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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Nur zur Info

Ich weiß, dass das hier grade etwas komisch aussieht. Irgendwie haben sich bei dem Versuch kleinere Fehler zu beheben sehr viel größere eingeschlichen. Aber ich arbeite dran und hoffe, dass ich bald rausfinde, was da los ist und wie ichs wieder hinbekomme.

Vor dem Finale

Morgen abend gibts dann also das letzte Spiel der Europameisterschaft. Ein Spiel um den dritten Platz gibts ja nicht, fällt aus wegen Reichtum oder was weiß ich.

Ich möchte kurz mal die bisherigen Spiele der deutschen Mannschaft zusammenfassen:

Deutschlandspiele

(geholfen hat mir dabei der ARD-Liveticker und das ziemlich überflüssige aber irgendwie putzige Wordle)

Morgen abends gibts dann auch erstmal zum letzten Mal die eingängige Einlaufmusik zu hören. Etwas verwundert war ich, als ich mitbekommen habe dass den Song kaum jemand kennt. Ich hatte bis vor ein paar Tagen gedacht, dass das doch damals ein Riesenhit gewesen ist, der im Radio rauf und runter gelaufen ist. Ein Blick in die Wikipedia sagt allerdings was Anderes.

Ich vermute, ich hatte diesen Eindruck nur, weil ich den Titel seit Jahren auf beinahe jeder Party auf die Ohren gekriegt oder gegeben habe. In meinem Freundeskreis wars also durchaus jener Riesenhit – für den Rest der Welt dürfte er das wohl spätestens jetzt sicherlich auch sein;)

Der Song heißt Seven Nation Army” und ist von den White Stripes und zur Stadionhymne habens schon 2003 belgische Fans gemacht.

So, damit wäre dann auch endgültig bewiesen, dass man auch ohne besondere Fussballkenntnisse oder gar Interesse Artikel zur Europameisterschaft schreiben kann… meine Ahnungslosigkeit hält mich übrigens nicht davon ab, fest davon auszugehen, dass Deutschland in spätestens 40 Stunden Europameister ist.

Motorsport á la Feuerstein

Kopfschüttelnd und wortefehlenderweise möchte ich kurz auf den jüngsten Erguss des “Fachforums Ökologie” der Grünen Jugend Bayern aufmerksam machen:

“Frei nach dem Prinzip “we love to entertain you” wird hier dem Klima eingeheizt. Dieser sinn- und zwecklose “Sport” muss endlich verboten werden! Die Grüne Jugend Bayern fordert deshalb ein weltweites Verbot jeglicher Formen des durch umweltschädigende fossile Brennstoffe betriebenen Motorsports”, erläutert Stefan Christoph, Sprecher der Grünen Jugend Bayern.

heißt es da.

Nicht das mich persönlich Motorsport interessieren würde aber muss man sich unbedingt auf Sachen stürzen, die Millionen Menschen faszinieren und lieben?

Und wenn man diese Frage schon mit ja beantwortet, warum dann nur den Sport verbieten und nicht gleich den gesamten motorisierten Verkehr?

Wäre doch wohl viel umweltfreundlicher und wenigstens konsequent. Vermutlich außerdem auch ehrlich.

Die Überschrift der Meldung lautet übrigens

“Motorsport neu gedacht – Familie Feuerstein ist unser Vorbild!”

Alles klar, ihr Steinzeit-Fans. Noch deutlicher kann man seine fortschrittsfeindliche Einstellung kaum zeigen. Und mit solchen Leuten solls mal nach Jamaika gehen? Ich weiß ja nicht.

Mal wieder n Buch gelesen

Es kommt nicht oft vor, dass ich ein Buch binnen drei Tagen durchlese aber wenn doch mal, dann sind das normalerweise auch keine mit 600 Seiten.

War in diesem Fall anders. Gelesen habe ich “Welt in Angst” von Michael Crichton. Eine Art Wissenschaftsthriller, wie es “Jurassic Park” oder “Timeline” ja auch schon sind. Beides Bücher, die mir auch gut gefallen haben.

Allerdings kamen die nicht im Entferntesten an die Aktualität von “Welt in Angst” heran, denn dieses Buch, dass schon 2004 erschien, also eine ganze Weile vor dem jetzigen Klimahype, beschreibt im Prinzip dass, was gerade geschieht: Das Pushen eines Hypes mit allen Mitteln, die moderne PR so her gibt.

