Aug 23 2008
Der Neoliberalismus wird 70
Und trotzdem weiß kein Mensch, was das in Wirklichkeit ist. Anders kann ich mir nicht erklären, dass man hierzulande quasi reflexartig neoliberal genannt wird, obwohl man bei etwas für weniger Staat eingetreten ist.
Meine Hoffnung, dass diese Begriffsverwirrung durch den aktuellen Artikel bei Welt Online etwas gelindert wird, hält sich in Grenzen. Hier trotzdem ein kleiner Vorgeschmack:
Der Neoliberalismus wurde aus der Not geboren. Vor 70 Jahren, Ende August 1938, versammelte sich in Paris eine Gruppe freiheitlicher Denker. Ihr Ziel war kein Geringeres, als den damals verachteten Liberalismus zu erneuern, um ihn doch noch gegen Faschisten und Kommunisten in Stellung zu bringen. Das Treffen wurde zur Geburtsstunde des Neoliberalismus und damit Ausgangspunkt einer globalen Erfolgsgeschichte. Dennoch ist „neoliberal“ heute zum Kampfbegriff geworden. Die meisten, die damit zu Felde ziehen, wissen gar nicht, wovon sie eigentlich reden. Es ist hohe Zeit, den Neoliberalismus zu verteidigen, auch um den Neosozialisten Paroli zu bieten.
Der Artikel lässt auch den Bezug zur Gegenwart nicht vermissen:
Vor 70 Jahren in Paris hätten die Neoliberalen einen Staatsanteil von 40 Prozent wohl für Sozialismus gehalten. Heute wäre er nur mit harten Einschnitten auf 40 Prozent zu drücken. Darum geht es aber nicht vor allem. „Ob wenig oder mehr Staatstätigkeit, diese Frage geht am Wesentlichen vorbei. Es handelt sich nicht um ein quantitatives, sondern ein qualitatives Problem“, schrieb Eucken. Röpke und Rüstow betonten stets den sozialen Bezug der Menschen. Gemeinsam sind wir stark! Aber umso stärker, je besser es gelingt, das Gemeinwesen so zu organisieren, dass die Stärken jedes Einzelnen auch zur Geltung kommen.Die Erfahrung zeigt, dass ein großer Staat nicht stark ist. Es schwächt ihn, wenn er sich für alles zuständig erklärt und mit jeder Wohltat neue Ansprüche schürt.
Zum Artikel gehts hier.
4 Kommentare












Nachdenken über Liberalismus II…
Nach meinen letzten grundlegenden Überlegungen zu den Klassikern wirtschaftsliberaler Ideen und der Kurzvorstellung Poppers und Dahrendorfs, komme ich nun zu einem Begriff,der seit dem ausgehenden 20. Jahrhundert Kampagnen- und Kampfcharacter besitzt:…
Ihr Deutschen könnts immer nur Jammern. Schauts mal nach Österreich: bei uns behauptet doch tatsächlich der Wirtschaftssprecher der Liberalen Partei (LiF):
“Neoliberalismus, den Sie ansprechen, ist das Gegenteil von Liberalismus”.
(http://derstandard.at/?url=/?id=1216918782145)
Ich musste jetzt nochmal im Interview nachlesen, ob er das auch wirklich gesagt hat. Ich kanns jeden Tags aufs neue nicht glauben.
Da jammer ich mal in einem Artikel über gar nichts und man wirft mir Gejammer vor…
[...] um die Balance nicht zu verlieren.1 Die Welt – Herzlichen Glückwunsch, Neoliberalismus / via Jan [↩] « Masern und die Opfer der Impfgegner This post was written by Benjamin B., [...]