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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Schule der Nation

Posted on | Mai 28, 2008 | 1 Comment

Es ist schon ein bisschen Schizophren: Die Politik nimmt massiven Zorn in Kauf, wenn sie die Zeit bis zum Abitur um ein Jahr verkürzt, möchte aber nunmal dem Fachkräftemangel begegnen und jungen Menschen schneller ermöglichen, ein Arbeitsleben zu beginnen.

Auf der anderen Seite verpflichtet der Staat ständig junge Männer gegen ihren Willen zum “Dienst an der Waffe” und bildet sie zu Soldaten aus.

Selbst wenn man die Zwangsverpflichtung von Menschen für irgendwelche staatlichen Dienste in Ordnung findet muss man schon zur Kenntnis nehmen, das mit diesen Soldaten im Grunde keiner mehr etwas anfangen kann. Die Zeiten, in denen Bataillone voller Kanonenfutter benötigt wurden, sind halt vorbei, zum Glück!

Grenzwertig auch, dass Vater Staat sich inzwischen einerseits die Rosinen rauspickt und die Zahl derjenigen, die er ziehen muss, durch ständiges Ändern seiner eigenen Regeln herunterschrumpft. Wer noch vor 20 Jahren dazu taugte, Deutschland zu verteidigen, der ist es heute halt einfach nicht mehr. Auf diese Weise entgehen ziemlich viele dem Wehrdienst – ich bin einer davon.

“Wehrgerechtigkeit”, ein tolles Wort, das impliziert dass es irgendwie “gerecht” wäre, wenn möglichst alle hin müssten. Das war natürlich noch nie so. Frauen sind schließlich noch nie Wehrpflichtig gewesen, was das Argument, im Extremfall würde nunmal jeder gebraucht, irgendwie lächerlich erscheinen lässt. Und bei Männern waren schon immer etliche Gruppen ausgenommen. Ganz früher zum Beispiel musste man nur nach West-Berlin ziehen und war fein raus. Oder man musste der drittgeborene Sohn sein. Ich meine auch mal gehört zu haben, dass die Zugehörigkeit zu bestimmten Religionen oder Abstammungen von der Wehrpflicht befreit.

Alles sehr fragwürdig und skuril also und kaum mit Demokratie und Grundrechten vereinbar, jedenfalls meiner Ansicht nach.

Vernünftige Argumente für eine Wehrpflicht, die sich auf bürgerliche oder liberale Moral gründen, sind mir bisher nicht begegnet. Die sollten aber schon wesentliche Grundlage für so extreme Mittel wie Zwangsdienste sein. Es ist ja kein Pappenstiel, junge Menschen notfalls mit Gewalt dazu zu zwingen, einige Monate lang alle ihre Pläne zurückzustellen und sich ganz dem Willen einer nicht unbedingt beliebten Organisation unterzuordnen.

Wer meint, dieses “notfalls mit Gewalt” wäre jetzt ein bisschen arg übertrieben, dem hau ich mal eben folgende Pressemeldung um die Ohren:

“Jede Stunde wird Soldat Matthias Schirmer vom Logistikbataillon 142 in Viereck bei Pasewalk vom Diensthabenden geweckt. Dazu ein Bundeswehr-Sprecher der Heeresführung in Koblenz gegenüber unserer Redaktion: “Soldaten im Hungerstreik werden medizinisch überwacht, das ist so verfahrensüblich.” Schließlich sei die Bundeswehr für die Gesundheit ihrer Soldaten verantwortlich.”

Was die Bundeswehr “verfahrensüblich” nennt, nennen Menschenrechtler vermutlich Folter. Wenn man jemanden über längere Zeit jede Stunde weckt, dann ist das doch wohl nichts weiter als Schlafentzug und hat gewiss nichts mit irgendeiner gesundheitlichen Fürsorge zu tun.

Der junge Mann wurde von der Bundeswehr eingesperrt, weil er keine Befehle befolgen wollte – was irgendwo nachvollziehbar ist, weil er offensichtlich besseres zu tun hat, als für Leute den Hampelmann zu spielen, mit denen er nie etwas zu tun haben wollte. Noch dazu ohne irgend etwas anderes verbrochen zu haben als als “wehrtauglicher” Mann auf die Welt gekommen und seinen 18. Geburtstag erlebt zu haben. Gegen diese Behandlung protestierte er dann mit Hungerstreik und nun zeigt ihm Vater Staat eben wo der Hammer hängt – indem er scheinheilig einmal die Stunde “wie gehts?” fragt.

Mehr Berichte über diesen und einen weiteren Totalverweigerer bieten übrigens die Blogs Realsatire.net und Zwanglos.

Letzteres findet sich ab sofort auch in meiner Blogroll wieder.

Comments

One Response to “Schule der Nation”

  1. Filterblog » FDP-Parteitag: Abschaffung von Energie- und Ökosteuer
    Mai 31st, 2008 @ 20:53

    [...] tun hat, aber ansonsten nur eine weitere Geldquelle für verschiedene staatliche Sinnlosigkeiten (zum Beispiel zur Bezahlung von Ärzten, die junge Männer quälen) [...]

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