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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Trunkenheit am Lenker

Posted on | Juni 1, 2008 | No Comments

Aus der Winsener Polizeipresse:

In der Nacht von Freitag auf Samstag stellte die Autobahnpolizei bei einer Streife über Land einen für sie nicht alltäglich vokommenden, betrunkenen Fahrradfahrer fest. Der 52-jährige Mann war in Hanstedt unterwegs und fiel wegen des nicht eingeschalteten Lichtes auf. Mit einer vor Ort festgestellten Atemalkoholmenge von über 1,7 Promille ist nach erfolgter Blutprobe auch der Führerschein des Radfahrers gefährdet.

Nunja, so wenig alltäglich scheinen betrunkene Radfahrer in meiner Heimat auch nicht zu sein. Es ist nur wenige Wochen her, als sowas ähnliches schonmal passiert ist und man dem Radfahrer dann den Führerschein abgenommen hat.

Seit wann Radfahren Führerscheinpflichtig ist? Keine Ahnung, hab ich auch nicht mitbekommen.

Nein, das war ein Scherz, natürlich werden betrunkenen Radfahrern die KFZ-Führerscheine abgenommen.

Offizielle Begründung für diese eigenartige Praxis ist, wie ich gehört habe offenbar die: Wer so unverantwortlich handelt und alkoholisiert Fahrradfährt, dem kann man nach Behördenmeinung ohne weiteres zutrauen, dass er das auch mit dem Auto tut.

Ich weiß nicht, ob das wirklich stimmt aber ganz unwahrscheinlich klingts für mich nicht.

So oder so ist es aber ein Unding. Erstens: Wer betrunken Radfährt und gar keinen Führerschein hat, was nimmt man dem weg? In dem Augenblick besteht wohl zumindest mal eine gewisse Ungleichbehandlung, was in einem Rechtstaat ja eigentlich nicht sein darf.

Ganz zu schweigen von der reichlich blöden Annahme, derjenige hätte genausogut das Auto nehmen können – wenn, dann hätte er das wohl getan und nicht das für ihn wesentlich gefährlichere Fahrrad genommen, mit dem er keine Knautschzone hat und überdies relativ leicht umkippen kann. Von der zusätzlichen Anstrengung will ich gar nicht reden.

Aber so ist das nunmal: Behörden haben ihre eigene Logik und wir Untertanen müssen uns damit wohl oder übel erstmal irgendwie arrangieren.

Für mich, der ich gelegentlich auch mal anderswo als in meinem kleinen Ort feiern geht, drängen sich natürlich ein paar Überlegungen auf:

  • Nicht selten gehe ich zu Fuß von Parties nach Hause, auch wenn das Fußmärsche von ner Stunde und mehr bedeutet – riskiere ich dabei auch meinen Führerschein?
  • Ist den Herrschaften klar, dass betrunkenen Autofahrer im Gegensatz zu betrunkenen Radfahrern wirklich gefährlich sind und dass man auch nach etwas ausgelasseneren Feiern halt irgendwie nach Hause kommen muss und sich, wenn die Konsequenzen für betrunkenes Rad- und Autofahren ähnlich schlimm sind, mancher womöglich nur deswegen ohne Gewissensbisse besoffen ins Auto setzt?
  • Ist das Ganze womöglich eine Art Wirtschaftsförderungsprogramm für Taxiunternehmen?

Sowieso werden Radfahrer meiner Meinung nach manchmal seltsam behandelt. Wer ohne Licht fährt, riskiert eine Strafe, auch wenn das in erster Linie gefährlich für ihn ist. Wer auf der falschen Straßenseite fährt, riskiert ein Bußgeld von, das war jedenfalls vor einigen Jahren so, 10 Euro, wer in Verkehrsberuhigten Zonen mit normalem Tempo weiterfährt riskiert sogar geblitzt zu werden…

Mal ehrlich: All das läd nicht grade dazu ein, vielleicht unter Umweltaspekten öfter mal das Fahrrad als das Auto zu nehmen und es ist maßlos übertrieben, wenn man die ungleich geringere allgemeine Gefährdung betrachtet, die von einem noch so rücksichtslosen Radfahrer ausgeht.

Naja, oder es geht einfach nur um das generieren von möglichst viel Bußgeld – aber so etwas Hinterlistiges würde ich unseren Behörden, die doch letztlich alle nur in unserem Sinn handeln, natürlich niemals unterstellen.

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