Gedanken zur unternehmerischen Freiheit
Während auf dem Parteitag der Demokratischen Partei Amerikas ein Senator spricht (naja, in Wahrheit spricht er natürlich in meinem Fernseher, aber du weißt schon wie ich mein), dessen Namen ich vergessen habe, der aber gerade erklärt hat, dass man ihm gewiss nicht in jedem Land nach zwei gescheiterten Unternehmen noch eine dritte Chance gegeben hätte, geht mir folgendes durch den Kopf:
Individuelle Freiheit ist doch im Grunde genommen die wichtigste Voraussetzung für eine hohe Zahl von Unternehmensgründungen. Und auch wenn ich keine Ahnung habe, wie die Verhältnisse für Unternehmensgründer in Amerika in Wirklichkeit sind: Ich denke schon, dass der Senator in Deutschland eben nicht seine drei Chancen erhalten hätte. Denn was muss nicht alles beachtet und vor allem bezahlt werden, wenn man in diesem Land ein Unternehmen gründen will?
Wenn ich an das Desaster mit der Pin-Group denke wird deutlich, dass selbst mit finanzstarken Investoren im Hintergrund Unternehmungen ohne weiteres scheitern können. Das hat in dem Fall natürlich nicht nur an überbordender Bürokratie gelegen, auch nicht nur am Post-Mindestlohn und auch nicht nur am bestehenden Monopol der Bundespost. Alles zusammen hat aber für jeden sichtbar verheerend gewirkt. Und alles drei sind natürlich irgendwo Stachel im Arsch der unternehmerischen Freiheit, um es mal plastisch auszudrücken. (Bitte jetzt nicht anfangen mir zu erklären, wofür denn jede dieser Beschränkungen gut ist, darum gehts zur Abwechslung mal nicht, sondern nur um die Wirkung)
Das Scheitern großer Unternehmen wäre allerdings, auch wenn der jedes Mal ausbrechende Presserummel Anderes suggeriert, ein leicht verkraftbares Problem, wenn in gleichem Maße neue, frische Unternehmen nachkämen und neue Arbeitsplätze schaffen würden.
Doch gerade hier wirken sich vielfältige Marktregulierungen und -beschränkungen natürlich am verheerendsten aus. Warum? Na weil Siemens, Airbus oder RWE sich ohne weiteres eine Hundertschaft an Rechtsverdrehern und Beratern aus sämtlichen relevanten Fachgebieten leisten können, die solchen Krempel begreifen, umsetzen, gegebenenfalls sogar umgehen oder die dadurch entstehenden Kosten wenigstens leicht senken können (was am Ende den Preis drückt), während ein Startup mit einer, zwei oder drei Händen voll Mitarbeitern vollends mit seinem Geschäft zu tun haben wird und das finanzielle Polster natürlich nicht mit dem einer hundert Jahre alten Traditionsfirma mit 10.000en Mitarbeitern vergleichbar ist.
Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass wenn jene Hundertschaft nach gründlicher Kalkulation ihrem Vorstand erklärt, dass Dank diverser zu schützender Vögel/Würmer/Eidechsen, der steigenden LKW-Maut plus Steueraufkommen, den hohen Kosten für die Baugenehmigung und so weiter und so fort den Bau des neuen Werks am Alternativstandort in Rumänien statt in Deutschland sozusagen fast erzwingt, oder aus ähnlichen Gründen die Verlagerung ganzer Fabriken zur Diskussion steht, große Unternehmen auch das relativ unproblematisch schultern können – und werden.
Wer das Wirtschaften übermäßig kompliziert und aufwändig macht, der legt jungen Unternehmen Steine in den Weg und fördert so eine Struktur, die vor allem den Großen zugute kommt. Denn die stecken solche Peanuts an Mehrkosten ohne weiteres weg.
Solange das so bleibt, wird eine Unternehmenspleite allzuoft auch eine persönliche Pleite für den gescheiterten Unternehmer bleiben. Denn je größer die Chance zu scheitern ist, desto geringer die Bereitschaft von Menschen mit Geld, dieses dem schon einmal gescheitertem anzuvertrauen.
