Unsere Wasserpreise sind Spitze
Posted on | August 18, 2008 | 12 Comments
In einem internationalen Vergleich der Wasserpreise liegt Deutschland ganz weit vorne.
Grund ist im Prinzip nicht vorhandene Marktwirtschaft:
Eine wichtige Ursache für die hohen Preise in Deutschland liegt nach Einschätzung der Nus-Experten darin, dass die Kommunen die Wassereinnahmen auch als Geldquelle für andere Aufgaben nutzen. “Da die Wasserpreise von den Gemeinden festgelegt werden, dienen die hohen Preise zur Subventionierung örtlicher Projekte, die sonst mit Steuergeldern bezahlt werden müssten.”
und:
Private Konsumenten haben bisher in Deutschland noch nicht die Möglichkeit zum Anbieterwechsel. Im Durchschnitt gab jeder Bundesbürger zuletzt rund 84 Euro pro Jahr für Trinkwasser aus.
Keine Toschlagsargumente – aber wer gegen Privatisierungen im Bereich “der Grundsicherung” ist, nimmt so etwas eben billigend in Kauf. Das sollte man wissen.
Und so eine Privatisierung muss eben nicht bedeuten, dass ein paar “Heuschrecken” oder böse räuberische Kapitalisten kommen und tun, was immer Sozialisten von ihnen erwarten mögen.
In meinem Ort gibts ne Genossenschaft, in der jeder drin ist, der Wasser haben will. Das kommt einer städtischen Versorgung zwar relativ nahe, ist aber, da wir ja gleichzeitig zu einer Stadt mit einem eigenen Versorger gehören, doch noch ein bisshen was Anderes.
Wahlfreiheit und Wettbewerb wären natürlich trotzdem besser.
Comments
12 Responses to “Unsere Wasserpreise sind Spitze”
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August 18th, 2008 @ 22:12
Also als (liberaler) Kommunalpolitiker kann ich sagen, daß wir bemüht sind die Wasserpreise so niedrig wie möglich zu halten. Das geht aber oft nicht, da gerade im ländlichen Raum die Kosten für die Instandhaltung der Wasserversorgung besonders hoch sind. Wenn diese “Experten” hier also von kommunaler Abzocke sprechen wollen, kann man das nicht einfach so stehen lassen. Sicherlich gibt es auch schwarze Schafe unter den Städten und Gemeinden, in den das vllt. so gehandhabt wird, aber das merkt der Bürger eigentlich recht schnell…
Und wenn dann doch mal was übrigbleiben sollte, dann sind die Einwohner meist sehr dankbar, wenn dafür noch ne Grünfläche gebaut wird, oder der Spielplatz neu gemacht wird, oder die Feuerwehr die supermodernen Schläuche nebst Fahrzeug und Drehleiter vor die Tür gestellt bekommen. ;o) Die gäb’s aus Steuergeldern meistens nicht, denn die bleiben selten vor Ort, sondern wandern oft genug gen Kreis, Land, Bund, EU, ins Nirvana, oder sonst wo hin…
August 18th, 2008 @ 22:38
Dennis,
Unsere Stadtwerke finanzieren auch so einige ansonsten verlustträchtige Dinge mit. Das ist nicht unbedingt “Abzocke”, es hat manchmal triftige Gründe. Bei uns wird z.B. das städtische Schwimmbad von den Stadtwerken betrieben. Wären die Stadtwerke ein normales Wirtschaftsunternehmen, würden sie das Schwimmbad vermutlich stilllegen, weil es für sich genommen natürlich keine schwarzen Zahlen schreibt, aber die Schulen ja irgendwo Schwimmunterricht geben wollen…
Ist nicht die sauberste Methode, Abzocke würd ichs aber trotzdem nicht nennen.
Ich nehme nicht an, dass in diesem Bericht hohe Kosten angeprangert werden sollten, die durch ländliche Strukturen entstehen. Jeden ist doch klar, dass das ein Kostentreiber ist – sowas gibts aber in allen anderen Ländern auch (naja, außer so Staaten wie Singapur wurden auch getestet, ich glaube da gibts nix Ländliches).