Das allein würde noch keinen Thriller machen, also gibt es auch noch radikale Öko-Terroristen, die mit künstlich provozierten Katastrophen versuchen, der Umweltbewegung Rückenwind zu geben. Der Teil ist natürlich (hoffentlich) reine Fiktion. Zeitgenössische Ökoterroristen beschränken sich ja glücklicherweise “nur” auf Zerstörung irgendwelcher Feindbilder (Legebatterien oder Versuchsäcker oder so). Außerdem ist die Umweltbewegung sowas von Establishment, dass sie auf Rückenwind längst nicht mehr angewiesen ist.

Zur Story möchte ich eigentlich weiter nicht viel sagen, das Buch ist halt spannend wie die meisten Crichton-Romane – sonst hätte ich deutlich länger gebraucht es durchzulesen.

Ungewöhnlich allerdings sind die vielen Angaben wissenschaftlicher Quellen mitten im Roman. Knapp 30 Seiten am Ende des Buches sind voll von Quellenangaben und entsprechenden Zitaten. Davor fasst der Autor etliche auch schon im Roman geäußerten persönlichen Schlüsse nochmal zusammen und fügt noch einen Aufsatz über zwei bedeutende in der Vergangenheit gehypten Theorien bei (nämlich Eugenik und Lyssenkoismus), in denen er erläutert wie sie entstanden und groß geworden sind – und wieviele Menschenleben sie so in etwa gekostet haben.

Kernthema sind, wie erwähnt, Klimawandel und die globale Erwärmung und es werden etliche Fakten genannt (und belegt), die verdächtig wenig zu dem passen, was uns Gabriel und Merkel andauernd einbläuen. Natürlich ist es nicht besonders ratsam, aufgrund eines Romans seine Sicht der Dinge umfassend zu ändern. Aber, und das ist wahrscheinlich die wichtigste Botschaft, die ich dem Buch entnommen habe, man sollte trotzdem nie aufhören kritisch zu sein und nichts, auch keine von noch so vielen Wissenschaftlern aufgestellten Theorien einfach so für bare Münze nehmen – erst recht nicht, wenn sie gewaltige negative Auswirkungen auf jeden Einzelnen haben.

Das trifft wohl auf Theorien des menschengemachten Klimawandels eindeutig zu, weshalb das Buch natürlich niemals ein “Beweis” für dessen Nichtexistenz sein kann – aber man darf es ruhig als energisches Plädoyer für ein weiterhin erlaubtes Infragestellen dieser Theorie

Es geht in dem Buch aber auch ganz grundsätzlich um den Irrsweg, den einschlägt, wer einzelne Menschenleben irgendwelchen großen Visionen unterordnet.

Wer eine packende Geschichte mit gewissem Bezug zur Gegenwart sucht, die ihn dabei noch zum kritischen Hinterfragen oft behaupteter Theorien anregen könnte, für den ist das Buch genau das Richtige.

Zu kaufen gibts das Buch je nach Geschmack beim örtlichen Händler oder hier, hier oder hier – mir ist das scheissegal, ich kriege ohnehin keine Provision…

Mensch gegen Natur gegen Mensch

Im Jahr 1936 wurde im Auftrag einer Hamburger Firma ein Hafenbecken ausgehoben. Denn diese Firma wollte Flugboote bauen.

Das Hafenbecken wurde “Mühlenberger Loch” genannt und nachdem Flugboote aus der Mode gekommen waren, ließ man das teuer gebuddelte Becken versanden – es war halt über.

Auf diese Weise schuf der Mensch das größte Süßwasserwatt Europas.

Da Flugboote, wie gesagt, aus der Mode gekommen waren, die Menschen aber aufs Fliegen nicht verzichten wollen, baut heute die firma EADS an gleicher Stelle moderne Flugzeuge – unter anderem den Airbus A380.

Für letzteren musste der “Mühlenberger Sand” geschaffen werden: Ein Fünftel des Mühlenberger Lochs musste zugeschüttet werden. Das passte aber diversen Umweltengeln gar nicht, denn die originäre Industrieanlage war innerhalb kürzester Zeit zu einem Naturparadies geworden. Und davon sollte nun ein Fünftel einfach zugeschüttet werden.

Man stelle sich nur mal vor, das Hafenbecken wäre seit 1936 stetig ausgebaggert worden, unter enormen Kosten und natürlich auch Umweltbelastungen. Völlig sinnlos – aber immerhin hätte man sich viel Ärger erspart.

EADS setzte sich aber jedenfalls durch, auch weil die Politik es so wollte und mit harten Bandagen gekämpft wurde.

