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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Sommerzeit – Reisezeit

Posted on | August 19, 2008 | 2 Comments

Bundesforschungsministerin Anette Schavan musste vergangenen Mai mal von Stuttgart nach Zürich. Da gabs nämlich nen Vortrag für die Ministerin zu hören und ein Interview zu geben. Das war wichtig, darum lies sie sich dafür einen Hubschrauber der Flugbereitschaft kommen.

Für 26.500 Euro.

Nicht ganz billig – aber war sicherlich eilig. Und wichtig sowieso, denn alle Reisen von Minister/Innen sind wichtig.

Und wär sie einfach in Stuttgart in den Zug gestiegen (ich geh mal davon aus, dass Regierungsmitglieder als Quasi-Eigentümer der Bundesbahn jawohl auch so ne schicke Firstclass-Bahncard-100 haben, so wie jeder Bundestagsabgeordnete), dann hätte die Reise im ICE nach Zürich immerhin zwei Stunden und 44 Minuten gedauert.

Sofern der Warp-Kern des Hubschraubers ordentlich gearbeitet hat, ist der einfach deutlich schneller. Und: Es sieht cooler aus, schließlich wollen wir bei unseren Schweizer Freunden ja auch ordentlich Eindruck schinden, wenn wir unsere Elite da runterschicken.

Also bitte sofort aufhören, auf der armen Ministerin rumzuhacken, die sich schließlich für uns nervtötende Untertanen den Arsch aufreißt – und sogar bis ins Ausland reist, um dazuzulernen. Sie meint es doch nur gut, verdammt nochmal!

Apropos Ausland: Die Gehässigkeit mancher Journalisten, Blogger und Steuerzahler ist auch in einem anderen Fall kaum zu fassen. Ein paar Bundestagshanseln haben nämlich eine Dienstreise nach Amerika gemacht. Nach Kalifornien, genauer gesagt.

Dort scheint es dienstlich ziemlich viel Handlungs- und Klärungsbedarf zu geben, offenbar fahren unsere Erziehungsberechtigten um einiges öfter nach Kalifornien als nach, sagen wir mal, Alaska.

Aber was auf den ersten Blick verdächtig erscheint, muss uns auf den zweiten unbedingt erfreuen: Kalifornien hat eine blühende Wirtschaft, bringt Unternehmen wie Cisco, Sun, Google oder Yahoo hervor und hat im Gegensatz zu Deutschland echte Elite-Unis, deren Namen selbst ohne erdrückende staatliche Bürokratie, ZVS-Gedöns und politischer Reinrederei weltweit einen Klang wie Donnerhall haben.

Kalifornien versorgt uns außerdem gleichzeitig mit den besten und den beschissensten, aber dadurch wenigstens immer noch irgendwie unfreiwillig komischsten Filmen der Welt und bereichert unser Leben mit beeindruckend schnittig aussehenden Elektroautos und dem (meines Wissens immer noch an der StVO scheiternden) Segway.

Und: Kalifornien hat einen Terminator als Gouvernor.

Wir erkennen also, dass es dort viel zu lernen gibt – und fragen uns, warum sich die Erkenntnisse bisher nicht positiv in der Politik niederschlagen. Aber was nicht ist kann ja noch werden und dazu müssen solche Dienstreisen natürlich sein.

Und wenn wir ehrlich sind, dann würden wir alle doch auch am liebsten auch nach einem “Neger” fragen, wenn wir schon gezwungen sind, im Rollstuhl zu sitzen. Auch wenn die meisten von uns wohl vor so einem leicht von der political correctness belasteten Ausdruck doch zurückschrecken würden, zumal im Ausland.

Aber nobody is perfect, nichtmal die Damen und Herren Abgeordneten. Das mag manchen ein wenig überraschen, angesichts der stets lupenreinen Arbeitsergebnisse, die sie abzuliefern pflegen, aber unsere Männer und Frauen im Bundestag sind in Wirklichkeit auch nur Menschen.

Und diese frechen Beamten in Sacramento, die das Besuchsprogramm unserer Studienreisenden so pickepackevoll mit Programm gepackt haben, dass die Dienstreise beinahe zu einer Dienstreisein Arbeit ausgeartet wäre, sollten sich was schämen.

Comments

2 Responses to “Sommerzeit – Reisezeit”

  1. Oliver Fink
    August 20th, 2008 @ 18:07

    Ich weiß nicht, ob “Regierungsmitglieder als Quasi-Eigentümer der Bundesbahn jawohl auch so ne schicke Firstclass-Bahncard-100 haben, so wie jeder Bundestagsabgeordnete”. Aber Frau Schavon hat mit Sicherheit eine: http://www.bundestag.de/mdb/bio/S/schavan0.html

  2. Jan
    August 20th, 2008 @ 20:04

    Okay – da hätt ich auch selber drauf kommen können.

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