Socken bringens irgendwie
Mal ganz objektiv betrachtet: Was soll der Zirkus um Hubertus Heils Twitterei?
Wers doof findet, kanns problemlos ignorieren. Wer, wie wahrscheinlich die meisten Menschen, gar keine Ahnung hat, was dieses Twitter überhaupt ist, wird wohl auch aufgrund solcher Sommerloch-Artikel den SPD-Generalsekretär nicht schlechter finden als vorher. Und wer selber bloggt oder twittert, der findet Heils microblogging mit großer Wahrscheinlichkeit sogar ganz gut.
Im Endeffekt wird dieser Trubel vermutlich vor allem zwei Folgen haben:
- Twitter gewinnt an Bekanntheit, auch bei Menschen, die sich “nur” mit Politik befassen und weniger mit hippen Internetspielzeugen
- In den Kreisen, in denen man sich so oder so mit hippen Internetspielzeugen beschäftigt, gewinnt Herr Heil und wahrscheinlich die komplette SPD an Profil. Wir nehmen wahr, dass man sich in der SPD offenbar auskennt, ganz egal, wie brauchbar oder überflüssig man die getwitterten Inhalte nun finden mag
Wahrscheinlich sammelt sogar Spiegel Online beim Durschnittsleser noch ein paar Pluspunkte: Man ist modern, aber zumindest in der Analyse anderer Leute Verhaltensweisen doch sehr um Seriösität besorgt, toll!
Und warum verschweigen im Prinzip sämtliche Quellen immer noch, dass mit Hans-Jürgern Beerfeltz auch ein FDP-Politiker in Denver zum Convent gefahren ist? Er berichtet, genau wie Heil, via Twitter von dort. Nur schreibt der halt nicht über Sockenfarben, sondern ausschließlichschwerpunktmäßig über ein klein bisschen bedeutendere Sachen, als die Fußbekleidung irgendwelcher Kollegen.
Vielleicht ist gerade das PR-technisch der große Fehler… [Notiere ich mir zur Sicherheit mal für kommende Wahlkämpfe und andere Kampagnen: Nie die Farben von Socken und ähnliche Belanglosigkeiten unterschätzen, es könnte exakt das sein, was der Presse fehlt um daraus einen mitreißenden Headliner zu machen]
PS: Im nächsten Artikel gehts dann mal wieder um was anderes als Twitter, versprochen;)
Twitter (2)
Okay, in den vergangenen drei Stunden ist mir eins klar geworden: Ich habe Twitter offensichtlich hoffnungslos unterschätzt. Man kanns nämlich auch zum diskutieren nutzen (nicht ganz so schön wie Blog-Kommentarfunktionen zwar aber immerhin fasst man sich kurz, was nicht immer schlecht sein muss) und außerdem gibt es diverse interessante Tweeds zu entdecken, was mich dazu bewogen hat, meiner Blogroll, die ja ohnehin schon lange mehr als nur Blogs enthält (das seh ich nicht so eng), eine “Twitter”-Kategorie hinzuzufügen, die aktuell folgende (sagen “wir twitterer” das so?) Tweeds enthält:
- Bündnis90/Die Grünen
- Christian Soeder
- FDP Bundestagsfraktion
- Filterblog
- Hans-Jürgen Beerfeltz
- Hubertus Heil
“KURZ NOTIERT” heißt jetzt auch “TWITTER”, weil dort vermutlich auch in Zukunft eher selten was “kurz Notiertes” stehen wird, sondern der Inhalt einfach Twitter ist.
Wer sich, wie ich bis vor ein paar Stunden, nie so recht hat vorstellen können, wozu Twitter & Co eigentlich gut sind, sollte das echt mal ernsthaft unter die Lupe nehmen.
Spiegel-Online findet Twitter offenbar grenzwertig, jedenfalls wenn Politiker es nutzen. Hubertus Heil twittert nämlich live von der Convention der Demokraten in Denver. Hans-Jürgern Beerfeltz von der FDP übrigens auch (ist den monsters of internetrecherching vom Spiegel wohl entgangen – aber hast ma mit, ne).
