Ausländerfeinde und Ausländerfreunde
Posted on | Juli 17, 2008 | 12 Comments
Maybritt Illner hat heute zum Thema “Gastarbeiter rein – bei drei Millionen Arbeitslosen?” geladen.
Auffällig hier: Vor allem Linke (z.B. der anwesende Klaus Ernst von Die Linke) sind zur Abwechslung mal gegen Ausländer, während Rechte (z.B. Günter Oettinger, Union) plötzlich aufgeschlossener gegenüber Zuwanderung geworden zu sein.
Ums mal auf den Punkt zu bringen: Wer Ausländer gar nicht oder nur ohne Arbeitserlaubnis ins Land lassen will, der ist ausländerfeindlich. Wer hier her kommt, um zu arbeiten, der dürfte es nötig haben, also bedürftig sein. Linke Solidarität scheint sich da aber allein auf Deutsche zu beschränken. Ich finde es aber hochgradig unfair, Menschen danach zu bewerten, ob sie nun dies- oder jenseis der Staatsgrenze geboren worden sind.
Politiker von der Union tun dagegen, soweit meine Vorurteile, im Zweifel dass, was ihnen beispielsweise Handwerksfunktionäre einflüstern – und die scheinen von der Idee, Azubis aus anderen Ländern einzustellen, recht angetan zu sein (Hanns-Eberhard Schleyer vom Zentralverband des Deutschen Handwerks redet jedenfalls so). Mit einem Sinneswandel hat das also natürlich auch nichts zu tun.
Grenzen dicht für arbeitswillige Ausländer – das ist eigentlich das DDR-Rezept, nur andersrum. Mit einem freien Europa hat das nichts zu tun.
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12 Responses to “Ausländerfeinde und Ausländerfreunde”
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Juli 18th, 2008 @ 15:51
@Grenzen dicht für arbeitswillige Ausländer – das ist eigentlich das DDR-Rezept, nur andersrum.@
D.h.: “Grenzen auf für arbeitswillige Ausländer…” war das DDR-Prinzip?
Na, soviel arbeitswillige Ausläner gab es in der DDR aber wohl nicht, oder?
Das war doch bestimmt anders gemeint…
Juli 18th, 2008 @ 17:16
„Vor allem Linke sind zur Abwechslung mal gegen Ausländer“ „Linke Solidarität scheint sich da aber allein auf Deutsche zu beschränken.“ Ich hoffe mal dass du dich hierbei auf Die Linke als Partei beziehst, die meisten politisch links motivierten Menschen sind immer noch für die Gleichbehandlung unabhängig von der Nationalität.
Juli 18th, 2008 @ 23:00
“Wer Ausländer gar nicht oder nur ohne Arbeitserlaubnis ins Land lassen will, der ist ausländerfeindlich. Wer hier her kommt, um zu arbeiten, der dürfte es nötig haben, also bedürftig sein.”
Es sollte selbst dem Duemmsten klar sein, dass es dem Ernst darum gar nicht ging. Es ist etwas schon sehr verschiedenes, ob jemand ins Land will, weil er “beduerftig” ist (sog. “Wirtschaftsasylanten” haben meinen Segen uebrigens seit je), oder ob man ihn gezielt anwirbt, um hierzulande die Loehne weiter druecken zu koennen. Es geht also nicht um die Frage Auslaender oder nicht Auslaender, sondern darum, dass sie instrumentalisiert werden (sollen). Daraus eine linke Auslaenderfeindlichkeit zu konstruieren, passt allerdings perfekt ins Bild.
Juli 18th, 2008 @ 23:50
@Roger Beathacker: Wenn die Leute nicht bedürftig sind drücken sie auch nicht die Löhne in Deutschland!
Juli 18th, 2008 @ 23:57
Weil sie dann sowieso nicht hier leben moechten, meinst Du?
Nicht jeder, der bereit ist, hierzulande fuer einen Dumpinglohn zu arbeiten, ist deswegen schon jemand, der in seinem Herkunftsland zu den Beduerftigen zu zaehlen waere. (auch nicht nach hiesigen Maßstaeben).
Juli 19th, 2008 @ 11:31
Natürlich meine ich damit Positionen von Die Linke, mir ist klar, dass ich das manchmal etwas arg verkürze, weils natürlich auch andere Linke mit etwas anderen, potenziell vernünftigeren Positionen gibt – aber das bringt irgendwo auch der Name so mit sich.
Aber Roger, ist es nicht völlig Banane, wieso manchen Menschen nur Aufenthalt gewährt und nicht das Recht, arbeiten zu gehen, eingeräumt wird?
Juli 19th, 2008 @ 13:51
@Roger: Das klingt nach Wohlstand nur für Deutsche. Entweder die Leute leben unterhalb des Wohlstandes in Deutschland, dann sind sie für mich bedürftig genug um hier zu arbeiten oder sie drücken die Löhne nicht. Und wenn wir einen vernünfitgen Mindestlohn hätten, dann würde sich das Problem eh von alleine lösen.
Juli 19th, 2008 @ 14:24
Naja, ein Mindestlohn löst nur dann irgendwelche Probleme, wenn er auch gezahlt wird und dazu braucht es Jobs.
Wenns aber sowieso genügend Jobs für alle gäbe, dann würde das allein eh die Löhne heben (weil sich dann Unternehmen um Leute streiten und nicht Leute um Arbeitsplätze) und der Mindestlohn wäre erst recht überflüssig…
Mir gehts jedenfalls einfach darum, dass ich nicht mag, wenn Menschen unterschiedlich behandelt werden. Und Menschen nicht zu erlauben zu arbeiten finde ich ziemlich entwürdigend.
Juli 19th, 2008 @ 14:54
Leider gibt es aber nicht genug Arbeitsplätze für alle…
Juli 21st, 2008 @ 10:16
Wo ist denn die quantitative Obergrenze, die nicht überschritten werden kann und welche ökonomische Theorie begründet die Existenz dieser ominösen Menge?
Juli 21st, 2008 @ 13:40
@Wo ist denn die quantitative Obergrenze…
Wikipedia spricht bei “Vollbeschäftigung” von einer Arbeitslosenquote von 0,8 bis 3,0%. Einige Institute betrachten auch 6% als Kennzahl für Vollbeschäftigung. 6%, das wären ca. 1,8 Millionen Arbeitslose und bei 3% wären es immer noch knapp eine Million Menschen ohne Arbeit.
Juli 21st, 2008 @ 13:49
@Wilfried
Danke für die Antwort. Sie trifft aber nicht ganz meine Frage.
Mezkalin behauptete, es seien nicht genug Arbeitsplätze für alle da. Das klingt nach einer, wie auch immer begründeten, quantitativen Obergrenze. Ich vermute zumindest, dass er damit nicht den Prozentrest meint, der bei Vollbeschäftigung noch an den 100% fehlt.