In Ungnade gefallen
Eine meinem Geschmack völlig widersprechende aber dennoch offenbar recht beliebte Spiesserbrause wird in einem Wuppertaler Lokal nicht länger zur Verköstigung angeboten.
“Neben geschmacklichen und inhaltlichen Gründen (Zuckeranteil, Öko-Test Urteil nur “Befriedigend”) war vor allem die zunehmende Kommerziealisierung ausschlaggebend. Bionade indes klagte eifrig gegen vermeintliche Nachahmer, fing an, die Vertriebswege von Coca-Cola zu nutzen, ließ sich von McDonalds ins Programm aufnehmen und erhöhte erst vor kurzem drastisch seine Preise (von 59 auf 79 Cent).”
Öko-Test-Urteile mögen ja für manche Kunden ja tatsächlich einen Informationswert haben, nicht dass mich sowas jemals interessieren würde. Aber ein falscher Zuckeranteil in einer Brause? Muss man nicht verstehen, oder? Oder vielleicht geht dass auch nur deswegen ein bisschen über meinen Horizont, weil meine drei Grundgetränke eigentlich je nach Situation Bier, Wasser und Milch heißen. Brause ist für mich per Definition so ein süßes Zuckerzeug, dass man vor allem zum Verdünnen von Korn benutzen sollte.
Dass ein Getränkehersteller ernsthaft Geld mit seinen Produkten verdienen will geht natürlich gar nicht, weiß ich auch nicht, was die Firma sich dabei wieder gedacht hat. Nur geschenkte Brause ist gute Brause! Und Vertriebswege von Coca-Cola nutzen, hallo? Oder sich bei McDonalds verkaufen lassen, bei MCDONALDS?! Die PR-Abteilung muss ja völlig durchgeknallt sein, auf solche verrückten Ideen zu kommen.
Was den Preis angeht bin ich scheinbar ohnehin etwas altmodisch. Getränke, die schon im Laden 79 Cent (pro Miniflasche, nehme ich an) kosten, meide ich sowieso wenn es irgendwie geht. Solche, die 59 Cent kosten allerdings auch. Aber Markenprodukt bleibt Markenprodukt und dementsprechend hat der Markenbewusste, ob er nun Spiesser ist oder nicht, dass auch zu honorieren.
Oder halt, wie ich dass ständig mache, Marken links liegen zu lassen.
Nur so nebenbei
Wir, die wir Galgenhumor besitzen, versuchen uns gerade von dem Lachanfall zu beruhigen, den wir bekamen, als uns die Scherzkekse von der KfW erklärten, man habe mit voller Absicht lumpige 320 Millionen an die Bankrotte Lehman-Brothers-Bank überwiesen, beziehungsweise “vergessen”, die sich schon vorher abzeichnende beängstigende Entwicklung der Bank übers Wochenende im Auge zu behalten.
Da hören wir von einer ebenfalls in Staatsbesitz befindlichen und damit für unsere “Grundversorgung” zuständigen Großbank, nämlich der HSH-Nordbank (dass ist die, die dem HSV-Stadion ihren Namen gegeben hat, der leider aber dermaßen sperrig ist, dass jeder, der hin will entweder noch von der “AOL-Arena”, wieder “dem Volksparkstadion” oder einfach “zum HSV” sagt… geiles Werbeinvestment kann man da nur sagen) ebenfalls durch Geschäfte mit Lehman Brothers 500.000.000 Euro verloren hat.
Gut, das klingt für uns, die wir weder Millionär oder höhere Staatsdiener sind vielleicht erstmal viel. Zusammen mit den restlichen schlecht gemachten Geschäften der sämtlichen Schleswig-Holsteinern und Hamburgern “gehörenden” Bank ist aber mittlerweile ein Schaden von 2,3 Milliarden Euro entstanden.
Bei so einer Grundversorgung können wir alle wohl froh sein, dass die ganz normalen Banken sich nicht ganz so leicht haben locken lassen und auch in diesen Krisenzeiten bisher so glimpflich davon kommen.
Was lernen wir daraus? Gar nichts, ich war schon immer der Meinung, dass Wirtschaft wenn es irgend geht nicht durch Politik gelenkt werden sollte. Und wer das anders sieht, der lernt nach meinem Eindruck selbst jetzt auch nicht viel dazu.
