Filterblog

Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Blumen contra Pfingsten

So langsam muss der Leser meinen, ich betriebe hier systematisches Konservativen-Bashing, nachdem ich in kürzester Zeit erst gegen die krampfhafte Rettung der deutschen Sprache und dann für ein Adoptionsrecht von homosexuellen Paaren argumentiert habe und mich jetzt gedenke, über den hausgemachten Gewissenskonflikt in meinem Gastland Baden-Württemberg, wo jetzt die konservativen Projekte heilige religiöse Feiertage und Rettung der des Muttertags sozusagen gegeneinander ausgespielt werden müssen.

Viele kirchliche Feiertage fallen jedes Jahr auf einen anderen Tag. Das nervt und hat auch so überhaupt keinen Sinn. In diesem Jahr führt das dazu, dass Maifeiertag und Himmelfahrt an einem Tag sind – was einen freien Tag kostet und für Winsener den schwierigen Gewissenskonflikt birgt, ob sie am 30. April das Stadtfest besuchen oder irgendwo in den Mai tanzen sollen.

Viel schwerwiegender: Muttertag fällt auf Pfingstsonntag. Zwar weiß kaum jemand, was Pfingsten eigentlich bedeutet – aber da er einer der höchsten kirchlichen Feiertage ist, gehört er geschützt.

Und darum streitet man nun im Baden-Württembergischen Landtag, in dem die CDU die absolute Mehrheit der Sitze inne hat, ob am Muttertag Blumen grundsätzlich verkauft werden dürfen oder ob die Gemeinden selbst entscheiden dürfen, ob ihre Blumenhändler öffnen dürfen oder ob nicht doch die Heiligkeit des Tages wichtiger ist, als das Bedürfnis vieler Mütter nach frischen Blumen.

Wer sich um solche Fragen schert, scheint entweder sonst keine Probleme zu haben oder nimmt sie zumindest nicht wahr.

Homophobie

Das gewissen Kreisen der Gesellschaft der Gedanke nicht behagt, dass homosexuelle Paare Kinder großziehen, ist bekannt.

Aus Sicht jener Kreise ist das durchaus nachvollziehbar: Wenn man Homosexualität als Krankheit ansieht (Strafbar ist sie ja immerhin nicht mehr), dann kann man eigentlich konsequenterweise nur dagegen sein, wenn als geisteskrank oder (je nach Sichtweise) gar als pervers eingestufte Menschen Kinder aufziehen.

Natürlich ist das eine weltfremde Sichtweise und eine die den meisten Homosexuellen unrecht tut. Ich kenne zwar weniger als eine Handvoll davon – aber dass bestimmte sexuelle Vorlieben automatisch negative Auswirkungen auf die Persönlichkeit oder davon völlig unabhängige Charaktereigenschaften haben, halte ich für unwahrscheinlich.

Davon abgesehen ist es nicht nur für Liberale Grundsatz, dass vor dem Gesetz alle Menschen gleich sind.

Für Liberale und hoffentlich ebenfalls für Menschen anderer politischer Grundüberzeugungen steht außerdem fest: Kinder sind im Zweifel bei Adoptiveltern besser aufgehoben als in einem Heim.

Demensprechend muss man eigentlich froh über jedes adoptionswillige Paar sein und nur weil es eher unüblich ist, wenn ein gleichgeschlechtliches Paar Kinder adoptiert, heißt dass ja nicht automatisch, dass das verkehrt ist. Bewertet werden sollte das allein am Wohl des Kindes und nicht an irgendwelchen wie auch immer definierten Moralvorstellungen.

Soweit meine Überzeugungen zu diesem Thema. Ein gewisser Erzbischof Zollitsch argumentiert dagegen:

“In der Debatte um das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare wird übersehen, dass es Mann und Frau sind, die für neues Leben sorgen. Familie entsteht dadurch, dass Mann und Frau miteinander Kinder zeugen – und auch beide für die Kinder da sind. Deswegen sehe ich ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche zusammenlebende Menschen nicht im Sinne dessen, was Familie ist und auch nicht im Sinne dessen, was dem Naturrecht entspricht.”

Gut aufgepasst? Wenn das sein Ernst ist, dann entsteht Familie nicht nur nicht wenn gleichgeschlechtliche Paare ein Kind adoptieren, sondern auch dann nicht, wenn sie verschiedenen Geschlechts sind – weil sie das Kind ja nicht gezeugt haben.

