Sep 22 2008
Von gelb zu braun
Das ist doch mal ein wirklich geiles Zitat:
Na ja, von Gelb zu Braun ist es ja nicht wirklich weit.
Und auch
Es ist keine Unverschämtheit Euch mit den Extremisten “jeglicher Couleur”, in eine Ecke zu stellen. Denn genau dort gehört Ihr hin. Nicht weil ihr Nazis oder Linksextreme seitd. Nein das seid ihr nicht. Aber Eure Ideologie bestellt das Feld, dessen Boden deren Ideologien nährt.
Das erste ist eine dumme Frechheit und sonst gar nichts. Es lohnt sich nicht, solchem Unsinn übermäßig Beachtung zu schenken, denn wer sowas schreibt, der hat keine Ahnung.
Das zweite Zitat ist dafür geradezu entlarvend.
Die liberale Ideologie also “bestellt das Feld” (du meine Güte…) auf dem sich extremistische Ideologien bilden können.
Natürlich ist es nichts als dumme Krawallmacherei zu behaupten, Liberale gehörten in die selbe Ecke wie Nazis. Wer unter der Nazi-Diktatur liberal aufgetreten ist,der hat es genauso mit den staatlichsterroristischen Verbrechern in Uniform zu tun bekommen wie Sozialdemokraten, Kommunisten oder Homosexuelle und wen man sonst noch alles für undeutsch erklärt hat. Das ist eine Binsenweisheit, die eigentlich jeder aus dem Geschichtsunterricht hätte mitnehmen sollen.
Dem letzten Satz aber, dem stimme ich uneingeschränkt zu, denn es ist die Definition des Liberalismus, auch Meinungen andersdenkender zuzulassen.Es gibt viele politische Kräfte, die das nicht wollen. Die Parteien verbieten wollen, Denkverbote einführen und sogar bloße politische Symbole verbieten, weil sie denken, damit die Welt zu einem besseren Ort zu machen.
All dass lehnt der klassische Liberalismus ab. Der Liberalismus ist wahrscheinlich die einzige Ideologie, in der die Schaffung und Bewahrung andersdenkender Konkurrenz-Ideologien geduldet wird, ja sogar Teil der Ideologie ist.
Dass macht es einfach, gegen den Liberalismus zu kämpfen. Freiheitnehmende Ideologien dagegen verbieten einfach bestimmte Äußerungen und versuchen so die Meinungsführerschaft zu erringen oder zu behalten. Der Liberalismus ist da offener und ehrlicher und will sich mit Argumenten verteidigen, statt mit Verboten dass macht ihn für mich zur einzigen wirklich sympathischen politischen Weltanschauung. Alle anderen setzen normalerweise immer zumindest in einigen Punkten gleiche Sichtweisen aller Menschen voraus (beziehungsweise setzen sowas dann gewaltsam durch).
Was wären wir denn für Liberale, wenn wir die dummdreisten hirnlosen Sprüche extremer Linker und Rechter nicht ertragen und mit echten, liberalen Argumenten dagegen halten würden, sondern es den extremen Linken und Rechten gleichtun würden und sofort mit der Verbotskeule um uns schlagen würden, wenn irgendwer etwas sagt, dass uns nicht in den Kram passt?
Deutlicher, als mit dem Zitat oben, kann man gar nicht zeigen, dass man sich in Wahrheit eine Diktatur wünscht, in der nur “gute” (oder was immer die jeweilige Regierung dafür hält) Dinge gesagt werden dürfen.
“Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.”
Voltaire
“Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden. Nicht wegen des Fanatismus der »Gerechtigkeit«, sondern weil all das Belebende, Heilsame und Reinigende der politischen Freiheit an diesem Wesen hängt und seine Wirkung versagt, wenn die »Freiheit« zum Privilegium wird.”
Rosa Luxemburg
26 Kommentare













Ich weiß nicht woher es ist aber sinngemäß geht es so. “The best cure against too much freedom of speech is more freedom of speech.”