Ob man so etwas unbedingt machen muss, ist eine sicher ne gute Frage. Und auch, was man so alles rüberzwitschert – aber meine Güte, wenn dadurch unsere Oberpolitiker zur Abwechslung auch mal wie ganz normale Menschen rüberkommen, finde ich das an sich auch mal ganz erfrischend.
Insofern bin ich da ausnahmsweise mal ganz der Meinung der Jusoblogger Robin Haseler und Christian Soeder.
Letzterer wurde denn sogar von Spiegel-Online zitiert… natürlich falsch: Spon meint gelesen zu haben, dass Christian nach der Farbe von Obamas Socken gefragt hätte, dabei hatten ihn die von “Pfarrer Hinze” “interessiert”.
Ja klar, das ist Kurzweil, die mit Politik so fürchterlich viel nicht zu tun hat. Ja und?
Aber damit wollte ich mich eigentlich gar nicht ausführlich befassen, weil es meiner Meinung nach eine wirklich irrelevante “Nachricht” ist. Der Grund für diesen Artikel ist: Ich hab jetzt auch Twitter. Allerdings mit klar umrissenem Zweck und der Besuch von Conventions gehört nicht dazu – obwohl ich für die Zukunft nicht ausschließen will, dass ich darüber auch mal Kurzmeldungen von irgendwelchen Parteitagen oder Kongressen bringe.
Primär hat das aber folgenden Zweck:
Seit einiger Zeit überlege ich schon hin und her, wie ich am besten Sachen auf mein Blog bringe, die für einen eigenen Artikel nicht genug hergeben, die ich aber trotzdem irgendwie festhalten und/oder herzeigen will. Ob das nun irgendwie bemerkenswerte Youtube-Videos, skurile Websites und sonstiges Kurzweiliges wie zum Beispiel, und dass war, neben der Tatsache dass ich aufgrund von Robins Artikel zu Hubertus Heils Twitter-Aktivitäten und dem Hinweis in Hans-Jürgen Beerfeltz’ Blog auf dessen geTwitter nach eineinhalb Jahren mal wieder meinen damals spaßeshalber angelegten Twitteraccount genutzt habe, um lustige Ebay-Auktionen zu posten.
Komischerweise werden Links zwar in Twitter “klickbar” angezeigt und in der Sidebar nicht aber bis mir was Besseres einfällt, muss ich wohl erstmal damit leben.
Erstmal jedenfalls, vielleicht fällt mir da auch noch mehr ein.
Wer das Zeug nachlesen will, der muss das nicht unbedingt auf meiner liebevoll gestalteten Twitterseite tun, sondern findet, dass war ja schließlich der eigentliche Anlass, überhaupt damit anzufangen, auch hier im Blog in der grauen Seitenleiste tun (da wo “KURZ NOTIERT” steht, aktuell knapp unter dem “ARCHIV”-Auswähler positioniert).
Energiepolitik
Sondertarife für arme Menschen, verbilligte Tarife für Stromsparer. Das sind nur zwei Beispiele aus jüngerer Zeit, mit denen Politikern Stromanbietern “Vorschläge” unterbreitet haben.
Die natürlich abgelehnt worden sind. Weil sie sich vermutlich halt einfach nicht rentieren – was aber die vorschlagenden Politiker gewusst haben dürften, denn wenn sie da wirklich ein Bombengeschäft aufgetan hätten, dann hätten sie wohl selber irgendwann mal ein Energieunternehmen gegründet.
Unternehmen kluge Ratschläge aus dem Off zu geben, ist aber nunmal keine Energiepolitik, Zwar können wir uns ausmalen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis solche Vorschläge mit einem gewissen Zwang versucht werden durchzusetzen. Aber ob das wirklich nachhaltig die Preise zu drücken vermag, darf man wohl bezweifeln.
Energiepolitik dagegen wäre, die Steuern auf Energie endlich zu senken. Energie ist kein Luxusgut, jedenfalls nicht per Definition. Es droht eins zu werden, weil die Preise zum Sparen zwingen. Das ist einerseits politisch auch so gewollt, führt aber andererseits manchen Haushalt inzwischen an die Grenzen seiner finanziellen Leistungsfähigkeit.