Kirche eben – gerade bei den Katholiken meint man ja, dass Sex ohnehin nur der Fortpflanzung dienen sollte (leider kenne ich noch weniger Katholiken als Homosexuelle, daher kann ich nicht beurteilen, inwieweit dem wirklich Folge geleistet wird). Aber wenn nur der Kinder großziehen darf, der Kinder zeugt, wieso dürfen dann staatliche oder gar katholische Waisenhäuser Kinder groß ziehen?

Ich weiß nicht, ob der zitierte Bischof sich nur doof ausgedrückt hat aber andere, wirklich nachvollziehbare Argumente gegen ein Adoptionsrecht für Paare, die nicht der ideologischen Norm der Kirche entsprechen, sind mir auch noch nicht begegnet.

“Homosexuelle dürfen das nicht, weil sie homosexuell sind” wäre für mich auch nicht nachvollziehbar, aber wenigstens ehrlich. Und ich muss ja Katholiken auch nicht unbedingt verstehen.

“Demolition Man” muss ins Gefängnis

3 Jahre Gefängnis für 3 nichtabgegebene Steuererklärungen mit entsprechender Steuerhinterziehung – ein amerikanisches Gericht statuiert offenbar ein Exempel an Hollywoodstar Wesley Snipes.

Der Behauptet falsch beraten worden zu sein und hatte versucht, das Gericht unter anderem mit einem Brief von Denzel Washington davon zu überzeugen, dass er nicht absichtlich eine Straftat begangen habe.

Kann man glauben oder auch nicht. Ganz auszuschließen ist es wohl nicht, dass sich ein Schauspieler, der soviel Geld besitzt, dass es ihm kein Kopfzerbrechen bereiten muss, nicht selbst mit seiner Steuererklärung herumärgern möchte.

Aber so sieht es nunmal aus, wenn der Staat seine Zähne zeigt – und wenn es nach Meinung vor allem linker Steuerexperten ginge, könnte die Strafe auch für solche Fälle kaum hoch genug sein (wir erinnern uns sicher alle noch an “Lebenslänglich”-Forderungen im Kielwasser der Liechtenstein-DVD-Affäre).

Ob die Populisten bei uns auch so laut tönen würden, wenn es bei uns einen beliebten und bekannten Star treffen würde?

Rettet den Deutsch

In konservativen Kreisen sorgt man sich um die Zukunft der deutschen Sprache:

Der Widerstand gegen die Anglisierung des Berufalltages nimmt immmer mehr ab. “Deutsche” Unternehmen wie Daimler und andere haben im Rahmen einer falsch verstandenen Internationalisierung längst Englisch als “Konzernsprache” eingeführt. Selbst untereinander sollen deutsche Muttersprachler auf Englisch kommunizieren.
Auch an den Universitäten wird unsere Muttersprache systematisch verdrängt.

Nun gehen mir Anglizismen und unbedarfter Umgang mit Fremdwörtern auch häufig auf die Nerven.

Und es ist auch oft genug vorgekommen, dass mich einzelne Sprachverhunzungen so sehr genervt haben, das ich einen Artikel draus gemacht hab (zum Beispiel  hier, hier, hier oder hier). Man kann mir also ernsthaft Pedanterie vorwerfen – aber nicht, dass mir deutsche Sprache am Allerwertesten vorbeiginge.

Aber Entschuldigung: Was geht es denn die CDU oder sonstwen an, wie bei Daimler gesprochen wird?

Und was Anglizismen angeht: Ich finde sie, wie gesagt, furchtbar – aber was uns gerade noch gefehlt hat, ist dass sich die Politik auch dieser Unwichtigkeit annimmt und unsere Sprache gersetzlich durchregelt, wie es in Frankreich geschieht. Meines Wissens darf man bestimmte englische Ausdrücke in Frankreich bei Strafandrohung nicht mehr verwenden – der helle Wahnsinn.

Am Besten auch noch wieder so eine leidige Quotendiskussion für Musik im Radio, oder wie? Bitte Hirn einschalten und solchen Schwachsinn gar nicht erst in Erwägung ziehen!

Sprache ist Teil unserer Kultur und Kultur darf niemals staatlich gelenkt sein, sondern muss sich frei entwickeln (mir ist durchaus bewusst, dass ich hier eher einen Wunsch formuliere als die Realitöt zu beschreiben, trotzdem).

Selbstverständlich führt das zum Untergang von Sprachen und Werten. Aber nur, wenn sie überflüssig werden und nicht mehr ausreichend genutzt werden.