Inzwischen ist die Produktion des A380 längst angelaufen und die ersten Exemplare drehen auch schon weltweit ihre Runden. Es ist das weltweit größte Verkehrsflugzeug und in der Version A380-900 passen laut Wikipedia 656 Passagiere an Bord. Wollte man die mit kleineren Flugzeugen transportieren, dann bräuchte man mindestens dreieinhalb A320-Jets oder immerhin ^das eineinhalbfache des größten Jumbo-Jets, der Boeing 747-8l. Letzteren gibts allerdings noch gar nicht.

Selbstredend trägt also der A380 auch zum Umweltschutz bei, weil er mehr Passagiere zu niedrigeren Preisen und bei niedrigerem Energieverbrauch befördern kann.

Auf dem Gelände am Mühlenberger Loch arbeiten knapp 12.000 Menschen. Zwei gute Freunde von mir haben dort ihre Ausbildung gemacht, immer mehr Freunde und Bekannte von mir finden dort gut bezahlte Arbeit. Für die Region Hamburg ist das EADS-Werk inzwischen also enorm wichtig geworden. Von den vielen davon abhängenden Zulieferern in der Umgebung ganz zu schweigen.

Wir fassen zusammen: Mensch schafft Naturparadies, stellt dann aber fest, dass er einen kleinen Teil des Platzes benötigt, um 12.000 Menschen und deren Familien zu ernähren, die ein umweltschonendes Flugzeug bauen sollen.

Aber weil die Sache mit der Umwelt noch nie eine einfache Sache war, beschäftigt die erwähnte Aufschüttungsaktion, die ja nun wirklich längst gelaufen und nicht mehr umdrehbar ist, immer noch die Gerichte. Denn obwohl für die 170 Hektar, die nun halt nicht mehr Naturparadies sind und es ohne den Menschen ja auch niemals gewesen wären, diverse andere Flächen neu geschaffen wurden, feilschen Umweltschützer vor Gericht scheinbar um jeden Hektar.

Mir scheint, das Verhältnis Arbeitsplätze zu Umweltschäden spricht in diesem Fall doch eher für den Menschen.

Aber in einem Land, in dem man so ein Trara um so wenig macht, muss man die Natur wohl über alles lieben.

Trotzdem wärs schön, wenn alle Beteiligten die Geschichte abhaken würden. Kompliziert genug ist sie längst und gelutscht genug ist dieser Drops auch inzwischen.

Neoliberale Reformerin

“Eines der Ammenmärchen, das uns neoliberale Reformer wie Ulla Schmidt (SPD) erzählen, geht so: Einsparungen im Gesundheitswesen entlasten die Wirtschaft und machen sie konkurrenzfähiger im globalen Wettbewerb.”

Darüber klären uns die “Nachdenkseiten” auf.

Ulla Schmidt also ist eine neoliberale Reformerin.

Seit beinahe sieben Jahren ist sie Bundesgesundheitsministerin. Ich fasse ihre Erfolge auf dem Weg zum “neoliberalen Gesundheitssystem” mal zusammen:

  • Praxisgebühr eingeführt, die sich an nichts anderem, als dem Datum orientiert, was in der Form eher einer Art zusätzlichlem Versicherungsbeitrag gleicht. Sinn und Zweck war die Senkung der Beiträge
  • Die Beiträge haben sich allerdings völlig unbeeindruckt von der Praxisgebühr seither nur erhöht
  • Der einzige wirkliche Erfolg ist, wenn man so will, dass das Gesundheitssystem immer noch existiert – wenn auch mithilfe eines von Legislaturperiode zu Legislaturperiode komplizierter (und teuerer) werdenden Flickwerk aus Maßnahmen und Gesetzen

Es gibt nur wenige Bereiche der deutschen Wirtschaft, die sozialistischer geregelt sind als das Gesundheitswesen. Und Ulla Schmidt konnte es auch nicht besser machen, nur teurer – so wie alle anderen Gesundheitsminister vor ihr auch.

Nach der wahren Bedeutung der Bezeichnung neoliberal ist das auch kein Wunder. Jeder Liberale weiß, dass staatliche Einmischung (und nichts anderes ist Neoliberalismus) Effizienz kostet und genau das geschieht ja seit Jahrzehnten.

Das obige Zitat deutet ja aber schon an, worum es geht: Man mag das Gespare nicht.

