Filterblog

Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Wieso brauchen wir den Staat, um uns unterhalten zu lassen?

Posted on | Juni 17, 2008 | 11 Comments

Fragt Zettel in einem älteren Artikel, in dem er einen schönen Vergleich zwischen Postkutschen und Eisenbahnwagon-Abteilen und dem gebührenfinanzierten staatlichen Rundfunk herstellt.

Ein schöner Artikel zum Sinn von Rundfunkgebühren überhaupt.

Darüber hinauslässt sich aber die Frage, wozu öffentlich-rechtlicher Rundfunk gut ist, ganz gut auf die Frage in der Überschrift reduzieren:

Wozu brauchen wir den Staat, um uns unterhalten zu lassen?

Meint irgendwer, RTL oder Pro7 würden nicht Netzer und Delling für ihre Fussballsendungen einkaufen, wenn es die ARD nicht gäbe? Oder denkt jemand, dass Pay-Tv für die Sachen, die einen interessieren, im Durchschnitt wirklich teurer als 17-18 Euro werden könnten?

Das ein Sender wie Phoenix sich allein mit Werbung finanzieren könnte, ist natürlich fraglich. Aber der Sender gehört sicherlich zu den finanziellen Leichtgewichten im gigantischen öffentlich-rechtlichen Senderkonglomerat. Einen solchen Sender könnte und sollte man so oder so aus Steuermitteln finanzieren – dient er doch vor allem dazu, Worte, Visionen und Dummheiten unserer Politiker in die Wohnzimmer zu transportieren. Wenn das keine Aufgabe von gesamtgesellschaftlichem Interesse ist dann weiß ich auch nicht!

Das einzig Vernünftige wäre, die GEZ als Institution abzuschaffen, die Zahlung der Gebühr mindestens freiwillig machen, beziehungsweise die Nichtzahlung nicht mehr zu behandeln, als täte man etwas moralisch Verwerfliches oder Verbotenes – oder die Gebühr kommt eben komplett weg.

So ziemlich alles ist besser, als der gegenwärtige, unhaltbare Zustand.

Comments

11 Responses to “Wieso brauchen wir den Staat, um uns unterhalten zu lassen?”

  1. Roger Beathacker
    Juni 17th, 2008 @ 17:49

    Du vergisst, dass auch die Privaten in letzter Konsequenz von allen finanziert werden – egal ob die diese Sender nun gut finden und ansehen oder nicht. Jedesmal wenn Du einkaufen gehst, steuerst Du Deinen Teil zur Finanzierung bei. Schwarzsehen unmoeglich – ja nichtmal “Schwarznichtsehen” kann man.

    Insofern soll es ruhig ein gebuehrenfinanziertes oeffentlich rechtliches Fernsehen geben. Das ist uebrigens schon im Grundsatz etwas anderes als ein steuerfinanziertes Nischenfernsehen. Dem steht nicht entgegen, dass es reformbeduerftig waere. Z.B. koennte man mal ueber die Zusammensetzung der Rundfunkraete reden und es sollte klare Grenzen geben. Z.B. sollte diese nervige “praesentiert von…” Werbung strikt verboten werden. Schliesslich gucke ich OeR, weil ich nicht dauernd Werbung sehen moechte und seit man diesen Trailern dauernd ausgesetzt ist, bleiben eigentlich nur noch phoenix, 3sat und arte als einigermassen aushaltbare Sender. Ausserdem ist es schlicht eine Frechheit, dass fuer PC seit geraumer Zeit Gebuehren erhoben werden. Fehlt nur noch dass man die Gebuehrenpflicht auch noch auf Brillen, Kontaktlinsen und Hoergeraete ausdehnt, weil die zum Teil ja auch fuer den einwandfreien Empfang benoetigt werden.

  2. Jan
    Juni 17th, 2008 @ 18:15

    Wenn ICH einkaufen gehe, finanziere ich höchstselten Privatsender oder Werbeträger insgesamt mit, weil ich Markenware mit einigen Ausnahmen albern finde und sie wo es nur geht ignoriere.