Die Gefahr sehe ich für das Deutsche bisher nicht gegeben – aber wenn es so wäre, dann wäre es wirklich armselig, daran per Gesetz etwas ändern zu wollen. Menschen reden, lesen und schreiben aus eigenen Stücken wie sie es tun, das darf auch gerne so bleiben!

Wer Sprachverhunzung aufhalten will, der sollte sie vermeiden und möglichst immer möglichst korrektes und trotzdem anregendes, interessantes Deutsch verwenden. Andere von ihrer Qualität zu überzeugen ist dass, was eine Sprache rettet – nicht von oben verordnete Sprachschule der Nation.

Die Überschrift ist daher als Aufforderung an jeden Einzelnen, oder wenigstens diejenigen, die das Deutsche mögen, gemeint und nicht etwa als Aufforderung an die Politik, irgendwelche halbgaren Aktionen vom Stapel zu lassen, die dann unter dem Strich sowieso nur Frust, Kosten und Freiheitsverluste mit sich bringen.

Der Preis des Fortschritts

Ich halte Atomkraftwerke grundsätzlich für keine zukunftsweisende Idee.

Nicht, weil ich Zweifel an der Technik an sich hätte, sondern weil jeder (geistig) Blinde inzwischen sieht, dass nach wie vor ein schweres Abfallproblem besteht. Und spätestens seit Vattenfalls Sündenfall im vergangenen Jahr, wo man durch den Transformatorbrand im Sommer von meiner Elbseite aus nichts als ein brennendes Atomkraftwerk sehen konnte und dank der unterirdischen Informationspolitik des Betreibers nur spekulieren konnte, ob es was Ernstes ist oder nicht.

Hysterie und Überreaktionen bis hin zu Gesetzesbrüchen und Gewalt sind allerdings unangebracht. Es gibt genügend vernünftige Argumente, die einen Ausstieg nahelegen (das Müllproblem wäre, solange es ungelöst ist, für meinen Geschmack schon völlig ausreichend), man muss sich also nicht unbedingt an dem glücklicherweise etwas zurückgegangenem Castor-Tourismus beteiligen und sich an Gleise ketten und so weiter.

Und gäbe es diese andere Hysterie, die panische Angst vor einer Klima-”Katastrophe” mit um 30 Meter steigendem Meeresspiegel und ewigem Südseewetter für Deutschland, dann herrschte zum Thema Atomausstieg wahrscheinlich immer noch weitgehender Konsens – aber wir Deutschen lassen uns scheinbar gerne von einer Hysterie zur nächsten Jagen.

Eine weitere Hysterie hat sich sozusagen als Ergebnis dieser beiden Hysterien entwickelt: Die Enerneuerbare-Energien-Hysterie. Wir wollen plötzlich alle Energie aus Sonne und Wind und Wasser, bis vor ein paar Wochen akzeptierten wir auch noch Biomasse (das hat sich mit der wieder neuen Hysterie in Bezug auf Lebensmittelpreise wohl etwas relativiert) – jedenfalls nichts nichts mehr aus fossilen Rohstoffen.

Das als Vision ist dabei eigentlich nichts, gegen dass irgendwer etwas hätte, außer den Leuten, die mit Atom, Öl und Kohle Kohle machen, also vor allem den dort Beschäftigten – okay, Aktionäre und Vorstände wohl auch, nur ist es bei denen in der Regel weniger existenziell. Für alle anderen Verspricht eine auf erneuerbaren Energien aufbauende Versorgung Unabhängigkeit von krisengeschüttelten Regionen der Welt, Energie ohne teurer und knapper werdende Rohstoffe und die Chance auf eine dezentrale Energieversorgung – es spricht also viel dafür, dass das die Marschrichtung der Zukunft sein sein könnte.

Dummerweise ist der Wähler ungeduldig und hat mit seinen umweltpolitischen Ansprüchen in vielen Ländern mächtig Druck auf die Mächtigen gemacht, so dass die sich gezwungen sahen, Beschleunigungsmaßnahmen zu ergreifen. In Deutschland heißt dass zum Beispiel, dass Strom aus Windkraft zu garantierten und völlig überhöhten Preisen abgenommen werden muss, egal ob günstigere Alternativen zur Verfügung stünden. Das treibt die Strompreise hoch, worüber undankbare Untertanen jetzt auch wieder jammern, obwohl nicht wenige es bisher doch genau so gewollt haben düften.