Die Passagen die Du hier zitiert hast, speziell das Erste, sind in der Tat mehr als frech. So geht man nicht mit Menschen um. Auch wenn man sich politisch vielleicht nicht einer Meinung ist.
In den Kommentaren geht das dort ja gerade so weiter. Mit Verlaub, das ist zum Kotzen.
Zum weiteren Nachdenken ueber einen moeglichen Zusammenhang von Absolutismus, Liberalismus, Nationalismus, Sozialismus und was man sonst noch so an -ismen findet, sei empfohlen:
“Schwarzbuch Kapitalismus” von Robert Kurz.
Hier uebrigens als pdf (2,4mb)
Und hier eine Zusammenfassung.
Auch wenn ich nicht jeden Satz von Kurz unterschreiben wuerde: was die Entwicklungsgeschichte angeht, liegt er m.E. im wesentlichen richtig.
Die Links- und Rechtsextremisten möchten am libesten ihren politischen Gegenpart verbieten lassen …
Wobei die Liberalen bei den Recht zu gestehen ihren Meinung zu äußeren, obwohl sie beide geleich verabscheuen …
Dan zurzeit die Linken die Meinunghoheit haben, und die wir LIberale den Rechten ihre Meinungsfreiheit zu gestehen werden wird dafür von ihnen abgestraft … aber wenn die Meinungen weden werden wir genauso auch für die Meinungsfreiheit der Linken eintretten …
Roger,
meine Zeit ist mir ein bisschen zu schade, um mir komische Theorien durchzulesen, deren heimlicher Tenor offenbar der ist, dass die Menschen zu doof für Freiheit sind.
Wer behauptet, Liberalismus verursache Totalitarismus, weil Liberale dumm genug sind, Meinungsfreiheit garantieren zu wollen, hat sachlich ganz bestimmt Recht – erkennt aber offensichtlich den Wald vor lauter Bäumen nicht, weil jede Alternative dazu genau dass ist, was er Liberalen vorwirft in Kauf zu nehmen.
Aber ist es nicht etwas diffus, wenn man mit seiner Ideologie – hier dem Liberalismus – eine andere Ideologie zulässt, die aber als Kerngedanken hat, den Liberalimus abzuschaffen – also entweder der von Stalin und Mao praktizierte Linksextremismus, oder der von den Nazis perfektionierte Rechtsextremismus?
Stell dir mal vor, eine NSDAP-ähnliche Partei würde erlaubt und käme mit Populismus und Wählerfang an die Macht. Was wäre wohl eine deren ersten Maßnahmen? Genau: Alles Ideologienfeindliche verbieten, Verbotsgesetze noch und nöcher, liberale Gedanken alleine werden sowieso mit 2 Jahren Haft goutiert. Wenn das ein mögliches Resultat des Liberalismus ist – ist das dann noch liberal?
Dies nur als Gedankenanreiz. Wenn du auf meinen Blog schaust wirst du einen nicht allzu alten Beitrag entdecken, in dem ich mich gegen ein Wiederbetätigungsverbot ausspreche – weil es der so genannten “Meinungsfreiheit” diametral widerspricht. Ich bin also prinzipiell auch auf deiner Seite, aber man muss auch die Gefahren hinter solchen Forderungen sehen bzw. sich deren zumindest bewusst werden.
Sicher ist das gefährlich, hab ich doch auch so geschrieben. Eine rechtsextreme Partei käme aber nicht einfach so an die Macht, sondern würde demokratisch gewählt. Wie glaubwürdig ist eine Demokratie, die bestimmte Wahlmöglichkeiten von vornherein ausschließt?
Klar kann man sich da über Grenzen der Meinungs- und Wahlfreiheit unterhalten aber auch das birgt Gefahren. Zum Beispiel die, dass diese Grenzen stets mit mehr oder weniger guten, sicherlich aber oft mehrheitsfähigen Begründungen beliebig verschoben werden könnten.
