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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Einbürgerungstest

Posted on | Juni 12, 2008 | 1 Comment

Warum wir unbedingt einen Einbürgerungstest brauchen, ist mir bisher nicht klar geworden.

Ich gehe aber auch ganz naiv davon aus, dass wer unbedingt Deutscher werden möchte, sich das gut genug überlegt hat, um es ernst zu meinen. Mir persönlich langt das voll und ganz als Vorbedingung, weil derjenige sich immerhin mehr Gedanken darüber gemacht hat, als ich oder die meisten anderen Deutschen es je machen mussten – denn ich bin seinerzeit ja nur per Geburt, also eher zufällig, deutscher Staatsbürger geworden.

Aber wenn denn unbedingt so ein Test her muss, warum auch immer, dann kann ich damit leben. Dadurch wird eben von den neuen Deutschen erwartet, dass sie sich nicht nur mit der Frage ob sie Deutscher werden wollen auseinandersetzen, sondern auch mit Kultur und Gesellschaft des Landes.

Ich gehe in einem weiteren Anflug von Naivität davon aus, dass man das sowieso tut, wenn man Bürger eines anderen Landes werden möchte. Immerhin muss man ja Gründe dafür finden, irgendwo Bürger zu werden – ich würde es jedenfalls so machen, wollte ich auswandern.

Die sieben bisher veröffentlichten Fragen sind auch nicht schwer, auch wenn Politiker aus SPD, Grünen und FDP das anders sehen mögen.

Gefragt wird zum Beispiel:

  • Wie viele Bundesländer hat die Bundesrepublik Deutschland?
  • Welche Aufgaben die parlamentarische Opposition im Bundestag hat
  • Was wollte Willy Brandt mit seinem Kniefall 1970 im ehemaligen jüdischen Ghetto in Warschau ausdrücken?
  • Wann wurde die Bundesrepublik Deutschland gegründet?
  • Ab welchem Alter ist man in Deutschland volljährig?
  • Was es bedeutet, dass Jugendliche mit 14 Jahren strafmündig werden und
  • Wie die Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens heißt.

Insgesamt solls 310 solcher Fragen geben und alle kann man sich vorher ansehen. Ein Test besteht dann aus einer Auswahl von 33 Fragen daraus und von denen muss man 17 richtig beantworten.

Natürlich: Aus dem Stand sind ein paar der Fragen schon ne Nummer für sich. Was Willy Brandt genau ausdrücken wollte zum Beispiel, das weiß nicht unbedingt jeder. Aber dass er mit seinem Kniefall nicht Unterwerfung gegenüber dem Warschauer Pakt signalisiert haben wird, wie als Antwort vorgeschlagen wird, dass kann man sich doch wohl denken.

Mit den jeweils vorgegebenen Antworten ist der Test spätestens nach einiger Vorbereitung wirklich machbar, zumal man ja fast die Hälfte der Fragen auch noch falsch machen darf.

Wer Bock hat, kann das bei Spiegel-Online selber mal austesten.

Trotzdem: Statt solche Tests auszuarbeiten, sollten sich unsere Herrschaften im Bundeskabinett lieber darum kümmern, dass man gerne Deutscher ist oder werden will – und vor allem: Bleiben will.

Und würden bei uns einfach alle Menschen gleich behandelt werden, egal welcher Nationalität sie angehören, bestünde für viele Einwanderer vielleicht gar nicht so sehr der Wunsch, die deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten.

Comments

One Response to “Einbürgerungstest”

  1. Roland Totzauer
    Juli 23rd, 2008 @ 19:01

    Nachdem die 300 Fragen veröffentlicht wurden, habe ich mich rangesetzt und alle beantwortet. Bei 97% gelang es mir sofort, obwohl ich kein Abitur habe! Jetzt stehen alle 300 Fragen mit den richtigen Antworten bei mir im Netz unter http://www.rotofo.de/deutsch
    Wer den deutschen Pass haben möchte, muss eine gewisse Anstrengung aufwenden. Ohne Fleiss kein Preis. Dass die Fragen nicht alle Deutschen beantworten können, spricht nicht gegen den Test und die Fragen, sondern nur gegen die einzelnen konkreten deutschen Personen, denen es halt an Bildung mangelt, sonst nichts. Die Chance, Bildung zu erlangen, kann man sich erarbeiten. Mir hat sie niemand geschenkt. Ich musste viel Zeit darin investieren. Das erwarte ich von allen Einbürgerungswilligen und von Deutschen, die sich am Test messen. Manche bringen die Energie auf, andere eben nicht. Wir Menschen sind verschieden. Auch dies zeigt der Test. Er öffnet die Augen über sich selbst. Das tut manchmal weh. Sorry, auch so ist das Leben.
    Wer bei meinen 300 Antworten einen Fehler entdeckt – bitte melden!

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