In dem Artikel stand auch, dass kommunale Versorger sich dahingehend beschwert hatten, dass die Qualität des deutschen Wassers auch Weltspitze ist und dass bei der Bewertung gar keine Rolle gespielt hat. Hab ich unterschlagen, weil es mir um andere Aspekte ging (und sich Mindestmaßstäbe in der Qualität natürlich auch für private Anbieter festlegen lassen).
August 18th, 2008 @ 22:55
LieberDennis,
aber als Liberaler sollte man dennoch gegen ein Quersubventionierung des ständischen Haushalts sein auch wenn die Bürger sich angeblich freuen …
August 18th, 2008 @ 23:27
Also ich weiß nicht wie es bei euch ist, aber bei uns ist das was man so gemeinhin als “Quersubventionierung” versteht recht gering. Und das Schwimmbad wird vermutlich auch nicht aus den Wassergebühren bezahlt.
Und lieber Kolia: Ich kann in meinem Juliversum sehr wohl gegen einen quersubventionierten kommunalen Haushalt sein. Wenn hinterher aber eine schwarze Null druntersteht bin ich mehr als froh, daß ich keine neuen Schulden machen mußte. Denn ich finde, daß eine Neuverschuldung dann doch das größere Übel als eine Quersubventionierung ist.
August 19th, 2008 @ 00:01
Hab ich unterschlagen, weil es mir um andere Aspekte ging (und sich Mindestmaßstäbe in der Qualität natürlich auch für private Anbieter festlegen lassen).
Freiwillig würde sich daran niemand halten, weil es Kosten verursacht – also müsste man es kontrollieren. Unnötige Bürokratie.
Ich bin mit dem Status Quo völlig zufrieden. Die Wasserversorgung gehört in die öffentliche Hand – Gemeinden, die ihre Stadtwerke schon verkauft haben, haben es später bitter bereut.
August 19th, 2008 @ 00:07
Christian,
das wird doch jetzt auch kontrolliert, diese Bürokratie gibts so oder so.
1. warum? Und 2. kann man das natürlich so sehen, muss dann halt auch sagen, dass es entsprechend teurer ist.
Aber wenn du schon gegen Privatisierung bist, musst du deswegen ja nicht gegen Wettbewerb sein, den man ja unabhängig davon auch hier endlich einschalten könnte.
August 19th, 2008 @ 00:30
Klar wirds schon heute kontrolliert. Aber private Betriebe wollen und müssen mehr Rendite erwirtschaften als öffentliche, deshalb würden diese versuchen, die Qualität zu drücken, wo es nur geht. Sie würden notwendige Investitionen in Wasserleitungen unterlassen, die schon heute teilweise sanierbedürftig und marode sind.
Und Du hast es ja selbst geschrieben: zahlreiche Schwimmbäder müssten geschlossen werden, weil sie dann völlig unfinanzierbar würden. Dass damit ein Stück Lebensqualität für alle verloren geht, wenn es keine öffentlichen Bäder mit vergleichsweise niedrigen Eintrittspreisen mehr gibt, lässt Du völlig außer acht.
August 19th, 2008 @ 00:39
Oha, vorsicht – da wäre ich mir aber mal nicht so sicher. Die finanziellen Verhältnisse mancher Gemeinden stützen deine These jedenfalls nicht!
Die Leitungen muss man auch nicht zwingend mitprivatisieren, schon gar nicht dem Versorger mitauf den Weg geben (wohin das führt erleben wir ja z.B. beim Telefon- oder Strommarkt, es entstehen neue Monopole). Ich geb dir in der Argumentation ja Recht aber grundsätzlich gegen private Wasseranbieter spricht das nicht.
Ich habe nicht geschrieben, dass unser Schwimmbad geschlossen werden müsste, ich habe geschrieben, dass es nicht wirtschaftlich zu betreiben ist. Das ist etwas völlig anderes. Die Stadt könnte dass, was zur Kostendeckung fehlt, in jedem Fall dazuzahlen. Das gilt auch für Eintrittspreise, wenn man da politisch einen bestimmten Betrag im Auge hat.
Im Moment werden den Stadtwerken aber dadurch gewisse Steine in den Weg gelegt, weil die sich in einigen Bereichen (z.B. beim Strom) mit anderen Wettbewerbern messen müssen und durch den politischen Einfluss da natürlich einen gewissen Wettbewerbsnachteil haben werden. Auch das Gehört zur Wahrheit dazu.
