, die Henne oder das Ei? Die FDP ist nicht umsonst als Partei der Kassenärzte und Apotheker verschrien – alles eher Nutznießer ihrer jeweiligen Kammern (auch wenn das glaube ich bei den Ärzten nicht mehr so rosig ist, was allerdings an unserem affenstarken Gesundheitssystem liegt). Mir gefällt das nicht, vielen anderen in der FDP auch nicht – aber für eine kleine Partei sind einzelne Wählergruppen nicht selten existenziell.
Ich bin zwar überzeugt davon, dass es auch anders gehen kann und die FDP inzwischen konsequenter eine klare liberale Politik verfolgen sollte, damit auch erfolgreicher sein könnte als heute. Andere sind das aber (noch) nicht und haben Angst davor, so ganz ohne eigene Klientel in die Wahlkämpfe zu starten. Das ist schade und ärgerlich, liegt aber eben nicht zwingend an mangelnder Einsicht, sondern manchmal auch schlicht an Strategie.
Das soll nichts entschuldigen, nur erklären.
umgekehrt wird ein Schuh daraus. Gegen den Kammerzwang in der FDP stimmen und 3,5Mill. Kleinunternehmer beeindrucken.
Mit diesem Pfund kann man bei Kleingewerbetreibende punkten.
Die “Linken” haben schon reagiert, populistisch, o.k. aber es wirkt.
Vielleicht auch bei mir.
Genau das meinte ich mit Henne und Ei, natürlich kann man nicht erwarten, dass man Stimmen als Vorschusslorbeeren bekommt.
Die Aufrichtigkeit von Die Linke als neuer Anwalt des freien Unternehmertums dürfte ein Aprilscherz sein. Kapitalismus abschaffen und gleichzeitig Wirtschaftspolitik zu betrreiben ist schlicht Schizophren.
Andererseits: Wenn ohnehin jedes Unternehmertum letztlich in der Hand des Staates liegt, werden Kammern noch überflüssiger als heute, weil es schließlich quasi eine Superkammer gibt.
bei “populistisch” hatte ich schon ein o.k. gesetzt, wissend um Ihre Antwort. Der Hase läuft aber genau in diese Richtung.
Die FDP braucht also keine Wählerstimmen? Oder warum bewegt sich die
Partei nicht in dieser Zwangskammerangelegenheit.
Sehr geehrter Herr Filter,
schaen Sie doch bitte mal bei Kammerwatch.de vorbei
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