Nun sind Politiker immer dafür gut, zu verkünden, die Lohnnebenkosten müssten gesenkt werden, weil das “die Wirtschaft ankurbeln” würde. Und wer solchen Unsinn verkündet, der muss sich nicht wundern, wenn er falsch verstanden wird.

Zunächst mal muss man doch wohl die sogenannten Lohnnebenkosten den Löhnen zurechnen. Denn sie werden vom Arbeitgeber für den ganz konkreten Arbeitnehmern gezahlt. Wie Löhne. Im Grunde genommen ist schon die Bezeichnung völlig daneben. Was uns als Lohnnebenkosten verkauft wird, ist in Wahrheit Teil des Bruttolohns – wir müssens nur nicht versteuern. Aber dafür bekommen wir ja auch nichts davon ab.

Als nächstes gehören zu “der Wirtschaft” nicht nur Arbeitgeber, sondern auch Kunden und letztlich jeder von uns, wenn er nicht gerade allein auf einer einsamen Insel lebt. Wer “die Wirtschaft” ankurbeln will, der nimmt ihr am besten weniger Geld weg – weshalb es nicht ganz falsch ist, dass es die Wirtschaft wachsen lässt, wenn Lohnnebenkosten sinken – denn es landet weniger beim Staat.

Nur: Erkauft man das mit Einsparungen, dann geht das zulasten der Qualität und irgendwann zulasten der Gesundheit der zwangsweise Versicherten. Davon hat keiner der dafür genauso zwangsweise zahlenden Arbeitgeber etwas und der Versicherte noch viel weniger. Da haben also die “Nachdenkseiten” ihrerseits Recht: Einsparen ist nicht die Lösung.

Was ist dann die Lösung?

Liegt an sich auf der Hand: Lohnnebenkosten komplett abschaffen und dem Bruttolohn zurechnen. Von dem Geld kann sich dann jeder Versichern, wo und wie umfangreich er will und schon brauchen sich keine offensichtlich überforderten Reformversager mehr um das Gesundheitssystem kümmern. Ob und wieviel der Einzelne lieber einspart, ist dann seine Sache.

Und die, für die jetzt schon so gut wie oder gar keine Lohnnebenkosten gezahlt werden? Für die ist die staatliche Einheitsversicherung nach heutigem Muster doch wohl immer noch gut genug – denn das muss man ja trotzdem nicht abschaffen! Und wenn das dann Steuergeld kostet, was solls? Fällt dann aber wenigstens unter sozialstaatliche Maßnahmen.Und es muss dafür nicht den Rest der Bevölkerung in Geiselhaft genommen werden, der bisher um Teile seines Lohns beschissen wird.

So von Fussballbanause zu Fussballbanause

Was Abseits ist und was nicht, kriegt man bei Bedarf hier beigebracht.

via liveh8

Ich gestern abend

so zwischen halb 10 und 10: “Ey Björn, haste die Nummer von dem Gebührenheini noch? Ich will meine Fernsehgebühr wieder haben!”

War natürlich nur ein Scherz, denn da angeblich außer bei Al Jazeera und dem Schweizer Fernsehen überall das Bild ausgefallen war, konnte unsere millardenschwere Hofberichterstattungs-Journallie  da offensichtlich auch nix zu.

Und irgendwie hat es die Dramatik ja auch nur noch erhöht. Von allen Seiten konnte man wütendes Geschimpfe aus der unmittelbaren Nachbarschaft hören und man selber hat schon fieberhaft überlegt, wie man jetzt alternativ mitbekommt, wenn Tore fallen – aber dann war das Bild ja immer recht fix wieder da – oder zumindest der Ton.

So gesehen war das dramaturgisch eine echte Meisterleistung, zumal noch bei einem Spiel gegen die Türkei, wo man doch weiß, was die gerade gegen Ende immer noch so bringen.

Ich gehe daher davon aus, dass das Absicht gewesen ist. Denn für ein Multmillionen Euro Unternehmen, wie es die UEFA-Euro ja nunmal ist, dürfte es doch eigentlich Standard sein, etwas so Wichtiges wie die Fernsehberichterstattung mit allen Mitteln sicherzustellen, notfalls auch über redundante Systeme – gerade, was die Stromversorgung angeht.

Naja, aber was kümmern uns solche Fragen, wo wir uns gestern dann doch noch ins Finale geschummeltgekämpft haben?

