Die Linke erklärt die Welt. Heute: Finanzkrisen
Posted on | September 4, 2008 | 18 Comments
Was Herbert Schui, der für die Kommunisten und irgendwo auch für meinen Wahlkreis im Bundestag sitzt, “vergisst” zu erwähnen ist natürlich, dass das teuerste an der jüngsten Finanzkrise (der mit den Immobilien und so) die Aktivitäten verstaatlichter Banken gewesen ist. Die freienbei uns nur mäßig gefesselten privaten Banken hingegen fielen angenehm durch allenfalls vergleichsweise kleine Verluste auf, die – surprise! – auch nicht der Steuerzahler aufbringen musste.
Nach dem Wirtschaftsverständnis der SED gibts mit der Bankenfusion einfach eine Bank weniger und damit sowas wie Narrenfreiheit für die verbliebenen:
Generell gilt: Nationale Champions kommen die heimischen Verbraucher teuer zu stehen. Von den erhofften Gewinnen auf den Weltmärkten sehen weder Kunden noch Beschäftigte etwas.
Sofern die neue Bank ihren Kunden die eigenen Aktien verweigert, mag da was dran sein. Aber wenn das Geld dermaßen auf der Straße liegt, dass Banken uns regelrecht aussaugen könnten, dann sollten doch all diese gebeutelten Kunden und Beschäftigten ein eigenes Geldinstitut aufmachen.
Oder sie lassen den Markt Markt sein, denn der hört natürlich nicht an den Landesgrenzen auf (unter anderem, weil Kommunisten hier noch nichts zu sagen haben), sondern lässt auch ausländische Banken mitmachen, die der neuen Bank selbst dann ihre gemutmaßte Abzocke sehr vermiesen würde, wenn sie die einzige Bank Deutschlands wäre.
Comments
18 Responses to “Die Linke erklärt die Welt. Heute: Finanzkrisen”
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September 4th, 2008 @ 08:53
Das ist eine Sache die nie verstehe. Alle regen sich über die riesigen Konzerngewinne auf von denen die Verbraucher nichts sehen. Warum kauft sich keiner Aktien?
September 4th, 2008 @ 09:35
Beispiel aus der Praxis:
Ich bin Versicherungsvertreter. Biete ich ein Produkt mit guter Rendite des Unternehmens A an, sagt der Kunde mir, der Versicherer verhielte sich unsozial, da er vor kurzem eine große Anzahl Mitarbeiter entlassen habe. Er möchte dieses Produkt nicht nehmen.
So weit so gut!
Ich biete Unternehmen Z an, weil es seit Jahren keine Mitarbeiter entlassen hat und für seine vorbildliche, arbeitnehmerfreundliche Personalpolitik bekannt ist, ist dem Kunden die Rendite zu gering.
Fazit: Sozial müssen immer nur die Anderen sein!
September 4th, 2008 @ 11:05
Jo. Aber erklärt dass bitte mal dem Doktor Schui.
Er ist sogar Professor-Doktor, wie ich inzwischen gesehen hab, hatte ich oben aber nicht aus Respektlosigkeit unterschlagen, sondern weil die Quelle (also die Die-Linke-Pressemitteilung) davon auch nix gesagt hat. Das nur am Rande.
Der Wahlspruch über seiner Website lautet “Der Sozialstaat war und ist finanzierbar.” – gut gebrüllt, Löwe… wenn man Banken dass gewinnmachen austreibt und das konsequent bei allen Unternehmen durchzieht, dürfte dass die Finanzierung nicht grade erleichtern aber solche Sachen haben Sozialisten ja noch nie interessiert.
September 4th, 2008 @ 13:45
“dass das teuerste an der jüngsten Finanzkrise (der mit den Immobilien und so) die Aktivitäten verstaatlichter Banken gewesen ist. Die freienbei uns nur mäßig gefesselten privaten Banken hingegen fielen angenehm durch allenfalls vergleichsweise kleine Verluste auf”
Ich wuerde Dich bitten wollen, diese These zu belegen. Soweit mir bekannt, gab es bei dem was Du als “Staatliche Banken” bezeichnest, zwar staatliche Beteiligungen, diese waren aber vergleichsweise unbedeutend. Richtig ist allerdings, dass der Staat diese (eigentlich privaten) Banken “gerettet” hat.