Und wer rummault, jetzt müsse ja wieder der Staat und wer auch sonst “helfend” eingreifen, der sollte zumindest kurz zur Kenntnis nehmen, dass diese Hilfen selbstverständlich neue Spekulationsblasen auslösen können. “Marktversagen” ist halt nicht immer einfach ein Versagen des Marktes.
Gedanken zum Ehrenamt
Ich habe schon häufiger erwähnt, dass ich diverse ehrenamtliche Tätigkeiten ausübe. Nichts Besonderes und ich tus auch nicht, damit ich mich hinstellen und feiern lassen kann, sondern weil ich von den Dingen, die ich mache, überzeugt bin. Und weils natürlich Spaß macht, jedenfalls meistens.
Ich unterstelle mal, dass die allermeisten ehrenamtlich in irgendeiner Weise tätigen Menschen ähnliche Gründe haben. Eigentlich sind das ja auch so ziemlich die besten Gründe, die man haben kann, etwas zu tun.
Und es gibt die verschiedensten Dinge, die man machen kann. Angefangen vom Sportverein, wo praktisch immer engagierte Leute gesucht werden über konkrete Hilfsmaßnahmen nach Katastrophen, wie nach dem Tsunami 2004, als z.B. mein Ort spontan eine Art Partnerschaft zu einem Ort in Sri Lanka aufgebaut hat, den es besonders schlimm getroffen hatte, bis hin zur Freiwilligen Feuerwehr, die schon per Gesetz dazu verdammt ist, immer genügend Freiwillige zu finden.
Der Gedanke, der hinter dem Ehrenamt steht, ist urliberal. Er lautet so in etwa: Es muss nicht alles durch den Staat organisiert werden, freies bürgerschaftliches Engagement kann und will viel bewegen, wenn man es lässt. Und wir sehen, das dass in vielen Bereichen ganz wunderbar funktioniert.
Aber: Nicht in allen. Und: Der Wunsch nach noch mehr noch engagierteren Bürgern besteht, oft sogar von staatlicher Seite, die so hofft, weniger Geld für als notwendig erachtete Aufgaben locker machen zu müssen.
Genau solche Überlegungen sind es, die zu Dingen wie der “Ehrenamtscard” führen. Dass ist eine Art Rabattkarte für Menschen, die ein bestimmtes Mindestmaß an Engagement überschreiten. In Niedersachsen muss man für so eine Karte beispielsweise nachweislich 5 Stunden in der Woche oder 250 Stunden im Jahr ehrenamtlich tätig sein.
In meiner Stadt gibts außerdem politische Akteure, die Kindern den Eintritt ins städtische Schwimmbad spendieren möchten, wenn sie irgendwo irgendwas ehrenamtlich machen.
Wie finden wir solche Ideen? Naja, erstmal gut, weil wir sehen, dass die Allgemeinheit ehrenamtliches Engagement mit Steuermitteln belohnt. Ehrenamtlich tätige Menschen geben der Gesellschaft etwas und die Gesellschaft kann ihnen auf diese Weise etwas zurückgeben. Eigentlich fair, oder?
Aber wie verträgt sich eine Gegenleistung mit dem ursprünglichen Gedanken, etwas ehrenamtlich zu tun, statt sich dafür bezahlen zu lassen? Sicher, ein paar Vergünstigungen sind nicht das selbe wie ein Stundenlohn. Aber dennoch besteht die “Gefahr”, dass unter solchen Umständen mancher eben nicht nur aus den ursprünglichen Motiven Spaß an der Sache und der Überzeugung, etwas Gutes zu tun ehrenamtlich handeln möchte, sondern auch, weil ihm dass ein bisschen versüßt wird.
In dem Ausmaß, wie das heute geschieht, muss man dass nicht verurteilen oder schlimm finden. Dennoch ist es eine Art Tabubruch, wenn dass ursprünglich private Ehrenamt immer mehr von staatlicher Seite übernommen und organisiert wird.
Die Ansätze dazu sehen wir bereits heute und wir sollten darauf achten, dass wir nicht irgendwann eine Art bezahltes Ehrenamt haben und es rein privates nicht mehr gibt, weil kein Mensch mehr bereit ist, etwas einfach nur so, eben aus Lust und Überzeugung zu tun. Denn spätestens dann hätten wir jene entsolidarisierte und völlig vom Staatsglauben durchsetzte Gesellschaft, die eigentlich niemand wollen kann.
Die Frage lautet aber: Wo sind die Schmerzgrenzen?