Naja, dass dies trotzdem möglich ist, hat die Geschichte ja gezeigt. Auch wenn es bei den Wahlverfahren, die zu Hitlers Machtübernahme geführt hatte, nicht immer mit legalen Mitteln zuging: Den demokratischen Apparat hat er trotzdem umgangen, und die Bevölkerung stand großteils hinter ihm. Darauf zu bauen, dass eine extremistische Partei sowieso nicht gewählt würde, ist ein bisschen zu einfach.
“meine Zeit ist mir ein bisschen zu schade, um mir komische Theorien durchzulesen, deren heimlicher Tenor offenbar der ist, dass die Menschen zu doof für Freiheit sind.”
Was nicht anders zu erwarten war. Womit erwiesen waere: Liberalismus fuehrt offenbar zu Ignoranz, die er sodann als “Toleranz” verkaufen moechte.
Es ist eben nicht so, dass die These von Kurz lauten wuerde, die Menschen seine “zu doof für Freiheit”. Um das mitzuschneiden, muesste man allerdings das Buch (und eigentlich noch ein paar andere) wohl auch lesen und verstehen wollen. Aber wozu soviel Muehe auf sich nehmen – wenn es doch viel einfacher ist, sich einen Popanz zu basteln, auf den man dann ungestraft und von jeglicher Erkenntnis unbeleckt nach Herzenslust einschlagen kann?
Was soll eigentlich diese Beschraenkung auf die “Meinungsfreiheit”? Eine Meinung kann man ohnehin nicht unterdruecken – die ist per se “frei”. Man kann lediglich daran gehindert werden sie auszusprechen und sie womoeglich – und hier erst beginnt das eigentliche Freiheitsproblem – in freie Handlungen umzusetzen. Die eigene Freiheit endet in der Theorie an den gleichen Freiheitsrechten anderer, in der Praxis freilich ist es freilich allzuoft die Macht anderer, die der je eigenen Freiheit Grenzen setzt. Fremde Macht (oder: Fremdbestimmung) und Freiheit schliessen einander freilich aus.
Deinen offenbar latent vorhanden eigenen unterschwelligen Hang zum Totalitarismus offenbarst uebrigens selbst am laufenden Band durch Saetze wie den eingangs zitierten oder auch den folgenden:
“Was wären wir denn für Liberale, wenn wir die dummdreisten hirnlosen Sprüche extremer Linker und Rechter nicht ertragen und mit echten, liberalen Argumenten dagegen halten würden, sondern es den extremen Linken und Rechten gleichtun würden und sofort mit der Verbotskeule um uns schlagen würden, wenn irgendwer etwas sagt, dass uns nicht in den Kram passt?”
Was man ohnehin ignoriert, muss man natuerlich nicht auch noch verbieten. Die Frage ist auch hier: wie weit wuerde Deine Toleranz und Deine “Liberalitaet” reichen, wenn die Meinungen, die Dir “nicht in den Kram” passen in Handlungen umgesetzt wuerden?
@ Mathias
Ja sicher, dass zweifel ich doch auch überhaupt nicht an. Aber was willst du ernsthaft dagegen tun, wenn die Mehrheit der Bevölkerung sich hinter der Welt größten Volksverhetzer und Menschenfeind versammelt und das alles toll findet? Ich behaupte mal, dass du da auch mit keinem Gesetz der Welt gegen ankommst, weils dann eindeutig zu spät dafür ist.
Wir kommen also überhaupt nicht drumherum, uns auf unsere Weise, nämlich mit guten Argumenten, gegen diese Idioten zu wehren.
@ Roger
Ich lese solche Bücher einfach nicht gerne. Ich hab ein paar Sätze überflogen und das hat mir dann schon gelangt. Dass Menschen wie der Rest allen Lebens Egoisten sind, muss ich mir nicht seitenweise beweisen lassen, dass weiß ich auch so. Dem Liberalismus nun daran die Schuld zu geben führt meiner Ansicht nach zu gar nichts, außer dazu, dass irgendwelche komischen Alternativen konstruiert werden, deren Ergebnisse erfahrungsgemäß aber auch nicht besser sind.
