Jun 05 2008
Freie Winsener – freier Fall?
Benny Qualmann, der für die Sozialdemokraten im Winsener Stadtrat sitzt, nannte sie in einer öffentlichen Stadtratssitzung vor etwa einem Jahr den “Bürgermeisterwahlverein” und spielte auf die BM-Kandidatur des “Freie-Winsener“-Vorsitzenden Oliver Berten gegen ehemalige Stadtdirektorin und jetzige Bürgermeisterin Angelika Bode an.
Damals fand ich das bereits lustig und musste ihm, ähnlich wie etliche andere Anwesende, die sich ihr Geschmunzel nicht verkneifen konnten, einfach Recht geben. Der Verein existierte einfach irgendwie um seinen Vorsitzenden herum. Das funktionierte damals allerdings noch überraschend gut.
Heute, ein Jahr später, bietet der Verein ein völlig anderes Bild. Wilfried Rieck, ehemaliger engagierter zweiter Vorsitzender der freien Winsener, ist verbittert und enttäuscht ausgetreten und bloggt jetzt tapfer gegen die unsinngsten Teile der Berten-Politik an.
Gestern kündigte Alexander Drews, ebenfalls Vorstandsmitglied der Freien Winsener, nun seinerseits seinen Rücktritt aus dem Vorstand und Austritt aus dem Verein an und ließ seinen offensichtlich lang aufgestauten Gefühlen freien Lauf:
Was mich an den Freien Winsenern stört, ist folgendes: Sympathien, Überzeugungen werden gewechselt wie andere Leute ihre Kleidung wechseln, und, was noch schlimmer ist, es wird dann auch von alle anderen verlangt, sich der neuen Leitlinie, die sich täglich ändern kann, anzupassen. Gestern noch ein Held, morgen schon der Schuft, wenn man mal eine abweichende Meinung vertritt (siehe Matthias, siehe Tobias, siehe Willi, siehe Ingo …). Die Prämisse, dass bei den Freien Winsenern jeder seine eigene Meinung sagen und vertreten kann, ist nur eine Worthülse. Ich lasse mir aber nicht vorschreiben, was ich zu denken habe. Und ich glaube längst nicht mehr alles, an das ich als Freier Winsener wohl glauben müsste.
Ich glaube nicht, dass Matthias Hüte ein Erpresser ist, ich glaube nicht, dass Willi ein Nazi ist, ich glaube nicht, dass Burkhard Telefonterror verübt, ich glaube nicht, dass Lasse geschmiert worden ist und ich glaube auch nicht mal mehr an die Geisteskrankheit von Angelika Schläfke (das ist alles leider nur teilweise überspitzt formuliert – und diese Kette ließe sich durchaus noch fortsetzen…). Hingegen weiß ich, dass ich es nicht nötig habe, mich dumm anmachen zu lassen, auch und schon gar nicht von Oliver, dem ich beim besten Willen überhaupt nichts mehr glauben kann, was er erzählt.
Starker Tobak, würde ich sagen. Bis auf die genannten Interna sehe ich da mein eigenes Bild von den Freien Winsenern als Außenstehender faszinierend präzise bestätigt. Bennys damalige Titulierung des “Bürgermeisterwahlvereins” erscheint dagegen ja noch geradezu höflich.
Der kompletten Brief von Alexander Drews wurde in Wilfried Riecks Blog veröffentlicht. Daraus geht auch hervor, dass die Krise bei den Freien Winsenern mehr ist, als nur ein paar kleine interne Meinungsverschiedenheiten. Es wird so ungefähr alles angesprochen, was ich jemals an dieser Wählergemeinschaft kritisiert hatte.
Vorsitzender Oliver Berten, für den nach eigener Aussage das Schimpfwort Populist sogar eine Ehrenbezeichnung ist, hat zu allem was zu sagen, reagiert aber empfindlich, wenn andere ihm widersprechen. Das ist logisch, denn als Populist weiß er ja, was das einzig Richtige ist, beziehungsweise was die Menschen wirklich wollen. Da erübrigt sich folgerichtig jede Diskussion.
Nur sehen dass seine Kollegen offensichtlich immer weniger ein, weil sie als politisch interessierte und engagierte Bürger sich unter “Politik machen” wohl etwas anderes vorgestellt hatten, als sie den Freien Winsenern zu ihrem bisher recht rasantem Aufstieg verholfen hatten.