In der ersten Pressemitteilung, die ich in meiner neuen Eigenschaft als OV-Vorsitzender verfasst habe, habe ich die Praxis, Mitglieder der Winsener Jugendfeuerwehr kostenlos ins Schwimmbad zu lassen, als sinnvolle Werbemaßnahme für die städtische Feuerwehr verteidigt. Die Jugendfeuerwehr ist ja eigentlich auch nur zur Hälfte eine ehrenamtliche Organisation. In erster Linie ist sie eine Methode, um Kindern Lust auf die echte Feuerwehr zu machen, bis sie alt genug sind, dort mitzumachen. So gesehen ist eine solche Förderung, wie sie die Stadt Winsen mit dem freien Eintritt ins Schwimmbad betreibt, nur ein kleiner Ausbau der Nachwuchsförderung der Feuerwehr.
Diese Ehrenamtscard ist da schon ein anderes Kaliber. Allerdings kriegt die ja wirklich nicht jeder. 5 Stunden wöchtentlich oder 250 Stunden im Jahr, dass dürften eher wenige Menschen an Zeit für Ehrenämter aufbringen. Schwer vorstellbar, dass jemand nur aufgrund dieser Karte und der Vergünstigungen, die sie ihm bringt, sein Engagement von Null auf ein solches Maß steigert. Ich denke daher, sie geht in Ordnung – auch wenn ich ihren Sinn insgesamt dann doch anzweifle. Der mit ihr verbundene Aufwand scheint mir nämlich im Verhältnis zu ihrem Nutzen weit jenseits jeder Vernunft zu liegen – aber meine Güte, das tut ja nun weiß Gott Vieles…
Worauf es in diesem Zusammenhang jedoch wirklich ankommt, ist der Gedanke, dass Ehrenamt Ehrenamt und Hauptamt Hauptamt bleiben muss. Wenn der Staat oder eine Regierung der Meinung ist, dass bestimmte Ehrenämter so wichtig sind, dass sie nicht länger freiwillig und allein aus Überzeugung und Spaß an der Sache ausgeübt werden sollten, dann wäre dass einzig Folgerichtige, daraus einen ernsthaften Job zu machen, der aber dann auch bezahlt werden muss. Ein Mischding aus beidem braucht kein Mensch.
Auch in Bayern würde ich FDP wählen
Sagt mir der Wahl-o-Mat zur Landtagswahl.
Aber wahrscheinlich habe ich ein paar mal zu oft “ist mir egal” geklickt (na bin halt kein Bayer, vieles ist mir da halt nunmal egal…), denn meine Präferenzen sehen wie folgt aus:
- 39% FDP
- 28% Die Linke
- 26% Freie Wähler
- 25% Die Grünen
- 22% CSU
- 20% SPD
Tja, was soll man dazu sagen? Wär das jetzt nicht bloß die Bayernwahl, sondern eine, an der ich teilnehmen könnte, würde ich jetzt ernsthaft gucken, was ich zum Beispiel mit der Bayrischen Linken gemeinsam habe und wieso die SPD dermaßen abgeschlagen ist. Die Grünen würde ich ungeachtet der mir unterstellten Präferenz schon deswegen nicht wählen, weil ich den Verdacht habe, dass diese tolle Idee mit dem Tempolimit eindeutig aus deren Programm stammt. Sowas geht mal gar nicht, egal wieviel sonst für diese Partei sprechen mag.
Dass die CSU noch 22% bekommt, obwohl in dem Fragenkatalog Killerspiele, Onlinedurchsuchungen und Atomkraftwerke vorkamen, überrascht mich ebenfalls etwas.
Naja und zu guter Letzt sind 39% Gemeinsamkeiten mit dem FDP-Programm natürlich auch etwas weniger, als ich das von anderen Wahl-o-Maten gewohnt bin.
Vielleicht ist Bayern einfach insgesamt ein bisschen speziell?
Von gelb zu braun
Das ist doch mal ein wirklich geiles Zitat:
Na ja, von Gelb zu Braun ist es ja nicht wirklich weit.
Und auch
Es ist keine Unverschämtheit Euch mit den Extremisten “jeglicher Couleur”, in eine Ecke zu stellen. Denn genau dort gehört Ihr hin. Nicht weil ihr Nazis oder Linksextreme seitd. Nein das seid ihr nicht. Aber Eure Ideologie bestellt das Feld, dessen Boden deren Ideologien nährt.
