Filterblog

Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Der, die, das Blog und allgemeine Sprachverwirrung

Posted on | September 18, 2008 | 23 Comments

Es fällt auf, wie sehr die Frage, ob es der oder das Blog heißt, die (deutschsprachige) Menschheit spaltet. Nach meinem Eindruck sagen ungefähr so viele Leute der, wie das Blog sagen, weshalb Demokratie zur Ermittlung des korrekten Geschlechtes von Blogs wohl ausfällt.

Ich habe von Anfang an immer das Blog gesagt. Anfangs eigentlich nur, weil ich das wahrscheinlich öfter so gelesen habe, als andersrum.

Aber da das eben so eine ewige Streitfrage zu sein scheint, habe ich mir irgendwann mal eine brauchbare Begründung dafür aus den Rippen geleiert. Ich habs halt nicht so gerne, wenn ich mir selber nicht erklären kann, warum ich etwas so und nicht anders mache und dann such ich mir eben Erklärungen dafür.

Gegen den “männlichen” und für das “sächliche” Blog sprechen für mich vor allem zwei Punkte:

Blog kommt von Weblog, dass sich aus und Web Log zusammensetzt. Ein Blog ist also eine Art Logbuch. Nur kein Buch, sondern im Web. Und wie ein Log wird es mehr oder weniger regelmäßig geführt (wahrscheinlich nicht ganz so regelmäßig, wie man ein Logbuch führen sollte). Naja und es heißt nunmal einfach das Log, dass ist nunmal so.

Mein zweites Argument ist weniger hübsch hergeleitet und ziemliches Stochern im Nebel: Ich glaube, die Wendung der Blog ist überhaupt nur deswegen entstanden, weil Menschen mit weniger ausgeprägtem Sprachgefühl Blog gehört und Block gedacht haben. Der Block, wie n Schreibblock vielleicht, steht ja schließlich auch was drin… und weil diese Menschen zahlreich genug waren und nicht jeder die Frage nach dem der oder das so wichtig findet wie ich alter Erbsenzähler, hat sich das halt ausgebreitet. Aber da die Ableitung ziemlich absurd ist, spräche diese Entstehungstheorie (um mir eine bessere auszudenken habe ich bisher leider nicht die dazu nötige Langeweile gefunden) eindeutig für das Blog.

Vielleicht hat der eine odere Leser zu diesen wichtigen Fragen noch andere Theorien auf Lager, gerne auch welche, die für ein der sprechen, denn dafür ist mir bisher keine eingefallen. Und es wäre irgendwie traurig, wenn meine eigene sich am Ende als die tatsächlich Richtige Herausstellen sollte…

Im Sprachlichen Umgang mit Blogs gibt es noch ein weiteres Problem: Was ist eigentlich ein Blog?

Unstrittig ist, dass es sich dabei um eine Internetseite handelt. Ich glaube, das unterschreibt jeder. Aber viele, die mir erzählen, sie hätten ein Blog von mir gelesen, verursachen damit erstmal leichtes Stirnrunzeln, weil ich eigentlich nur eins habe, diese Person aber natürlich auch einen Artikel von mir an anderer Stelle gelesen haben könnte und deswegen das so sagt.

Mit dieser ersten Reaktion liege ich aber stets verkehrt, weil für manche Menschen ein Blog von mir auch ein einzelner Artikel von mir sein kann.

Ich hab keine vernünftige Erklärung parat, die dass als richtig falsch verurteilen könnte (meine obige mit dem Log spricht sogar eher dafür, dass das schon richtig so sein könnte), ich kriegs einfach nur nicht in meinen Kopf. Für mich besteht ein Blog halt nicht aus Blogs, sondern aus Artikeln.

Aber vielleicht lern ich das ja auch noch mal…

Comments

23 Responses to “Der, die, das Blog und allgemeine Sprachverwirrung”

  1. Kolia N. Ohmann
    September 18th, 2008 @ 22:16

    Das ist eins der Dinge über das ich ich mir noch nie Gedenken gemacht habe!
    Kann mich auch nicht erinnern das ich jemals ein Artikel vor dem Wort “Blog” benutzt habe.

    Ich schreibe ehr: “… so steht es jedenfall im Filterblog” oder “der Blogger Jan Filter schreibt fogendens …” oder “Jan Filter schreibt in seinen Blog, dass …”

  2. Jan
    September 18th, 2008 @ 22:19

    “Kann mich auch nicht erinnern das ich jemals ein Artikel vor dem Wort “Blog” benutzt habe.”