Dabei haben nichtmal die Grünen versucht zu verhüllen, dass Umwelt- und Klimaschutz Geld kostet.

Wieviel Geld, dass hat jetzt eine britische Studie ausgerechnet:

Das Ziel der Europäischen Union, bis zum Jahr 2020 den Anteil der erneuerbaren Energieträger (EE) am Energiemix von heute rund 5 % auf 15 % zu erhöhen, soll nach einer aktuellen Studie im Auftrag der britischen Regierung für jeden Europäer, ob jung oder alt, pro Jahr zusätzliche Kosten von 38 bis 51 Euro verursachen.

 …und egal ob Sozialhilfeempfänger, Student oder Lobbyist für erneuerbare Energien, möchte man hinzufügen.

Mal angenommen, damit seien sämtliche Energiekrisen für ewig überwunden und obendrein noch der Umwelt gedient – was allerdings kein Mensch wirklich wissen kann – dann könnte man fast von einem guten Geschäft sprechen.

Ein gutes Geschäft würde allerdings auszeichnen, dass man es zu seinem eigenen Vorteil freiwillig tätigt und nicht von der Regierung dazu gezwungen wird noch dazu durch die klammheimliche Vergewaltigung marktwirtschaftlicher Prinzipien und nicht etwa durch eine offene Subvention oder eine Sondersteuer.

Der Sozialismus lässt grüßen. So regt man bei Leuten wie mir höchstens Ablehnung an, aber kein zusätzliches Umweltbewusstsein.

Immerhin kann mit diesen Zahlen jetzt jeder für sich selbst entscheiden, ob er die von der Obrigkeit aufgebrummten Kosten angemessen findet oder nicht.

Zusatz: Die Virtuelle Akademie der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit veranstaltet zu diesem Thema derzeit ein kostenloses Online-Seminar mit folgendem Programm:

21.04. – 22.04.2008

  • Was ist Energie?

  • Die Auslöser der Energiedebatte

  • Welche Konzepte vertreten der Bund, die EU und die Länder?

23.04. – 27.04.2008

  • Mythen der erneuerbaren Energie

28.04. – 07.05.2008

  • Die Energieeffizienz und Energieeinsparung

  • Der Ausbau von erneuerbaren Energien

  • Die Sicherung der Energieversorung

Danke an Philipp für die Info.

Mal im Ernst

Wenn es angeblich gegen die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland verstoßen soll, dass Ladenbesitzer ihre eigenen Läden so öffnen, wie sie wollen, dann müsste die jawohl schleunigst geändert werden, wenn in diesem Land Marktwirtschaft noch irgendwas gilt (nicht, dass ich davon uneingeschränkt überzeugt wäre).

Zeitungen – Print vs. Online

Die Bundesregierung hat, wieder mal, ein akutes Problem entdeckt und in Angriff genommen:

Zeitungsleser werden immer weniger!

Zu dieser Analyse kommt man wohl nur, wenn man gedruckte Zeitungen zählt und andere Verbreitungswege ignoriert.

Wenn ich meinen alten Herrn schwadronieren höre, dass das Veröffentlichen von Annoncen im Internet doch gar nichts bringen würde, weil der Großteil der Leute doch da gar nicht reingucken würde, wird mir immer sehr deutlich, dass es diese digitale Kluft, von der oft geredet wird, tatsächlich gibt.

Natürlich hat er Unrecht, jede Statistik belegt eigentlich, dass man bei Auto- oder Wohnungssuche im Prinzip längst nicht mehr aufs Internet verzichten kann – auch wenn natürlich nichts gegen eine ergänzende Recherche in Zeitungen spricht.

Da offenbart sich allerdings das Grundproblem, dass häufig ältere Herrschaften mit den längst nicht mehr “Neuen Medien” (Internetbrowser in der heutigen Form gibts immerhin schon seit 15 Jahren!) haben: Sie nehmen sie nicht ernst, weil sie ihnen suspekt sind und weil sie sie nicht verstehen. Würden sie sich auch nur einen Nachmittag mal mit dem Thema befassen, würde das ihre Meinung vermutlich ändern – aber dazu sind viele auch nicht bereit.

So verwundert es nicht, dass die Bundesregierung, die zum Teil offenbar ebenfalls aus Technikverweigerern besteht, ein Problem darin sieht, dass die Printausgaben vieler Medien an Auflagen verlieren.