Das erste ist eine dumme Frechheit und sonst gar nichts. Es lohnt sich nicht, solchem Unsinn übermäßig Beachtung zu schenken, denn wer sowas schreibt, der hat keine Ahnung.
Das zweite Zitat ist dafür geradezu entlarvend.
Die liberale Ideologie also “bestellt das Feld” (du meine Güte…) auf dem sich extremistische Ideologien bilden können.
Natürlich ist es nichts als dumme Krawallmacherei zu behaupten, Liberale gehörten in die selbe Ecke wie Nazis. Wer unter der Nazi-Diktatur liberal aufgetreten ist,der hat es genauso mit den staatlichsterroristischen Verbrechern in Uniform zu tun bekommen wie Sozialdemokraten, Kommunisten oder Homosexuelle und wen man sonst noch alles für undeutsch erklärt hat. Das ist eine Binsenweisheit, die eigentlich jeder aus dem Geschichtsunterricht hätte mitnehmen sollen.
Dem letzten Satz aber, dem stimme ich uneingeschränkt zu, denn es ist die Definition des Liberalismus, auch Meinungen andersdenkender zuzulassen.Es gibt viele politische Kräfte, die das nicht wollen. Die Parteien verbieten wollen, Denkverbote einführen und sogar bloße politische Symbole verbieten, weil sie denken, damit die Welt zu einem besseren Ort zu machen.
All dass lehnt der klassische Liberalismus ab. Der Liberalismus ist wahrscheinlich die einzige Ideologie, in der die Schaffung und Bewahrung andersdenkender Konkurrenz-Ideologien geduldet wird, ja sogar Teil der Ideologie ist.
Dass macht es einfach, gegen den Liberalismus zu kämpfen. Freiheitnehmende Ideologien dagegen verbieten einfach bestimmte Äußerungen und versuchen so die Meinungsführerschaft zu erringen oder zu behalten. Der Liberalismus ist da offener und ehrlicher und will sich mit Argumenten verteidigen, statt mit Verboten dass macht ihn für mich zur einzigen wirklich sympathischen politischen Weltanschauung. Alle anderen setzen normalerweise immer zumindest in einigen Punkten gleiche Sichtweisen aller Menschen voraus (beziehungsweise setzen sowas dann gewaltsam durch).
Was wären wir denn für Liberale, wenn wir die dummdreisten hirnlosen Sprüche extremer Linker und Rechter nicht ertragen und mit echten, liberalen Argumenten dagegen halten würden, sondern es den extremen Linken und Rechten gleichtun würden und sofort mit der Verbotskeule um uns schlagen würden, wenn irgendwer etwas sagt, dass uns nicht in den Kram passt?
Deutlicher, als mit dem Zitat oben, kann man gar nicht zeigen, dass man sich in Wahrheit eine Diktatur wünscht, in der nur “gute” (oder was immer die jeweilige Regierung dafür hält) Dinge gesagt werden dürfen.
“Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.”
Voltaire
“Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden. Nicht wegen des Fanatismus der »Gerechtigkeit«, sondern weil all das Belebende, Heilsame und Reinigende der politischen Freiheit an diesem Wesen hängt und seine Wirkung versagt, wenn die »Freiheit« zum Privilegium wird.”
Rosa Luxemburg
“Ich gehe in die Politik!”
In wenigen Wochen jährt sich meine FDP-Mitgliedschaft zum 8. Mal. Das macht mich zwar nicht zu einem alten Hasen, weil ich erst in den letzten eineinhalb Jahren wirklich aktiv geworden bin. Die Entscheidung, in die Politik zu gehen und Mitglied der FDP zu werden, die ist aber trotzdem schon eine Weile her.
Genau daran habe ich mich aber gerade wieder erinnert, als ich den Artikel des Bloggers Sebastian Küpers aus Berlin gelesen habe, in dem er mit der oben genannten “Drohung” erklärt, dass er sich neuerdings politisch engagieren will und darum Mitglied in FDP und auch noch gleich bei den JuLis geworden ist (letzteres kam bei mir mangels vorhandenem Kreisverband erst viel später).
Im Rahmen seines neuen politischen Engagements hat Sebastian zusätzlich zu seinem sehr techniklastigem (aber nicht uninteressantem) normalen Blog auch gleich ein spezielles für politische Themen gestartet.
Und dass findet sich ab sofort in meiner Blogroll (und bald wahrscheinlich auch bei den JuLi-Blogs).
