In Ungnade gefallen
Posted on | September 24, 2008 | 8 Comments
Eine meinem Geschmack völlig widersprechende aber dennoch offenbar recht beliebte Spiesserbrause wird in einem Wuppertaler Lokal nicht länger zur Verköstigung angeboten.
“Neben geschmacklichen und inhaltlichen Gründen (Zuckeranteil, Öko-Test Urteil nur “Befriedigend”) war vor allem die zunehmende Kommerziealisierung ausschlaggebend. Bionade indes klagte eifrig gegen vermeintliche Nachahmer, fing an, die Vertriebswege von Coca-Cola zu nutzen, ließ sich von McDonalds ins Programm aufnehmen und erhöhte erst vor kurzem drastisch seine Preise (von 59 auf 79 Cent).”
Öko-Test-Urteile mögen ja für manche Kunden ja tatsächlich einen Informationswert haben, nicht dass mich sowas jemals interessieren würde. Aber ein falscher Zuckeranteil in einer Brause? Muss man nicht verstehen, oder? Oder vielleicht geht dass auch nur deswegen ein bisschen über meinen Horizont, weil meine drei Grundgetränke eigentlich je nach Situation Bier, Wasser und Milch heißen. Brause ist für mich per Definition so ein süßes Zuckerzeug, dass man vor allem zum Verdünnen von Korn benutzen sollte.
Dass ein Getränkehersteller ernsthaft Geld mit seinen Produkten verdienen will geht natürlich gar nicht, weiß ich auch nicht, was die Firma sich dabei wieder gedacht hat. Nur geschenkte Brause ist gute Brause! Und Vertriebswege von Coca-Cola nutzen, hallo? Oder sich bei McDonalds verkaufen lassen, bei MCDONALDS?! Die PR-Abteilung muss ja völlig durchgeknallt sein, auf solche verrückten Ideen zu kommen.
Was den Preis angeht bin ich scheinbar ohnehin etwas altmodisch. Getränke, die schon im Laden 79 Cent (pro Miniflasche, nehme ich an) kosten, meide ich sowieso wenn es irgendwie geht. Solche, die 59 Cent kosten allerdings auch. Aber Markenprodukt bleibt Markenprodukt und dementsprechend hat der Markenbewusste, ob er nun Spiesser ist oder nicht, dass auch zu honorieren.
Oder halt, wie ich dass ständig mache, Marken links liegen zu lassen.
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8 Responses to “In Ungnade gefallen”
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September 24th, 2008 @ 15:35
Lieber Jan, ich freue mich ja wenn du meine Beiträge kommentierst. Hättest du dir allerdings die Mühe gemacht, etwas mehr zu lesen, wärst du im Artikel auf http://www.beatzundkekse.de/ auf folgenden Satz gestoßen: “Die lobenden Mineralstoffangaben, die anfangs auf dem Label standen, mussten jedenfalls wieder gestrichen werden.”. Es geht darum, dass den Kindern, Muttis, Vatis, Omis, Opis und Szenemenschen etwas anderes versprochen wurde. Also ein eher typischer Fall von Täuschung, wie es schon so viele gibt. Siehe zum Beispiel auch auf abgespeist.de.
Weiterhin empfehle ich dir, dich über Coca Cola zu informieren. Und zwar nicht übder die nette Werbung mit dem Weihnachtsmann, sondern mit den Geschäftspraktiken in Indien oder Kolumbien.
Ähnliches gilt für McDonalds. Dort gibt bzw. gab es Kinderarbeit nicht nur in chinesischen Zuliefererbetrieben, sondern beispielsweise auch in englischen Fillialen. Mal abgesehen vom Abhölzen des Regenwaldes und der Rolle bei der Nahrungsmittelkrise.
Schöne bunte Welt in der Wirtschaft gibt es offenbar nur bei der FDP. Gut allerdings, dass auch Menschen gibt, die sich informieren und Unternehmen ihre Grenzen zeigen. Deshalb ist die Initiative des Beatz und Kekse besonders gut und vorbildlich.
September 24th, 2008 @ 16:07
Täuschung ist nicht okay und kann ich als Begründung noch einigermaßen nachvollziehen. Mich persönlich würds nicht davon abbringen was zu kaufen was mir gefällt aber ich würde von einer Brause auch nicht erwarten, dass sie gesund ist. Nun gut, dass ist aber natürlich Ansichtssache und bei jedem anders.