    In jedem Fall aber kaufe ich was immer ich kaufe freiwillig, keine Monsterbehörde mit eigenen Fahndern achtet darauf, dass ich die Dinge kaufe, die Fernsehen finanzieren.

    Schwarzsehen ist also sehr einfach möglich, die meisten Menschen interessiert allerdings nicht, wieviel ihres Geldes in Marketing gesteckt wird. Letztendlich ist ja Werbung auch nötig, weil man sonst gar nicht mitbekommen würde, was man so kaufen kann. Der eigentlich ironisch gemeinte Begriff der “Verbraucherinformation” ist ja nicht komplett blödsinnig.

    Bevor ich allerdings 15 Euro für eine Kiste Bier ausgebe, nur weil die unbedingt Fernsehspots mit grünen Schiffen drehen mussten, kauf ich mir lieber für das gleiche Geld zweieinhalb Kisten meiner “Hausmarke”, obwohl ich Schiffe mag.

    Privatsender werden also keineswegs von allen finanziert, sondern nur von Kunden einzelner Produkte. Für mich ein fundamentaler Unterschied.

    Gebührenfernsehen ist wie gesagt auch kein Problem – nur dann bitteschön auf freiwilliger Basis – die technischen Voraussetzungen dafür gibt es längst, bei Premiere funktioniert das schließlich auch. Alle abkassieren zu wollen, auch die, dies nicht sehen wollen, ist nichts weiter als Abzocke.

    “Schliesslich gucke ich OeR, weil ich nicht dauernd Werbung sehen moechte”

    Und du findest nichts dabei, die Kosten deines Konsums anderen aufzudrücken? Denn um dieses Bedürfnis zu befriedigen gibt es ja schließlich Pay-TV oder DVDs. Was auch nicht teurer ist, als das verpflichtende ÖR-TV-Abo.

    Brillen oder Kontaktlinsen sind ja keine Empfangsgeräte. Aber ich warte noch auf den Tag, an dem Briefkästen zu solchen erklärt werden…

  3. Roger Beathacker
    Juni 17th, 2008 @ 19:04

    Ich hab’ schon mit so einer Antwort gerechnet. (man kennt sich langsam ;-) )

    Da ich selbst Werbung meide wo es nur geht, kann ich leider nicht sagen, ob ich z.T. TV-Propaganda-kontaminiertes Zeugs in meinem Kuehlschrank habe.

    Aber ich nehme mal an, dass wuerde ohnehin nichts helfen.

    1. Muesste man um sicher zu gehen, dass man ja nix im im TV-Beworbenes kauft, erst recht diesen ganzen Werbemuell ueber sich ergehn lassen, damit man eben weiss, was man NICHT kaufen will.

    2. weisst Du vermutlich so gut wie ich, dass das ja nicht nach dem Schema funktioniert: “Wir nehmen 20% von den Erloesen fuer Produkt X und verwenden die fuer Werbung fuer Produkt X.

    Mit anderen Worten – es ist nicht mehr nachvollziehbar, wohin das Geld fliesst, das Du an der Ladenkasse ausgibst und auch die Einnahmen durch “No-Name” Produkte landen am Ende nicht in besonderen Toepfen.

    Ausserdem wuesste ich nicht, wo ich die Kosten meines Konsums andren aufdruecke, zumal ich jahrelang ganz ohne TV gelebt habe.

    “Gebuehren” auf freiwilliger Basis – das geht nicht, dann waeren es keine “Gebuehren” mehr -ist doof – ist aber so.

    Wenn man wirklich gar kein OeR gucken will und das auch nachweislich (mangels Moeglichkeit) nicht tut, dann sollte man allerdings Privat TV ohne Gebuehrenzahlung gucken duerfen, dafuer muessten aber entsprechende Empfangsgeraete (auf denen man eben nur Privat kriegt) angeboten werden oder irgendwas in der Art.

