Sep 29 2008
Kommunalwahlen gabs ja auch noch
Natürlich blickt jetzt erstmal alle Welt nach Bayern mit seinem überraschenden Wahlergebnis. In Brandenburg wurde aber gestern auch gewählt, wenn auch “nur” kommunal.
Auch dort wird sich die Freude der “Großen” in Grenzen halten:
“In Brandenburg kam die CDU nur auf 19,8 Prozent. Nach Auszählung fast aller Wahlbezirke holten SPD und Linke 25,8 beziehungsweise 24,7 Prozent der Stimmen. Das vorläufige Endergebnis wird erst am Montagnachmittag erwartet.”
schreibt Spiegel-Online heute dazu.
Dass auch Kommunalwahlergebnisse gerne in Landestrends umgerechnet und dann als solche dem Mediennutzer präsentiert werden, ist verständlich – aber ärgerlich. Über das Thema habe ich mich ja schon im Mai im Zusammenhang mit den Schleswig-Holsteinischen Kommunalwahlen ausgelassen.
In Brandenburg haben sich im Landesschnitt über 12 Prozent der Wähler “für unabhängige Wählergruppen und Listenvereinigungen entschieden.”
Und dass scheint mir, “Freie Wähler” in Bayern hin oder her, doch eher eine maßgeblich kommunalpolitische Eigenart in der ganzen Bundesrepublik zu sein.
Was die Vergleichbarkeit von Kommunalwahlen mit anderen Wahlen schon an sich sehr verzerrt. Aber das stört weder die Medien noch die verbreitete öffentliche Wahrnehmung, in Kommunalwahlen so eine Art kleine Landtagswahlen zu sehen und daraus irgendwelche Trends, “Debakel” und Erfolge abzuleiten.
Vielleicht wäre es eine Überlegung wert, Kommunen künftig ihre Wahlen weitgehend selbst gestalten zu lassen. Wahltermine also eigenverantwortlich festzulegen, so dass eben nicht alles gleichzeitig läuft und die eigenständigkeit der Kommunen auch bei Wahlen ein bisschen mehr in den Vordergrund tritt.
6 Kommentare



[...] references: Kommunalwahlen gabs ja auch noch [...]
Stimme Dir vollkommen zu, was die irrsinnige Vergleicherei von Wahlen auf verschiedenen Ebenen angeht. Zu den Medien und der Öffentlichkeit nehme ich aber auch die Parteien-PR-Abteilungen aller Colueur dazu.
Deiner Idee von einer terminlichen Pointierung der Komm.-Wahlen stehe ich skeptisch gegenüber. Nicht noch mehr Wahltage. Dann ist ja immer irgendwo Wahlkampf. Leider werden dann jegliche Trends der Kommunen auf die Länder und von da auf den Bund übertragen. Es geht dann in den Wahlkämpfen noch weniger um die zur Wahl stehenden Kandidaten und die Probleme vor Ort, sondern noch mehr um die Parteien auf der nächsthöheren Ebene.
Ob allerdings 3 Superwahltage mit 5/6 Landtagswahlen/Senatswahlen an einem Sonntag das lösen könnten, weiß ich auch nicht.
Hm, eine echte Kommunalwahl, die wirklich nur innerhalb einer Kommune stattfindet, hätte doch aber einen ganz anderen Charakter. Die Leute würden sehen, dass jetzt nur bei ihnen Wahlen sind, sonst nirgends und schon deshalb ein ganz anderes Gefühl für diese Wahl bekommen. Ich glaube nicht, dass die Bedeutung von Wahlen noch mehr durcheinanderinterpretiert werden kann, als das sowieso schon der Fall ist.
Auch wenn es Dir nicht gefällt: natürlich sind Kommunalwahlen genau wie Landtagswahlen auch Gradmesser für die Arbeit der jeweiligen Partei im Bund. 2003 gab’s in Bayern ja auch den Stoiber-Effekt (Bundestagswahl knapp verloren).
Dass es so ist, dass ist mir schon klar, ich würde diesen Effekt nur gern etwas abmildern, weil er irgendwo eine Fehlentwicklung ist (wie siehst du dass?).
Fände ich auch gut. Aber es ist ein Kreuz mit dem Wähler: der macht was er will.