Nur so nebenbei
Posted on | September 24, 2008 | 18 Comments
Wir, die wir Galgenhumor besitzen, versuchen uns gerade von dem Lachanfall zu beruhigen, den wir bekamen, als uns die Scherzkekse von der KfW erklärten, man habe mit voller Absicht lumpige 320 Millionen an die Bankrotte Lehman-Brothers-Bank überwiesen, beziehungsweise “vergessen”, die sich schon vorher abzeichnende beängstigende Entwicklung der Bank übers Wochenende im Auge zu behalten.
Da hören wir von einer ebenfalls in Staatsbesitz befindlichen und damit für unsere “Grundversorgung” zuständigen Großbank, nämlich der HSH-Nordbank (dass ist die, die dem HSV-Stadion ihren Namen gegeben hat, der leider aber dermaßen sperrig ist, dass jeder, der hin will entweder noch von der “AOL-Arena”, wieder “dem Volksparkstadion” oder einfach “zum HSV” sagt… geiles Werbeinvestment kann man da nur sagen) ebenfalls durch Geschäfte mit Lehman Brothers 500.000.000 Euro verloren hat.
Gut, das klingt für uns, die wir weder Millionär oder höhere Staatsdiener sind vielleicht erstmal viel. Zusammen mit den restlichen schlecht gemachten Geschäften der sämtlichen Schleswig-Holsteinern und Hamburgern “gehörenden” Bank ist aber mittlerweile ein Schaden von 2,3 Milliarden Euro entstanden.
Bei so einer Grundversorgung können wir alle wohl froh sein, dass die ganz normalen Banken sich nicht ganz so leicht haben locken lassen und auch in diesen Krisenzeiten bisher so glimpflich davon kommen.
Was lernen wir daraus? Gar nichts, ich war schon immer der Meinung, dass Wirtschaft wenn es irgend geht nicht durch Politik gelenkt werden sollte. Und wer das anders sieht, der lernt nach meinem Eindruck selbst jetzt auch nicht viel dazu.
Und wer rummault, jetzt müsse ja wieder der Staat und wer auch sonst “helfend” eingreifen, der sollte zumindest kurz zur Kenntnis nehmen, dass diese Hilfen selbstverständlich neue Spekulationsblasen auslösen können. “Marktversagen” ist halt nicht immer einfach ein Versagen des Marktes.
Comments
18 Responses to “Nur so nebenbei”
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September 26th, 2008 @ 01:24
Und nicht zu vergessen die Deutsche Bank, deren Verbindlichkeiten fast so groß sind wie die gesamte deutsche Wirtschaftsleistung eines Jahres. Aber, Schreck o Schreck, die Deutsche Bank ist ja eine effizient und wirtschaftlich arbeitende private Bank! Dann muß es sich eben um “peanuts” handeln…
September 26th, 2008 @ 06:43
Und noch einen wichtigen Unterschied zwischen Deutscher Bank und KfW & Co gibt es: Sie geht uns nichts an, sofern wir keine Aktien von ihr besitzen. Uuund: Sie ist nicht pleite.
September 27th, 2008 @ 00:29
Und wenn sie pleite ist, wird es “uns” eine Menge angehen. Außerdem ist es naiv, anzunehmen, daß das Wirken einer Großbank nur die Aktionäre etwas angeht. Die heutigen Liberalen scheinen volkswirtschaftlich blinde Betriebswirte zu sein.
September 27th, 2008 @ 18:31
Was soll, dass wir sehen doch gerade, dass die Deutsche Bank selbst in diesen Zeiten nicht Pleite geht, während es all diese bis zum gehtnichtmehr durchkontrollierten Staatsbanken rund um die Welt tun?
September 27th, 2008 @ 21:45
Damit wir uns nicht mißverstehen, mir wäre es auch lieber, daß die Deutsche Bank nicht pleite geht. Denn wenn dieser Fall einträfe, würde es hierzulande ziemlich ungemüdlich werden. Mit Sicherheit ausschließen, kann man das aber wohl nicht mehr.