Podcasten tut Sebastian übrigens auch. Sehr Web-affin, der Mann – solche Leute gibt es aber viel zu wenige in der aktiven Politik. Schön, dass es jetzt einer mehr ist;)
Der, die, das Blog und allgemeine Sprachverwirrung
Es fällt auf, wie sehr die Frage, ob es der oder das Blog heißt, die (deutschsprachige) Menschheit spaltet. Nach meinem Eindruck sagen ungefähr so viele Leute der, wie das Blog sagen, weshalb Demokratie zur Ermittlung des korrekten Geschlechtes von Blogs wohl ausfällt.
Ich habe von Anfang an immer das Blog gesagt. Anfangs eigentlich nur, weil ich das wahrscheinlich öfter so gelesen habe, als andersrum.
Aber da das eben so eine ewige Streitfrage zu sein scheint, habe ich mir irgendwann mal eine brauchbare Begründung dafür aus den Rippen geleiert. Ich habs halt nicht so gerne, wenn ich mir selber nicht erklären kann, warum ich etwas so und nicht anders mache und dann such ich mir eben Erklärungen dafür.
Gegen den “männlichen” und für das “sächliche” Blog sprechen für mich vor allem zwei Punkte:
Blog kommt von Weblog, dass sich aus und Web Log zusammensetzt. Ein Blog ist also eine Art Logbuch. Nur kein Buch, sondern im Web. Und wie ein Log wird es mehr oder weniger regelmäßig geführt (wahrscheinlich nicht ganz so regelmäßig, wie man ein Logbuch führen sollte). Naja und es heißt nunmal einfach das Log, dass ist nunmal so.
Mein zweites Argument ist weniger hübsch hergeleitet und ziemliches Stochern im Nebel: Ich glaube, die Wendung der Blog ist überhaupt nur deswegen entstanden, weil Menschen mit weniger ausgeprägtem Sprachgefühl Blog gehört und Block gedacht haben. Der Block, wie n Schreibblock vielleicht, steht ja schließlich auch was drin… und weil diese Menschen zahlreich genug waren und nicht jeder die Frage nach dem der oder das so wichtig findet wie ich alter Erbsenzähler, hat sich das halt ausgebreitet. Aber da die Ableitung ziemlich absurd ist, spräche diese Entstehungstheorie (um mir eine bessere auszudenken habe ich bisher leider nicht die dazu nötige Langeweile gefunden) eindeutig für das Blog.
Vielleicht hat der eine odere Leser zu diesen wichtigen Fragen noch andere Theorien auf Lager, gerne auch welche, die für ein der sprechen, denn dafür ist mir bisher keine eingefallen. Und es wäre irgendwie traurig, wenn meine eigene sich am Ende als die tatsächlich Richtige Herausstellen sollte…
Im Sprachlichen Umgang mit Blogs gibt es noch ein weiteres Problem: Was ist eigentlich ein Blog?
Unstrittig ist, dass es sich dabei um eine Internetseite handelt. Ich glaube, das unterschreibt jeder. Aber viele, die mir erzählen, sie hätten ein Blog von mir gelesen, verursachen damit erstmal leichtes Stirnrunzeln, weil ich eigentlich nur eins habe, diese Person aber natürlich auch einen Artikel von mir an anderer Stelle gelesen haben könnte und deswegen das so sagt.
Mit dieser ersten Reaktion liege ich aber stets verkehrt, weil für manche Menschen ein Blog von mir auch ein einzelner Artikel von mir sein kann.
Ich hab keine vernünftige Erklärung parat, die dass als richtig falsch verurteilen könnte (meine obige mit dem Log spricht sogar eher dafür, dass das schon richtig so sein könnte), ich kriegs einfach nur nicht in meinen Kopf. Für mich besteht ein Blog halt nicht aus Blogs, sondern aus Artikeln.
Aber vielleicht lern ich das ja auch noch mal…
Wieder mal was für die Blogroll
Vater und Sohn bloggen gemeinsam. Und dann auch noch politisch. Und dann auch noch der eine als FPD-Kreisverbandsvorsitzender und der andere als SPD-Mitglied und Jungsozialist.
Das finde ich eine absolut interessante Mischung. Jetzt muss ich nur noch überlegen, wie ich dass kategorisch einordne, denn auf so einen Mix bin ich eigentlich nicht vorbereitet…
“Willen braucht man. Und Zigaretten” ist das Motto – das muss ja interessant werden;)
Darum: Reydt.net ab sofort auf der Blogroll (und in meinem Reader natürlich auch).