Auch das mag von manchem so gewollt sein. So nach dem Motto: Wenns weh genug tut, wird halt endlich wirklich gespart und effizienter gemacht.
Kann man so sehen. Aber dann bitte nicht mit (ungefragten) Vorschlägen für “Sozialtarife” oder billigen Strom für sparsame Verbraucher um sich werfen. Das passt nicht zusammen.
Bärendienst
Bei Wilfried Rieck lesen wir von einer Umfrage, die die Freien Winsener in meiner Stadt versucht hat durchzuführen. Nein, sie haben sie natürlich sogar wirklich durchgeführt.
Allerdings sind von 13.000 Fragebögen offenbar nur knapp 70 ausgefüllt zurückgeschickt worden, was den Wert der ganzen Aktion an sich schon etwas in Frage stellt. Aber seis drum, das war vermutlich ein bisschen anders geplant und die Freien Winsener müssen ja selber wissen, wie sie ihr Geld ausgeben.
Vielleicht hat es auch teilweise an den Fragen gelegen, denn solche wie
“Welcher Standort für eine Seniorenwohneinrichtung ist der Richtige: schön ruhig draußen im Grünen oder mitten im Leben in der Innenstadt?”
sind mir persönlich erstmal Wurst, so etwas sollte man vielleicht nicht jeden, sondern vor allem interessierte Senioren fragen. Insofern kann man sich darüber streiten, welche Rückschlüsse man aus dem Ergebnis nun ziehen kann oder sollte (dort hat “Innenstadt” gewonnen). Jeder Rückschluss ist aber für die Stadt relativ ungefährlich.
Wenige irrelevant ist aber dagegen diese Frage und jede daraus zu ziehende Konsequenz:
“In Pattensen und Luhdorf wird der Durchgangsverkehr –besonders der Schwerlastverkehr –immer stärker. Ortsumgehungen sollen beiden Ortsteilen Entlastungen bringen, kosten aber (auf 7 Jahre verteilt) rund 16 Mio. Euro. Es ist nicht sicher, ob die Baumaßnahmen vom Land oder der EU gefördert werden. Soll die Stadt Winsen die Ortsumgehungen auch dann bauen, wenn es keine Förderung gibt?”
Die Situation ist richtig beschrieben, das Problem, soweit ich weiß, auch sämtlichen Fraktionen klar. Wer würde diese Frage denn mit nein beantworten wollen?
Diese Umgehungen sind halt nötig, schlicht und ergreifend.
Wenn nun aber zuständige Beamte in Bund oder Land den Eindruck gewinnen, dass seitens der Stadt und seiner Bewohner die grundsätzliche Bereitschaft besteht, diese Baumaßnahmen auch im Alleingang schultern zu wollen und zu können, wie sollen die denn dann vor ihren Vorgesetzten und letztlich auch den Medien und dem Steuerzahler rechtfertigen, dass sie diese Bereitschaft nicht genutzt und sozusagen umsonst Steuergeld des Landes oder des Bundes ausgegeben haben?
Woher eine Stadt wie Winsen mit seinen 33.000 Einwohnern mal eben 16 Millionen Euro nehmen sollte, falls das wirklich eintreten sollte, ist noch ne ganz andere Frage. Vermutlich müsste dann schlicht auf den Ausbau verzichtet werden.
So eine Umfrage ist ja an sich und trotz der extrem schwachen Beteiligung keine schlechte Idee. Aber Fragen, auf die jeder vernünftige Mensch sowieso nur mit ja antworten kann, sofern er nicht völlig ahnungslos ist, bringens ja nun nicht. Wenn sich daraus allerdings dann womöglich noch für die Stadt extrem schädliche Folgen entwickeln könnten, dann muss man wohl konstatieren, dass man bei Ausarbeitung der Umfrage ein klein bisschen kurzsichtig gedacht hat.
Sind Frauen “politikverdrossener”?
Zugegeben eine steile These, die zudem nicht gerade durch politische Korrektheit glänzt.