Da werden dann die abenteuerlichsten Thesen draus abgeleitet. Etwa, dass junge Leute weniger lesen würden, dass weniger gedruckte Zeitungen weniger Interesse an Politik bedeutet, dass langfristig die Demokratie in Gefahr wäre und so weiter und so fort.

Dahinter steht wohl das Denken alter Leute, die, bewusst oder nicht, sich gegen Neues stämmen. Jeder, der ein bisschen grundsätzlicher nachdenkt, kommt schnell darauf dass es ziemlich oberflächlich ist, sich an eine einzige Verbreitungsform zu klammern. Als käme es darauf an, dass Nachrichten gedruckt würden. Als wäre eine Meldung erst dann seriös, wenn sie unauslöschbar auf Papier steht.

Menschen die so denken, verkennen, worum es wirklich geht: Um den Inhalt. Und da sind viele Onlinemedien absolut brauchbar. Mehr noch: Sie sind praktischer, als gedruckte Nachrichten es jemals waren. Meine Tageszeitung werfe ich normalerweise am nächsten Tag weg. Wenn mir dann nach einer Woche noch was einfällt, das ich nochmal lesen will, dann habe ich ein Problem – das bei guten Onlinemedien inzwischen meist entfällt. Für die Freunde der gedruckten Zeitung mag es komisch klingen, aber Onlinemedien sind heutzutage meistens langlebiger als gedruckte.

Der Spiegel-Verlag hat zum Beispiel sogar seine sämtlichen gedruckten Artikel aus den letzten 60 Jahren inzwischen gebührenfrei im Netz – Online überholt Print an dieser Stelle komplett. Und ich kann mir gut vorstellen, dass andere Verlage nachziehen werden.

Ich persönlich gehe davon aus, dass gedruckte Tageszeitungen in nicht allzu ferner Zukunft größtenteils Geschichte sein werden. Das Einzige, was den flächendeckenden Untergang bisher noch aufhält, ist der Mangel an wirklich praktischen Lesegeräten für elektronische Zeitungsartikel – und natürlich die Technikverweigerer. Beides wird sich aber irgendwann erledigen, und sei es nur dadurch, dass die Kosten für elektronische Zeitungen erheblich geringer sind und der Anreiz, lieber elektronisch als gedruckt zu lesen, steigt.

Das die Bundesregierung jetzt obskure Initiativen zur Rettung von PostkutschenPrintmedien startet, wird da auch nicht dran rütteln können. Wer so etwas nötig hat, der hat eigentlich schon verloren.

Verlieren werden auch alle die Verleger, die heute noch eine “Print-Only”-Strategie fahren – so wie meine heimische Zeitung beispielsweise. Der Winsener Anzeiger hat zwar eine Website (wow…), die zwar lästigerweise komplett in königsblau blau gehalten ist (eher untypisch für Nachrichtenseiten, die einzigen anderen Farben stammen von den paar Werbebannern, wenn sie denn funktionieren…), aber immerhin täglich aktualisiert wird. Aber, und das ist eigentlich der größte Lacher dabei, es wird immer nur die “Lokales”-Seite ausgetauscht, da stehen dann halt immer 3-4 Artikel aus der aktuellen gedruckten Ausgabe drin, die man allerdings vorher immer von den ihnen zugehörigen Fotos befreit. Am nächsten Tag sind diese ohne schon spärlichen Nachrichten dann auf nimmerwiedersehen verschwunden.

wa.jpg

Wer aus Winsen ist und, wie ich, an Nachrichten von Zuhause interessiert ist, obwohl er die meiste Zeit woanders wohnt, der wird auf ein reichlich teures Sonder-Printabo verwiesen, da käme dann die Zeitung allenernstes mit der Post.

Wer sowas anbietet, ignoriert die neuen Möglichkeiten vollständig. Denn: 1. lege ich doch keinen Wert auf die Printausgabe, mir gehts um den Inhalt und nicht um das Altpapier, 2. käme die Zeitung irgendwann nachmittags mit der Post, ich könnte sie dann so um 16-17 Uhr lesen – also dann, wenn beinahe schon die nächste Ausgabe in Druck ist und die Nachrichten entsprechend veraltet sind und 3. zahle ich außer den überflüssigen Druckkosten auch noch überflüssige Versandkosten. Würde ja alles entfallen, wenn man beispielsweise ein Email-Abo anbieten würde, wenn man sich schon nicht zu einer echten Online-Ausgabe durchringen kann.