September 4th, 2008 @ 14:13
Hm, Landesbanken sind schon ziemlich staatlich und was die IKB angeht: Größter Anteilseigner war die KfW und die ist staatlich weil öffentlich-Rechtlich.
Die 10 Milliarden Steuergeld, die zur IKB-Rettung ausgegeben wurden, waren zu 100% staatlich.
Nach meinem Verständnis ist sogar VW staatlich. Ein Staatsunternehmen wird nicht erst mit 100% zu einem, sondern ab dem Moment, ab dem der Staat mehr Einfluss auf dieses Unternehmen ausüben kann, als auf andere, vor allem Wettbewerber.
Und eine Finazspritze von sage und schreibe 10 Milliarden Euro ist nicht nur eine Ungeheuerlichkeit im Umgang mit Steuergeld, sondern eindeutig eine massive Einflussnahme auf ein einzelnes Unternehmen.
September 5th, 2008 @ 00:52
Das lustige ist ja, dass da dauernd staatliches Geld verpulvert wird um private Gewinne zu retten. Und je mehr Scheisse die Privateigentuemerbauen ums so mehr staeigt die staatliche “Beteiligung”. Wenn am Ende das Kind komplett in den Brunnen gefallen ist, heisst es dann: da kann man mal wieder sehen, dass der Staat von Wirtschaft keinen Plan hat, und die “Privaten”, die ihre Verluste der Allgemeinheit aufgebuerdet haben stehen prima da.
Nicht, dass wir uns hier falsch verstehen – von mir aus haette man diese Bank zusammenbrechen lassen koennen und jede andere auch – ich nehme freilich an, dass die von Dir so gelobten Privatbanken dann nicht laenger durch “erfreulich kleine Verluste” auffallen wuerden.
Siehe auch (klick!)
September 5th, 2008 @ 01:10
Tja aber das ist wie die Frage mit der Henne und dem Ei: Solange Banken davon ausgehen können, dass Vater Staat beknackt genug ist (beziehungsweise der Wähler ständig solche Experten wählt) Milliarden zu versenken, werden Banker risikofreudiger Handeln, als sie es sonst tun würden.
Ursache für solche Verschwendung ist also mangelnde liberale Politik, das liegt auf der Hand. Denn es sind nicht die privaten Unternehmen, die ihre Kosten irgendwem “aufbürden”. Wie könnten sie auch, wie sollten sie irgendwen zwingen? Es ist die Politik, die sich dieser Probleme annimmt.
Ein besseres Argument dafür, dass die Steuern viel zu hoch sind, gibt es nicht. Wer selbstherrlich so leichtfertig mit Geld umgeht, dass ihm nicht gehört, dem gibt man zuviel davon.
September 5th, 2008 @ 01:44
Du solltest Dir evtl. mal abgewoehnen in solchen Faellen von “Ursachen” zu reden. Ursachen gehoeren ins Reich der Naturzusammenhaenge,die nur sehr begrenzt in gesellschaftlich/politische Zusammenhaenge hineinspielen. Vor allem aber solltest Du nicht immer mit dem Fragen (nach Gruenden) dort aufhoeren, wo das Wort “Staat” wird . Den Du dann automatisch als “Wurzel allen Uebels” dingfest gemacht haben zu glaubst, weil Du ihm im Grunde genommen diese Rolle von vornherein zugeschriebn hast.
Also fragen wir nochmal: die Privatleute (hier Banken) schieben ihre Verluste auf den Staat (ein Zusammenschluss von Privatpersonen) ab.
Warum tun sie das?
“Weil sie es koennen” – bzw. weil sie davon ausgehen koennen, dass der Staat sich diese Lasten aufbuerden laesst.
Fuer Dich ist dann Schluss. Man muesste jetzt aber fragen: warum koennen die das? Warum sagt “Vater” Staat (eine bloedsinnige Bezeichnung schlisslich kann man nicht selbst – auch nicht partikular – sein eigener Vater sein – und waer waere dann die Mutter?)