Etwas wundern muss ich mich dann aber, dass man hier offenbar blind einer Firma vertraut hat, während es bei simplen Mineralwassern ganz normal ist, dass sie sich ihren Inhalt von unabhängigen Instituten bestätigen lassen, bevor sie die Werte auf ihre Flaschen schreiben. Wenn potenzielle Kunden dieses Getränks so kritisch sind, wie ich zwischen den Zeilen zu lesen vermute, dann ist mir diese unkritische Haltung wirklich ein Rätsel.
Inwiefern ich mich dafür genieren soll, in einem deutschen McDonalds zu essen, weil dort in England mal Burger von Kindern gemacht worden sind, erschließt sich mir nicht. Ich kann mir ab sofort ja jeweils den Personalausweis zeigen lassen, bevor ich mich bedienen lasse – aber bisher hatte ich den Eindruck, dass so etwas hier nicht vorgekommen ist. Das spricht dagegen, dass es sich um Firmenpolitik handelt. Wenn in so einem Riesenunternehmen schwarze Schafe unterwegs sind ist dass nicht schön, aber jetzt auch kein Grund in Panik zu verfallen.
Zur Nahrungsmittelkrise habe ich etwas andere Ansichten und dass McDonalds Wälder abholzt hab ich auch noch nirgends gelesen – was natürlich nicht bedeuten muss, dass du Quatsch erzählst. Aber wenn ich dermaßen kleinkariert gucken würde, wer wie was produziert und verkauft, könnte ich ja gleich meine Pommes selber schnitzen.
Wer aus welchen Gründen auch immer McDonalds, Coca Cola oder halt Bionade nicht lieb hat, der kann ja von mir aus was anderes kaufen. Ich persönlich finds übertrieben und albern. Gemeinsame Vertriebswege mehrerer Unternehmen oder nicht, davon werden die Kinder, die in manchen Ländern arbeiten gehen auch nicht satt. Welt verbessern gerne, aber man kanns auch übertreiben.
Und muss dann damit rechnen, dass ich das lustig finde…
“Schöne bunte Welt in der Wirtschaft gibt es offenbar nur bei der FDP.”
Wenn das so wäre und wirklich jeder Coketrinker seine Kreuze bei der FDP machen würde, dann wär die FDP Deutschlands Volkspartei Nummer 1.
September 24th, 2008 @ 20:31
Frage mich wo da aus liberaler Sicht das Problem ist. Die Kneipe kann doch selbst entscheiden, welche Produkte sie verkaufen will und welche nicht. Mit welcher Begründung kann uns doch egal sein.
Wird hier (mal wieder) mit zweierlei Maß gemessen, weil die Begründung “links” ist?
September 24th, 2008 @ 21:01
Mir ist auch völlig egal, was die da verkaufen und was nicht. Ich finde aber manche Sachen auch unabhängig davon albern, ob sie ein “Problem aus liberaler Sicht” darstellen oder eben nicht.
September 24th, 2008 @ 21:07
Dafür mache ich doch Politik, um die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern. Und zwar global gesehen. Und wenn man das so sieht, das man nicht nur dafür Politik macht, sondern dies mit Kaufentscheidungen beinflussen kann, ist das völlig richtig. Also muss die Bionade konsequent aus dem Sortiment fliegen. Wenn alle so denken würden, und nicht nur auf die Bedinung unserer McDonalds Fillialen gucken würden, wäre die Welt vielleicht ein bisschen besser.
September 24th, 2008 @ 22:21
Nur ist dass mit der Verbesserung eben nicht immer ganz so eindeutig. Wenn ich mich zum Beispiel in die Lage eines in China arbeitenden Kindes versetze, dass seine Arbeit plötzlich verliert und dann nicht weiß, wovon es seine nächste Schüssel Reis bezahlen soll, dann ist es erstmal nicht ausschließlich positiv, was gegen Kinderarbeit getan zu haben.
Ich mache jedenfalls bestimmt nicht Politik, weil ich Werbung für bestimmte Produkte machen oder zum Boykott gegen andere aufrufen will. Wenn überhaupt dann ist es in dem Zusammenhang mein Anliegen, dass jeder frei entscheiden kann, ob er das “schlechte” oder “gute” kauft und niemand ihm diese Entscheidung womöglich noch mit gesetzlichem Zwang abnimmt.
September 24th, 2008 @ 23:05
Stimmt, kein gesetzlicher Zwang. Aber Aufklärung. Und es muss doch darum gehen, dass eben faire Arbeitsbediengungen herschen. Unternehmen sind grundsätzlich für die Menschen da, nicht umgekehrt. Waum lassen deutsche Unternehmen es zu, wenn in ihren Zuliefererbetrieben Kinder arbeiten und nicht zur Schule gehen? So wird doch der Eindruck vermittelt, dass Schule gar nicht nötig sei. Und warum lassen wir Verbraucherinnen und Verbraucher es zu, dass Coca Cola in Indien das Grundwasser verschmutzt oder in Kolumbien Gewerkschaftler umbringen lässt?