    Doch, hast du grade: “seinen Blog” = der Blog;)

  3. Kolia N. Ohmann
    September 18th, 2008 @ 22:45

    ups habe mich verschrieben meinte in seinem Blog = in dem Blog

  4. Jan
    September 18th, 2008 @ 22:53

    Und das ist auch wieder das gleiche… dem ist doch auch n Artikel.

  5. Kolia N. Ohmann
    September 18th, 2008 @ 22:55

    heißt es nicht auch er fuhr mit seinem Boot? = das Boot?

  6. Jan
    September 18th, 2008 @ 23:01

    Ja okay, dass schon aber auch dann ist es ja immer noch ein Artikel.

  7. Kolia N. Ohmann
    September 18th, 2008 @ 23:06

    ja dem ist ein Artikel aber kein bestimmter Artikel.
    Anders ich las es in der Zeitung (die Zeitung)
    ich las im dem Buch (das Buch)
    ich las es im dem Blog (das Blog)

    ich glaube es müsste vom Klang her also “das Blog” heißen!

  8. Christian S.
    September 18th, 2008 @ 23:30

    Da müssen wohl die Linguisten ran! In Deutschland ist man auch gespalten, ob man “die Mail” oder “das Mail” sagen soll, das ist wohl normal bei solcherlei neumodischem Zeugs! ;)

  9. Jan
    September 18th, 2008 @ 23:35

    Stimmt. Wobei meine Theorie zum “Das Mail” ist, dass da auch wieder wer an Email (also = Emaille) gedacht hat und sich das irgendwie verbreitet hat.

    Blöd ist nur, dass da auch ein Linguist ja wenig machen kann. Englische Begriffe haben halt normalerweise kein Geschlecht, jedenfalls kein lesbares.

    Analog zu die Post finde ich die Mail allerdigs sehr logisch und außerdem besser klingend. Mag aber auch wieder Geschmackssache sein…

  10. Christian S.
    September 18th, 2008 @ 23:52

    Linguisten wollen ja auch nichts machen im Sinne von ändern: Linguisten beobachten, analysieren und erklären.

    (Ich finde “die Mail” auch besser. Immer wenn ich “das Mail” höre bin ich leicht verwirrt.)

  11. nik
    September 19th, 2008 @ 01:07

    - ‘Seinem/ihrem Blog’ ist doch die perfekte Lösung, weil der Dativ sich für männliche und sächliche Wörter nicht unterscheidet. Genitiv benutzt doch eh’ niemand mehr! Leider klappt das Ganze bei ‘Email’ nicht. Frauen und Männder sind einfach zu unterschiedlich, selbst in der Deklination.
    - ‘Das Email’ erregt in mir auch stets Schaudern und das Gefühl, dass nur besonders hippe Leute jetzt ‘ein Email’ sagen.

  12. Freiheitsfreund
    September 19th, 2008 @ 01:31

    Mein Blog. Das Blog. Ist doch klar. War es schon immer, wird auch so bleiben. Warum schaust Du nicht ganz bloggerig auf der Wikipedia nach (äh, auf oder in?), die den Duden zitiert, in den man natürlich auch geschaut haben könnte ;-)

  13. Freiheitsfreund
    September 19th, 2008 @ 01:33

    À propos, Engländer, also echte, nicht so stöpsler wie uns, erkennt man durchaus daran, dass sie, wenn sie gebildet sind, das Genus von Substantiven wissen! Z.B. hat mir mal ein solcher erklärt, dass jemand, dessen Auto kaputt ist, der wirklich gebildet ist auch “she is broken” sagt! :-) :-P

  14. Jan
    September 19th, 2008 @ 01:38

    @ Freiheitsfreund

    Weil ich mich weigere, Duden oder Wikipedia als alles entscheidende besserwissende Instanzen einfach so hinzunehmen, ist doch wohl klar;)

  15. califax
    September 19th, 2008 @ 09:28

    Der Duden ist mit Unsinn wie “upgeloadet” auch keine ernstzunehmende Referenz mehr.

  16. Jan
    September 19th, 2008 @ 11:55

    Also ganz im Ernst vertrete ich ohnehin die Ansicht, dass sich “die korrekte Schreibweise” im Zweifel schon auch mal nach der geltenden Schreibkultur und nicht nach irgendwie historisch gewachsenen Rechtschreibautoritäten.

    Soll heißen: Es kommt nicht nur darauf an, was irgendwelche Professoren für richtig halten, sondern auch darauf, wie wirklich geschrieben wird.