Die Banken haben Gruende ihre Verluste “nach aussen” abzuwaelzen – der Staat wird Gruende haben, warum er das zulaesst. Einer dieser Gruende koennte z.B. sein, dass so eine Bankpleite Folgen fuer andere Bereiche hat, fuer die Banken sich nicht zustaendig fuehlen – fuer die der Staat aber fuer zustaendig angesehen wird. Das faengt u.U. beim drohenden Verlust von Arbeitsplaetzen. Die haette dann die Bank “verursacht” – aber die Problembewaeltigung waere ihre Sache nicht (wie auch: ist sie komplett pleite, dann existiert sie ja nicht mehr), dafuer ist der Staat dann “verantwortlich.
Ich will das hier nicht zu Ende analysieren, dafuer reicht der Platz nicht.
September 5th, 2008 @ 12:06
Mit gewissen Begrifflichkeiten bist du ja noch pingeliger als ich.
Es ist sicher so, dass ich mit dem Begriff Staat zu salopp umgehe. In diesem Fall wäre es vielleicht angebrachter, von Staatsmacht, Regierung oder so zu reden.
Natürlich ist mir klar, welche Gründe Politiker treiben, Geld aus dem Fenster zu werfen. Es ist im Prinzip Machtgeilheit, die sie dazu treibt. Völlig menschliche Beweggründe also, nichts, was nicht nachvollziehbar wäre.
Letzten Endes läuft es darauf hinaus, dass die Wähler genau dass von der Politik verlangen. Sie wollen, dass der Staat Arbeitsplätze schafft und sichert und nicht etwa die Wirtschaft. Und sie bilden sich ein, bekommen es von der Politik aber auch so vorgespielt, als wäre dass auch wirklich so, als würde die Politik Arbeit schaffen und für Wohlstand sorgen können.
Der durchschnittliche Wähler hat bei uns nunmal ein sozialistisch angehauchtes Wirtschaftsverständnis. Er will, dass seine Probleme vom Staat gelöst werden (darum schreibe ich auch öfter mal “Vater Staat”, was natürlich nie biologisch, sondern im paternalistischen Sinn gemeint ist) und zwar alle und da das nicht geht, ohne verschiedene Einzelinteressen zu verletzen und damit neue Probleme zu verursachen, muss der Staat einfach immer irgendwo versagen.
Also entstehen neue Probleme und es entsteht eine Spirale, in der mit der Lösung des einen Problems neue geschaffen werden und weil schätzungsweise 60-80 Prozent der Leute sich darüber keine Gedanken machen oder es einfach nicht erkennen können, geht das immer so weiter.
Das jedenfalls ist meines Erachtens der Grund für viele ziemlich bescheuerte Polit-Irrungen und selbst wenn du politische Einmischung in private Belange nicht als Anfangspunkt von alledem sehen möchtest, so wird auch dir sicherlich so manches gehörig auf die Eier gehen, dass letztlich darin begründet ist, dass eine Mehrheit es grade so haben möchte (was sich aber, wie wir wissen, zwei Wochen später auch ins Gegenteil verkehrt haben kann) und bei dem die Politik nur zu gerne den Volkstribun raushängen lässt.
Und die einzige Möglichkeit, so etwas wenigstens ein bisschen zu beschränken, bestünde meiner Meinung nach, jedenfalls wenn man nicht grade ein Verfechter völliger Anarchie ist, in konsequenter Beschneidung staatlicher Macht und dass ginge zum Beispiel wunderbar, wenn man möglichst viele Kompetenzen und Macht auf möglichst weit unten liegende Ebenen verlagern würde.
Hätten Beispielsweise allein Kommunen das Recht, Steuern in der ihnen nötig erscheinenden Höhe zu erheben und auszugeben, so würde ja eine gigantische Summe wie 10 Milliarden Euro niemals nur durch das Wirken einer einzigen Regierung zusammen kommen können und bis auf in einer einzigen oder ein paar wenigen Kommunen wären auch keine Arbeitsplätze in Gefahr. Entsprechend hoch wäre die Hemmschwelle, eine solche Summe aufzubringen. Und schon müssten schlechte Unternehmer wieder auf dem Markt nach Hilfe suchen, weil der Staat gar nicht mehr die Möglichkeit und ohnehin kaum ein Interesse hätte, sich ihrer Interessen anzunehmen.