Man kann diskutieren, ob es in Ordnung ist, mit solchen Interna an die Öffentlichkeit zu gehen. Ich finde allerdings, dass man aus dem Schreiben und auch aus anderen Artikeln in Riecks Blog herauslesen kann, dass da keine Vollidioten schreiben oder dass es um Rache und Zerstörung der Freien Winsener geht. Ich lese einiges an Enttäuschung heraus und wenn in der Berten-Truppe so gearbeitet wird, wie beschrieben, kann ich das gut verstehen.
Ich kann Wilfried Rieck, Alexander Drews und Anderen, die möglicherweise auch keine Lust mehr auf das “Befehl- und Gehorsamsprinzip” des Oliver Berten haben nur anbieten, zur FDP zu kommen. Bei uns darf man andere Meinungen vertreten und bei uns wird nicht einfach nur nach öffentlicher Meinung vorgegangen, sondern wir verfolgen die Politik, für die man uns gewählt hat: Aufbau neuer Bürokratie vermeiden, gegenüber dem Bürger zu unserem Wort stehen (Stichwort Steuersenkungen), Fairness im innerstädtischen Wettbewerb (Stichwort Stadthalle) und darüberhinaus immer bemüht, einen vernünftigen Konsenz zu finden.
Ein freierer Winsener als einer bei den Liberalen kann man in jeglicher Hinsicht nicht sein, sofern man sich in Winsen politisch engagieren will.
12 Kommentare



Hallo, ich kenne zwar die Situation in Winsen nicht, doch jemanden zu einem Eintritt in die FDP zu bewegen dazu gehört schon einiges.
Wenn die Wirkung der Tabletten nachläst, die Sie ja scheinbar regelmäßig einnehmen, dann schauen Sie doch mal zurück in der politischen Entwicklung der FDP in Land und Bund. Außer Genscher hatte sie doch nichts zu bieten.
Gruß
Karl
Also Genscher ist nie Mitglied der Winsener FDP gewesen – und nur darum geht es in diesem Artikel. Darum sind jegliche Verweise auf Landes- und Bundespolitik in diesem Fall wenig zielführend.
Als aktives FDP-Mitglied werden sie mir schon zugestehen müssen, dass ich darauf hinweise, dass diskussionsfreudige politisch engagierte Menschen bei uns herzlich willkommen sind. Dazu brauche ich keine Tabletten.
Was wirklich die Intensionen der Zurückgetretenen bei den Freien sind, kann man ganz deutlich erkennen, wenn man mal etwas rescherschiert. Die Mühe habe ich mir als Ex Winsener mal gemacht. Ich beobachte den W-Rieck Blog schon eine ganze Zeit.
Die Beweggründe sind folgende:
Seit fast einem Jahr ist Alexander Drews schon 1. Vorsitzender einer anderen Partei. (www.verbraucherschutzpartei.de) Das ist ja auch nichts schlimmes, wenn man in diesem Jahr nicht Zweigleisig fahren würde. Die gewonnenen Informationen aus der alten Partei (die Freien) kann man ja schön für die neue Partei (Verbraucherschutzpartei) verwenden. Wenn man dann noch plant, bei der nächsten Wahl in Winsen anzutreten, macht man die alte Sache schlecht. Auch wenn man mal alles dafür gegeben hat. So ebnet man den Weg für ein vielleicht gutes Wahlergebnis. Die Freien stehen in der Öffentlichkeit schlecht da und man liefert sofort eine Alternative.
Ich hoffe die Winsener merken das.
Das ich mit meiner Vermutung nicht ganz falsch liege, scheint auch klar zu sein. Meine Kommentare dazu werden von Herrn Rieck gelöscht.
So lassen sich die Jungs in die Karten schauen.
Sehen Sie Herr Filter, da ist kein Angebot von der FDP von nöten.
Hallo “Peter”,
diese “Zweigleisigkeit”, wie z.B. von Herrn Drews, ist bei den Freien Winsenern (FW) ausdrücklich erwünscht. Die FW sind keine Partei und es gab/gibt schon immer Mitglieder bei den FW, die auch in anderen Parteien sich engagierten/engagieren. Da ist also nichts geheimes oder schlimmes daran.
