Jenseits aller Ideologie kann man wohl feststellen, dass die Hauptschule, so abgedroschen die Wendung auch klingt, “abgewirtschaftet” hat.
Ob zurecht oder zu unrecht ist eine überflüssige Streitfrage, wenn halt einfach kein Mensch mehr (und am Wenigsten Abgeordnete, die für den Erhalt der Hauptschule eintreten!) seine eigenen Kinder dorthin schicken will.
Trotzdem sei hier kurz angemerkt, dass es natürlich (in Niedersachsen) durchaus möglich war und ist, mit Hauptschulabschluss und ohne Abitur ein Studium zu beginnen. Das setzt einiges an Eigenleistung und Engagement voraus aber es geht und ging immer, vieles von dem überall geäußerten Gejammer ist daher offensichtlich übertrieben. Ich sage dass nicht einfach so, sondern vor dem Hintergrund, eine solche Biographie in der eigenen Familie zu haben und ich selber studiere auch ohne Abitur. Das ist nach meiner Erahrung überhaupt nichts Besonderes, auch wenn gerne so getan wird, sondern in etlichen Studiengängen völlig normale Praxis.
Aber als Anhänger der Marktwirtschaft muss man es irgendwann einfach zur Kenntnis nehmen und entsprechende Konsequenzen ziehen, wenn Produkte am Markt versagen. Und das Produkt Hauptschule tut dass schon seit vielen Jahren und mit zunehmender Tendenz. Da es sich um ein staatlicherseits angebotenes Produkt handelt, wurde, wie üblich bei staatlichen Angeboten, nur halbherzig und unzureichend reagiert und der Trend setzte sich, auch dass scheint sehr typisch bei staatlichen “Angeboten” fort.
Inzwischen hat die Hauptschule so gut wie keine überzeugten Anhänger mehr. Wer die Hauptschule erhalten will, seine Kinder aber woanders hinschickt, dessen Ansichten in dieser Frage möchte ich ehrlichgesagt weder besonders Ernst nehmen noch weiter kommentieren aber nach meinem Eindruck macht genau dass inzwischen den typischen Fan dieser Schulform aus. Wer selber betroffen ist, sieht die Sache in erdrückender Mehrheit völlig anders.
Die Frage ist: Was kann die Lösung sein? “Eine Schule für alle“, wie oft gefordert wird? Vielleicht.
Oder erstmal Hauptschulen schließen, die keiner mehr will? Ergebnis davon wäre wohl, dass erst die Realschulen erhöhten Zulauf bekommen dürften – aber dort, wo Haupt- und Realschule bereits zusammengelegt sind, erleben wir, dass diese Misch-Schulen zugunsten der Gymnasien an Kundschaft verliert. Das selbe Spiel also, nur eine Ebene verschoben.
Warum ist das so? Na weil Eltern sich von Gymnasien die beste Bildungsqualität erhoffen. Ob dass immer so angebracht ist, kann ich nicht beurteilen. Nach meiner persönlichen Erfahrung als Realschüler, der einige Abiturienten kennt, ist dass ganz sicher nicht automatisch so aber ich will dass auch nicht verallgemeinern. Tendenziell kann man wohl davon ausgehen, dass einem ein Abitur mehr Bildung bringt, als andere Abschlüsse, auch wenn man dadurch mehr Zeit als (meiner unbedeutenden Meinung nach) nötig auf der Schule vergeudet.
Im derzeitigen maßgeblich staatlich organisierten Schulsystem werden wir über kurz oder lang wohl überall stramm in Richtung Gesamtschule gehen müssen, und wenns nur in der Form ist, dass einfach das Gymnasium dazu wird, weil alle anderen Schulen aus nachvollziehbaren Gründen gemieden werden.
Dass man Eltern und Schüler nicht dazu zwingen sollte, eine bestimmte Schule zu besuchen, versteht sich hoffentlich von selbst.
Die Frage, der wir alle und insbesondere die politisch engagierten Menschen unter uns, uns endlich stellen sollten, geht über diese längst vom Markt getroffene Entscheidung hinaus.
Sie lautet:
Muss Schule unbedingt vom Gebäudelayout über die Ausbildung der Lehrer bis hin zur letzten Büroklammer durch Landesbürokraten vorbestimmt sein?
Oder wäre es angesichts der offensichtlichen Fehlentwicklungen der planwirtschaftlich organisierten Staatsschule, wie ich sie mal provozierend nennen will, nicht doch an der Zeit, kreativer zu denken und mutigere Visionen Wirklichkeit werden zu lassen?
Mit der Flucht weg von Haupt- und Realschule, die wohl nicht nur in meinem Land, sondern in der ganzen Bundesrepublik spürbar stattfindet, ist bewiesen, dass Eltern die Bildung ihrer Kinder alles andere als egal ist und sie im Zweifel die bessere Alternative wählen. Warum also lassen wir nicht zu, dass sie noch bessere Alternativen bekommen können, als sie staatliche Gymnasien bieten?
Konkret ausgedrückt: Mit welchem Recht wird der Besuch einer staatlichen Schule anders gefördert, als der einer privat betriebenen Schule? Wer den Bürger für mündig hält, der sollte ihm die Souveränität zugestehen, so wichtige Fragen wie Art, Umfang und Qualität der Schulbildung jedenfalls im Detail selbst zu entscheiden.
Das würde nicht nur zu mehr Qualität in der Bildung, mehr Auswahl für Schüler, Eltern und natürlich auch arbeitssuchende Lehrer führen, sondern langfristig wohl auch Kosten sparen, weil endlich die Ideologie aus den Schulen verbannt würde und nicht länger Mehrheiten Entscheidungen treffen würden, die für viel Geld am eigentlichen Bedarf vorbei in Bildung investieren.
Den Wettbewerb der Schulformen gibt es längst und die Hauptschulen werden von ihm bereits aussortiert.
Lassen wir uns endlich ehrlich auf dieses Spiel ein! Lassen wir die Betroffenen entscheiden, was gut für sie ist, statt es ihnen weiterhin (zumal mit der politik-typischen Überheblichkeit und dem klammheimlichen Gedanken im Hinterkopf, dass wir als politische Akteure ja sowieso am längeren Hebel sitzen und notfalls auch gegen den Willen der Menschen entscheiden könnten) von oben herab zu erklären.
Es ist Zeit für Neues in der Schulbildung. Zeit für einen ehrlichen Markt der Ideen und Konzepte.