  17. Christian
    September 19th, 2008 @ 12:38

    Ich glaube Du liegst mit Deiner zweiten Erklärung näher dran als Du denkst. “Der” Blog wird tatsächlich daher kommen, dass es der Flock, der Block, der Schock und der (Mister) Spock heißt. Wahrscheinlich gibt es also eine grammatikaliche Regel, die diese Endung mit dem maskulinen generus verknüpft (wierum auch immer). Das gilt aber erst dann, wenn das Wort eingedeutscht wurde. Solange es noch als Anglizismus verwendet wird, wird in der Regel das tatsächliche Geschlecht genutzt: also das blog, das mail, vielleicht früher auch mal das shock(?).
    Im übrigen hilft deklinieren: des blogs, dem blog, den blog, die blogs, der blogs, den blogs, die blogs verraten alle nicht das zu Grunde gelegte Geschlecht.
    P.S. Das ein gebildeter Engländer “she is broken” zu seinem Auto sagt halte ich für ein Gerücht, es sei denn er hatte eine äußerst innige Beziehung zu der “old lady”.

  18. nik
    September 19th, 2008 @ 13:31

    - “das Genus” von Substantiven??

    > Der Duden ist mit Unsinn wie “upgeloadet” auch keine
    > ernstzunehmende Referenz mehr.
    Fakt ist: Die zunehmende Verwendung solcher Wörter (siehe nachfolgend) schafft den Bedarf, eine Schreibweise zu standardisieren. Man darf davon ausgehen, dass Wörter wie upgeloaded, durch Bildungsvorschriften auf Grundlage der deutschen Grammatik entstehen (dass es im Deutschen trotzdem tausende Ausnahmen gibt, sei mal dahingestellt). So entsteht ein Wort, das vielleicht nicht schön ist – vielleicht aber auch nur ungewohnt -, aber dafür wenigstens einer Syntaxregel und nicht eine willkürlichen Entscheidung entspringt.

    > Soll heißen: Es kommt nicht nur darauf an, was irgendwelche
    > Professoren für richtig halten, sondern auch darauf, wie wirklich
    > geschrieben wird.
    Sowieso. So war der Duden wohl auch immer zu verstehen.

  19. califax
    September 19th, 2008 @ 15:02

    “upgeloadet” ist entstanden, indem man beim Duden die Bildungsvorschriften der ENGLISCHEN Grammatik aufs Deutsche zu übertragen versucht hat. Das konnte nur schiefgehen.

    Die Sprachgemeinschaft und nicht der Duden ist die Authorität in der deutschen Syntax.

    Und die Sprachgemeinschaft hat sich von Anfang an für “geuploadet” entschieden, weil nach den Bildungsprinzipien der deutschen Grammatik eingedeutschte Fremdwörter und Namen nicht nach ihren fremdsprachlichen Bestandteilen analysiert sondern en bloc als Morphem behandelt werden.
    Dies gilt insbesondere dann, wenn feststehende Begriffe wie Upload, Download, Upgrade, Treewalk, etc. eingedeutscht werden.

    Die Dudenreadaktion weiß das auch. Sie handelt wider eigenes, besseres Wissen und will der Sprachgemeinschaft ungrammatische Konstrukte aufdrängen.

    Du hast Dir ein feines Eigentor geschossen. Es ist tatsächlich der Duden, der in diesem Fall die Syntaxregeln mißachtet.

  20. scrutograph
    September 22nd, 2008 @ 18:06

    Eindeutig “das Blog” von “das Weblog”.

  21. califax
    September 23rd, 2008 @ 17:08

    Leute, ich habe einen Vorschlag:

    Wir wetten!

    Ich setze darauf, daß sich sowohl die sächliche als auch die männliche Variante durchsetzen und sich höchstens nach Region oder sozialem Status abscheiden.

    Stellt sich noch die Frage, um was man wetten könnte, und über welchen Zeitraum die Wette läuft.

    Wer hat Vorschläge? Wer wettet mit?

  22. Jan
    September 23rd, 2008 @ 17:55

    Ich wäre bereit aus reinstem Wunschdenken ne Kiste Bier drauf zu setzen (denn ich wette im Prinzip ausschließlich um Bierkisten…), dass sich das Blog binnen der nächsten 10 Jahre weitgehend durchsetzt.

    Nur: Wie misst man dass objektiv und fair?

  23. califax
    September 23rd, 2008 @ 18:30

    Die Messung erfolgt durch Auszählung in einem getaggten Korpus. Der dazu nötige Programmcode wird als Open Source zur Fairnesskontrolle veröffentlicht.
    ‘Ne Kiste Bier ist ein guter Einsatz. Zehn Jahre sind eine gute Zeitspanne. Aber wie schafft man es, die Sache nicht zwischendurch zu vergessen? :)

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