Meint er nicht ernst, oder?
Posted on | August 27, 2008 | 5 Comments
Mein JuLi-Landesverbandsvorsitzender spricht sich zurecht gegen Undercover-Einsätze von Minderjährigen aus, die versuchen sollen, Alkohol zu kaufen. Das ist gut so, denn sonst käme Innenminister Schünemann mit dieser befremdlichen Idee am Ende noch durch.
Aber der Alternativvorschlag der Jungen Liberalen Niedersachsen kann doch nicht eine generelle Ausweispflicht sein! Die allermeisten Menschen, die Alkohol kaufen, sind deutlich über 18. Wozu sollen die nun jedes Mal, wenn sie dummerweise vergessen haben ihren Ausweis mit zum Einkaufen zu nehmen, verschämt ihre Kiste Bier wieder zurück in den Laden tragen müssen?
Es kann nicht sein, dass jedes Mal, wenn elterliche Versäumnisse zum Problem erklärt werden, der größte Teil der Bevölkerung mit immer neuen Pflichten gegängelt wird. Ich kann verdammt nochmal nichts dafür, dass irgendwelche Kiddies sich irgendwie Alkohol besorgen. An mir liegt das nicht, ich lass mir im Zweifel sogar Faslam nen Ausweis zeigen.
Wenn wir als JuLis schon feststellen,
“In kaum einem Land kann man Alkohol und Zigaretten so leicht erwerben, wie in Deutschland”
Dann kann die adäquate Antwort einer liberalen Jugendorganisation sicher nicht die sein, daran schleunigst etwas ändern zu wollen. Dann doch lieber flächendeckender Angriff auf Kneipen und Geschäfte durch die Schünemannschen Teenie-Spione, dann hab wenigstens ich meine Ruhe.
Comments
5 Responses to “Meint er nicht ernst, oder?”
Leave a Reply
August 27th, 2008 @ 23:07
Die gleiche Idee wie Schünemann hatte auch mal von der Leyen, da bekam sie auch ordentlich Prügel. Ich habe allerdings nie so recht verstanden, was daran so schlimm sein soll.
Was findest Du daran so absurd?
August 27th, 2008 @ 23:24
Man will im Sinne des Jugendschutzes Minderjährige zur Überprüfung von Gesetzen einsetzen. Mit der Grundidee habe ich schonmal so meine Probleme. Dass der Staat höchstpersönlich Kindern den Auftrag gibt, bewusst zu lügen, ist schon eine etwas skurile Vorstellung und ich denke nicht, dass das unbedingt der Bildung einer ehrenwerten Persönlichkeit dieser jungen Leute dienlich ist.
Allerdings wiegt das eigentlich nicht so schwer, dass ich daraus eine unbedingte Ablehnung machen würde. Was ich viel schlimmer finde, ist dass damit ein weiterer Schritt in Richtung Misstrauensstaat geschieht. Nach dem Motto: Die Menschen sind schlecht, sie müssen mit allen Mitteln kontrolliert werden, auch mit heimlichen Schnüffel-Teenagern.
Desweiteren halte ich das Problem für lange nicht so erheblich, wie es ständig geschildert wird. Gesoffen wurde schon immer, das zu regulieren ist für mich keine vorrangige Aufgabe der Gesellschaft. Und für ihre Kinder sind in erster Linie deren Eltern zuständig. Die kriegen doch mit wenn die kleinen mal wieder einen gesoffen haben und können dem dann auf den Grund gehen. Nimmt man ihnen diese Pflicht, wird das nicht eben dazu führen, dass sich Eltern ihrer Aufgaben bewusster werden, als es vielleicht heute der Fall ist. Außerdem würde eine solche Praxis ein weiteres Signal aussenden, dass selbstverständlich nur der Staat “seine” Kinder erziehen kann und man den Eltern das nicht mehr länger zutraut.
Im Ergebnis würden solche Aktionen sowieso nichts an den Trinkgewohnheiten von Kindern ändern. Ich hatte als Minderjähriger schon so meine Quellen, die man mit solchen Kontrollen auch nicht hätte versiegen lassen können und man kann über die heutige Jugend viel mosern und schimpfen – aber soviel dümmer als unsereins wird sie in solchen Fragen nicht sein.
August 28th, 2008 @ 01:14
Was ist so schlimm an einem Altersnachweis an der Kasse? Wenn ich Auto fahre, brauche ich ja auch Papiere.
Außerdem sehe ich es nicht als erstrebenswertes Alleinstellungsmerkmal Deutschlands an, dass hier leicht an Alkohol und Zigaretten ranzukommen ist.
Wenn es zu elterlichen Versäumnissen kommt, müssen andere Kräfte korriegierend eingreifen. Ich finde es auch schlecht, dass es hierzu eine staatliche Regelung geben muss. Eine Lösung aus der Gesellschaft heraus wäre mir lieber. Als Beispiele also ein stärkeres Einhalten des Jugendschutzs an Kassen und Bars. Wenn an diesen Stellen eine konsequente und gesellschaftlich verantwortungsbewusste Entscheidung getroffen würde, bräuchte es keine staatliche Regelung. Es würden bestimmt ein paar mehr 18-22jährige gegängelt werden, aber nicht alle Bürger.
Führerschein haben doch wirklich viele dabei. oder?
August 28th, 2008 @ 01:26
Es ist nichts schlimm an einem obligatorischen Altersnachweis, es würde mich (und wohl nicht nur mich allein) aber nerven und wäre vollkommen überflüssig, weil ich nunmal deutlich über 18 bin.
Es ist eine Unart, Millionen zu gängeln, weil eine kleine Minderheit sich nicht an die Regeln hält. Zumal eine solche Gängelung effektiv überhaupt nichts im Sinne der Erfinder verbessern würde.
Es ist bedauerlich, dass relativ liberaler Alkohol- und Tabakkonsum inzwischen zu einem Alleinstellungsmerkmal für Deutschland in Europa zu werden droht aber nur weil, wie man bei uns sagt, alle in die Elbe springen, müssen wir das nicht zwangsläufig auch machen.
Der Jugendschutz ist übrigens eine eindeutig staatliche Regelung. Und natürlich gehört der eingehalten. Aber denk doch mal über Folgendes Nach: Im Zweifel sind Alkoholverkäufer auch heute schon angehalten, nach Ausweisen zu fragen. Würde man das sozusagen ausweiten auf alle Menschen, selbst faltige 70jährige Opis, die sich mal nen guten Wein gönnen wollen, ist ausgesprochen fraglich, ob diese Pflicht wirklich eingehalten würde. Und damit wären wir im Endeffekt irgendwann wieder beim alten Problem.
Ich schleppe meinen Führerschein normalerweise nicht unbedingt auf Sauftouren mit und wenn ich da dummerweise auch keinen Ausweis dabeihabe, hätte ich schon ein Problem. Und das obwohl ich wirklich nicht wie 15 aussehe.
August 28th, 2008 @ 18:21
Grad Matthias, der ja nun durchaus auch in 10 Jahren noch so jung aussehen könnte, dass er selbst den Ausweis vorzeigen müsste