Ich bin mir sicher, dass der Winsener Anzeiger keineswegs ein Einzelfall ist. Es gibt ja viele dieser kleinen Lokalblätter, die immer noch so arbeiten, als gäbe es das Internet nicht. Wahrscheinlich hängt das auch damit zusammen, das es für derartige technische Revolutionen kein Personal gibt, dass sich mit den daraus abzuleitenden Konsequenzen befassen könnte.

Das ist die praktische Seite. Wenn die Regierung einfach nur die Rückgänge bei Printmedien betrachtet und als Problem auffasst, daraus sogar schließt, die Leute würden weniger lesen, dann verkennt sie kurzerhand nichts weniger als eine kulturelle Umwälzung. Ich habe jedenfalls noch nie soviel gelesen wie heute. Dank des Internets sind aktuelle Nachrichten (und damit meine ich Minuten-Aktuell, nicht etwa Tages-Aktuell) zu Geringsten Kosten Verfügbar.

Dazu kommen noch unzählige Blogs und Dienste wie Google-News, die per Feed-Abo zu einer Art interessengelenktem Filter werden. Auf die Art entgeht mir so schnell nichts, was mich interessiert. Weder Print noch Fernsehen haben dem irgendwas entgegenzusetzen – mal ganz zu schweigen davon, dass das Internet ohnehin das Zeug dazu hat, alle bisherigen Medien zumindest technisch in sich zu vereinen. Das geschieht ja auch immer mehr; Keine Nachrichtenseite kommt ohne Videos aus und Podcasts werden auch immer beliebter – und wer partout seine Zeitung gedruckt lesen will, druckt sich den Kram halt selber aus.

Nicht nur Informationsjunkies wie ich lesen mehr denn je, ich stelle mal die wilde, weil ausschließlich aus subjektiven Eindrücken aus meiner Umgebung basierenden These auf, dass es der überwiegenden Mehrzahl der unter-35-Jährigen so ähnlich geht. Und da nahezu jedes (Winsener Anzeiger mal ausgenommen) Onlinemedium inzwischen über eine Kommentarfunktion verfügt, verliert Zeitunglesen zunehmend seinen rein passiven Charakter.

Auf Kommentare in anderen Medien kann ich zwar dank meines Blogs, dass für mich die gleiche Funktion erfüllt, verzichten. Aber auch hier wage ich die Vermutung, dass die meisten Menschen heute mehr schreiben, als sie es ohne das Internet tun würden.

Eine Pro-Print-Kampagne, die den Übergang vom Zeitalter der Papiermedien zum Zeitalter der elektronisch verfügbaren Informationen nicht nur nicht als Fortschritt anerkennt, sondern sogar für grundsätzlich falsch hält, wirkt auf mich wie eine der Wirklichkeit entrückte Lobby-Veranstaltung.

Menschen die so denken, haben vermutlich auch bei der Verbreitung von Waschmaschinen für das gute alte Waschbrett argumentiert und die Passagierluftfahrt mit Hinweis auf die doch so gut funktionierende Linienschifffahrt als überflüssig erachtet. Wäre es nach solchen Leuten gegangen, dann hätte die Menschheit wohl auch nie den Schritt vom Faustkeil zum Kupferbeil gemacht, weil sich der Faustkeil doch mehrere zehntausende Jahre lang bewährt hat und man doch so ein kulturelles Erbe nicht einfach auf dem Altar des Fortschritts opfern könnte.

Ich für meinen Teil trenne längst nicht mehr zwischen Print und Online, für mich sind es einfach nur Nachrichten – egal wie sie zu mir gelangen.

Stadtfest Winsen

Nächste Woche Mittwoch, also am 30. April, ist es wieder soweit: Das mittlerweile 31. Winsener Stadtfest beginnt. Fünf Tage lang verwandelt sich Winsens normalerweise eher mäßig aufregende Innenstadt in eine Partymeile.

Meine persönlichen Highlights:

  • Mittwoch gehts einfach nur los, das reicht eigentlich schon;)gehts nicht einfach nur los, sondern auf der Herforder-Bühne an der Kirche spielen ab 19.30 Olaf und Dieter Klassiker aus Rock und Pop.
  • Donnerstag um 19 Uhr auf der Herforder-Bühne – 104 Elements
  • Freitag 20.30 Uhr Bühne Sparkasse Harburg-Buxtehude – Rock n Roll Deputyz (genau, die von unserer legendären Faslamsparty!)
  • Samstag: Crush2002 und April May June ab 19 Uhr auf der Herforder-Bühne (könnte auch n Fehler auf der Website sein, vielleicht treten die aber wirklich irgendwie abwechselnd auf)
  • Sonntag: 15 Uhr Elbdeichbrummer