  4. Jan
    Juni 17th, 2008 @ 20:25

    Ich kauf ja nicht deswegen kaum Markenkram, weil mich Werbung nervt, sondern weil ich Geld sparen will. Ich kauf halt nach Preis und nicht nach der Farbe der Packung. Im Allgemeinen sieht mans aber ja auch und Markenprodukte heißen schließlich so, weil man sie kennt. Mir gehts auch nicht darum, werbende Firmen zu bestrafen oder so. Wenn ich mir aber ansehe, was ich für ne Kiste Krombacher hinlegen muss und dann daran denke, was wohl Jauch und Völler so einstreichen, dass sie dafür Werbung machen, dann fühl ich mich bei dem Preis schon leicht verschaukelt, zumal es etliche günstigere Alternativen gibt.

    ARD, RDF und so müssten sich doch einfach nur Verschlüsseln wie die übrigen Pay-TV-Anbieter auch, schon wäre sichergestellt, dass auch wirklich zahlt wer guckt.

  5. Roger Beathacker
    Juni 18th, 2008 @ 12:30

    Du siehst also gar keinen Unterschied zwischen OeR und Pay-TV?

    Interessant.

  6. Jan
    Juni 18th, 2008 @ 13:01

    Was die Finanzierung angeht jedenfalls nicht – mit dem Unterschied, dass Premiere mir keine Fahnder auf den Hals hetzt, weil ich einen Fernseher habe.

    Was die Qualität angeht kann ich natürlich wenig darüber sagen, ob Premiere & Co ihr Geld eher Wert sind als die Öffentlich-Rechtlichen.

    Siehst du denn das grundlegend anders?

  7. Roger Beathacker
    Juni 18th, 2008 @ 13:15

    Immerhin ist der Ansatz grundverschieden.

    Guckst Du z.B. mal hier.

    Es gibt einiges zu kritisieren am OeR, das ist gar keine Frage, aber das kann nicht einfach auf der Ebene eines m.E. falschen Vergleichs mit dem Kommerzfernsehen geschehen.

  8. Jan
    Juni 18th, 2008 @ 14:03

    Und wieso nicht? Macht für mich als Verbraucher keinen Unterschied. ÖR ist halt eher staatsnahes Propagandafernsehen..

  9. Jan
    Juni 18th, 2008 @ 21:20

    Nachdem ich jetzt dazu gekommen bin, den Artikel zu lesen, noch ein paar Anmerkungen dazu:

    Ich halte es für ziemlich naiv, die mit Zwangsgebühren in Höhe von 7 Milliarden (!) Euro finanzierten Kanäle für keine Geschäftemacherei zu halten. Die Gehälter dort sind auch nicht geringer, als bei Privatsendern – allerdings grasen hier halt eher Politiker in Gremien als private “Heuschrecken” ab, was nicht ins Programm fließt. Nicht unbedingt besser, würde ich sagen.

    Der Nachrichtenseiten-Wettbewerb im Internet funktioniert. Wem die großen Portale zu blöde sind, findet Millionen kleinere Alternativen. Es besteht absolut keine Notwendigkeit, die gewachsenen Strukturen durch eine öffentlich-rechtliche Kopie der großen Portale anzugreifen.

    Die öffentlich-rechtlichen Anstalten sind ganz offensichtlich auch nicht unabhängig, sondern verbreiten dass, was ihre Gremien wollen das sie verbreiten. Und da sitzen die Freunde und Weggefährten der Regierenden unseres Landes. Man merkt das, wenn man aufpasst. Das “Nein” der Iren wird zum Beispiel ausnahmslos aus Regierungsperspektive dargestellt und Haftstrafen für Schulverweigerer werden auch nicht kritisch beleuchtet. – Nicht dass private Medien da bedeutend besser wären aber wenn private und öffentlich-rechtliche in solchen Dingen ohnehin gleich sind, könnten wir die 7 Milliarden Euro auch für wichtige Dinge ausgeben, statt sie in Wasserköpfe zu stecken.

