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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Rettet den Deutsch

Posted on | April 25, 2008 | 2 Comments

In konservativen Kreisen sorgt man sich um die Zukunft der deutschen Sprache:

Der Widerstand gegen die Anglisierung des Berufalltages nimmt immmer mehr ab. “Deutsche” Unternehmen wie Daimler und andere haben im Rahmen einer falsch verstandenen Internationalisierung längst Englisch als “Konzernsprache” eingeführt. Selbst untereinander sollen deutsche Muttersprachler auf Englisch kommunizieren.
Auch an den Universitäten wird unsere Muttersprache systematisch verdrängt.

Nun gehen mir Anglizismen und unbedarfter Umgang mit Fremdwörtern auch häufig auf die Nerven.

Und es ist auch oft genug vorgekommen, dass mich einzelne Sprachverhunzungen so sehr genervt haben, das ich einen Artikel draus gemacht hab (zum Beispiel  hier, hier, hier oder hier). Man kann mir also ernsthaft Pedanterie vorwerfen – aber nicht, dass mir deutsche Sprache am Allerwertesten vorbeiginge.

Aber Entschuldigung: Was geht es denn die CDU oder sonstwen an, wie bei Daimler gesprochen wird?

Und was Anglizismen angeht: Ich finde sie, wie gesagt, furchtbar – aber was uns gerade noch gefehlt hat, ist dass sich die Politik auch dieser Unwichtigkeit annimmt und unsere Sprache gersetzlich durchregelt, wie es in Frankreich geschieht. Meines Wissens darf man bestimmte englische Ausdrücke in Frankreich bei Strafandrohung nicht mehr verwenden – der helle Wahnsinn.

Am Besten auch noch wieder so eine leidige Quotendiskussion für Musik im Radio, oder wie? Bitte Hirn einschalten und solchen Schwachsinn gar nicht erst in Erwägung ziehen!

Sprache ist Teil unserer Kultur und Kultur darf niemals staatlich gelenkt sein, sondern muss sich frei entwickeln (mir ist durchaus bewusst, dass ich hier eher einen Wunsch formuliere als die Realitöt zu beschreiben, trotzdem).

Selbstverständlich führt das zum Untergang von Sprachen und Werten. Aber nur, wenn sie überflüssig werden und nicht mehr ausreichend genutzt werden.

Die Gefahr sehe ich für das Deutsche bisher nicht gegeben – aber wenn es so wäre, dann wäre es wirklich armselig, daran per Gesetz etwas ändern zu wollen. Menschen reden, lesen und schreiben aus eigenen Stücken wie sie es tun, das darf auch gerne so bleiben!

Wer Sprachverhunzung aufhalten will, der sollte sie vermeiden und möglichst immer möglichst korrektes und trotzdem anregendes, interessantes Deutsch verwenden. Andere von ihrer Qualität zu überzeugen ist dass, was eine Sprache rettet – nicht von oben verordnete Sprachschule der Nation.

Die Überschrift ist daher als Aufforderung an jeden Einzelnen, oder wenigstens diejenigen, die das Deutsche mögen, gemeint und nicht etwa als Aufforderung an die Politik, irgendwelche halbgaren Aktionen vom Stapel zu lassen, die dann unter dem Strich sowieso nur Frust, Kosten und Freiheitsverluste mit sich bringen.

Comments

2 Responses to “Rettet den Deutsch”

  1. Freiheitsfreund
    April 26th, 2008 @ 11:45

    Ich finde Anglizismen klasse. Französismen ebenfalls. Es ist wunderbar, sich anzusehen, wie verschiedene Sprachen miteinander wechselwirken. Und es macht Sinn, nicht in jeder Sprache aus primitiv konservativem Regulationismus heraus um Biegen und Brechen neue Wörter zu basteln.

    Andererseits ist es ein unglaubliches Armutszeugnis, wie schon die akademische Elite einiger Fächer, insbesondere der Wirtschaftswissenschaften, zu versuchen scheint, grauenhaftes Englisch (wie es bei uns nunmal der Fall zu sein scheint in Deutschland) mit noch gruseligerem Deutsch, aufgrund mangelnder Ausdrucksfähigkeit in der eigenen Muttersprache zu vermischen und solche Unglaublichkeiten wie:

    “IN 2008 ist der Kurs gefallen”

    von sich zu geben… Eine solche schreckliche Formulierung habe ich vor ein paar Tagen sogar in der Tagesschau gehört! Von einem dummen Börsenfuzzi (tut mir leid, falls ich damit irgendjemanden beleidige), der mal wieder Megagigaterareißerisch supermegageil die megacoolsten superschnellsten Kurssteigerungen und sonstiges Dummgeschwätz so zu verkaufen versucht hat, dass die Leute daheim vor den Fernsehern nicht gleich wegratzen.

    Auf deutsch heißt es “2008″ das IN wird langsam in, ist aber völlig überflüssig verschrumpelt die schöne deutsche Sprache, bringt niemandem irgendeinen Vorteil, außer dass die sprechende Person als sprechunfähig entlarvt wird.

  2. Jan
    April 26th, 2008 @ 17:54

    Okay, vielleicht hätte ich das mit den Anglizismen ein bisschen mehr eingrenzen sollen denn zum Beispiel Bezeichnungen wie Internet oder Email sind natürlich völlig in Ordnung und da wirkt es einfach nur albern, wenn das irgendwie übersetzt wird.

    Gegen Einflüsse aus anderen Sprachen habe ich gar nichts, nur dann bitte Sinnvoll.

    Noch verbreiteter als das “in”, dass auch ich zu den nervenden zählen würde, ist wohl das elende “macht Sinn”, dass aus unerfindlichen Gründen das auch nicht längere “gibt Sinn” ersetzt.

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