Dass ich ich mich nach Alternativen für meine zukünftige politische Tätigkeit umsehe, ist doch auch verständlich. Ich habe mit einigen Parteien und Gruppierungen Gespräche geführt und bin noch zu keiner endgültigen Entscheidung gekommen.
Auch mache ich die FW nicht grundsätzlich schlecht. Dafür habe ich zu lange viel Arbeit und Engagement hineingesteckt. So manche Ideen und Anträge würde ich sofort unterschreiben. Es geht nur um die Art und Weise der politischen Arbeit einiger weniger Personen. Innerhalb der FW gibt es nur zwei Möglichkeiten, Feind oder Freund! Entweder man nickt, oder man ist ein Angreifer, das hat mit Demokratie und konstruktiver Kritikfähigkeit nichts zu tun.
Auch ist es dieser ständige Populismus, der viele verärgert und eine Zusammenarbeit mit anderen Parteien ungemein erschwert.
Nur mal ein Beispiel eines tatsächlichen Gespräches, das ich vor einigen Wochen mit einem netten Ehepaar aus der Nachbarschaft führte:
Ehepaar: “Wir haben gehört und gelesen, dass Sie nicht mehr bei den FW sind?”
Ich: “Ja, das stimmt. Ich hatte persönliche und unüberbrückbare Differenzen zu einigen Leuten.”
Ehepaar: “Na, dann können wir Ihnen jetzt ja mal was sagen. Wir hatten 2006 das erste Mal in unserem Leben eine Partei (FW) aus Überzeugung gewählt. Die FW wollten anders sein und haben das auch immer propagiert. Wir habe das geglaubt, aber mittlerweile sind sie nicht nur genau wie die andern, sondern stellenweise noch schlimmer. Wir sind furchtbar enttäuscht und wissen momentan überhaupt nicht mehr wen und ob wir wieder wählen würden.”
Übrigens, danke, ich hoffe auch, dass es in Winsen Alternativen zu den FW gibt und die Winsener das merken.
Das mag ja alles sein, Ihr Verhalten ist aber doch nicht objetiv.
Sie sagen, dass sie die FW nicht schlecht machen. Mit Ihrem Blog, in dem ich ja nicht mehr schreiben darf, veröffentlichen Sie aber Mails, die wohl nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Der Inhalt des Briefes von Herrn Drews sieht zumindest so aus.
Sie scheinen beide ein Problem mit Berten zu haben, aber dort sind auch andere Namen genannt. Sie schreiben oben, dass Sie mit einigen Leuten bei den FW Probleme haben. Das sieht auch so aus. Sie haben die Veröffentlichung einer privaten Mail (Briefgeheimnis) mit Herrn Drews abgesprochen, aber auch mit den anderen genannten Personen?
Ich denke Sie machen es sich zu einfach. Das die FW nicht nur Freunde haben, ist ja klar. Ich meine auch die CDU,SPD und FDP haben Freunde und Feinde. Die Linke ja noch viel mehr.
Bei Ihnen sieht das aber wie ein Feldzug aus. Ich würde mir das gangz genau überlegen, ob ich sie in meine Partei lassen würde. Ich muß ja immer damit rechnen, das etwas in einen Blog geschrieben wird, wenn es nicht so läuft wie Sie es wollen. Das Risiko währe mir zu groß.
Die Mail von Herrn Drews habe ich auf seinen ausdrücklichen Wunsch veröffentlicht. Er ist von mir unkommentiert veröffentlicht worden.
Damit beende ich die Diskussion (jetzt und in Zukunft) mit Ihnen, da Sie mir nicht den Hauch einer Chance auf Rechtfertigung gestatten. Ich vermute auch, dass Sie kein Unbeteiligter aus der Ferne sind, sondern aus dem direkten Umfeld der FW stammen. Streiten Sie es gerne ab, aber sie wissen mir einfach zu viel Internas. Außerdem haben Sie nicht einen Hauch davon Ahnung, wie es in meinem Inneren aussieht!
Ich kann Ihnen verscihern, dass ich nichts mit den Leuten in Winsen zu tun habe. Seit 2005 wohne ich in Hildesheim. Bis dahin habe ich mich auch für die Politik in Winsen interessiert. Ich kenne noch Leute von damals, mit diesen habe ich noch Kontakt.
Es mag ja sein, dass Ihnen jemand weh getan hat.