Aber wie ich gerade mit Blick auf den gerade erst gestarteten Blogoscoop-Dienst festgestellt habe, verwenden von Frauen gemachte Blogs den Tag “Politik” gerade sieben Mal, während “männliche Blogs” auf 73, also gut das Zehnfache kommen. Natürlich sind dort auch gut fünf mal mehr Männer registriert, als Frauen und repräsentativ muss das auch nicht sein, zumal über ein Drittel der Nutzer gar kein Geschlecht angegeben haben.
Aber auch, wenn ich mir meine Kommentatoren so ansehe, sind das (soweit das eindeutig feststellbar ist) in der überwiegenden Mehrzahl Männer, auf anderen Blogs mit einem Schwerpunkt Politik sieht das ähnlich aus.
JuLi-Kongresse sind ebenfalls klar männlich dominiert, auch wenn der Frauenanteil dort deutlich größer ist, als es die Eindrücke aus dem Internet befürchten ließen. Unter den regelmäßigen Besuchern der Versammlungen meines FDP-Ortsverbandes findet sich im Augenblick nicht eine einzige Frau. Liegt an der Partei? Vielleicht. Bei der Winsener SPD sitzen aber im Vorstand auch nur drei Frauen – neben zwölf Männern! Bei der CDU sieht das Verhältnis auch nur leicht besser aus.
Und wenn ich mir mein privates Umfeld ansehe, dann laufen auch dort politische Diskussionen fast nur unter männlicher Beteiligung ab.
Dabei ist es nach meiner Erfahrung überhaupt nicht so, dass den Mädels Politik völlig egal wäre oder sie sich gar nicht dafür interessieren. Im Gegenteil: Wenn solche Unterhaltungen mal unter weiblicher Beteiligung stattfinden, kann man wirklich Überraschungen erleben und sich wundern, warum diese oder jene Dame sonst kein Wort über bestimmte Themen verliert, wo sie doch offensichtlich großes Interesse daran hat und auch weiß, wovon sie redet, sich vielleicht sogar richtig reinsteigern kann.
Warum ist das so? Ist es eine Art Hang dazu, Konflikten aus dem Weg zu gehen? Oder sind viele Frauen im Gegensatz zu Männern einach clever genug um zu merken, dass viel Palaver und Diskussion an sich überhaupt nichts verbessern kann?
JuLis: IHK-Mitgliedschaft darf nicht länger obligatorisch sein!
Das Problem habe ich hier schonmal angesprochen: Die für meinen Landkreis zuständige Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg hat ein kleines bisschen über ihre Verältnisse gelebt und schwuppdiwupp 12,6 Millionen Euro zu wenig im Budget. Das liegt an der Höhe der Pensionen, die sie ihren Mitarbeitern versprochen hat.
Nicht dass ich den Mitarbeitern eine tolle Pension nicht gönnen würde, aber natürlich muss sich so etwas immer noch insgesamt rechnen. Und wenn ein Verein, aus dem eh niemand austreten darf, es nicht gebacken kriegt, finanziell über die Runden zu kommen, dann ist da eindeutig etwas oberfaul.
Gerade für junge Menschen, die den Wunsch haben, ein eigenes kleines Unternehmen zu gründen, ist die Pflicht der Kammermitgliedschaft oft ein völlig überflüssiges Ärgernis, das nur Zeit und Geld kostet, aber keinerlei Mehrwert für die Gründer bringt. Wenn dort dann noch dermaßen mit Geld um sich geworfen wird, ist der Skandal perfekt.
Wir JuLis Harburg-Land haben daher eine Pressemitteilung herausgegeben:
Der IHK Lüneburg-Wolfsburg fehlen 12,6 Millionen Euro, weil sie nicht genügend Rücklagen für Pensionsansprüche gebildet hat. Pensionsansprüche, die die Kammer selbst durch beamtenähnliche Maßstäbe bei der Bezahlung ihrer Mitarbeiter verursacht hatte.