Natürlich die pure Illusion aber irgendwo dass, was ich im Hinterkopf habe, wenn ich auf “den Staat” schimpfe. Es hängt dann also schon ein bisschen mehr dahinter, als liberale Reflexe, nur kann ich dieses ganze Zeugs ja nun nicht in jeden zweiten Artikel würgen. Zumal es mir vielfach auch erstmal darum geht, Probleme erstmal als solche darzustellen.
September 5th, 2008 @ 12:35
Gegen Deine Aversion gegen eine (zunehmende?) Zentralisierung von Macht habe ich keine Einwaende, die teile ich prinzipiell sogar. – Der Punkt ist allerdings, dass Macht eben keine rein politische, sondern (zunehmend!) eine oekonomische Frage ist. Ausgesprochene Machtmensschen, wie ein gewisser Schroeder, Clement oder auch andere, haben das laengst begriffen und sich entsprechend orientiert (z.T. nicht erst nach ihrem Ausscheiden aus der “aktiven” politischen Taetigkeit.
September 5th, 2008 @ 19:28
Tja, nach meinem Eindruck zieht das eine oft das andere nach sich. Beides beeinflusst sich doch gegenseitig.
September 5th, 2008 @ 23:28
Es ist schlimmer: es durchdringt sich. Und deshalb kann von einer Demokratie nicht die Rede sein, wo wesentliche(Macht-)Bereiche von (je)der demokratischen Kontrolle ausgeschlossen bleiben.
September 6th, 2008 @ 09:02
Rogerlein, mit deinem letzten Posting hast du dich entlarvt. Na in welcher Partei ist es denn so üblich zu behaupten, dass “von einer Demokratie nicht die Rede sein, wo wesentliche(Macht-)Bereiche von (je)der demokratischen Kontrolle ausgeschlossen bleiben.”? Soll ich sie nennen?
September 6th, 2008 @ 12:40
Ja, allerdings. Selbstverständlich dürfen private belange nicht unter “demokratische Kontrolle” (=Kontrolle einer wie auch immer legitimierten Regierung!) gestellt werden. Das ist ein Tabu, jedenfalls für mich. Was ich tu und lass, das geht Frau Merkel (oder Herrn Lafontaine) einen feuchten Kericht an.
September 7th, 2008 @ 19:58
“Rogerlein, mit deinem letzten Posting hast du dich entlarvt.”
Ich wuesste nicht, dass ich mich je “getarnt” haette – da gibt es also auch nichts zu “entlarven. Und was die Partei angeht: ist mir wurscht. Ich interessiere mich nicht fuer Parteipolitik. Insofern sind Uebereinstimmungen immer rein zufaelliger Natur.
@ Jan
Das rein “Private” hoert spaetestens da auf, wo die existenziellen Interessen eines (oder aller) anderen beginnen. Wenn Du das nicht zur Kenntnis nimmst, dann gaebe es gar keine Privatheit. Weil dann die (unantastbaren) Privatinteressen des einen stets die ebenso unantasbaren von anderen (weil sie DIE antasten) negieren wuerden und die Unantastbarkeit damit aufgehoben waere.
Und ebensowenig wie (tatsaechlich) “private Belange nicht unter oeffentliche Kontrolle” gehoeren, gehoeren (tatsaechlich) oeffentliche Belange unter private Kontrolle.
September 7th, 2008 @ 20:07
Es ist nur leider alles andere als einfach, zu definieren wo da die Grenzen sein sollen. Wir erleben doch ständig, wie privateste Dinge plötzlich zu öffentlichen Belangen erklärt werden, nur damit irgendein profilierungssüchtiger Politiker sich noch mehr Macht aneignen kann. Die Schmerzgrenzen sind da für mich längst überschritten.
September 8th, 2008 @ 10:32
Dass es nicht einfach ist, ist noch kein Grund es sich einfach zu machen.
September 8th, 2008 @ 10:45
Sicher. Aber wenn du sowas schreibst scheints mir immer so, als würdest du das ausweiten und nicht einschränken wollen. Das sehe ich anders.