Es mag auch sein, dass Sie mit sich selbst zu kämpfen haben.
Aber ist das die richtige Antwort? So werden Sie doch nie damit fertig. Machen Sie doch ERFOLGREICH Politik. Das ist doch die größte Strafe für die, die Sie weghaben wollten. Aber man bringt sich doch nicht immer mit solchen Texten selbst in die Diskussion.
Irgenwann kenn man nur den Hernn Rieck, der Rache wollte und rumgeheult hat. Wollen Sie das?
Mal eine Frage:
Hat jemals jemand von den FW auf Ihren Blog reagiert und
vielleicht zurückblogt? Ich habe Stunden im Internet gesucht, ich konnte nichts finden, was gegen SIE geschrieben wurde. Gefunden habe ich aber einiges, was Sie von anderen schreiben.
Das stellt die Sache für mich doch klar. Sie können doch anders denken, der Eindruck bleibt.
Und übrigens, als Sie den Blog öffneten, haben Sie viel geschreiben. Ihr Blog und diverse Seiten aus Winsen geben
genug Infos, da braucht man keine Internas.
Sie können ja mal googeln, da findet sich einiges über mich.
Kann schon sein, dass es für einen Austritt mehr Gründe gibt, als man als Begründung anführt aber so unehrlich klang der Brief für mich nicht und ein bisschen was kriegt man ja auch so mit.
Wenn ich irgendwem die Vorzüge der FDP nahelege, dann mach ich das übrigens in erster Linie als Vorstandsmitglied und aus Prinzip. Ich kenne ja weder Herrn Drews noch Herrn Rieck, jedenfalls von dem was ich inzwischen im Internet lesen konnte mal abgesehen.
Mir gehts dabei auch noch um etwas Anderes: Meiner Meinung nach interessieren sich viel zu wenige Menschen überhaupt für Kommunalpolitik, engagieren tun sich noch viel weniger. Nach meinem Eindruck ist es beinahe egal, in welcher Partei/Verein man sich engagiert, solange man sich dort gut aufgehoben fühlt und bei Wahlen mindestens ein Mandat abfällt, damit das eigene Engagement nicht einfach so verpufft.
Natürlich kann ich nur beurteilen, wie so etwas bei uns abläuft. Da berichten unsere Mandatsträger aus dem Stadtrat aktuelle Entscheidungen und Meinungen und dann wird gegebenenfalls darüber diskutiert. Letztlich treffen natürlich die Mandatsträger selbst die Entscheidung, für was sie abstimmen. Aber Diskussion ist erlaubt und erwünscht und vermutlich würde bei uns kein Mandatsträger auf Teufel komm raus für etwas eintreten, von dem der Rest des Vorstands gar nichts hält.
stimme dem Bericht von Alexander Drews voll zu.Berten geht es nur um sein eigenes Ego.Die freien Winsener haben mich bitter enttäuscht.Kann Wilfried Rieck verstehen.
Zu meinem Austritt und der angeblichen Zweigleisigkeit bleibt nur folgendes zu sagen:
Oliver Berten wußte bereits von der Verbraucherschutzpartei, als ich noch in Amt und Würden war, und fand die Idee sogar gut, wie er mir persönlich sagte. Die Verbraucherschutzpartei entstand im April 2007 (!), als ein paar Freunde von mir in Harburg zur Bezirkswahl antreten wollten und jemanden brauchten, der für sie die Formalia erledigt. Da jetzt eine heimtückische Zweigleisigkeit daraus zu machen entspricht meiner Ansicht nach dem Wunschdenken, mich als unseriös hinstellen zu können.
Dies zur Klarstellung.
Eine letzte Anmerkung: Was ich jetzt machen werde, ist meine Sache. Vielleicht gar nichts mehr, vielleicht tatsächlich was mit der Verbraucherschutzpartei, vielleicht auch in einer anderen Partei, das überlege ich mir nun in aller Ruhe. Das Thema “Freie Winsener” ist für mich jedenfalls mit diesem Eintrag abgeschlossen!
[...] wenn man will – Fakt ist und bleibt allerdings, dass die “Freien Winsener” seit Jahren unter Rückzügen aus der Führungsebene leiden. Was verständlich ist, denn wer ernsthaft Kommunalpolitik machen will, der hält es auf [...]