„Wer als junger Unternehmer in unserem Landkreis ein Unternehmen, und sei es auch noch so klein, gründen will, der ist womöglich gezwungen, ausgerechnet dieser Kammer beizutreten, von der jeder weiß, wie sie mit dem Geld ihrer Beitragszahler umgeht. Das ist nicht nur unmoralisch, es kostet neben der Zeit und den Nerven der Betroffenen auch wirtschaftliche Prosperität und womöglich Arbeitsplätze,“ sagt dazu Jan Filter, Vorsitzender der Jungen Liberalen im Landkreis Harburg.
„Mal abgesehen davon, dass der Zwang für Selbständige und sogar kleinste Unternehmen, einer bestimmten Kammer beizutreten, die dadurch ein zum Missbrauch einladendes Monopol besitzt, aus unserer Sicht nichts als ein Überbleibsel aus Zeiten der Diktatur ist und ohnehin dringend abgeschafft gehört, kann man keinem freien Unternehmer zumuten, gegen seinen ausdrücklichen Willen in einer Kammer zu verbleiben, die so schlecht mit dem Geld ihrer Mitglieder umgeht, wie die IHK Lüneburg/Wolfsburg,“ findet auch Isabel Maria Lichtnau, stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbandes.
Die Pressemitteilung gibts hier nochmal als PDF.
Geschichte der “Roten Flora”
Ein ganz besonderes Stück Hamburger Heimatkunde bringt uns MMsSenf näher: Die der berühmt-berüchtigten “Roten Flora” im Schanzenviertel.
Ich bin in diesem “autonomen besetzten Kulturzentrum”, wie es sich nennt, erst ein einziges Mal zu Gast gewesen. Sehr ungeplant und unter sehr starkem Einfluss diverser Flüssigdrogen, aber der Eindruck war nachhaltig. Eigentlich erinnere ich mich nur an zwei Räume: Der eine war eine Art rappelvolle Bar mit elektronischer Musik, die meinem Begleiter und mir nicht besonders gefallen hat. Also sind wir n bisschen rumgelaufen und fanden irgendwann (ich glaube ein Stockwerk höher) einen anderen Raum, der im Grunde genommen aussah, wie ein gewöhnlicher Wohnraum, so von der Größe her. Natürlich gabs keine Tapeten oder sowas und es standen nur ein Tisch und zwei Stühle darin. Auf der anderen Seite des Raumes jedoch stand – ne Rockband! Stand da einfach so im Raum und spielte ordentlichen Punkrock, davor standen wiederum maximal 10 aufgedreht feiernde Headbanger. Das Ganze hatte also auf alle Fälle was ziemlich Uriges.
Das die “Rote Flora” ein besetztes Gebäude ist, war so ziemlich das einzige, was wir damals davon wussten. So genau hatten wir uns damit halt nie auseinander gesetzt.
Das der Name von einem 1794 vom Stapel gelaufenen Walfänger herrührt, das im 19. Jahrhundert zu einem Tanzlokal in Hamburg-Steinwerder umgebaut wurde, konnten wir natürlich nicht ahnen.
Sehr interessante Geschichte, die einen irgendwie neugierig macht, woher wohl viele andere Orts- und Gebäudenamen stammen mögen, die man wie selbstverständlich benutzt, ohne sie jemals genauer hinterfragt zu haben.
Hier gehts zum 1. Teil (Geschichte des Schiffs bis 1888) und hier zum 2. Teil (Bau des ersten Theaters an der heutigen Stelle bis heute).
Ironie der Geschichte
Der Vizepräsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei Amerikas, Joe Biden, hatte sich offenbar vor vier Jahren dafür ausgesprochen, dass der derzeitige Präsidentschaftskandidat der Republikaner, John McCain, bei den letzten Wahlen für John Kerry den Vizepräsidentschaftskandidaten hätte machen sollen.
Ich wette ne Kiste bier darauf, dass derartiges Überschreiten von Parteigrenzen hierzulande mit nem Ausschlussverfahren oder wenigstens der Androhung eines solchen “geahndet” würde.
Das das in Amerika niemanden aufregt können wir wohl als weiteres Indiz dafür nehmen, wie sinnlos diese “demokraten=gut / republikaner=böse”-Einteilung in Wirklichkeit ist, die man zwischen den Zeilen fast überall lesen kann.