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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Homophobie

Posted on | April 27, 2008 | 2 Comments

Das gewissen Kreisen der Gesellschaft der Gedanke nicht behagt, dass homosexuelle Paare Kinder großziehen, ist bekannt.

Aus Sicht jener Kreise ist das durchaus nachvollziehbar: Wenn man Homosexualität als Krankheit ansieht (Strafbar ist sie ja immerhin nicht mehr), dann kann man eigentlich konsequenterweise nur dagegen sein, wenn als geisteskrank oder (je nach Sichtweise) gar als pervers eingestufte Menschen Kinder aufziehen.

Natürlich ist das eine weltfremde Sichtweise und eine die den meisten Homosexuellen unrecht tut. Ich kenne zwar weniger als eine Handvoll davon – aber dass bestimmte sexuelle Vorlieben automatisch negative Auswirkungen auf die Persönlichkeit oder davon völlig unabhängige Charaktereigenschaften haben, halte ich für unwahrscheinlich.

Davon abgesehen ist es nicht nur für Liberale Grundsatz, dass vor dem Gesetz alle Menschen gleich sind.

Für Liberale und hoffentlich ebenfalls für Menschen anderer politischer Grundüberzeugungen steht außerdem fest: Kinder sind im Zweifel bei Adoptiveltern besser aufgehoben als in einem Heim.

Demensprechend muss man eigentlich froh über jedes adoptionswillige Paar sein und nur weil es eher unüblich ist, wenn ein gleichgeschlechtliches Paar Kinder adoptiert, heißt dass ja nicht automatisch, dass das verkehrt ist. Bewertet werden sollte das allein am Wohl des Kindes und nicht an irgendwelchen wie auch immer definierten Moralvorstellungen.

Soweit meine Überzeugungen zu diesem Thema. Ein gewisser Erzbischof Zollitsch argumentiert dagegen:

“In der Debatte um das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare wird übersehen, dass es Mann und Frau sind, die für neues Leben sorgen. Familie entsteht dadurch, dass Mann und Frau miteinander Kinder zeugen – und auch beide für die Kinder da sind. Deswegen sehe ich ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche zusammenlebende Menschen nicht im Sinne dessen, was Familie ist und auch nicht im Sinne dessen, was dem Naturrecht entspricht.”

Gut aufgepasst? Wenn das sein Ernst ist, dann entsteht Familie nicht nur nicht wenn gleichgeschlechtliche Paare ein Kind adoptieren, sondern auch dann nicht, wenn sie verschiedenen Geschlechts sind – weil sie das Kind ja nicht gezeugt haben.

Kirche eben – gerade bei den Katholiken meint man ja, dass Sex ohnehin nur der Fortpflanzung dienen sollte (leider kenne ich noch weniger Katholiken als Homosexuelle, daher kann ich nicht beurteilen, inwieweit dem wirklich Folge geleistet wird). Aber wenn nur der Kinder großziehen darf, der Kinder zeugt, wieso dürfen dann staatliche oder gar katholische Waisenhäuser Kinder groß ziehen?

Ich weiß nicht, ob der zitierte Bischof sich nur doof ausgedrückt hat aber andere, wirklich nachvollziehbare Argumente gegen ein Adoptionsrecht für Paare, die nicht der ideologischen Norm der Kirche entsprechen, sind mir auch noch nicht begegnet.

“Homosexuelle dürfen das nicht, weil sie homosexuell sind” wäre für mich auch nicht nachvollziehbar, aber wenigstens ehrlich. Und ich muss ja Katholiken auch nicht unbedingt verstehen.

Comments

2 Responses to “Homophobie”

  1. Marvin
    April 27th, 2008 @ 05:47

    Sehr gut auf Zollitsch’ reines Scheinargument aufmerksam gemacht :)

    Ansonsten: Neben einer schwerwiegenden Diskriminierung gegenüber Homosexuellen ist klar, dass vor allem die weiter im Heim verbleibenden Kinder geschädigt würden, wenn homosexuelle Paare nicht adoptieren dürften. Irgendwelche schädlichen Einflusse Homosexueller auf Kinder, so lachhaft sich das im 21. Jahrhundert auch anhören mag, konnten (oh wunder) noch keine Studien nachweisen.

    Aber wie sieht das Adoptionsrecht für Homosexuelle eigentlich momentan aus? Ich fand auf die schnelle nichts, und muss jetzt wieder 16 Stunden raus.

  2. Jan
    April 27th, 2008 @ 09:38

    Um die Recherche habe ich mich frecherweise auch komplett rumgedrückt, hat mit den Aussagen des Bischofs aber auch bloß am Rande zu tun. Ich glaube allerdings, dass sowas Ländersache ist, weshalb es sein kann, dass da verschiedene Regeln bestehen.

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