“Aber wozu soviel Muehe auf sich nehmen – wenn es doch viel einfacher ist, sich einen Popanz zu basteln, auf den man dann ungestraft und von jeglicher Erkenntnis unbeleckt nach Herzenslust einschlagen kann?”
Ähem – ich glaube nicht ich habe hier angefangen, auf irgendwas “nach Herzenslust” einzuschlagen, sondern wurde mal eben pauschal als so ne Art Nazi hingestellt, jedenfalls hab ichs so empfunden.
Was hat es mit Totalitarismus zu tun, wenn ich Äußerungen beknackt finde? Wenn du dass wirklich so siehst, dann ist so gut wie jeder Blogger mit einem unterschwelligen Hang zum Totalitarusmus geschlagen. Ich finde vieles, was politische Extremisten von sich geben dummdreist und hirnlos. Ich hätte das in dem Zusammenhang zwar nicht schreiben müssen, das ändert aber auch nichts an meiner Meinung. Und es ist doch nun wirklich für jeden ersichtlich antitotalitär, solche Äußerungen halt zu ertragen, statt diese Leute mit Gewalt daran hindern zu wollen (wie es deren Weg allzuoft zu sein scheint).
“Die Frage ist auch hier: wie weit wuerde Deine Toleranz und Deine “Liberalitaet” reichen, wenn die Meinungen, die Dir “nicht in den Kram” passen in Handlungen umgesetzt wuerden?”
Wie man sieht bin ich trotz der Verhältnisse in Deutschland noch nicht Amok gelaufen. Genügt dass nicht als Beweis für Toleranz gegenüber anderen Meinungen?
Krasse Sache. Aber es ist sowieso immer einfach, von einzelnen Personen auf ganze Gruppen zu schließen.
Die Linksextremisten registrieren die Liberalen als irgendwie ärgerliches Hindernischen auf dem Weg zur Links-Diktatur.
Oft geht es aber auch um anderes, wenn die Liberalen in die Nähe der Braunen gerückt werden. Gar nicht so sehr geht es den Linken dabei um die Diskreditierung der Liberalen, sondern um die Diskreditierung der braunen Linken-Konkurrenz bei der Bevölkerung als “Büttel des Kapitals” usw.
@ Jan
Auch mir scheint Robert Kurz zu kurz zu springen. Und Roger ist diesem linkischen Scheiber auf den Leim gegangen.
Nein, so kriegt man die Liberalen wirklich nicht zu packen. Vielleicht aber so: Die extreme Linke Rosa Luxemburg als Verteidigerin der Freiheit (wie in deinem Zitat angeführt). Ist das für einen Liberalen eine Überraschung, die sich “tolerant” aussitzen läßt; ja, darf das aber so sein, daß die “Kollektivisten” von links sich aufschwingen, die Freiheit jedes einzelnen zu verteidigen? Besteht nach eigenem Selbstverständnis nicht gerade die liberale “Kernkompetenz” darin, einzig und allein für die Freiheit ins politische Feld zu ziehen? Welche Ideologie käme dafür denn sonst in Frage? Hierbei verstehen die Liberalen aber keinen Spaß, denn sonst werden sie ja überflüssig.
Weiß nicht, ich fürchte eigentlich keine Konkurrenz derer, die sich zwar nicht liberal nennen, aber meine Positionen und Ansichten teilen. Wer individuelle Freiheit schätzt, der darf von mir aus so links- oder rechtsradikal sein, wie er will, deswegen werde ich ihm trotzdem nicht verbieten, mit mir die Ansichten zu teilen, die ich richtig und wichtig finde. Es geht ja schließlich irgendwo um die Sache und wer das Luxemburg-Zitat ernst nimmt, denkt ja so kollektivistisch auch nicht.
Es ist doch kein Selbstzweck, sich hinzustellen und für eine liberalere Gesellschaft zu streiten. Ich hätte nichts dagegen, wenn ich dass aufgrund bestehender Verhältnisse gar nicht erst machen bräuchte, mein Leben hätte auch ohne Politik genügend Inhalt. Sehr verbreitet ist das Bewusstsein für individuelle Freiheit allerdings außerhalb liberal gesinnter Menschen (und auch dort lässt es leider mitunter zu wünschen übrig) nun wirklich nicht.