[Der Text in der Grafik stammt aus dem schriftlichen Liveticker der ARD]

Obama für umsichtigen, aber vermehrten Einsatz der Todesstrafe… oder so

Die FAZ schreibt über Barack Obama

“Obama ist – wie die allermeisten amerikanischen Politiker – ein Verfechter der Todesstrafe, er wirbt aber für deren umsichtigen Einsatz. Als Abgeordneter im Bundesstaat Illinois war Obama daran beteiligt, die Gesetze zur Anwendung der Todesstrafe zu überarbeiten, um eine Verurteilung Unschuldiger noch besser ausschließen zu können.”

Und sie schreibt aber auch, dass ihn dass nicht davon abhält, für eine Ausweitung der Todesstrafe zu plädieren und ihre Anwendung für Vergewaltiger erlauben zu wollen. Ein klarer Widerspruch irgendwie – aber es ist halt Wahlkampf und da werden Prinzipien schonmal weich wie Butter in der Sonne.

Naja, immerhin würde aber selbst ein Präsident Obama nicht die Macht haben, daran etwas zu ändern.

Was an den Grünen nervt

Boche schreibt angesichts jüngster Äußerungen von Bärbel Höhn von den Grünen

“Die Grünen stehen inzwischen, neben ihrem Kernthema Ökohysterie, nur noch für eine patriarchalische Spießermoral,”

womit ich ihm einfach mal Recht geben muss.

Das Einzige, was ich grüner Politik im Augenblick noch abgewinnen kann, sind einige Ansätze was Bürger- und Freiheitsrechte angeht.

In dem Zusammenhang nervt mich allerdings, dass diese andauernd von ideologischen Prestigeprojekten in den Hintergrund gedrängt werden. Wirtschaftliche Freiheit? Klar, nur würden uns viele von den Grünen insgeheim wohl am liebsten schon den bloßen Kauf eines SUVs verbieten. Bekenntnisse zum mündigen Bürger kriegt man auf Nachfrage wohl auch jederzeit – aber das hält bekannte Grünen-Gesichter wie zum Beispiel Frau Höhn auch nicht davon ab, Werbeverbote für alles Mögliche zu fordern.

Meine Definition von Freiheitsrechten schließt das Recht auf Dummheit, auf eine eigene Meinung, die ich nicht der gerade vorherrschenden politischen Korrektheit anpasse oder das Recht ein Auto vor allem deswegen zu kaufen, weil ich es einfach geil finde jedenfalls mit ein.

Mir scheint, die Grünen übertreiben es ständig erst mit ihren Forderungen – und verheddern sich dann in ihrer eigenen Moral, weil sich ihre Ziele manchmal nur schwer unter einen Hut bringen lassen.

Zum Beispiel beim offensichtlichen Konflikt Klima- gegen Umweltschutz: Das Klima vor Kohlendioxid retten und gleichzeitig Atomkraftwerke abschalten ist unmöglich, sofern man auf Importe verzichten will (die natürlich auch irgendwo her kommen müssen…). Statt vernünftigerweise erst das eine und dann das andere Ziel zu verfolgen, wird betonkopfig beides gleichzeitig bei jeder Wahl in die Städte gekleistert.

Oder bei der Gentechnik: Würde man effizientere Nutzpflanzen zum Beispiel zur Herstellung von Bioenergie entwerfen und anbauen, hätte man letztendlich wohl auch mehr Fläche zum Anbau von Nahrung und könnte vielleicht so zwei soziale Probleme auf einmal lindern, nämlich das steigender Nahrungsmittelpreise und das steigender Spritpreise – bei gleichzeitig weniger “Kohlendioxidbelastung”, was bekanntlich ja auch eine grüne Herzensangelegenheit ist. Diese Chance ist in der grünen Ideologie allerdings verbaut, weil alles, was mit Gen-Design zu tun hat, Tabu ist – sofern es nicht züchten heißt, jedenfalls.

Beispiel Drogenpolitik: Auch hier ist man als Grüner schnell bei Werbeverboten (Bärbel Höhns Süßigkeiten sind im Grunde ja auch Drogen, ich kenne jedenfalls etliche schokoladesüchtige Menschen), auch Konsumverbote sind kein Tabu, wie man beim Thema “Nichtraucherschutz” sieht. Vor diesem Hintergrund wirkt das anhaltende Engagement für Cannabis-Legalisierung wie ein Relikt aus Zeiten, als man noch etwas gegen staatliche Bevormundung gehabt hat. Die Grünen von heute kämen vermutlich niemals auf den Gedanken, irgendetwas, dass der Gesundheit schaden könnte, zu legalisieren, wenn sich das irgendwie vermeiden ließe.

