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Googles nächstes Großes Ding

Posted on | September 9, 2008 | 2 Comments

Mensch, was war die Welt die letzten Tage noch von den Socken, bloß weil Google seinen noch nichtmal ganz fertigen Browser gezeigt hat. Sogar Tagesschau und BSI sahen sich genötigt, ihren mehr oder weniger brauchbaren Senf zum Thema dazuzugeben (immerhin wissen jetzt wahrscheinlich erheblich mehr Menschen, was es mit einer “Beta-Version” auf sich hat). Es war ein Rummel, den es bei den ersten Realeases von Internet Explorer, Firefox oder Opera nicht im Ansatz gegeben hat.

Und doch: Gegen dass, was man heute, also nur Tage später, lesen kann, war der Google-Browser ungefähr so interessant wie wie der ständig umfallende Sack Reis in Chian: Google will sämtliche Tageszeitungen online Verfügbar machen.

Also alle weltweit und alle, die es je gab. Es geht nämlich um die Archive und das ganze wird volltextmäßig durchsuchbar sein, so dass der Dienst so arbeiten wird, wie die normale Internetsuche oder die News-Suche.

Wenn das kein Knaller ist, dann weiß ich auch nicht. Spannend dürfte sein, wie die Verlage darauf reagieren – aber ehrlichgesagt: Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern und wenn Google vielen kleineren Verlagen die enormen Investitionen abnimmt, die sie sonst aufwenden müssten, um all ihre Zeitungen online zu bringen, muss man das als Verleger ja vielleicht nicht nur scheiße finden.

Schwer zu sagen, wie lang es dauern wird, bis auch so kleine Zeitungen wie die in unserem Kreis dort auftauchen – die (Medien-)Welt ist schließlich groß und das Projekt derzeit wohl nur unwesentlich mehr als eine Ankündigung. Aber für die Recherche kleiner Blogger wie den der hier schreibt ist sowas natürlich absolut klasse und eröffnet ganz andere Möglichkeiten.

Unabhängig davon, wie aufgeschlossen Verlage dem Vorhaben gegenüberstehen, wird das wohl auch den kleinsten Käseblättchendruckern klar machen, dass die Tage von Offline-Only-Blättern gezählt sind. Mir kommt es ein bisschen vor, als würde Google nun kleinere Blätter sozusagen zum Jagen tragen. Denn gedruckte Tageszeitungen haben einerseits das Problem, dass ihnen die Abonennten wegsterben, wagen sich aber aus verschiedenen (durchaus nachvollziehbaren) Gründen noch nicht so recht daran, eine wirklich brauchbare Internetausgabe zu produzieren.

Doch nur das wird früher oder später (und es sieht nicht erst jetzt verdammt nach früher aus) das Überleben traditionsreicher Kleinverlage sichern helfen. Das Thema Lokalpresse und ihre Zukunftschancen habe ich ja vor ungefähr zwei Monaten schonmal etwas genauer aus meiner laienhaften Konsumentensicht zu analysieren versucht und dabei auch die Gründe genannt, die bisher vermutlich gegen eine leserfreundlichere Online-Strategie kleiner Verlage sprechen.

Ich glaube aber, bisherige “Offline-Verleger” sollten sich gut überlegen, wie sie auf Googles Projekt reagieren. Über kurz oder lang wird kein Weg daran vorbeiführen, Texte online verfügbar zu machen, wenn man will, dass sie noch jemand liest. Ein tolles eigenes Archiv stiehlt Google da vielleicht die Show und bindet bisherige Abonennten der Papierausgabe auch online ans eigene Haus, dass einem ja schon durch den regionalen Bezug von Haus aus sympathischer ist, als viele große Häuser.

Vor allem aber bringt ein offensiver Umgang mit den elektronischen Medien auch kleinsten Zeitungen eine ganz neue Leserschaft. Zum Beispiel die jüngeren Menschen im Verbreitungsgebiet, die angesichts der immer besser werdenden Onlineversorgung auch durch diverse lokale Quellen (damit meine ich nicht nur kleine Blogs wie dieses, dass aber immerhin auch seine derzeit fünfhundert Leser pro Tag anzieht, sondern vor allem direkte Quellen, seien es Sportvereine, Parteien oder jeder andere, der irgendwas bekanntmachen will) womöglich gar nicht auf die Idee kommen, sich eine Zeitung auf Papier für vergleichsweise viel Geld zu kaufen. Natürlich aber auch Menschen von anderswo, die – warum auch immer – sich für bestimmte Vorgänge vor Ort interessieren.

Von solcher Kundschaft werden die Zeitungen der Zukunft leben, obs ihnen gefällt oder nicht. Und dieses selbst für technikbegeisterte Leute wie mich derzeit trotz Googles Ruf wie Donnerhall irgendwie größenwahnsinnig anmutendes Projekt könnte diesen Prozess noch beschleunigen.

Comments

2 Responses to “Googles nächstes Großes Ding”

  1. Christian S.
    September 9th, 2008 @ 13:40

    Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern
    Das sehen Historiker ein wenig anders. :D

  2. Jan
    September 9th, 2008 @ 13:48

    Na okay, hast Recht: So Sachen wie Rom, der Mond oder T-Rex-Skelette bilden selbstverständlich eine Ausnahme…

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