Immerhin kann man aus diesem Luxemburg-Zitat vielleicht ersehen, daß politisch Linke nicht nur in Kollektiven zu denken pflegen. Die individuelle Freiheit ist auch den eher etatistisch eingestellten Zeitgenossen lieb und teuer. Und Freiheit und Soziales müssen kein unüberbrückbares Gegensatzpaar bilden, wie das vielfach heute behauptet wird.
Im Gegenteil meine ich, daß die Sache der Freiheit und das Kümmern um Soziales im Grunde besser zusammenpassen als radikalisiertes liberales Freiheitsgetöse und besitzstandswahrende konservative law-and-order-Politik.
Dass ist dann eine Frage der jeweiligen politischen Philosophie. Ich versuche eigentlich, mich von bloßer links-rechts-Unterscheidung zu lösen (gelingt sicher nicht immer).
Allerdings: Überzeugte Beton-Etatisten, die individuelle Freiheit wollen, scheinen mir ein bisschen schizophren zu sein. Rein praktisch passt dass nach meiner Erfahrung nicht zusammen.
Ich stimme allerdings darin überein, dass Freiheit und Soziales natürlich kein unüberbrückbares Gegesatzpaar bilden müssen. Es kommt aber sehr auf die Ausgestaltung an und wenn wie bei uns statistisch mehr als jeder zweite verdiente Euro der freien wirtschaftlichen Entscheidung des Einzelnen entzogen wird, dann ist dass schon ziemlich heftig und ein Hinweis darauf, dass es vor allem an Freiheit fehlt und weniger an sozialstaatlichen Ansätzen (wie das einkassierte Geld verwendet wird, steht auf einem anderen Blatt – da würde ich eine ganze Menge ändern wollen, ich sitze aber nunmal in keinem Ministerium…).
“Im Gegenteil meine ich, daß die Sache der Freiheit und das Kümmern um Soziales im Grunde besser zusammenpassen als radikalisiertes liberales Freiheitsgetöse und besitzstandswahrende konservative law-and-order-Politik.”
Und ich meine, dass es kein besseres soziales Engagement als dass private gibt, dass uns allerdings Stück für Stück durch den Staat abgewöhnt wird. Ich weiß nicht, inwieweit dass mit deiner Meinung konform geht aber mein liberales Freiheitsgetöse (doppelt gemoppelt, ne?) jedenfalls richtet sich eindeutig gegen besitzstandswahrende konservative law-and-order-Politik.
Prima, daß du mit den Konservativen der schlechteren Art nichts am Hut hast und auch nicht mit radikalisiertem liberalen Freiheitsgetöse (ob das auch für den Herrn Westwelle gilt?).
Ja, und der Staat, der uns allen andauernd ins Portemonnaie greift und das private Engagement behindert, ließe sich vielleicht auch durch die gängig gewordene Umverteilung von unten nach oben etwas erklären. Wenn die finanziell Leistungsfähigsten nicht mehr allzu viel zum Gemeinwesen beizutragen haben, bleibt`s halt dem “Rest” der Gesellschaft überlassen zu blechen. In den skandinavischen Ländern – du als Nordlicht bist ja nah dran – scheint trotz (oder gerade wegen?) hoher Staatsquote und Abgaben weder die Eigeninitiative zu erlahmen noch die Abgabenlast zu schwer zu drücken. Woran das wohl liegen mag?
Keine Ahnung was mit Skandinaviern los ist aber ich will sie nicht als Vorbild. Schon des albernen Gesundheitsticks wegen (Chlor im Trinkwasser, Wahnsinnssteuern auf Schnaps).
Ich glaube die Umverteilung besteht weniger zwischen unten und oben als mehr zwischen mitte und oben, unten und mitte, kreuz und quer und insgesamt ohne Sinn und Verstand, dafür mit gewaltigen Reibungsverlusten, die den Staat sinnlos aufblähen – wovon letztlich aber niemand etwas hat.