Seit wann sind die pleite gegangenen Investmentbanken in den USA aber Staatsbanken?
September 28th, 2008 @ 11:08
Man kann auf verschiedene Art und Weise auf die Geldvernichtung bei der HSH Nordbank (und seine Auswirkung bspws. auf den Landeshaushalt SH) reagieren. So sieht das dann im Schleswig-Holsteinischen Landtag aus:
CDU: http://www.ltsh.de/presseticke.....rR-cdu.pdf
SPD: http://www.ltsh.de/presseticke.....cZ-spd.pdf
FDP: http://www.ltsh.de/presseticke.....lU-fdp.pdf
Grüne: http://www.ltsh.de/presseticke.....gruene.pdf
Die schwarzen Sozialdemokraten eiern um eine klare Stellungnahme herum, drohen mit “weiteren Fragen”. Da wird der HSH-Vorstand aber zittern, zumal die roten Sozialdemokraten dem Vorstand bereits das Vertrauen aussprachen. Jeglicher Kommentar zur wirtschaftspolitischen Kompetenz erübrigt sich damit. Die Grünen faseln irgend etwas vom Ende des Neoliberalismus – im Zusammenhang mit einem staatlichen Geldinstitut!
Lediglich die FDP kann sich zu einem klaren Statement durchringen und fordert den Vorstandsvorsitzenden zum Rücktritt. So einfach ist das: Wann, wenn nicht jetzt? Wer, wenn nicht der?
September 28th, 2008 @ 16:11
@ Markus
Die Investmentbanken sind keine Staatsbanken. Wurden aber, soweit ich weiß, vom Staat mal dazu gezwungen, sich von ihrem Geschäftsbankenteil zu trennen. Dass hätte das Risiko einer Pleite heute sicher deutlich mindern können.
Fanny und Freddy waren quasi-staatlich, die Hypothekenkrise letztlich durch die Politik der Notenbank ausgelöst worden. Vor diesem Hintergrund ist es wirklich ein bisschen zu einfach, auf Marktwirtschaft zu schimpfen und zu behaupten, ausgerechnet sie wäre das Problem.
Allerdings hatte ich vor allem Deutschland gemeint.
September 29th, 2008 @ 00:42
@ Jan
Marktwirtschaft ist nicht gleich Marktwirtschaft. Da gibt es eine ganze Reihe an Spielarten. Daß die US-amerikanische wohl nicht die beste ist, dürfte ja jetzt deutlich geworden sein.
Übrigens meine ich, daß der Einfluß von der Wirtschaft auf die Politik manchmal größer ist, als uns allen lieb sein sollte.
September 29th, 2008 @ 02:07
Marktwirtschaft ist und bleibt Marktwirtschaft. Die Spielarten sind doch nur in sofern unterschiedlich, als die Politik halt unterschiedlich Einfluss auf sie nimmt aber gerade dass ist ja dann nicht mehr Teil der Marktwirtschaft.
September 30th, 2008 @ 00:02
Es sage nur: Hypo Real Estate, Fortis und Bradford & Bingley.
September 30th, 2008 @ 06:33
Ja. Immer noch alles mehr oder weniger Kindergeburtstag gegen die großen Pleiten. Und vergessen wir nicht, wer die Krise überhaupt erst ausgelöst hat, nicht wahr?
Oktober 1st, 2008 @ 00:08
Deine geäußerten Ansichten zu den Ursachen der globalen Finanzkrise sind, wenn ich das richtig sehe, nicht einmal bei den ansonstigen Freunden der “freien Marktwirtschaft” in Wissenschaft und der einschlägigen Wirtschaftspresse zu vernehmen. Man muß die Augen vor der Wirklichkeit verschließen, um der Politik die Alleinschuld zuzuschieben. Sicherlich, zuviel Liberalisierung und Deregulierung, wie von der Wirtschaft immer gefordert und von der Politik vollzogen, sind eben schädlich. Vielleicht meinst du das auch so.
