“Eine Schule für alle”
Posted on | September 10, 2008 | No Comments
So nennt sich ein Verein, der sich jüngst in meinem Landkreis gegründet hat.
Mein Landkreis heißt Harburg, die Kreispolitik wird eigentlich seit ich denken kann von Union und FDP bestimmt (die Liberalen stellen übrigens sogar den Landrat) und im Land (der Landkreis Harburg liegt im Gegensatz zum gleichnamigen und angrenzenden Stadtteil Harburg nicht in Hamburg, sondern im Land Niedersachsen) regiert ebenfalls eine schwarz-gelbe Mehrheit.
Es ist kein Geheimnis, dass die Union sich den Erhalt des dreigliedrigen Schulsystems auf die Fahnen geschrieben hat und es ist ebenfalls kein Geheimnis, dass die FDP damit im Grunde auch kein Problem hat, auch wenn sie sich mehr Durchlässigkeit wünscht.
Als jemand, der ohne Abitur und nach einer Ehrenrunde in der achten Klasse (Realschule) trotzdem studiert, habe ich zwar immer son bisschen Probleme, diese angebliche existierende mangelnde Durchlässigkeit und Chancennachteile für Nicht-Gymnasiasten zu entdecken.
Aber soviel Freiheit wie möglich bei der Schulauswahl, dass ist so oder so etwas, dass ich unbedingt vertrete und wichtig finde.
Und wenn sich eine relevante Anzahl Menschen nun so “Eine Schule für alle” wünscht, warum sollte also ausgerechnet ich was dagegen haben, dass dieser Verein sie irgendwann gründet? Ich finde dass, ganz im Gegenteil, eine gute Idee.
Zwar müsste ich selbst erstmal so richtig erwachsen werden, bevor ich auf die Idee kommen würde, Kinder in die Welt zu setzen. Aber eines Tages wird sich vielleicht auch für mich dann die Frage stellen, was für eine Schule die besuchen sollen. Und da will ich schon ein bisschen mehr Auswahl haben, als die Vorgaben der Landesregierung im Moment und auch in der Vergangenheit (diese “Monokultur” gabs ja auch schon unter der SPD-geführten Regierung vor der derzeitgen) so vorsehen.
Ich will nämlich nicht bloß einmal in fünf Jahren per Wahlzettel entscheiden dürfen, wie lange meine Kinder die Grundschule besuchen sollen (abgesehen davon besteht die Gefahr, dass ich darin überstimmt werde…), sondern mir die Schule suchen können, die mir als die Beste erscheint.
Das ist liberale Schulpolitik im Kern, zumindest nach meinem Verständnis.
Der Verein allerdings, das sei auch gesagt, ist wohl mehr oder weniger die Initiative vor allem verschiedener SPD-Politiker. Und wenn mich nicht alles täuscht, dann verbirgt sich hinter deren Ansinnen, ein “Gesamtschulangebot” zu schaffen in Wirklichkeit immer noch nichts weiter als eine rein staatliche Initative, die im Endeffekt eben leider nicht eine Alternative schaffen, sondern das bestehende Schulsystem durch ein anderes ersetzen will. Davon halte ich selbstredend gar nichts.
Aber diesem Verein gebe ich natürlich trotzdem seine faire Chance und werd ihn mal im Auge behalten.
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