Sozialstaat stell ich mir jedenfalls anders vor.
Soziales Engagement kostet nicht nur Zeit, sondern fast immer auch Geld. Bitte erkläre mir mal, wie ausgerechnet eine hohe Staatsquote (=hohe Steuern) dass irgendwie beflügeln soll.
[...] Von gelb zu braun [...]
@ Jan
Es klingt jedenfalls ziemlich albern, was du über die Skandinavier sagst. Unsere deutsche Mentalität scheint mehr oder minder binnenorientiert zu sein und die politische Kultur aber auf die USA ausgerichtet zu sein.
Daß man bei der herrschenden umverteilenden Reformpolitik beinahe den Überblick verlieren kann, ist richtig. Aber die Richtung ist (fast) immer dieselbe: nach oben.
Es kommt eben auf die Verwendung der Steuergelder an und auch darauf, welche Einstellung die Menschen dem Staat gegenüber einnehmen. Haben wir es mit einem potenziellen Gegner zu tun, oder kann der Staat auch als eine Art “Partner” der Bürger angesehen werden?
Wie bitte, auf die USA? Mal überlegen, zentrale Punkte der amerikansichen politischen Kultur sind nahezu bedingungslose Anerkennung der Meinungsfreiheit und eine klar föderalistische Struktur. Ich kann nicht erkennen, dass diese Beiden Dinge bei uns derzeit irgendwie ausgebaut werden.
Und ja: Der Gesundheitsfanatismus in Skandinavien ist albern, was deutsche Politiker ja nicht davon abhält, die gleiche Schiene zu fahren.
“Daß man bei der herrschenden umverteilenden Reformpolitik beinahe den Überblick verlieren kann, ist richtig. Aber die Richtung ist (fast) immer dieselbe: nach oben.”
Okay, kommt sicherlich auf die Definition von “unten” an aber wer ohnehin von HartzIV lebt, von dem ist ja nunmal nichts mehr zu holen, dass man irgendwie verteilen könnte und dass an der Stelle Geld in die andere Richtung fließt, ist jawohl unbestreitbar.
Wenn dann aber zum Beispiel eigentlich “reiche” Gemeinden irgendwelche EU-Zuschüsse für konkrete Baumassnahmen kassieren können, weil die EU dass so will, was für eine Art Verteilung ist dass dann? Und davon gibts ja auch nicht grade wenig, nicht wahr? Man denke nur an den ganzen Landwirtschaftsunfug oder die Kohlesubventionen.
“Es kommt eben auf die Verwendung der Steuergelder an”
Zweifellos. Auf die Höhe der Steuern natürlich auch, die bei uns wohl eindeutig ein Maß erreicht hat, dass weit jenseits jeder marktwirtschaftlichen Vernunft liegt. Wenn dass ganze Geld wirklich an sozial Schwache ginge, würde ich darüber anders diskutieren aber dass ist ja nun wirklich nicht der Fall.
“und auch darauf, welche Einstellung die Menschen dem Staat gegenüber einnehmen. Haben wir es mit einem potenziellen Gegner zu tun, oder kann der Staat auch als eine Art “Partner” der Bürger angesehen werden?”
Naja, Staat ist ein extrem mächtiges (wenn nicht dass mächtigste) Gebilde, weshalb ich alles andere als ein vernünftiges Maß an Misstrauen ihm gegenüber als naiv bis blöde nennen wollen würde. Es fällt schwer, jemanden ernsthaft als Partner zu sehen, der einen notfalls mit Gewalt zwingt, nach seiner Pfeife zu tanzen.
Natürlich brauchen wir trotzdem einen Staat. Es wäre nur schön, wenn er sich endlich auf seine wesentlichen Aufgaben konzentrieren würde, statt sich ständig in meine Angelegenheiten und die aller anderen normalen Menschen einzumischen. Dass ist es doch, was die Leute aufregt, “politikverdrossen” und bisweilen sogar zu Extremisten werden lässt.