Oktober 1st, 2008 @ 09:04
Ich kann ehrlichgesagt selbst bei weit aufgerissenen und auf die Wirklichkeit blickenden Augen nicht erkennen, wo zuviel Liberalisierung Verantwortlich für diese Krise gewesen sein soll.
Okay, würde man Banken und Finanzmärkte komplett verbieten, dann hätte es statt dieser Krise sicher andere (schlimmere) gegeben. Das will ich einräumen. Aber die faulen Kredite aus Amerika waren politisch verursacht und mit denen hats angefangen. Die allermeisten und allerschlimmsten Bankenpleiten haben immer noch bei den Banken stattgefunden, die – angeblich – durch die Politik kontrolliert werden (mit der Begründung, dass sie dann nämlich nicht oder nur gaaaanz unwahrscheinlich Pleite machen können).
Wer ist denn “die Wirtschaft”? Doch wohl letztlich wir alle. Und ja: Ich will gern kaufen und verkaufen dürfen was ich will und wann ich will, bin daher durchaus gegen Grenzen und Schranken auch auf diesem Gebiet. Die vielfältigen Grenzen und Schranken auf den Finanzmärkten haben aber offenkundig diese Krise nicht nur nicht verhindert (auch wenn man uns dass so versprochen hat, schließlich ist dass überhaupt der Grund für das Einführen solcher Regeln) sondern sogar verursacht. Sorry, wenn ich angesichts dessen eher skeptisch bin, wenn jetzt einige politische Betonköpfe (die ulkigerweise normalerweise alle keinen wirtschaftlichen Background haben) zu noch weniger Markt raten.
Oktober 1st, 2008 @ 23:42
Da hast du schon recht, daß Politiker vielfach nicht allzu viel von Wirtschaft verstehen und sich deshalb mit Beratern aus der Wirtschaft und der Wirtschaft nahestehenden Experten umgeben. Das Ergebnis dieser jahrelangen Reformen können wir auf den internationalen Finanzmärkten besichtigen: Zockermentalität und Gier wurden regelrecht herangezüchtet.
Die Theorie der effizienten und stabilen Märkte ist von der Realität widerlegt worden. Diese Art von losgelösten Finanzmärkten haben keinen volkswirtschaften Nutzen, sondern sind zu einer Bedrohung für die Realwirtschaft und den Wohlstand der Menschen geworden. Warnungen vor dem Finanzclash gab`s genug, hören wollte diese in der Finanzwelt und der Politik aber kaum jemand.
Oktober 2nd, 2008 @ 03:11
“und sich deshalb mit Beratern aus der Wirtschaft und der Wirtschaft nahestehenden Experten umgeben”
…auf die sie nicht hören. Und wenn doch, dann auf diejenigen, die es mit freier Marktwirtschaft offensichtlich auch nicht so sehr haben. Et voila, früher oder später kommt dann sowas dabei raus.
Eine Ursache des ganzen Schlamassels dürfte sein, dass die Politik Geld buchstäblich drucken kann – und das hat sie in der Vergangenheit auch getan, ohne dass die Geldmenge noch irgendeinen Bezug zur Realität gehabt hätte.
Oktober 2nd, 2008 @ 23:37
Bleiben wir mal bei den Tatsachen:
Selbst auf den “von der Politik beherrschten Finanzmärkten” kann man sich mit unseriösen Spekulationen in Milliardenhöhe eine goldene Nase verdienen und den entstandenen Scherbenhaufen von anderen aufräumen lassen.
In den USA herrscht übrigens ein “Sozialismus der Reichen”. Die sog. freie Marktwirtschaft ist ein bloße Wunschvorstellung und de facto eine von starken Interessen bestimmte. Wer dort etwa Präsident werden will, muß sich mit der Wirtschaft im allgemeinen und der Wall Street im besonderen gutstehen. Aber das ist ja ein offenes Geheimnis.
Oktober 3rd, 2008 @ 12:44
Endlich verstehen wir uns. Marktwirtschaft ist eben nicht das Problem, sondern die Lösung.
Oktober 4th, 2008 @ 00:03
Der “Sozialismus” ist wirklich nur für die Reichen gut.