Deutsche neigen zu Intoleranz
Dass muss man jedenfalls befürchten, wenn man sich diese Studie, auf die Zettel gestoßen ist, ansieht:
25 Prozent der Deutschen haben nämlich zum Beispiel welche gegen Juden. Jeder vierte Deutsche hegt also Vorurteile gegen Juden.
Gegen Moslems weiß sogar jeder zweite Deutsche etwas vorzubringen. Und dass sogar ohne, dass hierzulande jemals irgendwelche Verrückten mit irgendw3elchen hirnlosen Religionsbezeugungen sich und einen Haufen Unschuldiger in die Luft gejagt hätten.
Das scheint ohnehin nicht unbedingt Ausschlaggebend für die Vorurteilsfreiheit zu sein. Denn in Amerika liegt der Anteil bei nur 23 Prozent (was immernoch viel ist aber wer im Glashaus sitzt…).
Alles in allem neigen offensichtlich viel zu viele Deutsche zu Fremdenhass und Misstrauen gegenüber anderen Kulturen. In Einzelfällen ist das vielleicht sogar nachvollziehbar aber insgesamt doch ziemlich besorgniserregend. Zumal wir ja sehen, dass es anderswo eben doch toleranter zuzugehen scheint.
Es genügt anscheinend doch nicht, ein bisschen Multikulti zu feiern und zum Dönermann essen zu gehen, um Vorurteile abzubauen. Ein bisschen mehr Weltoffenheit insgesamt, ein bisschen mehr Neugier und auch Mut, sich mit Fremdem (Länder, Menschen, Kultur) zu beschäftigt könnte wohl vielen nicht schaden.
“Bildungssoli”
Erinnert sich jemand, wann die Schaumweinsteuer eingeführt wurde? Nein? Würde mich auch wundern, die gibts nämlich seit 1902.
Sie wurde eingeführt, um die Kaiserliche Flotte und den Bau des Kaiser-Wilhelm-Kanal zu bauen. Die Kriegsflotte ist im erstern Weltkrieg untergegangen, den Kanal gibts immer noch, ist aber, auch dank dieses durstigen Völkchens immerhin auch längst abbezahlt.
Die Steuer aber gibts immernoch und verteuert die 0,75-Liter-Flasche Sekt um ungefähr einen Euro.
Droht also ein neuer Krieg, dass eine neue kaiserliche Flotte vonnöten wäre? Nein, natürlich nicht. Deutschland ging seit 1902 zweimal unter, erlebte nach der Kaiserzeit zwei Diktaturen und ein Wirtschaftswunder. Doch diese Steuer hat das alles locker überlebt. Man erfand immer wieder neue Verwendungszwecke – und wer würde das nicht, wenn die Alternative “weniger Geld haben” wäre?
Das ist nur das Paradebeispiel für dass, was sich nun einige aus SPD und Grünen auf die Fahnen geschrieben haben: Der Solidaritätszuschlag soll bleiben und künftig “Bildungssoli” heißen – oder wenigstens für Bildung ausgegeben werden.
Fragt man sich: Wieviele solidaritätsbedürftige Schulen hat der Bund denn, dass er dafür eigens eine Abgabe bräuchte? Ach nein, sorry. Hab ja ganz vergessen, dass Föderalismus für viele Politiker sowieso keine Rolle mehr spielt.
Bildungs ist Ländersache und wenn die Schulen nichts taugen, dann gehört vieilleicht die Landesregierung abgewählt oder wenigsntes beschimpft, aber doch nicht eine zur Abschaffung bestimmte Sondersteuer einfach umfunktioniert!
Es ist überhaupt nicht einzusehen, warum der Solidaritätszuschlag erhalten werden muss, statt wie gehabt Bildung aus den normalen Steuermitteln zu finanzieren. Dass da mehr Geld nötig ist, ist jedem klar.
Aber wenn man zum Beispiel mal eine Pleite-Bank weniger gerettet und so mal schnell 10 Milliarden Euro gespart hätte (das entspricht übrigens ziemlich genau der geplanten Neuverschuldung des Bundes, wenn ich das richtig im Hinterkopf habe), hätte man jedem Bundesbürger (vom Säugling bis zum Rentner) gut 120-Euro-Gutscheine für Aus- und Weiterbildung in was auch immer in die Hand drücken können.