Inwiefern die Meinungsfreiheit in den USA besser geschützt sei als in D, kann ich nicht erkennen. Vielleicht meinst du die perfektere Desinformation der Massen in den USA. Wäre aber kein gutes Vorbild.
Also, mit den Skandinaviern hast du es nicht. Aber vielleicht wird dich interessieren, wie z.B. in Dänemark das “Fördern und Fordern” von Arbeitslosen aussieht. Nämlich so, daß dort die wenigsten zu “Hartz IV”-Fällen werden, weil sich der “böse” Staat um seine arbeitssuchenden “Untertanen” (offenbar ein typisch deutscher Ausdruck) intensiv kümmert. Dazu wird man hier und da auch mehr finanzielle Mittel brauchen. Aber wenn man ein höheres Maß an sozialer Gleichheit nicht als Bedrohung der eigenen Freiheit ansieht, sollte es einen auch nicht weiter verwundern, daß die skandinavischen Staaten in den ökonomischen Leistungsdaten meist durchweg besser dastehen als das neoliberale Reform-Deutschland.
Das Thema EU und ihre Vergabepolitik von Finanzmitteln müßte man gesondert diskutieren. Aber das dortige Demokratiedefizit ist ja bekannt.
“Okay, kommt sicherlich auf die Definition von “unten” an aber wer ohnehin von HartzIV lebt, von dem ist ja nunmal nichts mehr zu holen, dass man irgendwie verteilen könnte und dass an der Stelle Geld in die andere Richtung fließt, ist jawohl unbestreitbar.”
Wenn Du Dich da mal nicht taeuscht – immerhin kann man sich dort (im “oeffentlichen Interesse”) kostenlose Arbeitskraft abholen, und wird fuer diese “Soziale” Tat obendrein durch Zuschuesse belohnt – man zahlt also nicht nur selber nix fuer die Arbeit anderer Menschen – sondern wird dafuer auch noch praemiert.
@ Markus
Ich meine damit, dass man bei uns bestimmte Dinge nicht sagen darf, die dort unter die Meinungsfreiheit fallen. Bei uns besteht die Tendenz dazu, Meinungsfreiheit im Zweifel noch weiter einzuschränken, was in Amerika offenbar weniger der Fall ist.
Dass die derzeitigen Regeln zur Unterstützung armer Leute verbesserungswürdig sind, ist ebenso bekannt und wahrscheinlich ein breiterer Konsens, als es den Anschein hat. Hat natürlich mit den Liberalen wenig zu tun, weil deren Anteil an den jüngeren Reformen eher gering ausfällt.
Dänemark ist an sich auch Teil Skandinaviens. Ich hab auch nichts gegen Skandinavien insgesamt, ich glaube nur nicht, dass wir uns an den dortigen Gepflogenheiten dringend ein Beispiel nehmen sollten. Das bedeutet nicht, dass dort nur Schwachsinn passiert aber Vieles ist für mich einfach nur ein No-go.
@ Roger
Wenn damit 1-Euro-Jobs gemeint sind, dann hast du Recht. Aber von denen war ich ja noch nie ein Freund.
@ Jan
Na ja, die USA haben eben auch keinen Schäuble, aber dafür einige andere “Weltverbesserer”…
Was du unter “No-go” verstehst, weiß ich nicht. Auffallend ist aber, daß man das skandinavische Wirtschafts- und Sozialmodell hierzulande kaum oder gar nicht diskutiert.
Und daß du die FDP nicht offen kritisierst, ist irgendwie verständlich. Aber zu behaupten, daß die Liberalen nicht an den Arbeitsmarkt- und Sozialreformen beteiligt seien, ist wohl eher als Scherz zu verstehen.
“Nicht” hab ich nicht gesagt, nur dass die FDP schon aufgrund der Machtverhältnisse wenig dazu getan hat. Ich kritisiere meinen eigenen Laden aber sehr wohl, wenn mich etwas stört.
In Finnland bekommt man Alkohol soweit ich weiß nur in Spezialläden, es herrscht dort eine äußerst restriktive Drogenpolitik, die ich nicht haben möchte. Dass hatte ich zum Beispiel gemeint.