  10. Roger Beathacker
    Juni 19th, 2008 @ 10:37

    1. Rundfunkraete erhalten keine Honorare
    2 Du sagst: “Nicht dass private Medien da bedeutend besser wären” – das impliziert, dass die privaten ja wenigstens ein bisschen “besser” sein muessten – okay dann schreibst Du “wenn sie in solchen Dingen ohnehin gleich sind” – also was sind sie nun?

    Die Gehaelter gehoeren – was das Geschaeft angeht – zu den “Kosten” des Geschaefts, nicht zu den Gewinnen.

    Was das Nein der Iren angeht – da wuerde ich doch mal abwarten wollen, was die diversen politischen Magazine dazu noch zu sagen haben ..

  11. Jan
    Juni 19th, 2008 @ 11:10

    Rundfunkräte vielleicht nicht (dafür erhalten sie Macht über das Programm) aber Menschen wie Schmidt, Pocher, Gottschalk kassieren zweifellos dick ab. Und Menschen, die Fussballrechte verkaufen, auch – und nichts davon sollte zum Pflichtprogramm für Deutsche Fernsehbesitzer gehören, das gehört einfach nicht in ein Zwangsfinanziertes Programm!

    Es ist Geschmackssache – aber ich finde das Programm der Privaten Sender in mancher Hinsicht besser, in anderer Schlechter als dass der öffentlich-rechtlichen Sender.

    Private Radiosender zum Beispiel brauche ich nicht, sie nerven mich nur. Die Nachrichtensender der ÖR höre ich mir dagegen durchaus mal an, auf längeren Autofahrten zum Beispiel.

    Private Fernsehsender haben dafür das bessere Unterhaltungsprogramm. Serien wie Dr. House oder Monk sehe ich im Vergleich zum Traumschiff oder Tatort ungleich lieber.

    Wann habe ich von Gewinnen gesprochen? Aber wenn statt irgendwelcher Dividenden ein Verwaltungs-Wasserkopf oder pro Großstadt ein eigener Fernsehsender finanziert wird, fällt es mir ehrlichgesagt äußerst schwer, das eine vernünftiger als das andere zu finden. Wenn die Kosten des “Geschäfts” sinnlos in die Höhe getrieben werden, die andere zwangsweise Bezahlen müssen, sind mir Heuschrecken dann doch lieber. Die stecken ihr Geld wenigstens in Unternehmen, die Sinn machen. Bei den Öffentlich-Rechtlichen habe ich oft den Eindruck, dass beinahe krampfhaft überlegt wird, wie man sich noch mehr ausbreiten (=verteuern) kann.

    Die öffentlich-rechtlichen Sender geben sich wie Medienunternehmen, nicht wie gutmütige Vereine, die einzig an der “Grundversorgung” der Menschen interessiert sind. Dementsprechend müssen sie sich auch mit den Maßstäben messen lassen, die ich an andere Medienunternehmen anlegen würde.

    Zumindest, falls noch andere mich notfalls mit Gewalt dazu zwingen würden, ihre Produkte zu kaufen.

    Meinst du die Magazine, die seit ein paar Jahren mal eben um ein Viertel gekürzt worden sind, weil man mehr Sendezeit für Unterhaltung haben wollte? Mag sein – aber dass die stinknormalen Nachrichtensendungen von “Irlands nein zu Europa” spricht, dass ist einfach nur lächerlich und zeigt mir, wie weit es mit der staatsferne her ist.

Leave a Reply





Protected by WP Anti Spam
  • Löffel voller Weisheit

    Deutschland verschwindet jeden Tag immer mehr, und das finde ich großartig. — Jürgen Trittin

  • Filterblog@Facebook


  • Switch to our mobile site