Mir ist durchaus bewusst, dass der letzte Programmpunkt ein bisschen aus der Reihe fällt. Aber der Chor besteht nunmal zu einem nicht unerheblichen Teil aus Hooptern, darunter logischerweise diverse Bekannte und sogar Verwandte meinerseits und außerdem ist das eine lustige Truppe. Trotzdem ist es an sich eher ein Chanty/Männerchor und eben keine Rockband. Rockt trotzdem, nur eben anders;)

Das wären, wie gesagt, die Punkte, die mich neben dem allgemeinen Trubel besonders interessieren. Es findet natürlich noch mehr statt – Einzelheiten gibts hier.

Mehr Ehrlichkeit in der Rentenpolitik!

Und schon wieder melden sich Sozialdemokraten aus SPD und CDU zum Thema Rente und wollen sie noch sozialer machen, als sie schon ist.

Jürgen Rüttgers, immer für Überraschungen gut, hätte gerne, dass weniger die Summe der Beiträge, sondern mehr die Zeit der Beitragszahlungen die Höhe der Rente bestimmen. Im Klartext zielt das wohl in Richtung gleiches Geld für alle ab.

Ottmar Schreiner will, dass Leute mit höheren Einkommen mehr bezahlen als jetzt schon. Insofern liefert der SPD-Mann hier schon ungefragt einen Entwurf zur Finanzierung des Vorschlags des CDU-Manns – da sage noch einer, in der Berliner Koalition gebe es keine ordentliche Zusammenarbeit!

Mir persönlich ist es erstmal wurscht, ob der Zug in Richtung Einheitsrente fährt oder nicht, bis es bei mir soweit ist werd ich nämlich ohnehin selbst sehen müssen, wie ich klar komme. Aus dem gleichen Grund geht mir das Thema “Rente mit 67″ auch ziemlich am Allerwertesten vorbei, ich geh sowieso eher von 70-75 aus, wenn ich mich auf den Staat verlasse.

Nur wenns um die Finanzierung des ganzen Blödsinns geht, dann erlaube ich mir durchaus eine klare Meinung dazu. Und die lautet: 20 Prozent vom Bruttolohn, zusätzlich noch mal genausoviel vom Arbeitgeber (der mir das darum auch nicht zum Beispiel direkt als Lohn ausbezahlen kann) sind schon eine Menge Geld – egal ob man viel oder wenig verdient. Ich glaube nicht, dass noch viel Spielraum nach oben besteht, bevor vor allem Menschen mit höheren Einkommen sich nicht doch lieber einen Job anderswo suchen, weil man ja schließlich in erster Linie für den eigenen Geldbeutel arbeiten gehen will, statt für den Sozialstaat – das klingt jetzt böse aber wer von uns könnte in den Spiegel sehen und das Gegenteil behaupten? Siehste. Irgendwann ist wohl bei jedem die Schmerzgrenze erreicht.

Ein anderer wichtiger Aspekt ist aber, dass es eigentlich eine Unart ist, dass die gesetzliche Rentenversicherung trotz aberwitziger Beitragshöhen (mit steigender Tendenz!) mit etlichen Millarden an Steuergeld gestützt werden muss, damit sie nicht jetzt schon in sich zusammenbricht oder die meisten Renten so niedrig werden, dass man auch gleich zum Sozialamt gehen könnte.

Weit verbreitet und ebenso weit entfernt von der Realität scheint mir das Bild eines “Rententopfes” zu sein, in dem die eingezahlten Beiträge herumliegen, womöglich für jeden Beitragszahler ein eigener Haufen. Die Wahrheit ist doch, dass die Kohle gleich verbraten wird, sobald sie reinkommt. Die Aufregung um “versicherungsfremde Leistungen”, die mit den Beiträgen irgendwann mal finanziert worden sind, mögen zwar sachlich stimmen. Hätte man das sein gelassen, hätte es vielleicht erst später höhere Beiträge gegeben oder die Rentenformel wäre ein bisschen anders – letztendlich stünden wir heute auch nicht viel besser da und die großen Probleme wären die selben.