Grüne haben bei mir allmählich einfach das Klischee des politisch hyperkorrekten besserverdienenden Spielverderbers weg und offenbar bin ich da ja auch nicht der Einzige. Dabei gab es mal eine Zeit, in der ich so ziemlich jeder politischen Strömung seine Chance gegeben hatte – wem aber außer verbieten, moralisieren und bevormunden aber nichts einfällt, für dessen Sache kann ich mich nunmal nicht erwärmen.

Dabei ist das in diesem Fall eigentlich schade, weil die Grünen gesellschaftspolitisch doch einiges an Potenzial haben. Zentrale Grüne Themen wie die faire Behandlung und Gleichberechtigung von Homosexuellen oder Frauen sind Ansätze, die ich sofort unterschreiben kann.

Aber was machen sie daraus? Die Mehrzahl von Poliker ist mitlerweile PolitikerInnen, egal wie schwachsinnig sich das liest. Als würde das irgendwas verbessern!

Und weil man weiß, dass eine so sinnlose und nervtötende Sprachverhunzung nichts bringt, tritt man noch vehement für sogenannte Gleichbehandlungsgesetze ein, die an bürokratischem Unsinn kaum zu überbieten sind – dafür aber so klingen, als wären sie ein gewaltiger Fortschritt.

Auch hier wieder: Übers Ziel hinaus geschossen. Es verbessert eine Gesellschaft nicht, wenn ihre Mitglieder ständig Angst davor haben müssen, gegen die gesetzgewordene political correctness zu verstoßen, bloß weil sie sich nicht vorsehen. Dazu genügt in unserer heutigen verrückten Welt schon eine unbedacht formulierte Stellenausschreibung – nicht unbedingt ein geeigneter Weg, leider nunmal vorhandene Schranken und Vorbehalten gegen Ausländern, Schwulen oder Frauen abzubauen, wenn man sich, zumindest gefühlsmäßig, wegen dieser Randgruppen juristisch so richtig in die Scheiße reiten kann.

Auch gewisse Leitmotive in der Umweltpolitik der Grünen sind ja so verkehrt nicht. Jeder Blinde sieht, dass das mit dem Erdöl sich in nicht allzu ferner Zukunft wohl erledigen wird. Alternativen Kraftstoffen sollte man da von politischer Seite offen gegenüber stehen und die Vorstellung, jedes Haus würde sich künftig selbst mit Energie versorgen, klingt für mich überaus verlockend. Doch daraus dann ein Dogma zu stricken, das auch noch für alternativlos zu erklären und parallel gegen zu große, zu spritverfressene, zu pferdegestärkte und zu schnelle argumentativ wie auch in politischem Handeln vorzugehen, erweckt eher den Eindruck eines Feldzugs gegen das Auto im Allgemeinen und dass wohlhabenderer Menschen im Besonderen. Und gegen “die Industrie” natürlich, die für einen Grünen, so scheint es mir manchmal, ein bösartiges Monster zu sein scheint. “Die Industrie” hört man Grüne nämlich nur sagen, wenn es um etwas negatives geht. Fast scheint es, als gehörten Windmühlenbauer oder Solarzellenhersteller nicht zu dieser Industrie. Und Ökofood-Hersteller, egal wie groß und profitabel sie sein mögen, erst recht nicht.

Was aber am meisten nervt ist dieser unbändige Staatsglaube. Für die Grünen muss der Staat ständig dies verbieten und jenes ahnden. Am liebsten mag man gar nichts dem Markt oder dem gesunden Menschenverstand überlassen. Der durchschnittliche Grüne scheint zu meinen, dass Freiheit ja gut und schön ist, dass aber grüne Spitzenpolitiker und ihre Positionen besser für die Menschen sind, als die Ansichten der Menschen selbst, weshalb man ihnen gewisse Entscheidungen meint abnehmen zu müssen.

Nicht ich soll entscheiden, wie lieb und teuer mir meine Umwelt ist, nicht ich soll entscheiden, ob ich ein Problem mit Ausländern, Frauen oder Schwulen habe, nicht ich soll entscheiden, ob und wie sehr mich Süßigkeitenwerbung beeinflusst oder Tabakrauch quält. Solche Dinge nehmen mir die Grünen ab – ohne nach meiner Meinung zu fragen.

Liberal ist das nicht.

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  • Löffel voller Weisheit

    Erst beim Abfassen der Steuererklärung kommt man dahinter, wieviel Geld man sparen würde, wenn man gar keines hätte. — Fernandel (*08.05.1903-†26.02.1971), französischer Schauspieler

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