Sep 05 2008

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Staatsreligionen

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Die Bayerischen Grünen haben da ein heißes Eisen angefasst: Die Kirche.

Ein heißes Eisen allerdings nur in Bayern, zumindest kann ich mir nicht vorstellen, dass bei uns hier oben so ein Zirkus möglich wäre:

Der Grünen-Vorschlag, die staatliche Bezahlung von Bischöfen zu streichen, stößt bei der CSU auf Entsetzen: Ministerpräsident Beckstein wähnt einen Angriff auf die christliche Leitkultur – Generalsekretärin Haderthauer unterstellt den Grünen Kirchenfeindlichkeit.

Also nochmal langsam: Die Grünen haben nicht etwa ein Verbot der katholischen Kirche gefordert (für dass mir durchaus Argumente einfielen, auch wenn ich davon nichts hielte), sondern im Grunde nur die Realisierung eines kleinen Teilaspekts eines säkularierten Staates angemahnt.

Statt vernünftige Argumente für die bisherige Praxis, Kirchenmitarbeiter aus Steuern zu bezahlen (Zeit-Online nennt 60 Millionen Euro pro Jahr) reagiert man allergisch, redet davon, dass die Grünen eine “Entchristianisierung” betreiben würden. Joa mei, bloß weil Kirchenmitglieder ihre Vereinsvorsitzenden selber bezahlen sollen? Der Laden wird doch damit nicht abgeschafft.

Wenn es “kirchenfeindlich” sein soll, Staat und private Vereine zu trennen, dann bin ich das wohl ebenfalls und in diesem Punkt zu 100 Prozent auf Seiten der Grünen. In einem gesunden, unverfilzten Land würde eine solche Verquickung von sektenartigen Freizeitaktivitäten und Staat für den Skandal sorgen und nicht die Forderung, damit aufzuräumen.

Die vernünftigen Bayern tun mir wirklich leid und ich hoffe, dass sie sich bei den nächsten Wahlen endlich mal durchsetzen können und die CSU vielleicht wirklich mal Pause machen und derartigen Polit-Ballast über Bord werfen kann.

10 Kommentare

10 Kommentare zu “Staatsreligionen”

  1. Christian S.am 5. September 2008 um 13:40 1

    Die Grünen scheinen die Wahl nicht gewinnen zu wollen. Anders kann ich mir solche Schwachsinnsaktionen nicht erklären.

    Inhaltlich gesehen haben sie recht, taktisch gesehen ist es Wahnsinn, dem politischen Gegner so eine Munition zu liefern. Die CSU wird Bayern wohl als Staatspartei erhalten bleiben.

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  2. Roger Beathackeram 5. September 2008 um 13:51 2

    Wenn das Volk drauf besteht, seine Schamanen ueber Steuern auszuhalten – was will man da machen?

    Man muss sich ja nicht ausgerechnet in einem Land voller religioeser Spinner niederlassen
    ;-)

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  3. Janam 5. September 2008 um 14:01 3

    Ach Christian, du darfst das nicht aus dem volksparteilichen Blickwinkel betrachten. Wenn 10-15 Prozent der Bayern das genauso sehen, haben die jetzt einen Grund die Grünen zu wählen, tun sie es, ist das Ding schon ein riesenerfolg Erfolg.

    Natürlich hab ich keine Ahnung, ob das wirklich so ist aber ich hoffe doch mal, dass da ne gewisse Taktik hintersteht.

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  4. Christian S.am 5. September 2008 um 14:10 4

    Du scheinst den Spitzenkandidaten der bayerischen Grünen nicht zu kennen: Sepp Daxenberger wirbt u.a. damit, dass er Sonntags in die Kirche geht (finde ich gut) – und er ist gar nicht begeistert über den Beschluss, Kruzifixe abzuhängen. Die Grünen wollten im Revier der CSU wildern, was ihnen auch gelingen könnte: die Grünen sind in Bayern eine eher bürgerliche, konservative Partei – mit Öko-Touch.

    Meine Güte, im Wahlwerbespot spricht sich Sepp Daxenberger gegen Gentechnik mit dem Argument aus, dass diese gegen das Leben und gegen die Schöpfung sei. Schizophrener gehts nicht mehr.

    Dieser Sepp Dürr gehört geschlagen. Ich bin mir sicher, dass die bayerischen Grünen mit diesem unsinnigen Vorstoß keinen Blumentopf gewinnen werden.

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  5. Janam 5. September 2008 um 14:16 5

    Na gut, alles zusammen dürfte das natürlich kaum Stimmen ziehen aber ob der Ansatz “CSU, nur halt grün” so geil ist, bezweifle ich mal.

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  6. dinenisoam 5. September 2008 um 14:26 6

    Naja, die Julis gehen da ja noch einen “kleinen” Schritt weiter und fordern sogar, das Monopol der Kirchen hinsichtlich Kirchensteuer (seit 1988) und Religionsunterricht (in Nds. gibt es bis Klasse vier keine Alternative, Atheistenkinder sitzen da eine Stunden im Treppenhaus) abzuschaffen. Von Letzterem weiß ich nur, dass es in Nds. beschlossen ist.

    Aber abgesehen davon, dass ich diesen Vorstoß natürlich für richtig halte, gebe ich doch Christian Recht, dass sie sich damit aus meiner Sicht zumindest in Bayern keinen Gefallen getan haben dürften – ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren in den nächsten Wochen, alles was die CSU verliert (OK, Antidemokraten rechts und links mal ausgenommen) ist mir lieb ;-)

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  7. Janam 5. September 2008 um 19:15 7

    Naja eben, insofern kann ich an den Grünen-Vorschlägen auch wenig entdecken, dass die ganze Aufregung wert wäre. Ich mein die Mehrzahl der Bayern kann doch nicht dermaßen bekloppt sein, dass sie sich an solchen selbstverständlichen Forderungen dermaßen stört.

    Naja aber wenn das wirklich so ist, dass die Wahlkampftaktik eine ganz andere war, dann ist das so natürlich sehr, sehr dämlich.

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  8. [...] Lachsfilet bezahlen muss. zeit – Kirchenpolitik: CSU warnt vor Entchristianisierung Bayerns / via jan [↩] « Penn Jillette über die Präsidentschaftswahlen This post was [...]

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