Gleiches gilt für das Thema “die Ostrentner kriegen ja und haben nie eingezahlt” – was eigentlich völlig schnurz ist, wenn die Beiträge gar nicht direkt für die eigene Rente verwendet werden, sondern immer nur umgelegt wird. Die große Zusatzbelastung der Rentenkassen durch die Wiedervereinigung dürfte wohl eher mit der höheren Arbeitslosigkeit in den ehemals sozialistisch Regierten Gebieten Deutschlands zu begründen sein. Es besteht also kein Anlass, auf Ostrrentner zu schimpfen – ich bin ohnehin der Meinung, dass die in 40 Jahren Diktatur und Mangelwirtschaft genug durchgemacht haben, als dass man ihnen jetzt solche dummen Argumente um die Ohren hauen müsste.

Rente, das bedeutet im Wortsinn soviel wie eine Rendite. In diesem Fall eine Rendite auf das Arbeitsleben, sozusagen. Der Deutsche Wähler war jahrzehntelang blöde genug (und ist es noch immer), die Früchte seiner Arbeit direkt beim Staat abzuliefern. Der hat das Geld natürlich nicht angelegt (wie man selbst das zur Altersvorsorge getan hätte), sondern direkt anderen Rentnern in die Hand gedrückt. Auch als sich abzeichnete, dass das irgendwann zu großen Problemen, beziehungsweise Beiträgen und / oder zu mickrigen Renten führen würde, hat niemand das System in Frage gestellt.

Wenn sich die selben Leute, die völlig blind Leuten wie Norbert “dierentensinnsischä” Blüm ihre Stimme gegeben haben, nun über die Misslichkeiten der deutschen Rentenversicherung beklagen, ja sogar einzelne Politiker regelrecht mobben, ja sogar ernthaft bedrohen (siehe Jens Spahn, mein Jahrgang im Übrigen), nur weil die die Probleme beim Namen nennen, dann wirkt das auf junge Leute wie ein Schlag ins Gesicht.

Ähnlich geistreich sind Äußerungen wie dass ja bis 2030 das System soweit erstmal auf sicheren Füßen steht und die Jüngeren bis dahin doch einfach nur genügend Kinder kriegen und groß ziehen müssten, damit das Ganze funktioniert.

Ist klar: Kinder zeugen fürs Vaterland, für ein vermurkstes System der Alterssicherung – und nicht etwa aus Lust auf Familie und aus eigener freier Entscheidung. Und nebenbei sollen wir auch noch mal schnell den Exportweltmeistertitel sichern helfen, unsere Freiheit am Hindukusch verteidigen oder im Zuge des Wehrdienstes eben hierzulande die Zeit für die Sicherheit unseres Landes totschlagen, uns ständig weiterbilden, studieren und das Studium mit all seinen Gebühren, Beiträgen und den ganz normalen Lebenskosten in dieser Zeit auch irgendwie finanzieren, Auslandserfahrungen sammeln, uns endlich mehr politisch engagieren und bei alledem äußerst flexibel sein. Achja: Und dabei natürlich nie die unausweichliche private Zusatzvorsorge fürs Alter vergessen! Gerade letzteres trägt ja auch nicht unbedingt dazu bei, dass man eine noch zu gründenden Familie finanzieren könnte.

Ich wünsche mir mehr Sachlichkeit und mehr Ehrlichkeit. Wer Rentnern mehr zahlen will, der soll das anständig finanzieren. Der soll klar sagen: Soundsoviel Prozent mehr Rente kosten soundsoviel Prozent mehr Beiträge – basta, ist so, kann jeder nachrechnen. Der ständige Zuschuss aus Steuergeld gehört entweder abgeschafft und auf die Beiträge umgelegt. Altersvorsorge für jedermann ist nicht Aufgabe des Steuerzahlers, sondern der Versicherten.

Natürlich wäre es mir das Liebste, diese Form der Rentenversicherung würde schleunigst abgeschafft und man würde den Menschen selbst überlassen, wie hoch und bei wem sie sich versichern. Aber realistisch betrachtet wäre ich erstmal schon zufrieden, wenn erstmal ein bisschen mehr Transparenz ins System käme, damit die Wahren Ungerechtigkeiten deutlicher werden und die Politik nicht mehr um den heißen Brei herumreden kann.

Schriftarten

Hier gibt es einige recht hübsche, dafür kostenlos erhältliche Schriftarten zum Download.

« go backkeep looking »
  • Löffel voller Weisheit

    Ein Segel, prall im Sturm der Sehnsucht, schlaff in der Windstille der Gewohnheit. — Hans Kasper (*1916), dt. Schriftsteller u. Hörspielautor über die Freiheit

  • Filterblog@Facebook


  • Switch to our mobile site