August 19th, 2008 @ 02:51
Statt eines Kommentars habe ich zu dem Thema nun doch einen eigenen Artikel verbrochen.
Immerhin Jan, selbst in Deiner Quelle ist von sicherlich nicht gerade “wirtschaftsfeindlicher” Seite zu lesen:
Das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) sieht keine Möglichkeit für eine Privatisierung der Wasserversorgung: “Die Leitungsnetze schließen Wettbewerb aus”, sagte IW-Experte Hubertus Bardt. Dass die deutschen Wasserpreise höher seien, hänge auch damit zusammen, dass Wasser in vielen anderen Ländern staatlich subventioniert wird. Einen spürbaren Nachteil für die deutsche Wirtschaft sieht Bardt allerdings nicht: “Wasser ist kein großer Kostenfaktor”, sagte er. Außerdem sei der deutsche Wasserpreis im internationalen Vergleich stabil. Das sei ein Vorteil.
August 19th, 2008 @ 03:00
Tja, sofern die deutsche Wasserwirtschaft irgendwie auch zur deutschen Wirtschaft gehört (wovon man wohl ausgehen kann, kommunale Trägerschaft hin oder her), wundert mich nun nicht, dass man seine Monopole verteidigen will. Wirtschaftsfreundlich ist ja nicht unbedingt das selbe wie Wettbewerbsorientiert.
Preisstabilität auf einem niedrigerem Niveau wäre wohl selbst nach Ansicht dieses Herrn Bardt ein noch größerer Vorteil…
Es mag auch sein, dss der Vergleich im Prinzip nichts taugt. Wo aber Quersubvention stattfindet und wo sich Städte auf Kosten der Wasserkunden zu sanieren versuchen, da ist der Preis doch eindeutig höher, als er nach marktwirtschaftlichen Maßstäben sein sollte. Darauf hinzuweisen, war mir hier wichtiger – und so etwas gibt es nunmal.
August 19th, 2008 @ 09:58
Ein weiteres Problem der Wasserpreise ist die Tatsache, daß die Kostenstruktur der Versorger komplett anders ist als die dem Endverbraucher verrechnete.
Ein großer Anteil der Versorgungskosten sind Fixkosten (Leitungen, Wasserwerke, Personal), die Gewinnung eines zusätzlichen Kubikmeters hingegen ist (solange die Kapazität der Anlagen ausreicht) meist recht billig (Pumpenleistung).
Der Endverbraucher zahlt jedoch hohe variable Kosten, um ihn zum “Wassersparen” zu motivieren. Wenn dies Erfolg hat, müssen die gleichen Fixkosten auf ein geringeres verkauftes Volumen umgelegt werden – der Wasserpreis steigt.
Besonders absurd wird die Situation, wenn in entlegenen Streusiedlungen die Leitungen aus hygienischen Gründen (wegen zu geringen Durchsatzes) alle paar Wochen gespült werden müssen. Dann fließt all das Wasser, das die dortigen Bürger “gespart” hatten (und noch viel mehr) ungenutzt in den Kanal.
April 19th, 2010 @ 13:32
[...] Wenn wir diesen Gedanken etwas weiterspinnen und uns an die Idee erinnern, eine Mautgebühr auf jeder Straße zu erheben, dann müsste man wohl auch hier spätestens dann, wenn eine solche Idee wirklich mal umgesetzt würde, darüber nachdenken, den Betrieb einzelner Straßen dem Wettbewerb zu überlassen. Denn wenn der Staat einerseits frei wählen darf, was er für die Nutzung berechnet und andererseits strukturbedingt aber niemand da ist, der diesen Preis mit einem eigenen Angebot unterbieten könnte, dann erhalten wir ein Monopol, dass auf jeden Fall früher oder später (betrachtet man die Finanzlagen von Städten, Kreisen, Ländern und dem Bund, wird das sehr wahrscheinlich eher früher passieren) schamlos ausgenutzt werden würde (bei der Wasserversorgung – auch das ein hiermit verwandtes Thema – geschieht das ja längst). [...]