Wenn jemand das unterstützt oder toleriert, daran kann ich nichts ändern. Wohl aber daran, dass darüber informiert wird und wir mündige Verbraucherinnen und Verbraucher haben, die mit möglichst umfassenden Informationen selbst entscheiden können was sie kaufen und unterstützen wollen. Das ist dann auch liberal
September 25th, 2008 @ 07:59
“Stimmt, kein gesetzlicher Zwang.”
Na immerhin. Ich fürchte nur, dass diesen Punkt eben leider nicht jeder mit dir teilt, der sonst deiner Meinung ist.
Gegen Aufklärung hat kein Mensch was aber ich meinte das ernst: So einfach, wie wir uns dass manchmal machen, ist es ja selten. Unternehmen sind da, um profit zu machen. Wir können dass gut oder schlecht finden aber ändern werden wir es nicht. Kein Mensch gründet ein Unternehmen, weil er anderen Gutes tun will (von den Kunden mal abgesehen). Logisch, dass das zu Geschäftspraktiken führen kann, die man verurteilen mag. Inwieweit dass alles dann wirklich so stimmt, kann unsereiner selber zwar kaum überprüfen und muss glauben, was zumeist kommunistisch angehauchte Autoren so schreiben, aber ich will trotzdem gar nicht bezweifeln, dass dergleichen wirklich vor kommt.
“Waum lassen deutsche Unternehmen es zu, wenn in ihren Zuliefererbetrieben Kinder arbeiten und nicht zur Schule gehen? So wird doch der Eindruck vermittelt, dass Schule gar nicht nötig sei.”
Schule ist wohl kaum wichtiger als bloßes Überleben. Oder glaubst du, arme Kinder gehen arbeiten, weil sie unbedingt den neuesten Ipod haben wollen?
Dieser Eindruck kann hier bei uns sowieso keinen “Schaden” anrichten, weil man hier so oder so mit Polizeigewalt zum Schulbesuch gezwungen wird.
Faire Arbeitsbedingungen bekommst du von alleine, wenn die Wirtschaft erstmal läuft. Wenn sie schlecht läuft, werden die Verhältnisse schlechter. Dass ist der Grund, warum es so wichtig ist, dem freien Unternehmertum möglichst wenig Steine in den Weg zu legen.
Mein wirtschaftliches Idealbild sieht so aus: Am besten wäre es, wenn derjenige, der sich bei seinem Arbeitgeber schlecht behandelt fühlt, ohne schwerwiegende bürokratische Hürden schon morgen ein eigenes Unternehmen aufmachen könnte, um aus dieser Misere herauszukommen (die finanziellen Hürden sind tendenziell ohnehin dann kleiner, wenn die wirtschaft eh läuft).
Von solchen Verhältnissen sind wir hier bei uns Lichtjahre entfernt, wie das in Kolumbien & Coist, weiß ich nicht. Wenn dort aber so etwas passiert, dann deutet dass darauf hin, dass die örtlichen Behörden eine ganze Menge Scheiße bauen. Oder glaubst du, so etwas wäre hier auch einfach so möglich, ohne dass sofort die geballte Staatsmacht sich auf den Übeltäter stürzen würde? Eben.
Nicht der Verbraucher ist zu allererst schuld, sondern die Behörden, die so etwas zulassen. Wozu sonst unterhalten wir schließlich teure Behörden?
Das bedeutet nicht, dass wir uns deswegen völlig blind durch die Weltgeschichte kaufen müssen aber ich fühle mich ehrlichgesagt überfordert, wenn ich nur noch 100% politisch korrekte Sachen kaufen sollte. Leisten könnte ich es mir vermutlich ohnehin nicht.
“Wohl aber daran, dass darüber informiert wird und wir mündige Verbraucherinnen und Verbraucher haben, die mit möglichst umfassenden Informationen selbst entscheiden können was sie kaufen und unterstützen wollen. Das ist dann auch liberal.”
Da gebe ich dir vollkommen Recht. Ich finde es trotzdem immer wieder lustig, wenn dass so sehr in Erbsenzählerei ausartet. Wer die Vertriebswege von Coca Cola mit nutzt, wird für mich deswegen noch lange nicht zum Buhmann. Zumal dann, wenn das Zeug sowieso völlig abartig schmeckt.